Von Wanaka zum Mount Cook

Der Dienstag, 03.03.2020, begann mit feinem Regen. Nur gut, dass wir keine großen Pläne gemacht haben, sondern uns erst einmal um unser Auto kümmern wollen. Nach dem Frühstück gab es noch einen Dämpfer. Ich hatte die Firma Seabridge angeschrieben, ob sie den Transport unseres Campers von Neuseeland nach Australien organisieren kann. Schließlich ist schon fast ein viertel Jahr vorüber und die Zeit vergeht wahnsinnig schnell. Seabridge hat mit der Organisation kein Problem, aber der Partner aus Australien hat folgendes geschrieben:

Its not the best time to arrive I don’t know how bad the virus will be.
Its now in New Zealand as well
Our quarantine department are very very busy with passengers and cargo inspections and disease control.
It could take weeks to clear the vehicle at Port.
It would be impossible to do it in fast time to clear customs and quarantine
Ideally client to ship from NZ back to Germany maybe hire a car whilst in Australia.

Ganz tolle Ratschläge?! Aber wir hoffen, dass in einem halben Jahr sich die Lage bzgl. des Coronavirus wieder beruhigt hat. Unsere erste Überfahrt stand ja auch lange auf der Kippe.

Ich hatte im Internet eine Autoelektrikfirma in Wanaka ausfindig gemacht, die wir dann anfuhren.

Wir wurden freundlich empfangen und nach kurzer Wartezeit durften wir dass Auto in eine Halle fahren und ein Mechaniker begann mit der Prüfung.

Mit einem großen Mess-/Testgerät hat er dann die Batterie ausgemessen und siehe da, die Batteriespannung brach unter Last fast völlig zusammen (auf unter 7 Volt). Also war der Übeltäter doch die Batterie. Ob es die erste war – also von 2011/12 – oder ob einer der beiden Vorbesitzer bereits eine andere eingebaut hatte, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hatte ich in den letzten vier Jahren nichts gemacht in dieser Richtung. Die Werkstatt hatte auch eine neue Batterie vorrätig und der Mechaniker konnte die neue Batterie gleich einbauen.

Nach einer halben Stunde war alles erledigt und es hat insgesamt 280 NZ$ (~ 150 €) gekostet.

Zufrieden fuhren wir schnell noch etwas einkaufen und dann habe ich zu Mittag die bereits vor einiger Zeit gekauften Hirsch-Medaillons mit Bohnenröllchen in Bacon gewickelt gemacht. Lecker, lecker.

Das Wetter besserte sich und wir beschlossen einen längeren Spaziergang zu machen. Ich hatte auch schon zwei lohnenswerte Ziele herausgesucht: 2 Craft-Beer-Brauereien.

Wanaka und Lake Wanaka

Zuerst besuchten wir die Rhyme & Reason Brewery.

Wir konnten ein kleines Tasting mit vier von 10 verschiedenen Sorten Bier im Fassausschank bekommen.

Nicht alle waren lecker. Im Übrigen soll es in der 7000 Einwohner zählenden Stadt 6 Craft Beer Brauereien geben!

Gut gestärkt steuerten wir die zweite Brauerei Ground Up Brewing an, die nur wenige hundert Meter entfernt in der gleichen Straße gelegen war.

Hier gab es keine regulären Tastings, da die Brauerei keine Restaurant-Lizenz hat.

Aber wir konnten trotzdem ein Bier probieren. Danach liefen wir bei schönem Wetter zum Campingplatz zurück und ließen den Tag am Camper ausklingen.

Für Mittwoch, den 04.03.2020, war schönes Wetter angesagt, daher wollten wir uns wieder einmal Fahrräder ausleihen. Das Wetter war morgens auch schön, aber es war empfindlich kalt und es blies ein starker Wind.

Das war nicht gerade das Wetter für einen gemütlichen Radausflug. Also wechselten wir die Pläne und ich suchte noch schnell einen Wanderweg heraus, zu dem wir nicht erst lange mit dem Auto fahren mussten. Die Route führte direkt vom Zentrum in Wanaka über einen großen Hügel zum Clutha-Fluss.

Lake Wanaka

Von dort ging es immer am Ufer des Lake Wanaka im Bogen zurück in das Zentrum. Trotz der Stadtnähe war der Weg sehr naturnah und gut zu gehen.

Gegen 14:00 Uhr waren wir wieder zurück.
Moni wollte unbedingt noch die „Puzzling World“ sehen, die ein paar Kilometer auserhalb der Stadt lag. Auf dem Weg dahin konnte ich bei den gestern besuchten Brauereien noch ein paar Craft-Biere einkaufen.

Die Puzzling Wold ist sehr interessant. Eigentlich ist es eine Ansammlung verschiedener Attraktionen: ein Ausstellung diverser 3D-Hologramme, viele Räume und Objekte zum Thema optische Täuschungen und ein großes Labyrinth im Freien.

Am beeindruckendsten waren Räume, die mit einer Schräge von 15° eingerichtet waren. Die optische Täuschung war perfekt, nur das Gehirn bzw. der Gleichgewichtssinn fand das gar nicht gut. Lange konnte ich nicht in den Räumen bleiben, sonst wäre mir noch richtig schlecht geworden.

Der Tisch ist eigentlich waagerecht.

Auch die vielen optischen Illusionen waren sehr sehenswert.

Ein eigentlich normaler Raum…
… den ich durch die rechte Tür betreten habe….
… und dann nach links gegangen bin.

Auf das Labyrinth haben wir verzichtet, dies war wohl eher eine Attraktion für Kinder. Aber ein Besuch lohnt sich, auch wenn der Name „Puzzling Wold“ etwas irreführend ist. Wobei für Freunde von Spielen und Puzzles ist der Ausstellungsshop eine nahezu unerschöpfliche Einkaufs-Quelle. Wir fuhren zum Camper zurück und hatten wieder schönes Wetter! (aber kalt!)

Der Donnerstag, der 05.03.2020, begann sehr, sehr kalt: mit 3,4°C bisher die kälteste Nacht. Es war sternenklar und auch am Morgen war keine Wolke zu sehen. Moni wollte erst einmal den Camper durchheizen, aber es kommt wie es immer kommen muss: Genau in diesem Moment war unsere Gasflasche leer. Aber sie hat fast drei Monate gehalten. Unglaublich! Nach dem Tausch der Flasche konnten wir dann auch im Warmen frühstücken.

Nach der schlechten Mail von vorgestern von Seabridge kam dann heute die gute Nachricht von Action Collision Care aus Christchurch: Unsere Ersatzteile sind da und wir können ab 12.03. einen Termin zur Reparatur machen. Ich habe dann auch den Termin gleich fest gemacht. Jetzt müssen wir unsere Reiseroute entsprechend einrichten, damit wir am 12.03. vormittags bei der Firma „auf der Matte“ stehen. Das ist aber kein Problem, im Gegenteil, endlich hatten wir einen fixen Termin für unser vorerst letztes großes Problem.

Wir kauften in Wanaka noch ein und ließen an der Caltex-Tankstelle unsere Gasflasche füllen. Das Kilogramm (!) Gas kostet 3,50 NZ$, das sind reichlich 2 €… Danach fuhren wir richtig los in Richtung Mount Cook. Unsere erste Zwischenstation sollte Omarama sein, ca. 120 km entfernt. Das Wetter war wie gesagt sehr kalt, aber die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel und es wurde zunehmend wärmer.
Bevor wir so richtig aus der Stadt Warnaka heraus waren, kamen wir an einem Komplex vorbei, in dem das nationale Transport- und Spielzeugmuseum, eine Brauerei, ein Hirsch-Museum (!) und ein Flugplatz untergebracht waren. Ich bog wegen der Brauerei ab, aber hängen geblieben sind wir in dem Technikmuseum, das neben Spielzeug und Autos eine unglaubliche Menge an Technikkrams hatte. Von alten Rasenmähern, über Feuerwehrfahrzeuge, Spielzeugeisenbahnen, eine unglaubliche Sammlung von themengebundenen Zuckerlöffeln, Rennbooten und -autos und, und, und …

Von Autos, Fahrrädern…
…diversen Küchengeräten…
… bis zu Computern.
3 Schränke waren voll mit Teelöffeln mit Motiven
Im Außenbereich gab es von der Feuerwehr über Panzer bis zur MiG-21 alles.

Solch ein umfangreiches (und interessantes) Sammelsurium habe ich noch nirgendwo gesehen.
Das Hirschmuseum haben wir ausgelassen und es uns nur von außen angesehen.

Die Landschaft ähnelte hier eher der Nordinsel, mit Gras bewachsene Hänge, weite Hügel, sanfte Täler. Nach einer kurzen Mittagspause auf einem sehr schönen Rastplatz im Lindis Valley, erreichten wir den Lindis Pass.

Er ist ca. 960 m hoch, hat aber nicht den Charakter eines Hochgebirgspasses, sondern die Landschaft setzt sich einfach fort. Am Pass selbst gab es einen Parkplatz, der gut gefüllt war und von dem man schöne Aussichten auf die Landschaft hatte.

Wir fuhren weiter hinab in die Hochebene und erreichten dann Omarama.

Nach einem kurzen Tankstopp fuhren wir weiter zu unserem Campingplatz und buchten ein. Es war ein wunderschöner grasbewachsener Campingplatz mit vielen Bäumen, vor allem Birken, und viel Platz. Der Clou war, dass jeder Stellplatz seine eigene Nasszelle hatte, also Toilette und Dusche. Zwar nur ein kleiner Plastikwürfel, aber sauber und mt Warmwasser und etwas Privatsphäre ist ja auch nicht schlecht.

Zufrieden ruhten wir kurz aus und gingen dann am nahe gelegenem Lake Benmore noch zwei Stunden spazieren. Die Sonne schien, mittlerweile war es auch T-Shirt-warm. Der Weg war eigentlich ein Fahrradweg und gehörte zum Alps 2 Ocean Trail, der über 300 km vom Mount Cook bis zur Ostküste führt.

Langsam liefen wir zurück zum Campingplatz, um uns die weitere Route zurück bis nach Christchurch zu überlegen. Aber wir haben ja noch eine Woche Zeit.

Freitag, der 06.03.2020 : Heute war sehr schönes Wetter angesagt und wir nahmen unser Ziel, den Mount Cook, in Angriff. Die Nacht war wieder sehr kalt 5°C, so dass wir früh erst einmal durchheizen mussten. Wir brauchten noch Bargeld, aber in Omarama gab es keinen ATM (Geldautomaten), erst in Twizel. Dies lag sowieso auf unserem Weg, also fuhren wir weiter.
Kurz vor Twizel standen links und rechts der Straße große Hinweisschilder auf eine Lachsfarm.

Eigentlich wollten wir nicht halten, aber wir drehten dann doch noch einmal um. Die Lachskäfige sind in einem breitem Gletscherfluss verankert, der sehr trüb war. Daher konnte man die Lachse auch nur erahnen. Es war eine sehr große Anlage, im Gegensatz zu der kleinen, die wir vor ein paar Tagen besucht hatten.

Natürlich gab es neben einem Café auch einen Verkauf und diesmal kauften wir nicht nur geräucherten Lachs, sondern auch frisches Lachsfilet, das wir heute Abend in Pfanne geben wollen.

Danach führte die Straße immer parallel am linken Ufern des Lake Pukaki entlang. Schon von weitem sah man bei klarem Himmel die Bergkette rund um den Mount Cook.

Er ist mit 3745 m der höchste Berg Neuseelands. In diesem Gebiet gibt es über 20 Gipfel, die über 2000 m hoch sind. Der See bildete ein weites Tal und die Straße führte mehr oder weniger immer in Richtung des majestätischen Berges.

Wie viele andere auch, hielten wir zwischendurch, um Fotos zu schießen und Videos aufzunehmen. Etwa 65 km hinter Twizel erreichten wir Mt. Cook Village. Ein richtiges Touristendörfchen. Bevor wir dort hinfuhren bogen wir allerdings ab und noch 2 km weiter zum White Horse Hill Campground. Nach den Beschreibungen meines Reiseführers fast ein Geheimtipp, aber heute völlig überfüllt.

Auf den Parkplätzen und dem Zeltplatz selbst war alles verstopft. Wir fanden mit Müh und Not ein Plätzchen für unseren Camper.
Wir aßen kurz zu Mittag und liefen dann los, Unser Ziel war der Hooker Lake, ein Gletschersee der unmittelbar zu Füßen des Mount Cook liegt. Der Weg war ca. 5 km lang und sehr gut ausgebaut.

Mit uns stiefelten eine Unmenge an Touristen – vor allem viele asiatische – den Weg hinauf oder bereits wieder hinunter. Über drei Drahtseilbrücken ging es langsam hinauf.

Immer hatte man den Mount Cook, bzw. seine drei Gipfel (Spitze mit 3724 m), Middle Peak mit 3717 m) und Low Peak (3593 m) im Blick. Nach knapp 1,5 Stunden kamen wir am Gletschersee an und genossen den Ausblick.

Auf dem Gletschersee schwammen kleine Eisberge, der See selbst war sehr trüb, nicht das Azurblau, dass wir aus Peru kannten. Am Ende des Sees war der Hooker Gletscher zu sehen, der jetzt im Spätsommer eher grau und voller Steine war. Der Gletscher-See liegt in ca. 900 Meter Höhe.

Nachdem wir alle Eindrücke aufgesaugt hatten, liefen wir zurück zum Parkplatz. Diesmal brauchten wir nur eine reichliche Stunde.
Auf der sehr gut ausgebauten Straße entlang des Sees erreichten wir nach 30 Minuten das Glentanner Park Centre. Wir checkten ein und genossen dann den fantastischen Ausblick auf den Mount Cook und die Sonne.

Zum Abendessen gab es dann den frischen Lachs, einfach nur mit Salz und Pfeffer gebraten, aber köstlich. So lässt es sich leben…

Der Tag (Samstag, der 07.03.2020) begann nicht ganz so freundlich wie gestern. Es war wolkig, aber die Berge waren frei zu sehen.

Unsere für heute geplante Etappe war kurz, wir wollten zum benachbarten Lake Tekapo. Zuerst fuhren wir aber zurück nach Twizel, denn wir mussten noch etwas einkaufen.

Auf der Weiterfahrt machten wir am südlichsten Punkt des Lake Pukaki an einem Lookout mit kleinem Informationszentrum einen Stopp. Wieder war es ein faszinierender Blick über den See mit dem Massiv des Mount Cook im Hintergrund, der etwa 60 km Luftlinie von uns entfernt war.

Danach führte die Straße in Richtung Nordosten, wo wir gegen 12:00 Uhr am Lake Tekapo mit seinem gleichnamigen Städtchen ankamen. Auch dies war ein ausgesprochen touristischer Ort, der schnell erkundet war. Zwei Sehenswürdigkeiten haben wir uns noch angesehen, die Kirche “Church of the good shepherd“, der sogar eine eigene Website gewidmet ist, und das Denkmal für den treuen Hütehund der Schäfer in Form eines Collies.

Beide Sehenswürdigkeiten waren immer dicht umlagert und am meisten störten die, die an jedem Fleckchen ein Selfie genau vor der Sehenswürdigkeit machen wollten. Hunde scheinen im Übrigen ein beliebtes Objekt für Statuen in Neuseeland zu sein. Im Internet habe ich dazu einen interessanten Artikel gefunden.

Da wir gestern genug gesehen hatten, beschlossen wir, nichts Besonderes mehr zu unternehmen, sondern gleich auf den Zeltplatz zu fahren. Zudem musste/wollte Moni noch Wäsche waschen. Der Platz war sehr groß und offensichtlich erst vor kurzer Zeit renoviert worden.

So ließen wir den Tage stressfrei ausklingen.

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