Wir machen Urlaub !

Die Blogüberschrift klingt ein bisschen verrückt, aber die letzten vier Tage waren im Wesentlichen Natur, d.h. Baden und Wandern, ohne sonstige kulturelle oder städtische Highlights. Wir hatten ja genug Zeit, um rechtzeitig in Wellington und bei der Fähre zu sein.
Die Nacht zum Mittwoch, den 15.01.2020 war sehr kalt: Früh um 06:00 Uhr zeigte unser Thermometer 6,6°C an. Und das im Hochsommer! Aber der Wetterbericht versprach Besserung, es sollte wärmer werden und auch die Sonne sollte mal etwas länger zu sehen sein. Unser Ziel war nicht so weit entfernt, wir wollten nach Otaki Beach um je nach Wetterlage zu Baden oder auch einen Ausflug in den Nationalpark Taratua Range unternehmen. Wir fuhren gemütlich los, kauften noch etwas ein und fuhren bis zum Otaki Beach. Wir wollten zuerst den Strand sehen, bevor wir den Campingplatz buchen. Der Strand war schön, das Wetter wurde zunehmend besser – nur der Campingplatz war ausgebucht. Die Beschreibung las sich so schön und nun klappte es nicht.

Wir blätterten in unseren Unterlagen und entschieden uns, zum Tatum Park zurückzufahren, auch wenn die Kritiken in den Online-Medien nicht so berauschend waren. Und siehe da, der Platz war nahezu leer und sehr großzügig angelegt. Es war – wie der Name schon sagt – ein Park mit vielen kleinen hübschen Ecken, wie z.B. ein schöner Rosengarten. Die Anlage wird laut Beschreibung viel für Hochzeitsfeiern oder Firmenevents gebucht.

Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und fuhren zurück an die Otaki Beach (etwa 12 km). Der Strand war schön, zwar lag auch etwas Holz herum aber bei Weitem nicht so viel wie in Foxton Beach. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnten wir wieder richtig baden und schwimmen…

Abends waren wir immer noch fast allein auf dem Zeltplatz, aber später erlebten wir doch noch eine Überraschung: direkt hinter der Anlage führt die Haupt-Eisenbahnstrecke von Nord nach Süd entlang. Beim ersten Mal dachten wir, der Zug fährt mitten durch unseren Camper. Das Rauschen des nahe gelegenen State Highway 1 hatten wir schon verdrängt, aber das war dann doch gewöhnungsbedürftig. Gott sei Dank fuhren „nur“ 3…4 Züge in der Nacht durch, so dass es dann doch nicht ganz so schlimm war. Moni hat sowieso ihre für den Jakobsweg gekauften Ohropax eingestöpselt.

Für den nächsten Tag, Donnerstag, den 16.01.2020, hatte ich einen Trek in den Taratua Range Nationalpark ausgesucht. Das Problem hier ist, dass es klassische Rundwege wie in der Eifel oder anderen deutschen Mittelgebirgen nicht gibt. Entweder es sind kurze Runden (1…3 Kilometer) oder sie führen in die Berge hinauf oder darüber. Im Internet fand ich den Hinweis auf einen schönen Weg auf dem Fields Trek zur Fields Hütte. Wir packten also am Morgen unsere Wandersachen und fuhren in den Nationalpark. Die Straße führte knapp 15 km bis zu einem Parkplatz und einer Campsite „Otaki Forks“. Wir stellten das Auto ab und begannen den Aufstieg. Laut Beschreibung führte der Weg mehr oder weniger gerade hinauf zur Hütte in ca. 830 m Höhe. Da der Parkplatz auf 120 m Höhe liegt, waren das also 700 Höhenmeter. Gemäß Ausschilderung waren es 6,6 km hinauf bis zur Hütte und als Gesamtzeit – also mit Rückkehr – waren 5…6 Stunden angegeben.  Der Weg war wunderschön, sehr gut ausgeschildert und führte zuerst sanft an einem Berghang leicht hinauf.

Dann wurden die Kurven steiler und es ging den Rest durch dichten neuseeländischen Naturwald mit sehr vielen Farnen, knorrigen Bäumen und Lianen.

Zunehmend wurde der Weg auch steiniger und manchmal ziemlich schlammig. Er zog sich endlos nach oben und ich mochte gar nicht glauben, dass dies nur reichlich 6 km sein sollten. Nach 2/3 des Weges machten wir Mittagspause und nahmen gestärkt das letzte Drittel in Angriff.

Gegen 13:00 Uhr erreichten wir endlich die Hütte. Es waren zwei junge Männer da, die sich in der Hütte breit gemacht hatten und ihr Mittagessen zubereiteten. Wir erkundeten die Hütte, ruhten uns aus und begannen dann den Abstieg.

Wir merkten schon, dass wir einige Höhenmeter in den Beinen hatten und durch den steilen, steigen Weg kamen wir auch nicht schneller voran als hinauf. Die letzten 2…3 Kilometer waren dann für mich ziemlich anstrengend, denn die Gelenke meldeten sich. Aber gegen 15:30 Uhr waren wir wieder beim Auto; sehr erschöpft, aber zufrieden mit dem Weg und mit unserer Leistung. Beim Auslesen des Garmin-GPS-Gerätes habe ich dann festgestellt, dass wir nicht nur knapp 15 km gelaufen sind, sondern 930 Höhenmeter nach oben und natürlich auch wieder hinunter gegangen sind. Kein Wunder dass wir ziemlich kaputt waren.

Den Rest des Abends verbrachten wir auf dem Campingplatz mit duschen, essen, trinken und relaxen.

Auch für die nächsten zwei Tage waren keine größeren Highlights vorgesehen. Ich hatte mir ein paar Zeltplätze bei Paraparaumu ausgesucht. So fuhren wir am Freitag, den 17.01.2020, geruhsam in Richtung Paraparaumu. Da das Wochenende bevorstand, schönes Wetter angekündigt war und auch immer noch Ferien in Neuseeland sind, wollten wir sehr zeitig die Campingplätze ansteuern. Der Gedankenansatz war gut, aber schon der erste Campingplatz war ausgebucht. Ein großes Schild am Eingang „No vacancy“ ließ uns wieder umdrehen. Also suchten wir wieder in unserem Travel Directory 7 des NZMCA und steuerten den nächsten Platz an.

Unser wichtigstes Handwerkzeug bei der Campingplatz-Suche

Fast gleiches Spiel. Man bot uns nur einen kleinen Stellplatz direkt an der Einfahrt an mit 2 m² Rasen. Wir überlegten kurz, gingen aber auf Risiko und fuhren zum dritten Platz am Waikanae Beach, der in unseren Unterlagen verzeichnet war. Diesmal fuhr ich trotz „No vacancy“ Schild bis zur Rezeption und fragte einfach. Siehe da, es war ein normaler – und wie sich später herausstellte – schöner Platz für zwei Tage frei. Wir buchten sofort, stellten den Camper ab und nach dem Mittagessen (Spaghetti mit Sauce und Käse) liefen wir etwa 20 Minuten bis zum Strand. Diesmal war es wie wir es uns wünschten: es war warm, die Sonne schien, es gab fast keinen Wind und daher auch keine Wellen, so dass man durchaus schwimmen konnte. Nur das Wasser war unter einer warmen Schicht von 10 cm saukalt.

Waikanae Beach mit Kapiti Island im Hintergrund

Aber es hat richtig Spaß gemacht, sozusagen einmal klassisch Urlaub zu machen.
Auch am Abend hatten wir noch Glück, denn die Sonne schien bis 20:00 Uhr und wärmte uns.

Für den heutigen Tag (Samstag, 18.01.2020) hatten wir ausnahmsweise mal gar kein Programm. Da nach dem Frühstück sehr schönes Wetter war, zwar ziemlich frisch, so 14…15°C, aber die Sonne schien vom blauen Himmel, entschlossen wir uns zu einem längeren Spaziergang bis nach Waikanae. Der Weg führte auf beiden Ufern des gleichnamigen Flusses entlang und entpuppte sich als sehr schöner, gut zu gehender Weg.

Vor dem Rahmen stand extra ein Holzpfahl mit Halterung für ein Smartphone für Selfies…

In Waikanae machten wir ein kurze Pause und gingen den Weg am anderen Flussufer wieder zurück. Zum Mittagessen fuhren wir nach Paraparaumu und zwar in die Craftbier-Brauerei Tuatara. Wir kosteten eine 4er Bier-Auswahl mit einer Käse-Variation passend zu dem jeweiligen Bier und noch eine Pizza – für den Hunger.

Es war insgesamt ein Erlebnis, auch wenn die Brauerei eigentlich in einem tristen Gewerbegebiet liegt. Tuatara ist übrigens Maori und bezeichnet ein Reptil, dass es nur noch in Neuseeland gibt, die Brückenechse. Sie hat ein 3. Auge, das sogenannte Scheitelauge. Mit dieser Besonderheit wirbt auch die Brauerei („the third eye“).

Zufrieden fuhren wir in Richtung Beach. Der Strand war wie immer hier nicht überfüllt, trotz des schönen Wetters. Allerdings lag wieder überall Treibholz unterschiedlichster Größe herum. Da das Wetter nach einer Stunde eintrübte, fuhren wir wieder auf unseren Campingplatz, denn es war auch fast schon wieder Abend („Wie schnell ist nichts getan…“). Zum Abendessen habe ich die leckeren Filets vom Monkfish, eine Art Seeteufel, zubereitet.

Morgen geht es weiter nach Wellington und am Dienstag steht die Überfahrt auf die Südinsel an.

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