Gisborne

Das Beitragsbild habe ich zwar in Gisborne gemacht, könnte aber in jeder kleinen Stadt entstanden sein. Im Sommer sitzt manchmal sogar jemand draußen. Hier sah es noch gut aus, manchmal hatte man das Gefühl der Balkon war mit Sperrmüll zugestellt..


Nachdem wir uns gestern entschieden hatten, nicht in Mahia Beach zu bleiben, suchten wir nach Alternativen. Wir wollten auf jeden Fall an der Küste bleiben. Nächste Station wäre eigentlich Gisborne. Wir hatten aber keine Lust, bei dieser Kälte und dem oft schlechten Wetter im Camper zu bleiben und suchten daher in Gisborne nach einer festen Bleibe. Die Motelzimmer waren alle sehr teuer und haben fast nie eine richtige Küche, die beiden größeren Campingplätze boten entweder nichts Entsprechendes an oder die Kabinen waren ausgebucht. Also kam ich wieder auf AirBnB zurück. Auch da war das Angebot sehr überschaubar. Gott sei Dank war die einzige Wohnung, die uns zusagte und die auch in unserem Budget lag, noch frei. Wir buchten gleich für eine ganze Woche. Irgendwie müssen wir über den Winter kommen…

Die Kiwis sind da übrigens sehr erfinderisch. Sie feiern Ende Juni, Anfang Juli einfach Mid Winter Christmas. Zudem sind im Moment gerade 2-wöchige Winterferien. Und wie wir am Stonehenge Aotearoa (siehe Blog Beitrag) gelernt haben, fällt auch das Maori-Neujahr auf diese Zeit. Da der genaue Termin mit dem Stand der Plejaden zusammenhängt, ist dies kein fester Termin. In diesem Jahr beginnt das neue Jahr (Matariki) am 13. Juli.

Heute Morgen (Samstag, 04.07.2020) mussten wir erst zuerst wieder unseren Camper einräumen. Mittlerweile haben wir ja darin schon Routine, so dass dies relative schnell erledigt war. Zwar schien die Sonne, aber es war nachts sehr kalt (~ 1°C) und die Wiese vor unserem Haus hatte teilweise Rauhreif. Die rund 60 km bis Gisborne waren relativ schnell gefahren. Vor Gisborne ging es dann in eine Ebene, die Gisborne Plains, in die Poverty Bay/Bucht.

Blick auf die Poverty Bay
Hinter den hohen Hecken wachsen Orangenbäume
Alle Bäume hingen noch voller Orangen.
Die Orangen haben eine sehr feste Schale, schmecken aber sehr gut.

Da wir erst nach 14:00 Uhr in die Wohnung konnten, machten wir schon mal einen kleinen Spaziergang durch die Stadt, aßen in einem Hotel leider wieder einmal ziemlich schlecht zu Mittag und fuhren noch zum Supermarkt.

Die Hauptstraße mit dem obligatorischen Uhrenturm.

Die Wohnung entpuppte sich als kleines Mini-Häuschen, das Eltern damals für ihren Sohn – unseren Gastgeber – gebaut hatten. Er ist mittlerweile ausgezogen. Als wir ankamen, war er gerade noch da und zeigte uns die Wohnung. Sie ist sehr schön, vor allem der Blick aus den Fenstern über Gisborne in Richtung Bucht hatte was. Dann richteten wir uns nur noch ein und genossen den Abend.

Eine schöne, gut eingerichtete Wohnung
Blick auf Gisborne und die Poverty Bay

Wir hatten uns für die nächsten Tage einen Essensplan gemacht und mussten heute (Sonntag, 05.07.2020) im Laufe des vormittags doch noch einmal Einkaufen fahren. Da die großen Geschäfte alle auch sonntags geöffnet sind, ist das erstens kein Problem und zweitens verschwimmen für uns die Wochentage mehr und mehr. Beim Kochen des Mittagessens mussten wir dann aber feststellen, dass die Gasflasche für den Gasherd in der Küche leer war. Und das mitten im Kochen. Also kramte ich schnell unseren Zweitkocher und die Reserve-Gasflasche aus dem Camper und baute sie auf der Terrasse der Wohnung auf. Nach mehreren Monaten der Nicht-Nutzung des Zweitkochers funktionierte plötzlich nur eine der drei Flammen, warum auch immer. Also kochte Moni die Nudeln im Camper und ich die Sauce auf der Terrasse. Wie durch ein Wunder hat es trotzdem sehr gut geschmeckt. Dann schickte ich dem Vermieter eine SMS, der ziemlich schnell reagierte und im Laufe des Nachmittages die Gasflasche wechselte.

Wir hatten uns in der Touristeninformation (i-site) gestern Prospekte mitgenommen. Eines beschrieb Spaziergänge durch Gisborne und wir suchten uns einen aus. Wir starteten bei unserer Wohnung und liefen in die Stadt. Entlang der Flüsse Taruheru und Turanganui liefen wir vorbei an der kleinen Marina und dem Hafen, wo ein Schiff gerade wieder mal Holzstämme verlud.

Der Turanganui River ist übrigens mit nur 1.200 m Länge der kürzeste Fluss von Neuseeland. Er wird durch den Zusammenfluss von Taruheru River und Waimata River mitten in Gisborne gebildet und fließt neben dem Hafen in die Poverty Bay.

Nachdem wir also den gesamten Turanganui-River entlang gelaufen waren, kamen wir an der Stelle an, wo Europäer das erste Mal neuseeländischen Boden betreten haben.

Die Statue von Captain James Cook erinnert an dieses Ereignis vom 8. Oktober 1769. Die Begegnung verlief zuerst friedlich. Durch verschiedene Missverständnisse kam es aber zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Europäern und den Maori, bei denen mehrere Maori starben. Die Europäer hatten den Haka-Tanz der Maori als Angriffe gewertet. Cook musste ohne Proviant überhastet abreisen und nannte dann die Bucht Poverty-Bay (Bucht der Armseligkeit).

Wir gingen weiter – vorbei an der Statue von Young Nick. Das war der Schiffsjunge, der das neuseeländische Festland zuerst gesehen hat. Wir wollten weiter zur Sunshine Brewery.

Wir kehrten in der Craft Beer Brauerei ein und ich machte eine kleine Bierprobe. Die Auswahl hieß „Hopfen-Furien“.

Danach ging es noch ein wenig am Strand entlang. Wir sahen wieder einige Surfer und Stand-Up-Paddler. Uns fröstelte schon beim Zusehen.

Kurz vor dem Abendessen waren wir dann wieder in unserem gemütlichen Apartment.


Den heutigen Vormittag (Montag, 06.07.2020) haben wir an den Laptops verbracht. Ich habe mich mit der Verlängerung unserer Visa beschäftigen. Sie laufen am 06.09.2020 aus und bis dahin werden wir wahrscheinlich Neuseeland nicht in Richtung Australien verlassen können. Zudem wird die Lage durch die zunehmende Zahl an Infektionen im australischen Bundesstaat Viktoria nicht besser.

Übrigens, vorgestern hatte ich in meinem Blog über den bevorstehenden Raktenstart nahe Mahia Beach geschrieben. Heute waren Berichte in den Zeitungen, dass der 13. Start dieses Raketentypes fehlgeschlagen ist und die Rakete nach 4 Minuten Flugzeit die sechs Satelliten nicht aussetzen konnte. Sogar eine längeren Beitrag zum Thema gab es bei heise.de.

Nach dem Mittagessen machten wir einen größeren Spaziergang. Aus der schon gestern genutzten Broschüre hatten wir uns einen weiteren Weg herausgesucht, der uns entlang der Marina und des Holzhafens hinauf auf den Kaiti Hill führte.

Die kleine Marina von Gisborne

Von oben – Cook’s Plaza – hatten wir schöne Ausblicke auf Gisborne und die Poverty Bay. Leider wurde das Wetter zunehmend schlechter, am Vormittag war der Himmel noch fast wolkenlos.

Im Vordergrund der Holzhafen, im Hintergrund Gisborne.

Auf dem Rückweg mussten wir am Holzhafen vorbei. Es ist unglaublich, wie im Minutentakt die vollen Holztrucks in den Hafen fahren.

Die leeren Anhänger werden dann auf den jeweiligen Truck geladen und die Trucks brausen mit den Anhängern im Huckepack wieder davon.

In der Holzindustrie Neuseelands sind ca. 35.000 Leute beschäftigt, die 6,5 Mrd NZ$ erwirtschaften. Holz ist der drittgrößte Exportartikel Neuseelands (nach Milch- und Fleischprodukten), dazu wurden 36 Millionen Kubikmeter Holz geschlagen. Das sind zu 95% Monterey-Kiefern, die schon nach knapp 30 Jahren „geerntet“ werden können, und 5% Douglasien.

Auf dem Hinweg hatten wir bereits einen schönen Fischladen entdeckt, dem wir jetzt einen Besuch abstatteten.

Hier gab es tatsächlich wieder Muttonbirds, die ich bereits in Wellington gesehen hatte (siehe Blog) aber nicht mitgenommen habe, da wir mit dem Camper weiterfahren wollten.

Diesmal kaufte ich so einen Vogel. Zusätzlich nahmen wir noch zwei Filets vom Orange Roughy (Granatbarsch) mit. Der Fisch hieß übrigens bis 1970 „Schleimkopf“ („slime head“) und war unter diesem Namen nicht zu vermarkten, also benannte man ihn einfach um….

Abends haben wir dann den Fisch gebraten, der sehr gut schmeckte und zur Feier des (Hochzeits-) Tages öffneten wir eine Flasche Sekt.

Stillleben mit Glückwunschkarte unserer Tochter…

Den Vormittag des heutigen Tages (Dienstag, 07.07.2020) habe ich damit zugebracht, mich in den Regularien Neuseelands zurechtzufinden, wie man eine Visaverlängerung hinbekommt. Leider gibt es die einfache Möglichkeit der „Verlängerung“ nicht, sondern man muss ein neues Visum beantragen, mit allen notwendigen Dokumenten. Das erste Visum hatte ich noch klassisch auf Papier gemacht, diesmal habe ich es online versucht. Mal sehen wie weit wir kommen, denn wir überschreiten damit die 12 Monate Gesamt-Aufenthaltsdauer, für die eigentlich wieder ganz andere Regularien gelten. Die letzte Seite bei der Eingabe war übrigens gleich die Bezahl-Seite.

Nachmittags habe ich noch ein bisschen am Rechner gearbeitet und Moni ist eine Runde spazieren gegangen. Sie war im hiesigen Botanischen Garten, der etwas vernachlässigt wirkte. Aber die Bäume und subtropischen Pflanzen zeigen, dass hier Frost eher selten vorkommt.


Heute (Mittwoch, 08.07.2020) wollten wir unseren gekauften Muttonbird zubereiten. In Neuseeland soll es 21 Millionen Muttonbirds / Dunkle Sturmtaucher geben. Davon werden ca. 250.000 Vögel jedes Jahr gefangen. Die Vögel leben auf verschiedenen Inseln und brüten dort ungestört von den eingeschleppten Schädlingen wie Ratten oder Possums. Die Saison beginnt jedes Jahr am 15. März. Dann setzen die Maori auf die Inseln über und fangen die Jungvögel ein, wegfliegen können sie ja nicht… Sie werden von den Elternvögel quasi gemästet, damit sie genug Kraft haben, um später allein zurecht zu kommen und fliegen zu lernen. Die Maori verlassen die Inseln spätestens am 31. Mai, dann kommen die Winterstürme und man kann die Inseln nicht mehr anfahren. Die nicht gefangenen Jungvögel fliegen für 7 Jahre in die Welt und kehren wieder auf die gleiche Insel zurück und der Zyklus beginnt von neuem.

Die Muttonbirds wurden früher ausschließlich zur Vorratshaltung eingesalzen. Heutzutage werden sie auch tiefgekühlt oder vakuumiert verkauft. Ich hatte ein eingesalzenes Exemplar, auch wenn die dunkle Farbe des Fleisches und das viele Fett einen schon gebratenen Eindruck erzeugen.

Der Vogel wird in kaltem Wasser angesetzt und 5…10 Minuten gekocht, dann wird das Wasser abgegossen und der Vogel mit frischem Wasser neu angesetzt. Je nach Salzgehalt kann man das noch ein- oder zweimal wiederholen. Jetzt noch insgesamt eine Stunde kochen und je nach Garzeit vorher noch Gemüse zugeben. Ich hatte Süßkartoffeln, Möhren, Zwiebel, Blumenkohl, Knoblauch, Staudensellerie, Rosenkohl und eine Chilischote in die Brühe gegeben. Wenn der Muttonbird gar ist, wird er noch für ca. 10 Minuten unter den vorgeheizten Grill gut gebräunt. Das Resultat sah dann so aus:

Es hat sehr gut geschmeckt, auch wenn das Fleisch eine starke Eigennote hat und etwas nach Fisch schmeckte, aber insgesamt nicht unangenehm.

Nachmittags waren wir noch kurz spazieren und der Rest des Abends in der Ferienwohnung war dann schon Routine.

Die Magnolien fangen an zu blühen.

Für den nächsten Tag hatten wir nichts geplant (Donnerstag, 09.072020) . Einkaufen, Mittagessen, Spazieren gehen.

Neugieriger Besuch aus Nachbars Garten.

Aber wie so oft, kam alles ein bisschen anders als gedacht. Nach dem vormittäglichen Einkaufen, Mittagessen kochen und spazieren gehen, bekamen wir eine E-Mail der Immigrationsbehörde. Wir müssen auf jeden Fall ein Gesundheitszeugnis einreichen, da wir die Gesamtdauer von 12 Monaten Aufenthalt überschreiten. Ich hatte es befürchtet!!

Also lud ich mir erst einmal die notwendigen Formale von der Website herunter. Das „General Medical Certificate“ hat 14 Seiten, die „Laboratore Refferal Form“ für die Blut- und Urinuntersuchung hat 2 Seiten und das „Chest X-ray Certificate“ für das Röntgenbild des Oberkörpers hat auch noch mal 8 Seiten. Da ich für die Einreichung des Visums bereits Formulare ausdrucken, unterschreiben und wieder einscannen musste, hatten wir schon einen Laden gefunden, wo man dies ohne Umstände machen kann.

Formulare, Formulare,…

Gleichzeitig, mussten wir ein Ärztezentrum finden, dass diese Untersuchungen auch machen darf/kann. Dazu gibt es auf der Website der Immigration NZ entsprechende Listen. Glücklicherweise gibt es in Gisborne ein solches Zentrum, sogar direkt gegenüber vom Copy-Shop. Also zuerst zum Copyshop, alle Formulare ausdrucken und dann zum Ärztezentrum. Dort dann die Enttäuschung: sie machen solche Untersuchungen nicht mehr, die Datenbank der Immigration war falsch. Also düsten wir wieder zurück und suchten nach dem nächsten Zentrum: das ist in Whakatane im Norden an der Bay of Plenty, knapp 200 km entfernt. Da es kurz vor 17:00 Uhr, wo alle Ärztezentren schließen, schickte ich nur noch eine E-Mail los, um dort entsprechend anzufragen.

Abends sahen wir uns wieder einmal einen Film aus der ZDF-Mediathek an, da das Apartment sehr gute Internetverbindungen hat.


Natürlich waren wir gespannt, ob ich eine Antwort auf meine gestrige Mail bekommen haben und tatsächlich kurz nach dem Frühstück (Freitag, 10.07.2020) bekamen wir eine positive Antwort. Wir müssen aber einen Termin vereinbaren. Dafür müssen wir erst noch mal neue Formulare ausdurcken, ausfüllen und wieder einscannen. Diesmal „nur“ je zwei Seiten für mich und Moni. Dann hieß es wieder, ab in den Copy-Shop. Ich glaube der Angestellte hat mich gleich wiedererkannt, da wir nun das dritte Mal da waren. Es klappte wieder ohne Probleme und dann konnte ich die Mail an das Ärztezentrum senden.
Am Nachmittag bekamn wir dann die Terminbestätigung für Donnerstag, den 16.07.2020. Und natürlich müssen wir auch hier vorher bezahlen, je 300 NZ$ (rund 150 €) pro Person. Das konnten wir wieder per Überweisung erledigen. Jetzt müssen wir unsere Weiterreise so planen, dass wir spätesten am Mittwoch nächster Woche in Whakatane sind. Morgen ziehen wir wie geplant aus der Wohnung aus, bleiben aber noch einen Tag auf dem Campingplatz in Gisborne, da es am Nachmittag noch Veranstaltungen zum Maori-Neujahr geben soll. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Am Nachmittag machten wir noch einen Spaziergang durch Gisborne.

Moderne Skulptur eines Maori Kanus – Te Tauihu Turanga Whakamana
Der alte Glockentum für das Läuten bei Bränden

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