Bay of Plenty (1)

Der Samstag (18.07.2020) begann in Whakatane so wie die letzten Tage waren: mit Regen. Es war kein richtiger Regen, sondern es war ein Nieselregen, bei dem die Feuchtigkeit von allen Seiten kam. Da half auch ein Regenschirm nichts. Kurioserweise zeigte das lokale Regenradar der Wetterseite keinen Regen an. Als wäre man mitten in einer tief hängenden Wolke oder dichtem Nebel. Wir blieben in der Hütte und kochten uns Mittag etwas Kleines zum Essen und dann riss der Himmel tatsächlich auf.
Wir wollten das natürlich nutzen und machten uns auf, um am Whakatane-Fluss bis zur Mündung in den Pazifik zu laufen. Der Weg führte vorbei an dem direkt vor unserem Campingplatz liegenden Park und vorbei an der Marina der kleinen Stadt.

Monarch-Schmetterling
Die Boote nach White Island fahren nach dem Vulkanausbruch im Dezember 2019 nicht mehr

Das Maori-Haus“ Mataatua Wharenui“ wollten wir uns ansehen, dazu sollte man aber durch das Visitor-Center gehen. Auf eigene Faust war es verboten. Leider war das angeschlossene Visitorcenter geschlossen, so dass wir das Haus nur von außen sehen konnten.

Das Haus wurde 1875 in Whakatane erbaut, 1879 für eine Ausstellung nach Australien (Sydney, Melbourne, Victoria) verschifft und dann in das Albert Museum und Kensington Museum nach London gebracht. Dort wurde es nach kurzer Ausstellungs-Zeit für fast 40 Jahre eingemottet, bevor es 1925 nach Dunedin zurückgebracht wurde. Im Jahr 2011 wurde es schließlich wieder am Ursprungsort in Whakatane errichtet

Wir liefen weiter in Richtung Mündung und konnten dann schon von weitem am anderen Ufer die Figur der Wairaka, der „Lady on the Rock“ sehen.

Mündung mit der Skulptur und der Moutohora-Insel

Die Bronze-Figur wurde 1965 errichtet. Sie erinnert an eine legendäre Maori Frau und gleichzeitig an die verstorbene Ehefrau des Stifters der Figur, Sir William Sullivan.

An einem Parkplatz am Ende der Straße war dann auch Schluss, weiter konnte man nicht mehr gehen. Also traten wir den Rückweg an und kehrten noch einmal kurz auf ein Glas Wein und Bier in einem Pub ein. Dann wurde das Wetter schon wieder schlechter und nach dem Abendessen fing es wieder an richtig zu regnen. Deprimierend, auch wenn wir im Moment in unserer „Bonsai“-Hütte trocken und warm wohnen.


Heute (Sonntag, 19.07.2020) begann der Tag völlig ungewohnt – die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel. Da das Wetter nicht planbar ist, hatten wir auch keine große Wanderung herausgesucht, sondern wollten zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Mündung des Whakatane-Flusses laufen (Kōhi Point). Zuerst ging es wieder auf dem Damm in Richtung Stadt. Dort beobachteten wir, dass an der Miniatur-Eisenbahn vielfältiges Treiben war. Wir konnnten lesen, dass die Bahn heut fährt. Vielleicht können wir sie später noch mal in Betrieb sehen. Aber auch schon die Vorbereitungsarbeiten waren interessant.

Vom heiligen Pōhaturoa-Felsen in der Stadt führte der Weg nun aufwärts auf den ca. 200 m hohen Hügel.

Ein weiteres Highlight war die Treppe, die das erste Vertigraph der Welt sein soll. Dazu wurden 43 Stufen mit handgefertigten Fliesen kunstvoll gestaltet, so dass sich quasi ein Gesamtkunstwerk ergab, das die Flora und Fauna in verschiedenen Höhenstufen darstellt. Beginnend mit der Tiefsee, über die Meeresoberfläche, Wiesen, Bäume bis zum zu Himmel. Die Arbeiten von 14 Künstlern dauerten 2 Jahre, die Treppe wurde 2007 eröffnet. Sehr interessant!

Kurze Zeit später erreichten wir bereits den ersten Aussichtspunkt oberhalb der Stadt.

Whakatane mit Whale Island

Von dort hatten wir schöne Blicke zur Insel Whale Island und zur ca. 45 km entfernten Vulkaninsel White Island. Seit dem verheerenden Ausbruch des Vulkans auf der Insel mit 21 Toten am 09.12.2019 (also schon zu der Zeit als wir in Neuseeland waren) darf man die Insel nicht mehr besuchen. Whakatane wirbt aber immer noch mit dem Hinweis auf das Gateway zu den White Islands.

In der Ferne sieht man White Island mit der Rauchfahne

Der Weg führte weiter hinauf und war bis dahin gut zu gehen. Offensichtlich hatte man erst kürzlich die Wasserabflüsse nachgebessert, so dass der Weg relativ trocken war, trotz der fast 5 Tage mehr oder weniger Dauerregen.

Das ist ein Tui, aus der Familie der Honigfresser.

Nach dem Abzweig zum zweiten Aussichtpunkt Kapute Rangi Pā (Toi’s Pā) wurde der Weg aber richtig schlammig und glitschig. Wir verzichteten darauf, das auszuprobieren und genossen nur kurz die Aussicht vom Aussichtspunkt. Bei diesem Wetter wirklich sehr schön.

Ein letzter Blick auf White Island

Wir liefen zügig zurück, kauften uns ein paar Snacks zum Mittagessen. Wir kamen noch einmal an der Miniatureisenbahn vorbei und konnten die winzig kleinen Züge mit richtigen Dampflokomotiven fahren sehen. Toll.

Wer hier wohl älter ist – die Lokomotive oder der Lokfahrer?

In unserer Camping-Hütte machten wir kurz Pause und fuhren dann mit unserem Camper noch mal los. Unser erstes Ziel war der Nukuhou Saltmarsh rund um den Ohiwa Harbour. Dort sollte ein Pfad durch die brackige Marschlandschaft an die Mündung des Nukuhou-Flusses führen.

Ein Steg führte aber nur etwa 50 m hinein, der Rest des Weges verlief parallel an der vielbefahrenen Straße zwischen Opotiki und Whakatane, nicht sehr prickelnd. Wir liefen nur eine halbe Stunde, denn viel zu sehen – vor allem von der Vogelwelt – gab es nicht.

Dann gingen wir zum Auto zurück und fuhren zurück zu einer Austernfarm, die wir schon auf der ersten Fahrt nach Whakatane gesehen hatten. Aber dort kam die nächste Enttäuschung, es gab keine frischen Austern, sondern nur ausgelöste und die eingeschweißt aus dem Kühlschrank geholt wurden. Wir verzichteten darauf und steuerten unser nächstes Ziel an: Eine Quelle mit dem angeblich reinsten Trinkwasser der Welt – laut Werbeprospekt.

Wir wurden schon während der Fahrt stutzig, denn weder fanden wir Hinweisschilder an der Straße, noch war im Internet etwas Vernünftiges zu finden. Wir fanden dann die Quelle doch noch: Es war eine kleine Industrieanlage zum Abfüllen von Mineralwasser, die laut Internet von einem chinesischen Investor gekauft worden war.

Dafür sind wir 30 km gefahren?! Wieso kann man so etwas in ein Touristenprospekt aufnehmen?! Enttäuscht fuhren wir zurück auf den Campingplatz. Das schöne Wetter hätte man besser nutzen können.


Heute wollten wir nach 5 Tagen Aufenthalt in Whakatane weiterfahren (Montag, 20.07.2020). Die Wetterprognosen waren nicht gut – heute sollte es nur wenig regnen, dafür morgen umso mehr.

Aber bevor wir abreisen konnten, war noch ein Punkt offen: Am Freitag hatte ich hier um die Ausstellung eines neuen Rezeptes (Gicht-Tabletten) gebeten, da die restliche Medikamentausgabe auf der Basis des in Palmerston North ausgestellten Rezeptes nicht funktionierte. Eigentlich sollte das Ärztehaus mir eine E-Mail schreiben, aber es passierte nichts. Also schrieb ich heute morgen eine Anfrage und erntete erst einmal Kopfschütteln: Man fand mich nicht in ihrem Computer-System. Also fuhren wir wieder in das Ärztehaus. Die Frau vom Empfang wusste von nichts und verstand mein Anliegen nicht. Sie schickte eine Schwester zu mir, die sich mein Anliegen nochmals anhörte. Sie ging auf die Suche nach meinen Unterlagen und nach 2…3 ergebnislosen Anläufen stellte sich heraus, dass das Rezept bereits ausgestellt war, aber offensichtlich unter dem Namen „RAMISCH“ (siehe vorhergehenden Blog-Beitrag) abgelegt war. Die freundliche Schwester schwatzte noch kurz mit uns, dann konnte ich endlich die Tabletten in der Pharmacy kaufen. Jetzt übrigens gleich für 3 Monate, ohne dass ich wieder in die gleiche Situation komme und „repeats“ besorgen muss. Das war eine sehr schwierige Geburt!

Die Apotheke

Nach 10 Uhr konnten wir dann endlich losfahren. Tauranga (unser nächstes Ziel) war nur rund 80 km entfernt. Die Straße führte zuerst direkt an der Küste entlang. Das Wetter war durchwachsen, es regnete ab und zu. In Te Puke machten wir einen Stopp. Die Stadt warb mit dem Slogan „die Kiwi-Hauptstadt der Welt“ zu sein.

Eigentlich wollten wir auch ein paar Kiwis kaufen, aber auf der Hauptstraße fanden wir keinen entsprechenden Laden. Wir aßen in einem Kebab-Laden (sehr schlecht) zu Mittag und fuhren weiter.

Relativ nah am Stadtzentrum von Tauranga – ca. 4 km vom Zentrum – fanden wir einen angenehmen Campinglatz, checkten ein und fuhren aber nochmal in die Stadt. Wir bummelten durch das Zentrum der 135.000 Einwohner zählenden Stadt.

Sie wurde erst 1963 zur Stadt und ist heute eine der am schnellsten wachsenden Städte Neuseelands und mittlerweile die fünft-größte Stadt.

Skulptur „Hairy Maclary and friends“ (Hommage an in Neuseeland berühmte Kinderbücher)

Das Wetter verschlechterte sich und wir kamen im strömenden Regen wieder auf dem Campingplatz an….

Blick aus dem Camper.

Für heute hatte der Wetterbericht ganztägig Regen und ab frühen Nachmittag sogar noch Sturm und Gewitter vorhergesagt (Dienstag, 21.07.2020). Die heutige Ausgabe des NZ-Herald machte Werbung für den einheimischen Tourismus. Die Titelzeile war wohl in dieser Jahreszeit etwas übertrieben.

 Also fuhren wir erst einmal einkaufen. Auch unsere Gasflasche war schon wieder fast leer. Das Auffüllen der Gasflasche klappte erst an der dritten Tankstelle, dafür fanden wir ein großes Einkaufszentrum mit vielen sehr guten Geschäften. Als erstes stach mir eine deutsche Metzgerei ins Auge, die wir natürlich gleich stürmten.

Im Laden fühlten wir uns dann wie im Wurst-Paradies: verschiedene Fleischkäse, Leberwurst, richtige deutsche Bratwürste und Wiener Würstchen, Lachsschinken, Zwiebelmettwurst, feine Mettwurst und, und, und…. Wir mussten uns bremsen, kauften dann aber doch eine Menge ein. Wir müssen auf jeden Fall vor unsrer Abreise aus Tauranga noch einmal hier hin!
Es gab auch eine gute Bäckerei nebenan, einen australischen Metzger, der sehr gutes Fleisch anbot, eine schöne Obst- und Gemüsehalle und einen unglaublich gut sortierten Gourmet-Laden. So verging die Zeit im Flug. Zum Mittagessen fuhren wir wieder auf den Campingplatz, ich kochte ein koreanisches Schweinecurry mit Reis.

Dann hatten wir uns eine kleine Wanderung entlang der inneren Bay-Seite ausgesucht, denn das Wetter war dann doch nicht ganz so schlecht, d.h. es regnete nicht (man wird ja bescheiden). Es war Ebbe in einer große Salz-Schlick- und Schlammlandschaft.

Nur ein paar Vögel konnten wir beobachten, darunter auch sehr viele Eisvögel.

Eisvogel mit Beute

Einschub: An den Straßen häufen sich jetzt die Wahlplakate, denn am 19. September 2020 gibt es Parlamentswahlen, die hier üblicherweise aller 3 Jahre stattfinden.

Die Wahl ist gleichzeitig mit zwei Referenden verbunden. In einem Referendum geht es um die Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe, in dem anderen geht es um die Frage nach der Legalisierung von Cannabis.

Zuletzt gingen wir noch durch eine kleine Parkanlage und dann fing es doch an zu regnen.

Wir kürzten den Rückweg etwas ab, aber es hörte dann auch auf zu regnen. Zum Abendbrot breiteten wir unsere Wurstschätze aus und genossen die vielen guten Sachen.


Wir haben gestern noch für zwei Tage verlängert, denn auf dem Campingplatz gefällt es uns gut und da das Wetter in der Tendenz besser werden soll, können wir vielleicht das eine oder andere unternehmen.
Auf jeden Fall wollten wir heute (Mittwoch, 22.07.2020) zuerst in das kleine historische Dorf, dann möglichst zum Mittagessen in den Fischmarkt in das Stadtzentrum fahren, um dort Fisch zu essen und später noch etwas durch die Stadt bummeln.

Taurangas Historic Village ist eine Sammlung von Original- und Nachbauten aus dem frühen Tauranga, die sich in einer dörflichen Umgebung mit wunderschönen Gärten und Buschumgebungen befindet. Viele von ihnen beherbergen lokale und nationale Gemeinschaftsorganisationen. Einige der Gebäude sind Ateliers lokaler Künstler – mit Kursen und Workshops. Es gibt mehrere Gebäude, die für kleinere Events gemietet werden können. Das gesamte Dorfgelände kann auch insgesamt für besondere Anlässe wie Ausstellungen oder Festivals genutzt werden. Das Dorf war sehr sehenswert, hier ein paar Eindrücke:

Leider fing es heftig zu regnen an, daher lohnte es sich nicht in das Zentrum zu fahren. Wir fuhren zurück auf den Campingplatz. Dort bruzzelten wir uns die gestern gekauften Thüringer Bratwürste. Sie haben sehr gut geschmeckt.
Danach klärte das Wetter ein wenig auf und wir fuhren in die Stadt. Wir liefen am Fischmarkt vorbei, stellten fest, dass wir auf jeden Fall noch einmal hierher kommen sollten und gingen weiter auf den Sulphur Point mit einer ziemlich großen Marina. Dabei kamen wir auch an der Nachbildung eines maorischen Sternenkompass (kāpehu whetū) vorbei.

Der Mount Maunganui im Hintergrund
Marina Tauranga

Dann ging es zurück in das Zentrum und nach 2 Stunden Spaziergang fuhren wir wieder auf den Campingplatz.


Ziel des heutigen Tages (Donnerstag 23.07.2020) war Mount Maunganui. Damit ist sowohl der Berg als auch der Stadtteil von Tauranga gemeint. Das Wetter hatte sich etwas gebessert: die Temperaturen sind etwas gestiegen und auch die Sonne traute sich wieder einmal hervor.
Nach dem Frühstück fuhren wir los und waren nach einer halben Stunde am Fuß des 232 m hohen Berges angekommen. Die Parkplatzsuche war gar nicht so einfach, es waren unglaublich viele Leute unterwegs. Schließlich konnten wir das Auto abstellen und entschlossen uns, heute die Runde um den Berg zu gehen, etwa 2,5 km und uns die „Bergbesteigung“ für Morgen oder Übermorgen aufzuheben. Erstens sollte das Wetter noch besser werden und zweitens wollen wir morgen auf den Campingplatz direkt am Fuße des Berges umziehen.

Zuerst liefen wir am menschenleeren, schönen Sand-Strand in Richtung Mount, wie er auch kurz genannt wird.

Solche modernen Bettenburgen sieht man in Neuseeland sehr selten.
Der Srand war übersät mit schönen Muschelschalen und Schneckenhäusern.

Der Weg um den Berg war sehr gut ausgebaut, immer etwa 2…2,5 m breit. Es waren trotz der relativ frühen Stunde und mitten in der Woche sehr viele Leute unterwegs. Es machte Spaß bei Sonnenschein, blauem Wasser und interessanter Natur diesen Weg zu gehen, auch wenn ein heftiger Wind blies.

Überall gab es Aussichtspunkte und Ruhebänke.
Wind und Wasser hatten seltsame Felsen geformt …
Das ist die Bronzefigur „Tangaroa“, ein Maori-Krieger, der an der Hafeneinfahrt steht.

Nach einer reichlichen Stunde hatten wir die Runde geschafft und spazierten durch die Stadt, d.h. die Hauptstraße hinauf und hinunter.

Ob es diese Hotelkomplexe ohne ausländische Touristen überleben werden?
Die Straßenbilder sind austauschbar ….

Diesmal hatten wir zum Mittagessen ein vietnamesisches Restaurant ausgesucht und haben tatsächlich sehr gut und auch ziemlich authentisch gegessen.

Das Restaurant war ein pink-gewordener Traum, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.
Mein Entensalat war sehr gut.

Gegen 14 Uhr zogen dicke graue Wolken auf. Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Stopp an der Mount Brewery, einer kleinen Craft-Beer-Brauerei. Ich probierte drei kleine Testgläser von den insgesamt 39 per Fass vorhandenen Bieren und Moni versuchte das erste Mal Glüh-Cider, warmer Cider in der Art von Glühwein. Ihr hat es sehr gut geschmeckt.

Die ersten 8 der 39 Zapfhähne (einschl. 8 nur für Cider, nicht im Bild)

Zufrieden fuhren wir wieder auf unseren Campingplatz.

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