Hawke’s Bay (1)

Nach langer Zeit war für heute (Dienstag, 23.06.2020) schönes Wetter angesagt und wir wollten dies ausnutzen, um noch einmal nach Palmerston North zu fahren. Dort hatte es während unseres ersten Aufenthaltes ununterbrochen geregnet, so dass wir nicht allzuviel von der Stadt gesehen hatten. In der Zeitung habe ich noch einen interessanten Artikel über das Wetter der letzten Tage gefunden:

Da die Strecke nur reichlich 40 km war, ließen wir uns viel Zeit und fuhren dann im strahlenden Sonnenschein los.

In der sternenklaren Nacht war es etwas kälter geworden, ca. 7°C, aber in der Sonne erwärmte sich die Luft schnell. Wir fuhren eine relativ schmale Straße auf dem kürzesten Weg nach Palmerston North, direkt bis in das Zentrum. Auf dem Weg sahen wir noch eine Farm, auf der die Schweine freien Auslauf hatten. Obwohl es in jedem Supermarkt viel Schweinefleisch gibt, sind Schweine im Gegensatz zu Rindern oder Schafen äußerst selten zu sehen.

Wir stellten den Camper ab, machten alle Fenster etwas auf, um alles etwas durchlüften zu lassen und begannen dann unseren Stadtrundgang. Zuerst tranken wir aber in einem Café einen Cappuccino. Wir konnten draußen in der Sonne sitzen. Ein ungewohnt schönes Gefühl.

Hier ein paar Eindrücke von unserem Rundgang.

Wir aßen in einem chinesischen Restaurant zu Mittag. Moni hatte nicht die richtige Wahl getroffen (Gebratener Reis), mein Hot Pot hat gut geschmeckt. Wir gingen einkaufen und am frühen Nachmittag checkten wir auf dem gleichen Campingplatz ein wie vor ein paar Monaten. Das erste Mal seit ewiger Zeit holten wir Tisch und Stühle aus dem Camper und konnten wenigstens eine Stunde draußen in der Sonne sitzen, bevor sie relativ früh unterging. Zufrieden mit dem Tag gingen wir wieder in unseren Camper.

Heute (Mittwoch, der 24.06.2020) wollten wir noch einen Versuch machen, die Tui-Brauerei zu besuchen, die vorgestern geschlossen hatte, um dann nach Dannevirke weiter zu fahren. Zuerst wollten wir zwei Dinge in Palmerston North erledigen: Einmal nochmals nach einem Luftentfeuchter schauen, um das Kondenswasser im Camper zu beseitigen und zweitens brauchte ich neue Medikamente, da die mitgebrachten fast zur Neige gegangen sind. Für den Luftentfeuchter schauten wir uns beim K-Mart um, aber in der Reklame des Warenhauses hatte ich mich verlesen: es gab Humidifier (also Luftbefeuchter), wir brauchten aber Dehumidifier (Luftentfeuchter), die waren aber ausverkauft.

Für den zweiten Punkt hatte ich mir von meinem (ehemaligen) Hausarzt ein Rezept schicken lassen, mit dem Hinweis, möglichst die Inhaltsstoffe anzugeben, nicht die Handelsnamen. Die E-Mail kam auch sofort, wir mussten uns nur auf die Suche machen, das Rezept auch auszudrucken. Im dritten Anlauf fand ich einen Laden, der mir die eine Seite für 12 Cent ausgedruckt hat. Dann ging es zur Apotheke, wo man mir aber erklärte, dass internationale Rezepte nicht anerkannt werden und verwies mich in ein Medical Care Centre in der Nähe.

Dort erklärte ich an der Anmeldung mein Anliegen, d.h. Umschreiben des deutschen Rezeptes gegen ein neuseeländisches. Aber so einfach war es nicht: zuerst musste ich im neuseeländischen Gesundheitssystem angemeldet werden, auch wenn die Gesundheitsversorgung im Allgemeinen kostenlos ist (auch für Touristen). Dann durfte ich rund 50€ „Praxisgebühr“ bezahlen. Mit der neuen Nummer im System war ich registriert und durfte dann erst mal warten. Nach ein paar Minuten musste ich zu einer Krankenschwester, die sich ebenfalls mein Anliegen anhörte, aber zuerst einmal den Puls, den Blutdruck und die Temperatur gemessen hat (Corona lässt grüßen). Dann wurde ich nochmals auf einen Termin mit einem Arzt vertröstet und sollte eine halbe bis eine Stunde warten. Aber schon nach 10 Minuten wurde ich aufgerufen und ich erzählte zum dritten Mal mein Anliegen. Die Ärztin hörte sich das an, nickte beim Lesen des Rezeptes verständnisvoll und nachdem ich erklärt hatte, dass wir voraussichtlich noch bis September bleiben wollen/müssen, schrieb sie mir für diesen Zeitraum auch das notwendige Rezept aus, sogar noch mit einem Zusatzmedikament. Das Ganze hatte etwa 1 Stunde gedauert und mit dem druckfrischen Rezept marschierte ich in die daneben gelegene Apotheke.

Man nahm das Rezept entgegen, dann durfte ich wieder warten. Nach einer Viertelstunde bekam ich aber die Medikamente mit zwei Besonderheiten: Tabletten werden nicht nach Packung verkauft, sondern abgezählt in Döschen. Die Preise für die Medikament waren übrigens etwa 1/3 des deutschen Preises, also deutlich billiger. Tabletten, die man längere Zeit nehmen muss, bekommt man nur für den ersten Monat, danach muss man wieder in die Apotheke, um sich die Tabletten für den nächsten Monat abzuholen….

Alles in allem etwas anders organisiert, aber es hat funktioniert und es ging auch ohne vorherige Terminvereinbarung insgesamt sehr schnell. Soweit zu meinen ersten Erfahrungen mit dem neuseeländischen Gesundheitssystem.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Auf dem Weg zur Brauerei gingen wir in Ashhurst Mittagessen: neuseeländische Küche, mehr brauche ich nicht zu sagen.

Dann fuhren wir zur Brauerei. Ich kaufte nur ein paar Spezialabfüllungen und fuhren weiter.

In Dannevirke fanden wir den Campingplatz, checkten ein und erkundeten noch kurz das Städtchen.

Dannevirke wurde 1872 von dänischen, schwedischen und norwegischen Einwanderern gegründet. Der Name bezeichnet einen Wall, der im 9. Jahrhundert zum Schutz gegen Angriffe der Sachsen quer durch die dänische Halbinsel errichtet wurde.

In der Stadt wohnen heute rund 5.000 Einwohner, die hauptsächlich in der Milchindustrie oder der Rinder- und Schafzucht beschäftigt sind. Nach einem Spaziergang die Hauptstraße hinauf und wieder hinab hatten wir genug gesehen und zogen uns wieder in unseren Camper zurück.


Der Wetterbericht hielt, was er versprochen hatte: Regen. Zwar nur Nieselregen, aber dafür Wind und kühle Temperaturen. Trotzdem wollten wir uns heute (Donnerstag, 25.06.2020) nicht abschrecken lassen und einen Ausflug an die Küste machen. Wenn schönes Wetter gewesen wäre, hätten wir sicherlich in Herbertville an der Küste übernachtet, aber so planten wir eine Rundreise, wieder zurück nach Dannevirke.

Wir fuhren nach dem Frühstück gegen 09:00 Uhr los in Richtung Osten und Pazifikküste. Das Wetter wurde erst einmal nicht besser und die Landschaft glich der, die wir schon so oft gesehen hatten: endlose Hügel, überall Weiden, viele Rinderherden und noch viel mehr Schafherden.

Ab und zu Nutzwälder, wo wir an einer Stelle auch die Holzeinfuhr beobachteten konnte. Die frisch abgeholzten Hügel sahen furchtbar aus, aber meistens wird dann relativ schnell neu gepflanzt, natürlich wieder Kiefern…

Schon kurz vor 11:00 Uhr erreichten wir an der Küste das kleine Ferienörtchen Herbertville.

Die Siedlung und der Campingplatz wirkte wie ausgestorben. Wir sahen keinen einzigen Menschen, obwohl das Wetter ein kleines bisschen besser geworden ist, es regnet zumindest nicht.

Es gab eigentlich nichts zu sehen, daher fuhren wir weiter in Richtung Norden. Höhepunkt des heutigen Tages sollte der Besuch eines Platzes sein, von dem der Hügel bzw. der Platz mit dem längsten Namen in der Welt zu sehen ist. Wir dachten schon wir wären daran vorbeigefahren, aber dann gab es ein Hinweisschild, dann den Lookout auf dem Hügel mit dem schönen Namen Taumatawhakatangi­hangakoauauotamatea­turipukakapikimaunga­horonukupokaiwhen­uakitanatahu (85 Buchstaben).

Die Geschichte hinter dem Namen kann man z.B. hier finden. Auch in der deutschen Wikipedia gibt es einen entsprechenden Eintrag.

Wir machten den obligatorischen Fotostopp und gleichzeitig Mittagspause. Wir fuhren dann in einem großen Bogen nördlich über Waipukurau und Norsewood zurück nach Dannevirke. Insgesamt waren es über 200 km. Wir stellten uns wieder auf den gleichen Campingplatz. Moni ging noch in das Schwimmbad, das gleich daneben gelegen war. Ich setzte mich noch ein bisschen an den Rechner. Mittlerweile regnete es wieder gleichmäßig und laut Wetterbericht sollte es sich in den nächsten Tagen nicht ändern.


Das Ziel unserer heutigen Etappe (Freitag, 26.06.2020) war Napier. Wir hatten beschlossen, noch einmal eine feste Unterkunft auszusuchen. Mit AirBnB-Wohnungen in Napier oder Hasting sah es nicht gut aus. Entweder stimmte der Preis, aber die Ausstattung nicht oder umgedreht. Dann fand ich ein Angebot im Kennedy Holiday Park in Napier für eine Motel-Unterkunft auf dem Campingplatz als Sonderangebot für ein“ Couple Escape“. Das werden wir uns erst einmal anschauen.

Bei Nieselregen starteten wir unsere Tour. Wir hatten nur einen Zwischenstopp in Norsewood geplant. Das Dorf wurde 1872 von norwegischen und schwedischen Einwanderern gegründet. Einen ganz kleinen Hauch „Skandinavien“ hatte das Dorf auch. Leider war das Wetter nach wie vor schlecht, so dass wir uns nur relativ flüchtig umsahen, um dann unsere Reise Richtung Napier fortzusetzen.

Nettes Schild im kleinen Supermarkt

Die Straße führte wieder durch nahezu menschenleere Gegenden, viele Weiden, einige Farmen. Auch unsere Reiseführer empfahlen, einfach durchzufahren. Kurz vor Mittag erreichten wir Napier, suchten uns einen Parkplatz und dann ein Restaurant zum Mittagessen.

Zufahrt nach Napier

Diesmal hatten wir Glück, wir fanden eine Eatery, die sehr gut frequentiert war (ein gutes Zeichen) und fanden gerade noch einen Platz. Monis Nudeln und mein thailändischer Rindersalat haben sehr gut geschmeckt. Dann fuhren wir auf den Campingplatz, sahen uns das Quartier gemäß dem Sonderangebot an und buchten es gleich für vier Tage. Wir wollen Hawke’s Bay erkunden und hoffentlich haben wir besseres Wetter. Zumindest hatte es schon mal aufgehört zu regnen. Wir räumten wieder einmal unseren Camper in das Motel-Zimmer (mittlerweile haben wir Übung) und machten noch einen kurzen Spaziergang. Morgen wollen wir Napier erkunden.


Wieder einmal startete der Tag (Sonnabend, 27.06.2020) mit Nieselregen und dichten Wolken. Wir beschlossen noch eine Weile zu warten und tatsächlich, gegen 10:00 Uhr hörte der Regen auf. Da am Samstag die Busse nur alle Stunde fahren, liefen wir in das Stadtzentrum. Nach kanpp 30 Minuten waren wir am lokalen Wochenmarkt in Napier. Der Markt war ziemlich klein, ca. 12 bis 15 Stände, aber es gab einen Bäckereistand, der tatsächlich europäisch aussehende Roggenbrote (Mischbrote) anbot. Da konnten wir nicht widerstehen und haben es später zum Abendbrot auch nicht bereut.

Nach einer Viertelstunde hatten wir den Markt besucht und liefen weiter durch die Stadt, die durch ihre Art Deco Architektur bekannt ist. Die Hintergründe sind eigentlich traurig, denn am 3. Februar 1931 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,8 die Stadt. 261 Tote waren zu beklagen, dazu kamen viele Verletzte und 90% der Bevölkerung waren plötzlich ohne Wohnraum. Es ist bisher Neuseelands schlimmste Naturkatastrophe. Man begann mit dem Wiederaufbau im damals modernsten Stil. Ende der 30iger Jahre war Napier somit eine der modernsten Städte weltweit. Jährlich im Februar gibt es ein Art Deco Festival, das, von den Bildern die wir gesehen haben, sehr beeindruckend sein muss. Hier ein paar Eindrücke von der Stadt.

Eine interessante Pier.

In einem türkischen Restaurant aßen wir (nicht gut) zu Mittag und liefen dann an der Strandpromenade in Richtung Campingplatz. Dabei kamen wir noch am Nationalaquarium von Neuseeland vorbei, das wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Zudem profitieren wir jetzt beide von den fast immer angebotenen Senioren-Tarifen.

Das Aquarium war sehr gut eingerichtet und erinnerte uns wieder daran, dass wir eigentlich während unserer Reise auch Tauchen gehen wollten. Bisher fahren wir unsere Tauchausrüstung seit einem halben Jahr nur durch die Gegend. Hoffentlich klappt es in Australien irgendwann.

Dann liefen wir weiter zurück und beobachteten auf einem Sportplatz ein Rugby-Spiel (gefühlt Kreisklasse).

Typische Schuhmode in Neuseeland – Gummistiefel werden auch am Wochenende getragen ….
Wie überall wissen es die Zuschauer immer besser.

Wir schauten eine Weile zu und waren dann gegen 14:30 Uhr wieder zurück. Dann ging es nochmals zum Einkaufen und den Abend verbrachten wir in unsrem Motel Studio.

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