Lock Down – Woche 1

Die 1. Woche im Lock Down haben wir überstanden. Es geht uns körperlich gut, nervlich sind wir natürlich angespannt, da wir absolut nicht wissen, wie es in 2…3 (?) Wochen konkret weiter geht. Unsere Erfahrungen – Erlebnisse kann man ja schlecht sagen – im Lock Down möchten wir kurz beschreiben.

Kurt bevor am vergangenen Mittwoch Mitternacht die 4. Stufe des Notfallplanes in Kraft getreten ist, hat die Regierung eine Notfall-SMS an alle Handys geschickt. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas im Standard-Android und offensichtlich auch im iPhone gibt. Die SMS war verbunden mit einem wirklich alarmierenden Sound und auf Moni’s Motorola-Handy wurde die SMS sogar vorgelesen!

Alert Level 4 bedeutet, dass alle grundsätzlich zu Hause bleiben sollen. Ausnahmen sind „essential workers“ und Einkäufe in den geöffneten Supermärkten bzw. Apotheken. Es gab viele Diskussionen, was „essential workers“ sind. Im Laufe der Woche wurde die Bandbreite nach und nach näher definiert und nach meinem Gefühl auch erweitert. Mittlerweile zählt auch die Weinernte dazu.

Die Lebensmittel-Supermärkte haben normale Öffnungszeiten und haben ihre Einkaufsregularien schrittweise aber auch erweitert: man darf nur noch allein einkaufen gehen, nicht zu zweit; man darf nur noch bargeldlos bezahlen, kein Bargeld; überall gilt der Sicherheitsabstand von 2 m; es gibt kein unverpacktes frisches Brot mehr, sondern nur eingeschweißtes, … Die Regale sind mittlerweile auch wieder einigermaßen aufgefüllt. Neben der Toilettenpapier-Hamsterei, die es auch hier gab, betraf das aber auch andere Lebensmittel wie Mehl, Nudeln und einige andere Sachen. Überall hängen Schilder, dass man nur 2 Stück jedes Artikels nehmen soll. Mittlerweile werden aber auch Lücken bei frischen Lebensmitteln wie Gemüse oder Fisch sichtbar.

Neben den Einkäufen darf man nur unter engen Auflagen das Haus verlassen. Jeder kann mit dem Hund oder zum Sport nach draußen, aber nur im Umkreis der Wohnung. Es darf kein Auto benutzt werden und es muss überall die „Bubble“ die 2-m-Blase eingehalten werden. Die Neuseeländer, die wir treffen, sind sehr diszipliniert. Wie wir aber der täglichen Zeitungslektüre entnehmen können, gibt es aber auch Ausreißer. Da ist die Polizei aber nicht zimperlich, die aufgrund der Notstandssituation sowieso erweiterte Rechte hat. Wenn sie z.B. eine Ansammlung in einer Privat-Wohnung („Corona-Party“) vermutet, darf sie ohne Weiteres in die Privaträume und die Situation klären. Wir haben auch schon über Verhaftungen von Uneinsichtigen gelesen. Im Übrigen ist die Bevölkerung aufgerufen, alle vermuteten Verstöße zu melden. Dazu wurde extra eine Website eingerichtet. Mittlerweile ist sogar das Militär eingeschaltet.

Die Regierung schaltet auf allen Radiosendern „COVID-19 Announcements“, die alle zwei bis 3 Stunden wiederholt werden und die aktuelle Lage erläutern. Der Hauptinhalt ist, dass der Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird und dass es jetzt darauf ankommt, diese Kette zu unterbrechen. Dies ist auch das Hauptargument für das Level 4: die begrenzte Übertragung des Virus nicht nur in den Familien („Level 3“) sondern die unkontrollierte Übertragung in der Gemeinschaft („communities“).

Die Regierung gibt jeden Tag mindestens eine Pressekonferenz, die auch jeweils inhaltliche Schwerpunkte haben, z.B. die Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Sicherheitslage, die Lage im Gesundheitswesen, etc. Im Großen und Ganzen scheint die Bevölkerung mit der Regierung zufrieden zu sein, wenn man die Kommentare in den Zeitungen bzw. in den Online-Medien liest.

Eine für uns unangenehme Erscheinung scheint allerdings zuzunehmen: man schiebt die Schuld für die gesamte Lage den ausländischen Touristen in die Schuhe. Dies scheint bereits im Alltag angekommen zu sein, wie wir von hier lebenden Deutschen erfahren haben. Es werden von örtlichen Behörden auch ganze Gemeinden oder Landstriche für Touristen gesperrt. In guten Zeiten waren die Touristen immer eine willkommene Einnahmequelle und auch die vielen Work-and-Travel-Leute waren als billige Arbeitskräfte vielerorts gern gesehen. Allein in Queenstown (12.200 Einwohner) arbeiteten in Spitzenzeiten bis zu 3.000 Ausländer, so der amtierende Bürgermeister (!). Jetzt dürfen sogar bisher abgelehnte Asyl-Bewerber ohne Arbeitserlaubnis in Supermärkten arbeiten und auch andere Asylbewerber, die aufgrund der jetzigen Situation ihren Job verloren haben, dürfen dort beginnen.

Derzeit hängen etwa 12.000 Briten und etwa auch die gleiche Menge Deutsche in Neuseeland fest. Wieviele Ausländer insgesamt noch im Land sind, habe ich nicht herausgefunden. Die Flughäfen sind für internationale Flüge – auch Charterflüge – im Moment geschlossen. Daher hat die Regierung selbst reagiert und eine Rundmail an alle Visa-Inhaber geschickt. Alle Visa, die zwischen dem 01.04. und dem 30.06. auslaufen, werden automatisch bis September 2020 verlängert. Ausschnitt Mail:

Uns betrifft dies – noch – nicht, unsere Visa gelten sowieso bis zum 06.09.2020.

Wir haben uns notgedrungen mit der Situation abgefunden und in dem Apartment eingerichtet. Glücklicherweise konnten wir auch schon um weitere 2 Wochen verlängern, so dass wir mindestens bis zum 15.04. erst einmal keine Unterbringungssorgen haben.

Zwei Dinge kann ich jetzt machen, zu denen ich vorher wenig Zeit und Gelegenheit hatte: Kochen und Filme bearbeiten.
Auch wenn die Küche nicht perfekt ausgestattet ist, kann ich doch etwas bequemer kochen als im Camper. So gibt es wieder einmal typisch deutsche Gerichte. Typisch neuseeländische habe ich noch nicht gefunden, wenn man Fish & Chips oder Burger einmal ausklammert.

Wie viele der Blog-Lesenden wissen, hatte ich aus unseren großen Urlauben immer einen Urlaubsfilm zusammengeschnitten, der im Kinoformat unsere Urlaubserlebnisse zusammengefasst hat. Dafür spreche ich auch Texte und als ich vor der Abreise Moni mein neues Mikrofon gezeigt habe, das ich mit auf Weltreise nehmen wollte, hatte sie gelinde gesagt wenig Verständnis gezeigt. Jetzt bin ich froh, dass ich mein Mini-Studio einrichten konnte und habe auch schon eine ganze Menge geschafft. Ich habe ja auch alle alten Videos auf kleinen Festplatten mitgenommen, rund 10TByte 😉. Damit habe ich keine Langeweile mehr.

Mein kleines Mini-Studio.

Mittlerweile ist es auch ein Abend-Ritual geworden, dass wir uns unsere Videos ansehen, derzeit noch die bisherigen Neuseeland-Aufnahmen.

Ansonsten gehen wir ein- (ich) oder zweimal (Moni) täglich aus dem Haus. Das Wetter ist gefühlt sowieso viel besser, als zu der Zeit als wir noch unterwegs waren. Mittlerweile ist es herbstlich und die Laubbäume verfärben sich schon.

Trotzdem zermürbt einen die Situation doch ganz schön und wir wälzen unsere persönlichen „Exit-Szenarien“. Dass viele andere Tausend oder auch Millionen weltweit ähnliche oder sogar schlimmere Probleme als wir haben, ist nur ein schwacher Trost. Aber im Moment kann man nur warten, wie sich die Situation entwickelt. Zumindest nimmt die Ausbreitungsrate hier keinen exponentiellen Verlauf, sondern hielt sich in den letzten drei, vier Tagen zwischen 50 bis 80 Neuerkrankungen.

Soweit aus dem Lock-Down in Dunedin / Otago / Neuseeland.

Comments

  1. Norbert

    Hallo ihr Beiden,
    Ich wünsche Euch viel Durchhalte-Willen in der jetzigen Situation. Hoffentlich könnt ihr in dem Apartment erst mal bleiben, aber da der Tourismus ja sowieso zu erliegen gekommen ist, kann das ja gut sein.
    Kurt (der Pössl) steht bei uns auch vor der Türe und wartet auf die neuen Aufgaben.
    Die Situation ist für die meisten Menschen sehr bedrückend, in Deutschland ist jetzt Covid 19 in Altenheimen ausgebrochen mit schrecklichen Folgen für Bewohner und Pflegepersonal. Also ist unsere erste und wichtigste Aufgabe, zu Hause bleiben, andere Meschen zu unterstützen wo immer möglich.
    Bleibt gesund und verliert bitte Eure Zuversicht nicht.
    Lieben Gruß aus Wahlscheid (zu Hause im Home-Office),
    Norbert
    P.S. Ich freue mich aber auf neue Filme, aber könnt Ihr die über eine Plattform sharen?

Hinterlasse einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.