Bay of Plenty (2)

Heute war der Abreisetag vom schönen Tauranga Tourist Park (Freitag, 24.07.2020). Er war relativ klein, sehr sauber und modern eingerichtet. Wir wollten aber auf den Mount Maunganui Beachside Holiday Park umziehen, um von dort aus den „Mount“ zu besteigen und in die direkt daneben gelegenen Mount Hot Pools zu gehen.

Wir waren auf der Fahrt zum Mount Maunganui noch einkaufen und stellten unseren Camper in der Nähe des Berges ab und liefen los.

Es führen mehrere Wege auf den 232 m hohen Gipfel. Wir wählten eine schmale Allrad-Straße, die zwar steil, aber sehr gut zu begehen war.

Die Blicke konnten immer weiter über die Stadt, die Bay of Plenty und das Hinterland streifen. Mit uns waren wieder viele andere unterwegs. Allerdings war der Altersdurchschnitt der Leute, die heute auf den Berg liefen – gegenüber den Leuten auf dem gestrigen flachen Rundweg, geschätzt 20 Jahre jünger. Fast alle machten den Aufstieg als sportliche Übung, normale Touristen waren fast nicht zu auszumachen.

Schön gestalteter Wasserbehälter am Wegesrand.

Nach einer Stunde waren wir oben und genossen die Rundumsicht. Leider hielt das Wetter nicht, was der Wetterbericht versprochen hat. Die Sonne versteckte sich hinter dichten Wolken und aus den versprochenen 9 Stunden Sonnenschein wurde nichts.

Wir liefen einen anderen Weg bergab, der fast nur aus Treppen bestand.

Aber auch der war gut ausgebaut und pünktlich zum Mittagessen konnten wir in ein Café einziehen. Moni aß wieder einmal einen Burger und ich wieder mal Rippchen, also quasi Neuseelands Nationalgerichte.

Da wir noch Zeit hatten, fuhren wir in eine Craft-Beer-Brauerei am anderen Ende der Stadt, die nur am Freitag Nachmittag/Abend geöffnet ist. Die Slab Brewery war im wahrsten Sinne des Wortes eine Garagenfirma.

Die Besonderheit war, dass sie Bier ausschließlich in 1 l Bierbüchsen verkaufen. Die drei, vier Standardsorten kann man als fertige Büchse kaufen, die Sonderabfüllungen werden vor Ort in eine Büchse gezapft, die Büchse wird mit einer mechanischen Vorrichtung mit einem Deckel fest verschlossen und dann mit der Hand beschriftet. Alles noch sehr semi-professionell.

Danach ging es zurück zum Mount. Wir checkten auf dem Campingplatz ein und gingen noch eine Stunde in die Hot-Pools, die übrigens mit Salzwasser gefüllt sind und zwischen 37…40°C heiß sind. Es war ganz angenehm bei dem relativ kalten Wetter (14°C, kaum Sonne, dafür viel kalter Wind) in einem der Pools zu liegen, die sich im Freien befinden. Gut relaxt gingen wir zurück zum Camper.


Nachdem die letzten Nächte nicht ganz so kalt waren – zwischen 10…12°C – ging diese Nacht die Temperaturen auf 5°C herunter. Da musste wieder die Heizung ran. Heute (Samstag, 25.07.2020) wollten wir nur ca. 35 km fahren, so dass wir den ganzen Vormittag Zeit hatten. Zuerst waren wir noch einmal in der deutschen Metzgerei und haben unsere Wurstvorräte aufgefüllt. Zusätzlich gab es heute Fleischsalat (zuletzt gegessen im November 2019!). Als letzten offenen Punkt in Tauranga hatten wir noch einen Besuch auf dem Fischmarkt offen, wo man sich Fisch aussuchen und dann frisch zubereiten lassen kann.

Es war ziemlich viel los, aber auch gut organisiert. Wir suchten den Fisch aus (es waren immer nur Filets verfügbar, keine ganzen Fische), bekamen eine Nummer (097!) und warteten. Alle Fischfilets wurden durch einen Ausbackteig gezogen und frittiert. Dazu nahmen – so weit wie ich das sehen konnte – alle Pommes Frites dazu. Nach knapp 10 Minuten bekamen wir unsere Fish & Chips stilecht in einer Papiertüte und setzten uns im Freien auf eine Bank. Sowohl die beiden Fischsorten als auch die Pommes Frites haben sehr gut geschmeckt. Da haben die Tipps in unseren Reiseführern mal Recht gehabt.

Bis zum Tagesziel Sapphire Springs Holiday Park & Thermal Pools kurz vor Katikati war es dann nur eine knappe Stunde Fahrt.

Der Regen der letzten Wochen hat Spuren hinterlassen.

Wir sahen uns die Anlage zuerst an und gingen dann in die Pools, die für Camper kostenlos waren. Die beiden heißen Pools waren ziemlich klein, aber außer uns war nur noch eine Familie in der gesamten Anlage.


Da der Zeltplatz relativ klein war und ziemlich abseits lag, war es sehr ruhig und wir haben gut geschlafen. Das erste Ziel des heutigen Tages (Sonntag, 26.07.2020) war die Stadt Katikati. Sie ist vor allem wegen ihrer unglaublich vielen Wandgemälde bekannt. Außerdem hat sie sich selbst zur Avocado-Hauptstadt Neuseelands ernannt.

Die Wandgemälde sind noch nicht alt. Als Ende der 80er Jahre die Stadt in einer tiefen Krise steckte, fand sich eine Gruppe von Freiwilligen, die der Stadt ein neues Image verleihen wollten. Inspiriert wurden sie von der Stadt Chemainus auf Vancouver Island in Kanada, die sich in einer ähnlichen Situation befunden hatte und mit ihren Wandbildern Touristen anlocken konnte. Eine Kunstlehrerin vom hiesigen College wurde die Projektmanagerin und die treibende Kraft, die Katikati zur Wandbild-Stadt Neuseelands machen wollte. 1990 wurde das erste Wandbild „Waitekohe School“ fertig.

Das erste Wandbild

Bis 1996 waren dann bereits 21 und heute sind es wohl über 80. Daneben sind auch viele andere Kunstwerke entstanden. Bereits 2006 wurde ein erstes Festival organisiert, dem bis heute 5 weitere folgten.

Auf jeden Fall war die kleine Stadt sehr sehenswert und wir verbrachten weitaus mehr Zeit hier, als wir eingeplant hatten. Aber die heutige Etappe war sehr kurz und schon gegen 12:30 Uhr kamen wir in Athenree auf dem Campingplatz an. Wir haben zwar eingecheckt aber vor 13 Uhr konnten wir nicht auf den Campingplatz. Also fuhren wir weiter nach Waihi Beach und stellten uns auf einen Parkplatz am Strand. Dort kochten wir uns wieder mal ein asiatisches Nudelsüppchen.

Danach schauten wir uns kurz den Strand an und beschlossen nach Waihi weiter zu fahren, etwa 13 km.
Waihi wirbt mit dem Slogan „ New Zealand’s heart of gold“ für sich. Es war lange Zeit eines der führenden Goldabbaugebiete Neuseelands. Dazu gibt es in der deutschen Wikipedia einen interessanten Artikel.

Wir stellten das Auto ab und liefen durch die Stadt.

Man brauchte nicht lange, um die ersten Reste des Gold- und Silberabbaus zu sehen. Das alte Pumpenhaus ragt über die Hauptstraße und zeigte uns den Weg zur „Marthas Mine“.

Das war eine tagebauartige Mine, die direkt neben dem Stadtzentrum liegt und in den 80er Jahren über den ursprünglich unterirdischen Goldminen angelegt wurde. Nach mehreren Erdrutschen wurde die Mine 2007 geschlossen.

Die Zukunft ist – soweit ich das gelesen haben – ungewiss. Das Pumpenhaus wurde übrigens 2001 um 300 m an die heutige Stelle versetzt, da es ebenfalls abrutschgefährdet war.

In der Touristinformation sammelten wir noch Informationen, was wir hier noch machen könnten (wenn das Wetter mitspielt). Wir schauten uns noch einen Campingplatz an, auf den wir wahrscheinlich morgen ziehen werden und fuhren zurück nach Athenree. Abends gab es dann die Rinderfiletsteaks, die wir vom australischen Metzger in Tauranga mitgenommen hatten. Köstlich!!


Heute (Montag, 27.07.2020) hatten wir neben einigen organisatorischen Dingen wie Einkaufen und Nachfüllen der Gasflasche nur einen Punkt auf unserer To-Do-Liste: eine Fahrt mit der historischen Goldfields-Eisenbahn. Die Fahrt führt von Waihi nach Waikino und ist der verbliebene Rest der Strecke zwischen Waihi und Paeroa. Sie wurde 1905 eröffnet, um Güter und Personen zu und von den Goldfeldern in Waihi zu befördern.

1978 wurde die Strecke geschlossen, die 7 km lange Strecke von Waihi wurde der Goldfields Steam Train Society überlassen, der Rest bis Paeroa wurde als Fahrradstrecke ausgebaut. Diese wollen wir – wenn es das Wetter zulässt – morgen fahren.

In der Woche wird die Strecke nur einmal befahren. Um 11:30 Uhr fuhr die alte Diesellok mit zwei Waggons aus den 1910-er Jahren los.

Außer uns waren noch ca. 15 Leute mit unterwegs, junge Familien mit Kindern oder Rentner wie wir.

Die Waggons sind aus den Jahren 1911 und 1916.

Der Zug zuckelte fast im Schritttempo die alte Strecke entlang. Landschaftlich war es nicht allzu aufregend.

Die spektakulärere Strecke durch die Karangahake Schlucht beginnt erst nach der jetzigen Endhaltestelle in Waikino. Nach 45 Minuten kamen wir in Waikino an. Das sehenswerte Bahnhofsgebäude stand ursprünglich in Paeroa und wurde nach Waikino versetzt.

Es beherbergt heute ein schönes Café, wo auch wir eine Pause machten.

Nach einer reichlichen Stunde fuhren wir die gleiche Strecke nach Waihi zurück.

Die offenen Waggons werden im Sommer eingesetzt.

Auch nach Waihi wurden einige alte Bahnhofsgebäude versetzt, die noch weiter restauriert werden und die größte Ansammlung alter Eisenbahngebäude in Neuseeland sein soll. Alles in allem kein großes Abenteuer, aber sehr nett.


Nachts hatte es wieder mal kräftig geregnet. Dadurch wurde es aber nicht so kalt, die Temperaturen stiegen im Laufe der Nacht von 4°C auf 11°C. Der Blick aus dem Fenster hieß für heute (Dienstag, 28.07.2020) nicht viel Gutes. Aber unsere Wetter-Apps sagten besseres Wetter voraus, vor allem ohne Regen. Also fuhren wir in die Touristeninformation und holten uns die vorbestellten Fahrräder ab.

Es waren moderne Mountain-Bikes mit denen wir sehr gut fahren konnten, nachdem die Sitzhöhen richtig eingestellt waren. Die heutige Teilstrecke des Hauraki Rail Trails von Waihi nach Paeroa ist 24 km lang, hin und zurück also knapp 50 km.

Der Weg führte immer am Fluss entlang, war sehr gut ausgebaut und genauso gut beschildert.

Die Bank passte zum Thema „Rail Trail“

Erstes Zwischenziel war Waikino, die Endhaltestelle der Eisenbahnfahrt von gestern. Danach sahen wir die Überreste der Victoria Battery, einen ursprünglich sehr großen Industriekomplex zur Goldgewinnung.

Die Victoria Battery wurde 1896 begonnen und in 5 Jahren ausgebaut. Bis 1931 wurden viele Erweiterungen getätigt. Die Victory Battery wurde aus Anlass des 60. Geburtstages von Queen Victory nach ihr benannt.

In der Battery wurden Erze aus der Martha-Mine in Waihi weiterverarbeitet. Dazu wurde das Quartz-Gestein zerstoßen, später mit Natriumcyanid versetzt und die entstandene Flüssigkeit mit Zinkstaub gefiltert und ausgefällt. Der Schlamm wurde gewaschen, getrocknet und enthält dann reines Gold. In der Hochzeit wurden hier bis zu 812 Tonnen Erz zu Sand gemahlen. In den 1950ern wurde der Betrieb eingestellt.

Der Trail führte weiter auf der alten Bahntrasse bis wir nach weiteren 7 km den alten Eisenbahntunnel erreichten. Der Tunnel ist 1,1 km lang und führt schnurgerade durch den Felsen. Er war nur spärlich beleuchtet und die Fahrt hatte etwas Unheimliches, auch wenn man immer das „Licht am Ende des Tunnels“ sah.

Dann hatten wir die Schlucht hinter uns gelassen und rollten auf Paeroa zu. Aber es fing wieder an zu regnen.

Wir waren schon fast in der Stadt, suchten uns einen Imbiss für ein Mittagessen und fuhren dann zurück.

„Leckeres“ Imbiss-Essen …

Leider begleitete uns der Regen auf der Rückfahrt weitgehend, so dass sich der Spaß in Grenzen hielt. Es hätte auch noch links und rechts des Weges einiges zu sehen gegeben, aber bei dem Wetter wollten wir so schnell wie möglich zurück.

Unsere Rucksäcke und unsere Klamotten haben etwas gelitten.

Gegen 15.00 Uhr waren wir nach reichlich 5 Stunden Fahrt wieder an der Touristeninformation, gaben die Fahrräder ab und fuhren auf den Campingplatz. Schade, dass das Wetter nicht mitgespielt hat, der Trail war sehr schön, die Fahrräder sehr gut und zumindest der regenfreie Teil der Tour hat viel Spaß gemacht.

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