Endlich !!!

Endlich, endlich war es soweit: am Donnerstag, den 14.05.2020 durften wir offiziell weiterfahren. Wir hatten beide unruhig geschlafen. Nach dem Frühstück packten wir alle Sachen und verstauten sie wieder in den Camper. Da wir in den letzten knapp vier Wochen alles ausgeräumt und auch viele Lebensmittel gekauft hatten, war es gar nicht so einfach, alles zusammen zu sammeln und auch wieder ordentlich zu verstauen. Nach knapp 1,5 Stunden hatten wir es aber geschafft. Wir rollten los !!

Wir wollten ja klein anfangen und noch zwei Nächte in Dunedin verbringen, um die neue Lage zu peilen: funktioniert das mit den Campingplätzen, gibt es andere Probleme… Wir fuhren zuerst ins Zentrum und stellten den Camper ab. Der Spaziergang durch das Zentrum war völlig ungewohnt. Es waren sehr viele Menschen und Autos unterwegs; viele, aber nicht alle, Geschäfte hatten geöffnet. Man merkte die Unsicherheit bei der Umsetzung der Level-2 Anforderungen z.B. bzgl. der Erfassung der Kontaktdaten, jeder handhabte es etwas anders. Wir kauften ein paar Kleinigkeiten ein, die in den letzten 8 Wochen notwendig geworden waren und gingen dann zur Feier des Tages in ein Restaurant. Wir wurden mit Beifall begrüßt, denn wir waren die ersten Gäste nach dem Lock Down. Wir bestellen typisch neuseeländisches Essen: Kumara-Fritten für Moni (Kumara=Süßkartoffel) und Southern fried chicken with fries für mich.

Danach ging es auf den vorgebuchten Zeltplatz. Wir mussten noch etwas warten, aber konnten dann den Camper abstellen. Da ich die Kabine wahrscheinlich in Christchurch etwas schief aufgesetzt hatte, haben wir zuerst die Kabine noch einmal ab- und neu aufgesetzt. Aber auch das war in einer halben Stunde erledigt. Wir waren zuerst völlig allein auf dem Platz, aber dann trudelten doch noch ein paar andere Gäste ein. Wir wurden von einem Belgier angesprochen, der aus dem Osten Belgien (St.Vieth) kam und deutsch sprach. Er hatte die Lock Down Zeit auf einem Campingplatz in Invercargill verbracht. Er war Ruheständler und mit dem Mietwagen und Fahrrad unterwegs. Wir waren also nicht die einzigen „Verrückten“.

Der erste Abend im Camper ging schnell vorbei, jetzt konnten/mussten wir Pläne schmieden.

Am nächsten Morgen (Freitag, 15.05.2020) konnten wir wieder in unserem Camper frühstücken, leider nicht draußen. Es war drinnen aber nicht so kalt wie befürchtet, aber wir hatten abends auch die Heizung lange an.

Die heutige Rundfahrt auf die Otago Peninsula war kurz. Ziel war das Royal Albatros Zentrum, wo es die einzige Brutkolonie des Nördlichen Königs-Albatrosses gibt.

Wir fuhren zuerst einkaufen, kontrollierten den Luftdruck in allen Reifen und fuhren dann auf die Halbinsel.

Zwischenziel war Larnach Castle, Neuseelands einziges Schloss, das 1871 vom William Larnach, einem Handelsbaron und Politiker, gebaut worden war. Das Schloss ist im Privatbesitz, aber man kann es zusammen mit dem schönen Garten besuchen. Aber wie schon von uns befürchtet, war das Schloss noch geschlossen. Schade.

Weiter geht die Fahrt zur Spitze der Halbinsel, zum Taiaroa Head. Aber auch hier die nächste Enttäuschung: auch das Albatros-Zentrum hat noch geschlossen. Man kann zwar die sehr interessante Küste sehen, aber leider keine Albatrosse. Pinguine kommen sowieso erst nach 17:00 Uhr aus dem Wasser, aber alle Wege nach unten sind verschlossen, denn ohne Führung (und ohne Gebühr) kommt man nicht an den Strand.

Also machen wir uns auf die Rückfahrt und einen Halt am Otago Trooper’s Memorial. Es geht ziemlich steil hinauf zum Monument. Wen es interessiert, ein Link zu Hintergrundinformation in der Otago Daily Times.

Auf unserem Campingplatz machten wir kurz Mittag. Da wir durch die geschlossenen Sehenswürdigkeiten noch viel Zeit hatten, unternahmen wir noch einen Abstecher nach Mosgiel, einer Kleinstadt im Umfeld von Dunedin. Sie bot aber nichts interessantes und so fuhren wir wieder zurück.

Die Nacht zum Samstag, 16.05.2020, war klar und sehr kalt, nur knapp 4°C. Heute wollten wir in unsere eigentliche Rundreise wieder einstiegen. Dazu begannen wir unsere Fahrt in Dunedin auf dem Southern Scenic Drive. Das Ziel ist das südöstlich gelegene Gebiet der Catlins. Namensgeber ist der Fluss Catlins. Die Straße führt an das Meer und dann weiter unmittelbar am Meer entlang.

Endlich wieder Reisen !

Am Lake Waihola machen wir bei sehr schönem Wetter Mittagspause.

Wir stoppen später noch mal in Balclutha, um uns mit Informationen zu versorgen. In der Touristeninformation („i-Site“) sind wir wahrscheinlich die ersten ausländischen Gäste und werden geradezu überschwänglich mit Informationsmaterial versorgt.

Auf dem Weg zum Nugget Point, einem Wahrzeichen der Catlins, halten wir noch in Kaka Point.

Der Leuchtturm am Nugget Point ist noch in Betrieb und ein etwa 20 Minuten langer, gut ausgebauter Fußweg führt dahin. Der Leuchtturm mit den kleinen davor gelegenen Felsen („Nuggets“) war sehr schön.

Nun war es nicht mehr weit bis zu unserem Campingplatz, der sehr abgelegen an der Mündung des Owaka-Flusses direkt am Meer gelegen ist.

Ein paar andere Leute (Familien) waren da, die offensichtlich einen Wochenendausflug machten und in den festen Kabinen des Zeltplatzes wohnten. Leider hatten wir keinen Mobilfunkempfang und auch keinen Radio-Empfang auf UKW, aber es gab Internet per WLAN.

Für heute (Sonntag, 17.05.2020) hatten wir nach Sichtung des gestern erhaltenen Informationsmaterials eine Wanderung auf dem Catlins River-Wisp Loop Track geplant. Insgesamt ist das eine 24 km Runde, die wir aber nicht schaffen werden. Wir wollten erst einmal loslaufen, um zu sehen wie weit wir kommen.

Da wir jetzt immer ziemlich spät aufstehen (für unsere Verhältnisse), so gegen 7:30 bis 08:00 Uhr, dauert es auch ziemlich lange bis wir die Morgentoilette hinter uns und gefrühstückt haben. Eher wollen wir aber auch nicht aufstehen, denn die Sonne quält sich auch erst um diese Zeit nach oben. Nachts gingen die Temperaturen auf unter 3°C zurück. Auf dem späteren Weg sahen wir die ersten mit Rauhreif bedeckten Wiesen….

Zwischendurch machen wir noch einen Einkaufsstopp in Okawa, um Wanderverpflegung zu besorgen und nach einer kurzen Fahrt durch die hügelige Landschaft der Catlins erreichten wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Es war ein abgelegenes Picnic Area mit Autostellplätzen, einer Plumstoilette, ein paar Tischen und Bänken. Als wir ankamen stand tatsächlich schon ein Auto dort, aber ohne Leute.

Wir parkten den Camper und machten die Fenster auf, damit die Sonne hoffentlich das Kondenswasser etwas verdunsten lässt. Da wir nachts alle Fester geschlossen haben, sammelt sich bis morgens an den Außenwänden sehr viel Kondenswasser.  Das hatten wir schon vor unserer Zwangspause festgestellt und dann bei jeder Gelegenheit durchgelüftet, denn Schimmel wäre das Letzte, was wir brauchen.

Der eigentliche Weg führte flussabwärts entlang des Catlin River. Den Rückweg kann man dann durch die bergigen Hügel machen, um nicht den selben Weg zurücklaufen zu müssen. Aber schon die Frau in der Information in Baclutha hatte uns gestern gewarnt, dass in diesem Gebiet Holzfällarbeiten im Gange sind und man diese Wege meiden sollte. Vom Parkplatz waren die gerodeten Flächen auch schon zu sehen.

Der Weg war schön, es ging auf und ab am Catlin Fluss entlang. Man musste sehr aufpassen, um nicht über eine der vielen glitschigen Wurzeln zu stolpern. Aber von unseren vielen Wanderungen in Deutschland, kennen wir solche Wege, so dass es nicht so aufregend einmalig war.

Ein kleines Highlight waren die kleinen Hängeseilbrücken, die wir viermal auf dem Hinweg überqueren mussten. Es durfte nur jeweils eine Person die Brücke betreten.

Nach einer Mittagspause liefen wir weiter. Da wir den Rückweg einplanen mussten, wollten wir gegen 13:00 Uhr über den weiteren Weg entscheiden. Moni überredete mich, dass wir nicht den gleichen Weg zurückgehen, sondern aus dem Tal aufsteigen und eine der Forststraßen zurück zum Parkplatz nehmen. Schließlich ist heute Sonntag und es waren keine Holzfällarbeiten zu hören oder zu sehen. Wir fanden auch den Ausstieg und begannen den Rückweg.

Die Straße führte 2 km ziemlich steil ansteigend nach oben. Dann kam die böse Überraschung: Die Straße war mit einem Tor versperrt und auf einem großen Schild stand, dass es strengstens verboten ist, weiter zu gehen, alle Verstöße der Polizei gemeldet werden und das Ganze auch per Videokamera überwacht wird.

Ärger mit der Polizei können wir im Moment nicht gebrauchen. Also kehrten wir um. Es war schon nach 14:00 Uhr und der Rückweg würde normalerweise etwa 3 Stunden dauern. Da wir auf keinen Fall im Dunklen ankommen wollten, liefen so schnell wie wir es konnten – und die Wegeverhältnisse es zuließen – zurück. Ich hatte kurz überlegt, an der Wald-Straße ein Taxi zu rufen, aber es gab Null Handy-Empfang. Wir haben es letztlich im Hellen geschafft, aber die 20 km Strecke und die 600 Höhenmeter bergauf und bergab haben uns mächtig geschafft.

Die letzten Meter haben wir uns quasi nur noch zum Auto geschleppt. Aber die Sonne schien noch und gegen 17:00 Uhr waren wir zurück auf unserem Campingplatz. Danach war nur noch Duschen, Abendessen und Relaxen angesagt.

Montag, 18.05.2020: Wir haben nach den Anstrengungen des gestrigen Tages gut geschlafen. Nach dem Frühstück wollten wir noch einen Spaziergang an den Strand der Surat Bay machen. Das Wetter war kalt, aber nach dem morgendlichen Regen kam dann die Sonne mehr und mehr hervor. Wir hatten gehofft noch ein paar Seehunde zu sehen, aber der Strand war menschen- und tierleer.


Gegen 10:00 Uhr starteten wir unsere heutige Tour, die weiter durch die Catlins führen sollte. Unser erstes Ziel war Jack’s Blowhole. Das ist ein tiefes Loch 200 m von der Küste entfernt, das durch einen Tunnel mit dem Meer verbunden ist und durch den die Wellen dann in dieses Loch gelenkt werden.

Wir mussten ein Stückchen laufen, dann sahen wir das beeindruckende Loch. Es ist 55 m tief, 144 m lang und 68 m breit.

Die Gicht schäumt aber erst bei extrem starken Wellen und voller Flut bis an den Rand des Loches, aber auch so war es interessant. Benannt wurde es übrigens nach Tuhawaiki, einem Anführer der Ngāi Tahu (einem Maori-Stamm), dessen Spitzname ‚Bloody Jack‘ war. Es kam zu diesem Spitznamen wegen seiner derben Sprache.

Danach hielten wir in Owaka, um noch einmal einzukaufen. Owaka heißt auf Maori „Platz des Kanus“. Daher war auch im „Zentrum“ des Dorfes eine Skulptur eines Maori-Kanus zu sehen. Das Örtchen hat übrigens gerade einmal 400 Einwohner.

Unser nächstes Ziel waren die Purakauni Falls, einem Symbol für die Catlins-Region. Auf dem Weg dahin machten wir erst einmal eine kurze Mittagspause und aßen (wie schon so oft) eine asiatische Instant-Nudelsuppe. Dafür gibt es heute Abend marinierte Hühnerspieße (fertig mariniert 😉 ).
Die nur 20 m hohen Wasserfälle waren nett, aber mittlerweile sind wir schon etwas gesättigt, auch wenn sie zu den am meisten fotografierten Fällen Neuseelands gehören und es auf eine Briefmarke von Neuseeland geschafft haben.

Wenn der Fluss mehr Wasser führt, sieht es beeindruckender aus.

Danach wollten wir eigentlich in Richtung unseres bevorzugten Campingplatzes, aber auf meine gestrige Anfrage kam nur eine widersprüchliche Antwort bzgl. der Restriktionen durch den Level-2 Coronastatus. Daher hielten wir nach einem Motel Ausschau und wurden in Papatowai fündig, einem Ort mit gerade 30 ständigen Einwohnern. Wir waren die ersten Gäste nach 8 Wochen Schließung!

Das Apartment war sauber, aber es war alles ziemlich ältlich. Das begann bei der Zahlung mit der VISA-Card per Ritsch-Ratsch-Maschine (offiziell Imprinter) und endet beim in Ehren ergrauten Röhrenfernseher.

Wir machten noch einen Abstecher zum Strand bzw. der Mündung des Tahakopa-Rivers und genossen die spätherbstlichen Sonnenstrahlen.

Corona-Virus / COVID-19

Nunmehr sind seit mehreren Tagen in Neuseeland keine neuen Fälle aufgetaucht und es besteht Hoffnung, dass auch die letzten noch reichlich 40 aktiven Fälle verschwinden. Die gesamte Südinsel hat im Übrigen seit 29 Tagen keinen einzigen neuen Fall mehr. Ob und wann dann mal ein Level-1 kommt, steht aber noch in den Sternen.

Wir planen erst einmal die Südinsel noch fertig zu bereisen und dann zügig zurück auf die Nordinsel zu fahren. Sobald es eine Chance gibt, mit dem Auto nach Australien zu kommen, werden wir das sofort in Angriff nehmen.

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