Lock Down – Woche 4

Wieder ist eine Woche vergangen, ohne dass sich die Situation für uns entscheidend verbessert hat. Es zeichnet sich auch keine kurzfristige Lösung ab. Am liebsten möchte man es so machen, wie die junge Frau auf dem Beitragsbild ….
Aber wir müssen uns gedulden und die weiteren Entwicklungen abwarten. Leider haben wir keine Alternative, selbst an den Umständen etwas zu ändern.

Neuseeland hatte relativ wenig Corona-Fälle und hat den Lock Down schon sehr frühzeitig hart durchgezogen. Die aktuellen (21.04.) Fallzahlen :

Quelle: nzherald.co.nz

In den letzten Tagen waren es immer unter 20, am Dienstag waren es 5. Wobei in Neuseeland immer unterschieden wird zwischen bestätigten Fällen (2) und wahrscheinlichen, d.h. noch ohne bestätigtem Testergebnis, Fällen (3). Die Gesamtlage zeigt die folgende Übersicht:

Quelle: nzherald.co.nz

Von den bisher rund 1.500 Infizierten sind bereits über 1.000 wieder genesen. Ich glaube alle anderen Industriestaaten wären froh, wenn sie diese Zahlen hätten und würden den Exit aus dem Lock Down suchen. Die hiesige Regierung hat sich aber anders entschieden.

Lange angekündigt und mit hohen Erwartungen verbunden, hatte die Regierung am Montag, den 20. April , die weitere Vorgehensweise skizziert:

  • Verlängerung des Lock Down, Level 4 bis zum Dienstag, den 27.04.2020, 23.59 Uhr.
  • danach mindestens 2 Wochen Level-3, am 11. Mai soll über den Übergang zu Level-2 entschieden werden.
  • weitere Reduzierung nur, wenn nachweisbar keine Übertragung in den „communities“ mehr stattfindet, bei evtl. Neuerkrankungen alle Kontakte nachverfolgt werden können (auch hier ist eine App im Gespräch), wenn es insgesamt ausreichende Testkapazitäten gibt.

Die Verlängerung des Lock-Down, der eigentlich schon am 23.04. enden sollte, wurde mit dem bevorstehenden Feiertag begründet. Am Sonnabend ist ANZAC-Day, einer der wichtigsten Feiertage in Neuseeland. Da der Feiertag auf einen Samstag fällt, erfolgt eine „Mondayisation„, d.h. der darauf folgende Montag ist Feiertag. Daher der Beginn Level-3 am Dienstag. Bis dahin sollen sich alle Firmen und vor allem auch die Schulen auf die Veränderungen vorbereiten können.
Eine umfangreiche Hintergrundinformation zum ANZAC-Day findet man auf den Seiten der Regierung.

Level-3 bringt für uns keine Veränderungen, denn die Campingplätze sind noch nicht offen und man soll weiterhin zu Hause bleiben. Ausnahmen sind wie bisher Gänge zum nächsten Supermarkt oder sportliche Aktivitäten im nächsten Umkreis, die man unter Beachtung der Abstandsregelung machen kann. Autofahren ist für den Normalbürger nach wie vor verboten.

Die wichtigste Veränderung aus meiner Sicht ist die Öffnung für Firmen, die ihre Prozesse unter Beachtung der „social distancing“ abwickeln können und der Einzelhandel, der wenigstens online Bestellungen aufnehmen darf. Zudem sollen die Schulen schrittweise geöffnet werden, aber mit der ausdrücklichen Empfehlung der Regierung, dass die Schüler lieber zu Hause lernen sollen. Sie hat dazu auch mehrere Tausend Computer und 6.700 Netzwerkkomponenten (Router) an Schüler verschickt, damit die Jugendlichen über das Internet lernen können.


Wir haben am Mittwoch morgen unser bisheriges Quartier geräumt und sind ein paar Straßenzüge weiter in Richtung Innenstadt gezogen. Die bisherige Vermieterin brauchte das Apartment für ihre Familie. Auch das neue Apartment haben wir bei AirBnB gefunden.

Der Umzug ging ohne Probleme von statten. Das neue Quartier ist wesentlich größer und moderner eingerichtet als das bisherige. Es gibt eine nahezu perfekt ausgestattete Küche, einen großen Wohnbereich, zwei Schlafzimmer und ein modernes Bad mit eigener Waschmaschine und Trockner. Ein kleiner Balkon ist auch vorhanden und die Sonne scheint in unser Wohnzimmer – zumindest scheint sie heute…

In dem Gebäude links sind 6 Apartments
Der Wohnbereich
Die Küche mit Geschirrspüler, Mikrowelle, modernem Herd und extra Grill, Toaster …
Das große Schlafzimmer mit Balkon.
Bad mit Dusche, Waschmaschine und Trockner.

Ansonsten kämpfen wir mit uns, dass wir keinen „Lagerkoller“ bekommen, aber es ist sehr schwer. Die Zeit läuft uns – sacht zwar – aber sie läuft uns davon. Der Winter steht vor der Tür, es hat schon ein paar Mal in den höheren Lagen geschneit. Selbst wenn wir weiter fahren können, ist fraglich welche Plätze dann noch offen sind bzw. die Corona-Pause überhaupt überstanden haben.

Die Tage verlaufen ansonsten in mehr oder weniger gleichmäßiger Routine, wie schon im letzten Beitrag geschrieben. Moni geht vormittags allein einkaufen (es darf eh immer nur eine Person in den Supermarkt, zu zweit hineingehen ist verboten). Ich bereite das Mittagessen vor. Nachmittags gehen wir zusammen oder auch mal allein spazieren. Ich sitze viel am Computer und schneide weiter an unseren Urlaubsfilmen: Der Film über unseren Urlaub in Peru 2013 ist endlich fertig geworden und der Film über Namibia 2015 ist auch auf gutem Wege. Moni hat das Online-Puzzeln für sich entdeckt.
Abends sehen wir uns immer unsere alten Videos von den Wanderungen, Urlauben, Familienfesten und ähnliches an. Das macht einerseits viel Spaß, viele der Filmchen haben wir uns nur ein einziges Mal angeschaut, aber andererseits erinnern sie einen auch daran, wie schön Urlaub eigentlich sein kann….


Über die ersten wirtschaftlichen Auswirkungen hatte ich ja schon im letzten Blog-Beitrag geschrieben. Jetzt hat es auch die Dunedin Railways erwischt, mit denen wir am letzten Tag vor dem Lock Down noch den Ausflug in die Taieri Gorge gemacht hatten. Die Strecke wird stillgelegt, die 51 Mitarbeiter sind entlassen und die Loks und Wagen werden auf unbestimmte Zeit eingemottet.
Auch die heutige (22.04.) Otago Daily Times hat sich des Tourismus mit einer reißerischen Überschrift („Tourism ‚bloodbath'“) angenommen:

Der Artikel beleuchtet die Auswirkungen auf die beiden Zentren Queenstown und Dunedin. Insbesondere Queenstown wird es schlimm treffen, dort sind 63 % aller Jobs im Tourismus und 55,6 % des Bruttosozialproduktes stammt aus diesem Bereich. Man erwartet kurzfristig Arbeitslosenraten über 30%.
Besonders betroffen sind die vielen Ausländer mit einem Arbeitsvisum. Von den jetzt schon gemeldeten 6800 Menschen, die sich im Notfallzentrum der Region Queenstown gemeldet haben, um Lebensmittelgutscheine oder andere Unterstützung zu bekommen, sind um die 80% Ausländer. Ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld keine Wohnung und der Weg nach Hause ist versperrt, weil keine Flüge mehr gehen.

Umso unverständlicher sind die Reaktionen vieler Neuseeländer in den sozialen Medien, die froh sind, dass die Touristenplage vorbei ist. Man zielt besonders auf die Backpacker: man verdiene eh nichts an denen, die mit ihren gemieteten Wohnwagen nur die Umwelt verschandeln (Stichwort: freedom camping) und kaum Geld im Lande lassen. Das Argument von einigen, die gegen eine Pauschalverurteilung sind, dass die Backpacker ja meist mit einem Work-and-Travel-Visum kommen, viele Arbeiten machen, die die Neuseeländer nicht machen wollen und dann dieses Geld auch wieder in Neuseland ausgeben, verhallt ungehört.

Auf jeden Fall wird es für den Tourismus in Neuseeland nicht einfach, denn die Grenzen werden wahrscheinlich für Ausländer und Touristen erst wieder aufgemacht, wenn es einen Impfstoff gibt, und dass kann noch eine Weile dauern.

Comments

  1. Alscher

    Hallo Hallo.uns geht’s auch nicht viel besser allerdings haben wir wohl besseres Wetter als sie.Unsere Kinder haben uns ständige Quarantäne verordnet.Werden jeden Tag mit Lieblingsgerichten(Kalbsnieren Hendrik hat sogar Kalbsbries ergattert)Man sagt hier nach der Krise müssen alle zu den anonymen Alkoholikern und den weightwatchers.Hotel läuft weiter sie hatten von Anfang an die DHL Leute einquartiert.Sohn Ben arbeitet in der Uniklinik Köln.Nur leider bei Anja. und Mauricio fallen die Kunst Märkte aus.Aber einen kann die Familie doch immer gut mitführen.Also nicht bange machen lassen, wünsche Ihnen eine gute Zeit.Uschi alscher

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