Eastland

Heute (Samstag, 11.07.2020) hieß es Abschied nehmen von unserer schönen AirBnB-Wohnung. Allerdings wollten wir noch eine Nacht in Gisborne bleiben, diesmal aber auf dem TOP10 Campingplatz. Da morgen Mittag hier (theoretisch) ein Fest aus Anlass des Maori-Neujahres starten soll, wollten wir bis Morgen Nachmittag noch hier bleiben und erst dann zur nächsten Station fahren. Da dies nur knapp 60 km sind, sollte dies kein Problem sein.

Also packten wir nach dem Frühstück wieder alle Sachen aus der Wohnung in den Camper. Das ging relativ schnell, so dass wir schon vor 10:00 Uhr auf dem Samstagsmarkt in Gisborne waren, den wir als erstes besuchen wollten.

Er bot aber keine Besonderheiten und war auch nicht besonders groß, dafür aber sehr gut besucht. Dazu hat sicherlich auch der strahlende Sonnenschein beigetragen, obwohl es nur knapp 3°C waren. Nachts hatte es sogar Bodenfrost gegeben und unser Camper war auf dem Dach mit einer Eisschicht bedeckt.

Wir bummelten über den Markt, kauften nur ein Ciabatta-Brot und beschlossen, die für nachmittags geplante Wanderung sofort zu machen. Dazu brauchten wir aber Mittagsverpflegung, also fuhren wir noch schnell am Countdown-Supermarkt vorbei. Das Auto parkten wir in der Nähe unserer alten Wohnung und wollten die Wanderung dort beginnen.

Ich hatte wieder eine Wanderung aus den Prospekten herausgesucht, die uns auf einen ca. 300 m hohen Berg oberhalb von Gisborne führen sollte.

COVID-Motivationsplakat für die Gisborner (= Gizzy)

Zuerst führte die Straße noch durch ein Wohngebiet, dann endete die Straße an einer Farm. Dort begann der Te Kuri Farm Walkway, eine rund 5 km lange Strecke über privates Farm-Gelände.

Am Eingang wurde vor Auswirkungen des Regens der letzten Tage gewarnt, die Wege sollten sehr schlammig und schlüpfrig sein.

Zuerst ging es aber sehr gut und nach eine knappen ¾ Stunde kamen wir auf dem Te Kuri-Hügel an und hatten eine sehr schöne Aussicht auf Gisborne und die Bay of Poverty.

Wir machten Mittagspause und traten dann den Rückweg an.

Dann passierte es und Moni rutschte auf der nassen Wiese aus und fiel mit dem Hosenboden in den Schlamm. Weiter war Gott sei Dank nichts passiert, so dass wir vorsichtig weiter nach unten liefen.

In der Sonne wurde es warm.

Nach knapp 12 km Wegstrecke und 500 Höhenmetern bergauf und wieder bergab kamen wir zufrieden wieder an unserem Auto an.

Wir fuhren auf den Campingplatz, machten noch einen kleinen Spaziergang am Strand und zogen uns dann in den Camper zurück. Zudem musste Moni zuerst einmal eine Waschmaschine einschalten.


Die heutige Nacht (Sonntag, 12.07.2020) war diesmal nicht ganz so kalt, „warme“ 7…8°C. Da weiter an der Nordküste die Einkaufsmöglichkeiten etwas rarer gesät sind, fuhren wir schnell noch einkaufen. Bis zum Matakiri-Fest hatten wir noch 2 Stunden Zeit, also fuhren wir an den Strand und machten einen längeren Strandspaziergang. Und wie immer konnten wir an dem langen Sandstrand Surfer und Stand-Up-Paddler sehen, die sich auch bei diesen Temperaturen in das Wasser wagten. Allerdings schien die Sonne, was das Wasser aber auch nicht wärmer machte.

Dann fuhren wir in die Innenstadt, wo direkt unterhalb des Uhrenturms eine große Bühne aufgebaut worden war. Es gab nur sehr wenige andere Stände, vor allem Essensstände. Als wir ankamen, machte die erste Gruppe gerade ihren Sound Check, aber es klang schon ganz gut. Es gab keine Flyer oder Ähnliches, deshalb suchte ich noch mal im Internet und stellte fest, dass die Veranstaltung heute ein reines Konzert (Rockkonzert) werden würde, also nicht unbedingt mit der ursprünglichen Kultur der Maori zu tun hat.

Kurz nach 12:00 Uhr wurde die Veranstaltung offiziell eröffnet und die erste Band begann zu spielen.

Wir hörten uns zwei, drei Lieder an, gingen dann noch ein bisschen spazieren und warteten auf die nächste Band, deren erstes Lied hörten wir uns noch an, bevor wir zurück zum Camper liefen. Hier ein kleiner Eindruck von der Veranstaltung, da in Neuseeland Corona-Level-1 ist, gibt es keine Abstandsregeln oder Maskenpflicht, alles kann ganz normal stattfinden…

Bei strahlendem Sonnenschein verließen wir Gisborne auf dem Highway 35 dem Pacific Coast Highway, dem wir noch eine ganze Weile folgen wollten. Nach einer Stunde durch eine typisch neuseeländische Hügellandschaft mit grünen Hügeln und Schafen kamen wir in Tolaga Bay an.

Wir stellten den Camper ab und sahen uns die Sehenswürdigkeit an, die längste Pier Neuseelands mit 660 m Länge.

Die Pier wurde in den Jahren 1924 bis 1926 errichtet. Sie diente der umliegenden Landwirtschaft und fast 40 Jahre zum Seetransport landwirtschaftlicher Erzeugnisse und der dafür benötigten Güter.

Ein verbesserter Straßenzugang und die Konkurrenz durch Lastkraftwagen machte ab Ende der 60-iger Jahre den weiteren Betrieb unwirtschaftlich. Die Pier wurde aber weiter als Anleger für Fischer- und Sportboote und von den Māori zum Sammeln von Meeresfrüchten genutzt.

Außer uns waren noch einige andere Besucher da. Wir gingen bis zum Ende der Beton-Pier, deren Geländer teilweise in einem sehr maroden Zustand war, obwohl die Pier 2001 bis 2013 bereits restauriert worden war.

Danach wurde das Wetter etwas schlechter, es zog sich zu und wir zogen uns in unseren Camper zurück.


Heute (Montag, 13.07.2020) wollten wir unsere Fahrt entlang des Pacific Highway (SH35) in Richtung Norden fortsetzen. Die Temperaturen waren diesmal erträglich, frühmorgens waren es 13°C. Wir hatten zwar nachts die Heizung eingeschaltet, aber sie wurde nicht gebraucht. Unser heutiges Ziel war Te Aratoa. Dort wollten wir je nach Zeit- und Wetterlage entweder heute oder morgen das Ost-Kap besuchen, den östlichsten Punkt Neuseelands.

Wir fuhren los. Das Wetter war durchwachsen, aber wenigstens regnete es nicht. Der SH35 war relativ wenig befahren, die meisten Fahrzeuge waren Holz- oder Milchtransporter …

Wir hatten überlegt an den Te Pula Springs (heiße Quellen) zu halten, aber offensichtlich gibt es keinen öffentlichen Pool, sondern man muss zuerst in ein Hotel gehen. Wir überlegten kurz, aber da es noch ziemlich früh am Tag war, fuhren wir weiter.

Zeichen für den Pacific Coast Highway

Gegen Mittag kamen wir in Te Araroa an, unserem eigentlichen Ziel. Das Wetter war gut und so entschlossen wir uns, direkt zum East Cape mit dem dortigen Leuchtturm weiter zu fahren. Es waren 22 km zu fahren, teilweise auf ziemlich abenteuerlicher Schotterpiste.

Aber auch andere normale Camper waren auf dem Weg dahin.

Vom Parkplatz aus waren es dann 800 Stufen (Vor-Ort-Hinweisschild) bzw. 700 Stufen (Reiseführer) bis hinauf zum Leuchtturm auf rund 150 m Höhe.

Oben hatte man eine schöne, aber keine spektakuläre Aussicht. Wir machten in paar Fotos und Videos und stiegen die Stufen wieder hinab.

Leuchtturm am East Cape

Leicht durchgeschwitzt erreichten wir wieder den Camper und fuhren die Schotterpiste zurück bis Te Araroa.

Dort bewunderten wir den größten Pohutukawa-Baum, den neuseeländischen Weihnachtsbaum, der über 600 Jahre alt sein soll. Ohne die typischen roten Blüten haben wir ihn nicht als solchen erkannt. Er war aber auch so sehr beeindruckend.

Dieser Baum ist den Maori heilig.

Am geplanten Campingplatz angekommen, kam dann die erste Enttäuschung: der Platz war ziemlich heruntergekommen und der Besitzer (?) kam erst nach 20 Minuten und erklärte uns, dass er keine Powered-Site-Plätze anbieten kann. Das alles machte auf uns keinen guten Eindruck und wir beschlossen noch 50 km bis zum nächsten Campingplatz zu fahren. Dort die nächste Enttäuschung, der Platz war wegen Nässe geschlossen. Jetzt wurde langsam die Zeit knapp. Uns blieb nichts anderes übrig, als bis zum nächsten Dorf zu fahren, ca. 30 km, um dort nach einer Lodge oder einem Motel Aussschau zu halten. Campingplätze sollte es nach unserem Führer keine mehr geben. Trotzdem sahen wir noch ein, zwei Plätze, die aber sehr verlassen wirkten. Dann kamen wir noch an einem Motel vorbei, dass aber sehr einfach war und das Zimmer ohne eigene Toilette und Dusche – das wir auch nicht anschauen konnten/sollten – wollten wir dann doch nicht. Also fuhren wir durch bis Te Kaha und fanden am Ortseingang tatsächlich noch ein Hinweisschild auf einen Campingplatz.

Wir fragten nach und bekamen tatsächlich noch einen eigentlich schönen Platz. Wir machten es uns gemütlich und nach 260 km Wegstrecke ohne Unterlass bergauf, bergab und Kurve links und Kurve rechts waren wir doch ziemlich platt. Der einzige Trost: die Strecke die ich heute ungeplant zusätzlich gefahren bin, brauche ich morgen nicht zu fahren.

Die heutige Etappe (Dienstag, 14.07.2020) war durch den gestrigen Gewaltritt relativ kurz, rund 70 km. Wir fuhren wie immer gegen 9 Uhr los. Wir machten gleich im Ort einen kurzen Halt, um uns den Tukaki Marae anzusehen.
„Das Marae (Versammlungsgelände) ist der Mittelpunkt der Māori-Gemeinden in ganz Neuseeland. Ein Marae ist ein eingezäunter Komplex aus geschnitzten Gebäuden und Grundstücken, der einem bestimmten iwi (Stamm), hapū (Substamm) oder whānau (Familie) gehört. Die Māori sehen ihre Marae als tūrangawaewae – ihren Platz, dem sie zugehörig sind und zu dem sie stehen. Marae werden für Treffen, Feiern, Beerdigungen, Bildungsworkshops und andere wichtige Stammesereignisse verwendet.

Ein Marae besteht aus einem geschnitzten Versammlungshaus (Wharenui) mit einem offenen Raum davor (Marae ātea), einem Speisesaal und einem Kochbereich sowie einem Toiletten- und Duschblock.“ (Quelle: https://www.newzealand.com)

Eastland ist Maori-Land. Hier sind im Durchschnitt 50% Maori-Angehörige, im Landesdurchschnitt sind es nur rund 16%. In einigen Dörfern sind es hier bis zu 100%. Es gibt auch Dörfer, die keine Touristen besuchen dürfen.

Wir hielten noch an einem zweiten Marae, danach ging es wie gestern über unzählige Hügel und Kurven meist an der Pazifik-Küste entlang in Richtung Süd-Westen.

Das Wetter war durchwachsen, aber es regnete nicht. Gegen Mittag kamen wir in Opotiki an. Wir schlenderten durch die Stadt, die keine großen Besonderheiten bot.

Der Uhren“turm“ von Opotiki .

Dann fuhren wir einkaufen, mussten tanken und suchten den Campingplatz. Er war sozusagen direkt am Stadtzentrum nur ca. zweihundert Meter entfernt.

Ich zog mich mit dem Laptop in den Gemeinschaftsraum zurück, Moni machte noch einen kurzen Spaziergang.


In der Nacht begann es wieder mal zu regnen. Laut Wetterbericht sollte es die nächsten drei Tage mehr oder weniger am Stück regnen… Da wir morgen unseren Gesundheitscheck in Whakatane haben und nicht wissen, wie lange das ganze Procedere dauert – einschließlich des Vorliegens der Ergebnisse – beschlossen wir, uns wieder nach einer Kabine auf einem Zeltplatz umzusehen.

Da wir mehr als genug Zeit hatten, um heute (Mittwoch, 15.07.2020) bis nach Whakatane zu fahren, fuhren wir erst gegen 10 Uhr los. Bis dahin schrieb ich noch ein bisschen Blog und Moni versuchte, etwas Ordnung in den Camper zubringen und kämpfte gegen die bereits wieder bemerkbare Feuchtigkeit im Camper.
Die Fahrt dauerte nur eine Stunde für die rund 40 km. Wir fuhren direkt auf den Campingplatz und bekamen die letzte Self-Contained-Cabin (also mit Dusche, Toilette und Mini-Küche). Alle anderen Kabinen waren ausgebucht, da immer noch Winterferien sind und offensichtlich viele Neuseeländer die Ferien nutzen. Zwar war es nur eine Bonsai-Kabine, aber auf jeden Fall besser als drei Tage bei Regen im Camper zu hocken.

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