Hamilton und Waitomo

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Für Donnerstag, den 02.01.2020 hatten wir uns vorgenommen, die Sehenswürdigkeiten rund um Hamilton „abzugrasen“ und frühestens am nächsten Tag weiter zu fahren.

Nach dem Aufstehen sahen wir eine merkwürdige Sonne. Sie stand schon ziemlich weit oben, war aber wie von einem merkwürdigen Schleier bedeckt.

Wir wunderten uns ein bisschen über dieses Naturphänomen, aber am nächsten Tag las ich in der Zeitung die Aufklärung. Die Verdunklung waren die Reste der Rauchschwaden der riesigen australischen Buschbrände, die in großer Höhe über die Tasmanische See über 1300 km bis nach Neuseeland gezogen sind. Dabei werden die Rußpartikel zu Kondensationskernen/Kondensationskeimen (engl. Cloud condensation nuclei) und interagieren mit dem Licht und der Feuchtigkeit der Luft. Sie sind nur 1/100 mal so groß wie ein normales Wassertröpfchen, an dem sonst die Wolkenbildung stattfindet.

Zudem war in der FAZ zu lesen, dass sich Ruß und Asche auch auf den Gletschern der Südinsel abgesetzt hat und man befürchtet, dass dies weiter zum schnelleren Abschmelzen der Gletscher führen wird.

Von den globalen Problemen zu kleinen. Unser erstes Ziel für den heutigen Tag war das Städtchen Ngaruawahia, etwa 20 km entfernt von Hamilton. Hier ernannten die Maori-Stämme 1856 den ersten Maori-König. Dies geschah auch unter dem Druck der verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen 1843 und 1872, wo es trotz des Abkommens von Waitangi von 1840, vor allem Konflikte zwischen den Einwanderern und den Maori gab. Auch zwischen den Maori gab es Kämpfe, denn einige Stämme kämpften auf der Seite der Briten.

Es gibt auch heute noch einen König der Maori, der allerdings keine weltliche Macht mehr hat, aber unter den Maoris hoch angesehen ist. Wir konnte die Residenz im Turangawaewae Marae (Versammlungsplatz) nur von außen besichtigen, denn sie wird nur einmal im Jahr für Besucher geöffnet. Sie liegt am Zusammenfluss zweier wichtiger Flüsse und die Umgebung ist heute sehr schön als kleiner Park ausgebaut.

Die Skulptur ist eine Darstellung der Tätowierungen der beiden ersten Könige der Maori, Pootatau Te Wherowhero und seines Sohnes Taawhiao als sein Nachfolger in Form einer Maske.

Die nächste Station war die erste heiße Quelle, die wir besuchen wollten. Allerdings sind wir mit unseren Erfahrungen der Hot Pots aus Island zu sehr verwöhnt, denn die Waingaro Hot Springs sind eigentlich ein Freibad mit zwei verschiedenen relativ kleinen Becken, die mit heißem Wasser unterschiedlicher Temperatur gefüllt sind (eines ca. 32…34°C, eines zwischen 37…38°C). Alles war ziemlich in die Jahre gekommen, aber wir genossen trotzdem die warmen Bäder und relaxten eine Stunde.

Die Waingoro-Quellen liegen am Thermal Explorer Highway, der die Nordinsel auf ca. 450 km durchquert.

Als Kontrast dazu hatten wir uns die Küste bei Raglan ausgesucht, diesmal mit schwarzem Sand und beworben als Surfer-Spot. Das Wetter hatte sich etwas gefangen und so stellten wir unser Auto ab und gingen die steile Straße hinunter zum Ngarunui Beach.

Der Strand war wie immer riesig lang, für neuseeländische Verhältnisse war es aber auch proppenvoll. Baden durfte man nur in einem schmalen Bereich, wo die Rettungsschwimmer stationiert waren und den Bereich mit Fahnen abgesteckt hatten. Der Rest war den Surfern und Kite-Surfern vorbehalten, aber auch für sie gab es einen entsprechenden Wachturm. Das Wasser hatte kühle 18°C, es gab viele kräftige Wellen (gut für die Surfer, nichts zum Schwimmen). Trotzdem sprangen wir zweimal ins Wasser, planschten in den Wellen und beobachteten danach entspannt die Surfer. Vom völligen Anfänger bis hin zum Könner (aus unserer Laien-Sicht) war alles dabei.

Letzte Station war der Bridal Veil Falls (Brautschleier-Wasserfall), ein 55 m hoher Wasserfall. Er lag 20 Minuten Autofahrt vom Strand entfernt, irgendwo zwischen den Hügeln, wo die Schafe und die Rinder weideten. Den Einstieg in den Weg zum Wasserfall konnte man nicht verfehlen, da schon etwa 30 Autos geparkt hatten. Es verlief sich aber, und der knapp 10 minütige Weg durch richtigen Wald war sehr schön. Da das Wasser auch von den umliegenden Farmen kam, gab es ein entsprechendes Hinweisschild, dass das Wasser schmutzig und nicht zum Baden geeignet ist.

Zufrieden fuhren wir wieder nach Hamilton zurück und verlängerten unseren Aufenthalt gleich noch um einen Tag, denn morgen wollen wir wandern gehen.

Der Pirongia Forest Park befindet sich nicht weit entfernt von Hamilton und bietet eine Vielzahl von Wanderwegen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades. Daher wollten wir am Freitag, den 03.01.2020 die Wanderstiefel schnüren und unsere erste größere Wanderung in Angriff nehmen. Aber schon bei Aufstehen kam der erste Dämpfer, es regnete. Es war ein feiner Landregen und so richtig konnte man nicht abschätzen, wie es weiter geht. Monis Laune sankt gegen Null, aber wir beschlossen einfach los zu fahren, denn das Wetter ändert sich ja schnell. Außerdem brauchten wir noch Proviant für die Wanderung und gingen schnell noch einkaufen. Trotzdem war es mit der Anfahrt zum Eingang des Naturschutzgebietes schon gegen 10:00 Uhr, ehe wir loslaufen konnten.

Ziel war der Gipfel des Pirongia in 959 m Höhe. Am Parkplatz in 375 m Höhe war eine Tafel aufgestellt, die für die 6,5 km und rund 600 Höhenmeter eine Zeit von 3…5 Stunden (hinauf und hinunter auswies). Eigentlich dachten wir, es wäre locker zu schaffen, aber der Weg wurde steil und steiler und durch den vorangegangenen Regen auch glitschig und rutschig.

Nach 1,5 Stunden hatten wir den dadurch ziemlich schweren Aufstieg bis zum ersten Aussichtspunkt Ruapane in 713 m Höhe geschafft. Dort sahen wir, dass der Weg wieder steil nach unten ging und sich dann nochmals in die Höhe schraubte. Da es noch mindestens zwei Stunden Hinweg (+ Rückweg) gewesen wären und wir nicht wussten, wie die Wegebeschaffenheit ist, beschlossen wir umzukehren. Nach einer kurzen Rast und einem Gipfelfoto stiegen wir wieder hinab zum Parkplatz. Auch wenn es nur eine 2-Stunden-Tour geworden ist, war es schön und zumindest ein Wander-Anfang nach langer Zeit.

Am Nachmittag bummelten wir noch durch die größte Shopping-Mall Neuseelands, aber sie war auch nicht aufregender als alle anderen Shopping Malls.

Heute, am Samstag, den 04.01.2020, verabschiedeten wir uns von Hamilton und wollten unser nächstes Ziel, die Waitomo-Höhlen, ansteuern. Sie sind berühmt für ihre Glühwürmchen, die zu Abertausenden die Höhlendecken bevölkern.
Unser erstes Ziel war aber die Te Pula Springs in der Nähe des Städtchen Kawhia. Die heißen Quellen liegen direkt am – oder besser gesagt unter – dem Strand und sind nur bei Ebbe nutzbar. Dazu soll man sich am schwarzen Sandstrand einfach ein Loch buddeln, bis es sich von unten mit warmem Wasser füllt und man so sein eigenes Spa hat. Soweit die Theorie. Wir hatten Glück, es war Ebbe und zusammen mit einigen anderen stocherten wir im Strand herum, fanden aber nichts.

Auch die bereits von Anderen gegrabenen Löcher waren offensichtlich an der falschen Stelle gebuddelt worden. Dazu wehte über den Strand ein eisiger Wind, der sich in den Dünen mit Sand mischte und uns das Gefühl gab, ein schönes Peeling zu bekommen (wobei es in den starken Böen eher ein Sandstrahlen war). Auch wenn wir die heißen Quellen nicht gefunden haben, der Versuch war es wert.

In einem weiten Bogen fuhren wir weiter zu den Piripiri Caves, die eigentlich nur eine Höhle sind, zumindest für den normalen Besucher. Wir fanden die Höhle, waren zum Glück auch kurz allein und konnten in Ruhe fotografieren und filmen.
Nur ein paar Autominuten entfernt gab es die Mangopohue Natural Bridge bestaunen. Es war – wie der Name schon sagt – eine natürliche Felsen-Brücke, die sich ca. 25…30 m hoch über einem kleinen Flüsschen spannte. Ein kurzer, 10-minütiger Wanderweg führte von der Straße zur Brücke, die sehr beeindruckend war. Aber auch das war schnell abgehackt.

Gegen 14:30 Uhr erreichten wir Waitomo und checkten auf dem vorbestellten Campingplatz ein. Ringsherum gab es nur touristische Einrichtungen, wie ein paar Restaurants, das Höhlen-Museum, die Touristeninformation und Angebote für die verschiedenen Höhlen. Der Eingang zur Haupthöhle war mit Bussen und Autos zugestellt und voller Touristen.

Über die Touristeninformation buchten wir für morgen ein Doppelpack für zwei Höhlen, wobei es nur noch wenige Zeitfenster gab. Die Touren, die aller halben Stunde durchgeführt werden, waren zwischen 09:00 und 16:30 Uhr bereits ausgebucht. 

Heute ist Sonntag, der 05.01.2020 und wir müssen ziemlich pünktlich aufstehen, um die 1. Tour um 08:30 Uhr nicht zu verpassen. Zuerst wollen wir die Ruakuri Cave anschauen, die knapp 5 km entfernt liegt. Mit dem Eintritt war auch der kostenlose Transfer vom Campingplatz zur Höhle verbunden. Das haben wir genutzt und es hat gut geklappt. Die Führung durch die Höhle dauerte knapp 1,5 Stunden. Es ist eine schöne Tropfsteinhöhle im Kalkstein und nur an einer kleinen Stelle kann man Glühwürmchen sehen. Alles in allen nett, aber auch hier haben wir die Vergleiche im Hinterkopf. Wer einmal in den Höhlen von Postojna war, weiß, wie eine richtig große Höhle aussieht.

Den Weg zurück liefen wir auf einem schönen kleinen Pfad abseits der Straße zurück zum Campingplatz. Wir hatten Zeit, bis die Führung durch die Waitomo-Höhle begann, die durch ihre Abertausenden von Glühwürmchen berühmt ist. Die Tour war kürzer und es galt absolutes Fotografierverbot. Die Versuche hätten auch nichts genutzt, denn mit normalen Fotoapparaten/Videokameras kann man die Stimmung nicht ohne weiteres einfangen. Zuerst waren wir etwas enttäuscht, denn erst als Abschluss kam die kleine Bootstour auf einem unterirdischen See, an dessen Decke unzählige Glühwürmchen zu sehen waren. Dies war unabhängig vom touristischen Rummel sehr beeindruckend.

Da es keine eigenen Fotos gibt, hier drei Postkarten:

Photoshop lässt grüßen, denn die Bootstour ist bei völliger Dunkelheit

So waren die ca. 60 €/pP, die wir für die beiden Höhlen bezahlt hatten, schon eine Menge Geld, aber die Waitomo-Höhle sollte man gesehen haben, wenn man in Neuseeland ist. Die Glühwürmchen sind übrigens keine Verwandten der europäischen Arten, sondern eine Langhornmückenart, deren Larven lange klebrige, bis zu 40 cm lange Fäden entwickeln, die nach unten hängen und die sie mit ihrem Licht bestrahlen. Die Insekten, die damit gefangen werden, werden von Larven eingeholt und vertilgt. Die Larven fressen zwischen 6…12 Monate, danach erfolgt eine kurze Verpuppung und das geschlüpfte Insekt frisst nicht, sondern versucht nur in den wenigen Tagen seiner Lebenszeit sich zu vermehren.

Als Abschluss des heutigen Tages haben wir noch das Kiwi-Haus in Otorohanga besucht. Die Besonderheit ist, dass man dort auch tagsüber die eigentlich nachtaktiven Kiwis beobachten kann. Dazu wird in zwei Häusern den Kiwis tagsüber Mondlicht vorgegaukelt und abends bzw. nachts dann Tageslicht. Der „Mondschein“ war zwar zuerst etwas dunkel, aber nach ein paar Minuten hatten sich unsere Augen angepasst und wir sahen tatsächlich Kiwis die auf der Suche nach Beute im Boden herumstocherten.

Kiwi im künstlichen Mondlicht

Sehr sehenswert, denn in der freien Natur ist es nahezu unmöglich Kiwis zu sehen.
Im Übrigen war das heutige Wetter unserem Programm angepasst, so zwischen 17…19°C, keine Sonne und wie bisher fast immer ein frischer Wind.

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