Forgotten World Highway

Unser nächstes großes Ziel war der Mount Taranaki, früher als Mount Egmont bekannt. Sie äußere Form ähnelt dem Fuji in Japan. Von Waitoma aus gesehen, gibt es verschiedene Varianten, wie wir fahren können. Ich entschloss mich, auf jeden Fall den Forgotten World Highway zu fahren, der bis Stratford führt. Der 154 km lange Highway beginnt in Taumarunui. Das waren etwa 100 km von Waitomo entfernt. Insgesamt war die Strecke daher zu lang, um sie gemütlich an einem Tag zu schaffen. Also planten wir zwei Etappen: Zuerst von Waitomo nach Taumarunui und dann am zweiten Tag von Taumarunui nach Stratford.

Am Montag, den 06.01.2020, fuhren wir wie immer gegen 08:30 Uhr los. Erstes Zwischenziel war das kleine Örtchen Te Kuiti, das in unseren Reiseführern als Schafscherer-Hauptstadt der Welt hervorgehoben. Die Stadt ist Gastgeber der jährlichen Meisterschaften im Schafscheren. Dazu wurde auch eine imposante Statue errichtet. Sie ist David Fagan gewidmet, der viele nationale Meistertitel und auch fünf Weltmeistertitel im Schaf-scheren gewonnen hat.

Die Meisterschaften finden aber immer amWochenende nach Ostern statt, jetzt war die Stadt sehr ruhig.

Die Hauptstraße war im Zentrum den Rugby-Legenden Sir Colin & Stan Meads, zwei Brüdern, gewidmet. Eine große Skulptur, viele Tafeln und auch ein Museum waren diesem Thema gewidmet.

Und bereits das Ortseingangschild warb mit dem Slogan, dass hier Legenden geboren worden.

Colin Meads gilt als einer der größten Spieler aller Zeiten und ihm ist sogar ein ausführlicher Wikipedia-Eintrag gewidmet. Colin Meads wurde zwar in Cambridge (NZ) geboren, spielte aber sein ganzes Leben bei „Waitete R.F.C.“ in Te Kuiti.

Die restliche Fahrt nach Taumarunui war ohne weitere Höhepunkte. Sie schlängelte sich in endlosen Kurven durch die Neuseeland-typische Landschaft, Hügel an Hügel, meist nur mit Gras bewachsen und darauf wie Punkte verteilt Schafe oder Rinder. Manchmal sah man auch Pferde.

Wir kamen relativ zeitig an unserem ausgewählten Campingplatz an, bekamen auch ohne Probleme einen Platz und beschlossen, den Nachmittag hier zu verbringen. Der Platz war ziemlich leer und nach dem Getümmel in Waitomo war dies eine Erholung.

Heute am Dienstag, den 07.01.2020, ging es also auf den Forgotten World Highway von Taumarunui nach Stratford über ca. 155 km. Er ist die erste Geschichtsroute, die eingerichtet wurde und folgt in weiten Teilen alten Maori-Routen und Tracks der ersten Siedler. Die Straße entstand in engem Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnlinie, die von Te Kuiti bis nach New Plymouth führte. Seit 1990 trägt sie den Namen „Forgotten World Highway“ und soll die Gegend auch für Touristen attraktiver machen (was bei uns ja geklappt) hat.

Die Strecke führt über vier Pässe/Sättel, die zwar nicht sehr hoch sind, etwa 300 m, die schmale Straße aber jeweils in sehr engen Kurven steil nach oben und wieder hinab führt. 12 km der Strecke sind noch „Gravel road“, also nicht asphaltiert. Dies ist im Übrigen das einzige Stückchen eines offiziellen State Highways, das noch nicht ausgebaut ist. Schon am Beginn der Strecke wird darauf hingewiesen, dass es bis Stratford keine Tankstellen gibt. Da ich dies bereits wusste, hatten wir gestern noch vorsorglich getankt.

Die erste Sehenswürdigkeit, die wir hier nicht erwartet hätten, war eine Lavendel-Farm. Der Lavendel stand in voller Blüte, sah sehr schön aus und er duftet auch intensiv.

Die Straße führte weiter durch die Hügellandschaft, bis schließlich die Tangarakau-Schlucht begann. Das war auch der Beginn der „Gravel road“. Die Landschaft war sehr schön und die Wände der Schlucht waren dicht bewachsen, nur manchmal sah man Felsen.

Der krönende Abschluss der Schlucht bildet dann der Moki-Tunnel. Er ist nur einspurig befahrbar und ca. 180 m lang. Trotzdem er eigentlich breit und hoch genug für unseren Camper ist, war es schon ein eigenartiges Gefühl da durchzufahren.

Nach weiteren 60 Minuten kamen wir in das Dörfchen Whangamomona. Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhundert war sie eine wuselige Stadt, die für den Handel und für den Straßen- und Eisenbahnbau wichtig war. Durch Rationalisierung und den Zusammenschluss von Farmen sank die Einwohnerzahl im Jahr 1964 auf 20. 1989 gab es eine Gebietsreform, die die Einwohner von Whangamomona nicht mittragen wollten und die deshalb einfach ihre eigene Republik ausriefen.

Es gibt einen Präsidenten und einen Tag der Republik. Der Präsident muss übrigens nicht immer ein Mensch sein, auch eine Ziege und ein Pudel kamen schon zu den Ehren. In der einzigen Gastwirtschaft und Hotel des Ortes, kann man sich übrigens einen Stempel der selbst ernannten Republik in den Reisepass stempeln lassen.

Die Rugby-Mannschaft des Ortes darf übrigens als einzige Mannschaft Neuseelands schwarze Sportkleidung tragen, dies ist sonst der Nationalmannschaft (den „All-Blacks“) vorbehalten, da sie bereits weit vorher in schwarz gespielt hat.

Wir fotografierten und filmten noch ein bisschen, dann ging die Reise weiter.

Bei der Mittagsrast sahen wir dann zum ersten Mal den Mount Taranaki:

In Stratford fanden wir auch wieder einen schönen Campingplatz fast direkt in der kleinen Stadt. Dies nutzten wir noch zu einem Stadtbummel, durch die 1877 gegründete Stadt, die mit ihrer Namensgleichheit mit Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort von Shakespeare spielt. So sind alle Straßen der Stadt nach Figuren aus den Stücken von Shakespeare benannt. Wahrzeichen ist der Uhrenturm mit dem einzigen Glockenspiel Neuseelands.

Auch er ist dem Thema Shakepeare, konkret Romeo und Julia, gewidmet. 4 mal am Tag wird das Glockenspiel gespielt, dazu öffnen sich Fenster und die Figuren von Romeo und Julia kommen zum Vorschein.

Dazu wird entsprechende Musik gespielt und auch aus dem Werk rezitiert. Leider liegt der Turm an der Hauptstraße („Broadway“) und direkt gegenüber wurde gerade ein altes Gebäude mit Vorschlaghämmern zerkleinert. Das Vergnügen war also mehr als begrenzt. Zurück am Campingplatz bruzzelten wir uns noch etwas in der Pfanne: ich Lammsteaks, Moni Hähnchenspieße. Lecker.

Morgen wollen wir den nächsten Versuch einer Wanderung am Fuße des 2518 hohen Mount Taranaki unternehmen. Hoffentlich spielt das Wetter mit.

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