Auf Wiedersehen, Deutschland !

Ich hatte sehr lange überlegt, wie ich den Beitrag überschreiben sollte: „Good Bye, Deutschland“, „Neuseeland wir kommen“, „Wir haben es geschafft!“ oder „Wir sind auf dem Weg“ oder, oder…
Letztlich finde ich „Auf Wiedersehen Deutschland“ am schönsten, denn es drückt ja beide Perspektiven aus. Einmal das Abschiednehmen und Loslassen, aber auch das Wiederkommen. Und wir wollen ja irgendwann – hoffentlich körperlich und geistig unversehrt – wieder zurückkommen, natürlich mit einem Riesensack voller Erlebnisse und Abenteuer, die wir dann mit den „Zurückgebliebenen“ gerne teilen wollen. Sicherlich werden wir an der einen oder anderen Stelle Lehrgeld zahlen müssen, ich denke da z.B. an die Sprachbarriere, aber ich denke, wir werden das packen.

Wir sitzen jetzt im Hotel Ibis in Kelsterbach in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Frankfurt und haben noch eine Nacht bis zum Abflug nach Taiwan vor uns. So haben wir Zeit, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Sie waren vor allem geprägt von vielen Formalien, die noch erledigt werden mussten. Von den ganzen Ummeldungen und Abmeldungen über Postnachsendeaufträgen bis hin zur vollständigen Auflösung und Übergabe unserer Wohnung. Alles Probleme, die ja erst durch unser Reisevorhaben generiert worden sind. In solchen Fällen pfleg(t)e ich immer zu sagen: „selbstgemachtes Elend“ 😊

Geblieben sind uns 60 kg Gepäck, die wir mit auf die Reise nehmen können. Davon sind übrigens schon 16 kg Tauchgepäck. Hoffentlich können wir schon mal in Neuseeland tauchen gehen, damit sich der Aufwand auch lohnt. Wenn man die zwei Reisetaschen und den Seesack sieht (und die zwei Rucksäcke) ist es nicht Allzuviel, was von unseren bisherigen Dingen übrigbleibt. In unserem Camper sind ja nur Küchengeschirr, Campingzubehör und Werkzeug, keine persönlichen Dinge. Eingelagert haben wir nur relativ wenige Möbel und Technik, wie Waschmaschine, Wäschetrockner, Kühlschrank und Gefriertruhe. Natürlich steht auch mein 4k-Fernseher dort und wartet, dass er wieder schöne Filme zeigen darf. Und über allem wacht Ganesha, den wir uns 2001 aus Indien mitgebracht hatten und der unseren Weg seitdem begleitet.

Verabschiedungen

Wir nutzten im September eine Woche, um uns persönlich von Freunden und Verwandten zu verabschieden, die nicht in unserer Nähe wohnen. Wir fuhren von Meckenheim nach Berlin und Brandenburg. Von dort ging es nach Sachsen in Richtung Dresden und Löbau/Herrnhut und schließlich fuhren wir noch an den Bodensee. Insgesamt waren es neun „Stationen“ und wir sind mit unserem Camper über 2300 km gefahren.
In den letzten zwei, drei Wochen haben wir uns vor allem von den Freunden verabschiedet, die hier im Rheinland wohnen. Nicht von allen konnten wir uns persönlich verabschieden, manchmal muss eben das Telefon oder auch eine WhatsApp-Nachricht oder E-Mail reichen.

Aber bei allen war es ein „Auf Wiedersehen“ (bis ???)

Wohnungsauflösung

Entgegen unseren ursprünglichen Erwartungen war es schwierig bis unmöglich, viele Dinge von denen wir dachten, dass sie noch gut und/oder werthaltig sind, zu verkaufen. Wir versuchten es über die üblichen Plattformen, bis hin zu Aushängen in unserem Supermarkt. Letztlich haben wir eine ganze Reihe von Dingen an die Bedarfshilfe in Meckenheim „Kaleidoskop“ kostenlos abgegeben. Moni war zum Schluss dort schon persönlich bekannt. Auf jeden Fall hatten wir damit ein gutes Gefühl, Bedürftigen mit unseren Dingen helfen zu können.

Prospekt der Bedarfshilfe Meckenheim „Kaleidoskop“

Ein großes Sorgenkind war unsere Küche, denn die wollten wir nicht unbedingt mitnehmen, aber auch nicht wegwerfen. Unser Vermieter hat sie aber nach einer persönlichen Besichtigung der Wohnung übernommen. Damit war wieder ein Problem gelöst.

In einer letzten großen Aktion am vergangenen Wochenende mieteten wir uns einen großen Iveco Daily bei Sixt. Zuerst fuhren wir die Dinge, die wir weder gebrauchen noch verkaufen konnten auf die Deponie. Am nächsten Tag half uns Andreas, unser Sohn, den letzten Möbeltransport in unsere neue Wohnung zu organisieren. Das war noch einmal ein Kraftakt, denn vor allem die schweren Dinge wie Waschmaschine, Trockner u.ä. wollten transportiert werden. Es hat zwar alles länger gedauert, wie ich geplant hatte, aber wir haben es ohne Schäden an den Möbeln, an dem riesigen Miet-Auto und an uns bewältigt.

Danach war für den Rest des Wochenendes putzen der alten Wohnung angesagt. Moni und ich schrubbten alles noch einmal gründlich und die vielen Dübel-Löcher, die die Lampen oder Gardinenstangen hinterlassen hatten, wollten auch beseitigt werden.

Aber die Mühen haben sich gelohnt, denn am Montag konnten wir ohne größere Probleme dann unsere Wohnung an die Hausverwaltung übergeben

Von offline und analog hin zu online und digital

Sehr wichtig war für uns, möglichst alle Angelegenheiten online erledigen zu können. Auch wenn Deutschland noch viel Aufholbedarf hat, wenn ich zum Beispiel an Estland denke, sind mittlerweile viele Services online verfügbar.

Online-Banking haben wir schon seit vielen Jahren gemacht, da gab es keinen großen Handlungsbedarf, wir wollten nur sicherstellen, dass uns unsere Hausbank nicht irgendwann die Kreditkarten sperrt, wenn plötzlich alle Buchungen aus Neuseeland oder Australien erfolgen.
Nachdem ich in den vergangenen Jahren gezögert hatte, stellte ich jetzt auch die Steuerklärung auf Online/Digital um. War zwar etwas komplizierter, aber bis jetzt hat es funktioniert. Ich stelle es mir schön vor, an einem neuseeländischen Strand bei einem kühlen Bier die deutsche Steuererklärung machen zu können…
Wir haben auch alle unsere Versicherungen auf den Prüfstand gestellt, uns von vielem getrennt und einiges verändert. Mein Tipp: Immer die Laufzeit der Verträge prüfen, die meisten Versicherungen sind jährlich und man kommt aus den Verträgen nicht so ohne weiteres heraus. Auch meinen Internet-Zugang per DSL muss ich noch bis Juli 2020 weiter bezahlen.
Insgesamt kann man schon sehr viel online erledigen. Sogar die Beihilfe ( grob gesagt die „Krankenversicherung des Bundes für Beamte“) kann ich jetzt vollständig online abwickeln.

Auslands-Krankenversicherung Moni

Da Moni in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, mussten wir uns etwas überlegen, da der Schutz im Ausland nach relativ geringer Zeit erlischt. Als einzige vernünftige und wirtschaftliche (= bezahlbare) Alternative gibt es eine 2-Jahres-Auslands-Krankenversicherung des ADAC. Die konnte Moni sogar per Telefon und Online abschließen. Wieder ein Problem gelöst!

Für Tech-freaks

Schon seit längerem hatte ich mit einer Möglichkeit geliebäugelt, im Notfall eine Möglichkeit zu haben, auch ohne Mobilfunk-Netz bei Bedarf Hilfe anzufordern. Immer wieder gab es ja Nachrichten z.B. aus Australien, die einen nachdenklich stimmen (im Link auch den Verweis auf einen anderen Notfall anklicken).

Nach langer Zeit und mehrmaligen Umentscheiden habe ich letztlich bei Garmin ein kleines Gerät zur Satellitenkommunikation gekauft. Es gab ein Kombigerät zwischen einem GPS-Handheld und Satellitenkommunikation aber erstens war das ziemlich teuer und zweitens habe ich ja schon das GPSMap64s, das hervorragend funktioniert und an das ich mich auch gewöhnt habe. Also bestellte ich das Garmin InReach Mini. Im Bild sieht man links das normale GPS-Gerät und rechts das superkleine InReach Mini. Selbst mich als Technik-affiner Zeitgenosse erstaunt immer wieder, dass man mit einem solchen Gerät via Iridium-Satellitennetzwerk kommunizieren kann .

Das Ganze funktioniert im Notfall wie folgt:

  • Der InReach hat eine SOS-Taste, die muss man im Ernstfall drücken.
  • Damit wird ein Notruf mit der aktuellen Position anhand der GPS-Daten an die GEOS-Zentrale gesandt. GEOS gehört zu den führenden Anbietern für Notfallhilfe-Lösungen und Überwachung. Die Zentrale ist das ganze Jahr über rund um die Uhr besetzt, um auf einen SOS-Notruf zu reagieren, das Gerät zu orten und die entsprechenden Kontakte und Notfalldienste in dem Gebiet zu benachrichtigen. Man erhält eine Bestätigung, dass Hilfe unterwegs ist, und kontinuierliche Updates zum Status des Rettungseinsatzes.
  • Alles funktioniert ohne Mobilfunk-Netz; ausschließlich über direkte Satellitenkommunikation.

Natürlich kann das Gerät noch viel mehr:

  • GPS-Tracking via Satellit direkt auf eine Website, sozialen Medien wie Facebook, einen Blog oder ähnliches, damit Freunde und Verwandte die Reise in Echtzeit verfolgen können
  • Man  kann vorgefertigte oder auch eigene SMS Nachrichten senden und empfangen („Komme später“, …)
  • Aktuelle Wetterdaten können standortbezogen abgerufen werden.
  • Der InReach-Mini kann mit Smartphones oder Tablets gekoppelt werden, um die Kommunikation zu vereinfachen.

Vorbereitungen für Neuseeland

Papierkram

Während die Talisman mit unserem „Rangie“ schon über den Pazifik schippert, erhielten wir noch zwei wichtige Dokumente: einmal die „Bill of Loading“ und vor allem das Zertifikat zur Behandlung gegen Stinkwanzen unseres Campers. Entgegen unseren bisherigen Informationen war der Camper nicht mit heißer Luft, sondern mit Gift , d.h. Sulfurylfluorid behandelt worden. „Sulfurylfluorid ist ein farb- und geruchloses Gas, welches als Insektizid bei Lebensmitteln wie Getreide, Nüssen, Schalen- und Trockenfrüchten Anwendung findet“ (Wikipedia).
Ich hoffe nur, dass das Gas bis Auckland verschwunden ist.

Organisation Abholung Camper

Die Partnerfirma von „Seabridge for Motorhomes“ aus Düsseldorf ist in Auckland die Firma Hawk Ellery. Unser Ansprechpartner ist übrigens Geoff Sherson (siehe „Team“ auf der Website).

Wir nahmen mit Geoff Kontakt auf, um die Übernahme des Campers abzustimmen. Das Problem ist, dass der Camper theoretisch am Freitag den 6. Dezember ankommt und auch wir am Freitagabend von Taiwan einfliegen. Samstag und Sonntag wird aber am Hafen nicht gearbeitet, so dass wir erst am darauffolgenden Montag die Abholung initiieren können. Mit der Firma haben wir jetzt vereinbart, dass wir am Montag sehr früh (ab 06:15 Uhr !!!) das Original Carnet de passages vorbeibringen und wir vor Ort natürlich auch noch die ca. 300 € Hafengebühren bezahlen. Eine elektronische Kopie des Carnets sowie die Ladungspapiere hat die Firma schon.

Mitgliedschaft Camping-Club

Alle einschlägigen Erfahrungsberichte über etwas längerfristigen Campingaufenthalt in Neuseeland besagen, dass das Camper-Leben ohne Mitgliedschaft im neuseeländischen Campingclub NZMCA (New Zealand Motor Caravan Association Inc) ziemlich schwierig ist. Also wollten auch wir Mitglied in diesem Verein werden. Bei der Anmeldung musste ich feststellen, dass als Ausländer eine Mitgliedschaft ohne Mitgliedschaft in einem vom NZMCA anerkannten Verein nichts geht. Also wurden wir zuerst Mitglieder im Deutschen Camping-Club e.V.  und gleich noch im FICC, dem übergeordneten internationalen Campingclub.

Nun war der Weg frei für die Mitgliedschaft im neuseeländischen Camping-Club:

Noch haben wir nur eine Mitgliedsnummer, die Unterlagen müssen wir uns in Auckland vor Ort abholen.

Kfz-Versicherung in Neuseeland

In Neuseeland gibt es keine obligatorische Kfz-Haftpflichtversicherung, aber es ist sinnvoll – gerade als Ausländer – eine entsprechende Versicherung abzuschließen. Grundsätzlich gibt es drei Typen:

  1. Die „comprehensive insurance“ (entspricht Kasko/Teil-Kasko)
  2. Die „third party insurance“ (reine Haftpflicht)
  3. Die „third party insurance with fire and theft“ (erweiterte Haftpflicht)

Als neues Mitglied im NZMCA konnte ich auch eine extra-Versicherung für den Camper bei COVI abschließen. Das ist eine Versicherung, die in etwa mit einer Mischung aus Kasko- und Vollkasko-Versicherung zu vergleichen und speziell für NZMCA-Mitglieder verfügbar ist.

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