Cambridge und Hamilton (zum Zweiten)

Unser Aufenthalt in Rotorua war heute zu Ende (Dienstag, 25.08.2020). Nach dem Frühstück müssen wir wieder einmal alles in den Camper einräumen. Aber das geht mittlerweile problemlos, schließlich haben wir genug geübt. Vor der Fahrt nach Cambridge gehen wir noch einmal einkaufen. Und natürlich regnet es wieder heftig. Später wechseln sich Wolken, Sonne und Regen bei stürmischem Wind ab. Reinstes April-Wetter.

Wir fuhren über eine Hügellandschaft in Richtung Tirau. Das kleine Örtchen liegt etwa 50 km von Rotorua entfernt. In unserem Reiseführer hatten wir etwas von einem Castle Pamela gelesen, aber wir fanden in Tirau kein Hinweisschild. Trotzdem haben wir es gefunden. Es ist aber offensichtlich schon seit geraumer Zeit geschlossen. Später habe ich gelesen, dass es zum Verkauf steht. Die Geschichte dahinter kann man hier lesen.

Wir drehten um und suchten die zweite Sehenswürdigkeit des Örtchens: Die Wellblechkonstruktionen, die sich über das Dorf verteilen. An der Hauptstraße fanden wir einige skurrile, aber sehenswerte Beispiele.

In den Wellblech-Häusern waren die Touristeninformation und verschiedene Läden untergebracht.

Wir tranken in einem originellen Pub noch etwas und fuhren dann das kurze Stück bis Cambridge. Wir stellten das Auto ab und suchten zuerst was zu essen. Es wurde wieder mal ein neuseeländisches Mittagessen… Danach schlenderten wir durch das kleine Städtchen, das doch größer war, als wir vermutet hatten. Cambridge ist die (selbsternannte) Pferdehauptstadt Neuseelands. Einige der besten Rennpferde der Welt werden hier gezüchtet und viele Vollblut- und Standardtrainer sind hier beheimatet. Auf den Gehwegen waren Porträts der erfolgreichsten Pferde eingelassen.

Walk of Fame – der Pferde.

Neben der Stadthalle steht auch eine lebensgroße Skulptur eines Pferdes und eines Fohlens. Die Bronze-Skulptur wurde 2004 errichtet und ist 850 kg schwer.

Nach unserem Rundgang gingen wir wieder zum Auto und fuhren auf den Campingplatz. Moni ging dann noch ein Stück spazieren und ich wälzte die von der Touristeninformation mitgebrachten Prospekte, um ein Ziel für Morgen und eventuell die nächsten Tage auszusuchen. Eigentlich ist das hier eine hervorragende Fahrrad-Gegend, aber leider spielte das Wetter nicht mit.


Für heute (Mittwoch, 26.08.2020) hatten wir uns eine Wanderung an den „Sanctuary Mountain“ / Maungatautari vorgenommen. Das ist ein Naturschutzgebiet um den Berg Maungatautori (knapp 800 m hoch) , dass von einem 47 km langen hohen Zaun umgeben ist und in dem versucht wird, die heimische Flora und vor allem Fauna wieder anzusiedeln. Der Zaun ist sicher gegen alle schädlichen Tiere, von der Ratte bis zum Wildschwein. Wir mussten etwa 50 km um den Berg herumfahren, um an den südlichen Eingang zu kommen. Dort gibt es ein Besucherzentrum und wir mussten erst einmal 50 NZ$ bezahlen.

Der gut gesicherte Zaun, der alle Schädlinge abhalten soll.

Dann gingen wir durch den Eingang und liefen entlang der gut ausgeschilderten Wege ca. 5 km.

Die Eingangsschleuse.

Die Flora, sprich der Wald, kam uns sehr bekannt vor.

Wir sahen eine ganze Reihe von Vögeln, aber es war sehr schwer sie zu fotografieren oder zu filmen.

ein Kaka
ein Tui

Kurz vor dem Ende des Rundganges fing es wieder an zu regnen. Also liefen wir mit dem Regenschirm durch den Regenwald und waren dann froh wieder am Camper zu sein.

Wir fuhren zurück nach Cambridge und machten dort noch einen längeren Spaziergang in der Nähe des Waikato-Rivers.

Brücke über den Waikato in Cambridge.

Das Wetter blieb durchwachsen, es blies ein kühler Wind und immer drohte der nächste Regenguss, der aber dann erst kam, als wir bereits auf dem Campingplatz waren. Wir hatten versucht, dass Beste aus dem Tag zu machen, aber schön ist anders….

Einschub: Neben der Verlängerung des Visums und des Carnet de Passages brauchen wir auch eine Verlängerung der KfZ-Haftpflichtversicherung. Ich war etwas skeptisch, ob es klappen wird oder ob die Versicherung wegen des Unfalls ganz am Anfang der Tour „mauern“ wird. Aber zwei E-Mail reichten, dann hatte ich die Verlängerung um 6 Monate abgeschlossen. Wenigstens mal etwas, was schnell klappt (wenn nicht noch etwas hinterherkommt).


Wir wollten heute (Donnerstag, 27.08.2020) weiterfahren. Ziel war das nur knapp 30 km entfernte Hamilton. Aber wir wollten einen großen Umweg fahren. Zuerst sollte es nach Hobbiton, einem der wichtigsten Drehorte für Herr der Ringe, gehen, dann nach Matamata und über Morrinsville schließlich nach Hamilton.

Da wir beide „Herr der Ringe“ als Film nicht gesehen haben und daher auch keine glühenden Fans sind, wollten wir nur bis in das Besucherzentrum fahren und uns das Ganze mal anschauen. Vor allem ist der Eintritt richtig teuer: rund 90 NZ$, also fast 50 €/Person. Zudem kann man den Filmset nur im Rahmen einer Führung und nicht individuell erkunden, sonst hätten wir es vielleicht überlegt.

Wir waren kurz vor 10 Uhr da und weit und breit die einzigen Touristen. So leer wird es hier wohl schon lange nicht mehr gewesen sein. Das eigentliche Hobbiton wird nur mit dem Bus angefahren und ist von außen nicht einsehbar.

Die leeren Busse warten auf Kundschaft.

Das Filmset wurde 2000/2001 nur aus temporären Materialien erbaut. Erst 2011 wurde für die Hobbit-Trilogie das Filmset mit Unterstützung des Eigentümers der Farm aus stabilem Material erbaut. Ihm gehört nun das Filmset und mit Einwilligung der Filmfirma darf er das so betreiben. In den letzten Jahren kamen ca. 600.000 Besucher pro Jahr. Rund um Hobbiton sind über 300 Leute beschäftigt. Mal sehen wie lange das in Corona-Zeiten noch gut geht …. Wer noch etwas mehr wissen wir, wird hier fündig (in Englisch).

Landschaft um Hobbiton.

Wir sahen uns den Besuchershop an und fuhren dann weiter.

Das kleine Städtchen Matamata war unspektakulär, es ist das „Einfallstor“ für die Touristen nach Hobbiton.

Das sah man auch schon an der Touristeninformation.

Touristeninformation in Matamata

Wir spazierten kurz durch die Stadt und fuhren weiter nach Morrinsville. Durch Zufall hatten wir in einer Touristeninformation Prospekte gefunden, die die kleine Stadt als „Cream of the Country“ bewerben. Morrinsville liegt im Zentrum der Milchindustrie und hat der Kuh in der Stadt viele Denkmäler gesetzt. Rund 60 lebensgroße Kuh-Skulpturen sind farbenfroh bemalt und mit vielen Ideen umgesetzt in der Stadt verstreut aufgestellt.

Seit 2017 gibt es auch eine übergroße Kuhfigur, die „Mutter aller Kühe“. 

Wir sahen uns das ansonsten unspektakuläre Städtchen an, aßen kurz zu Mittag und im einsetzenden Regen fuhren wir weiter nach Hamilton. Da es in Hamilton nur einen Campingplatz gibt, landeten wir auf dem gleichen Campingplatz wie bereits Anfang Januar.

Leider regnete es weiter. Erst nach über knapp 2 Stunden hörte es auf und wir beschlossen, in die Innenstadt zu spazieren.

farbenfrohe Installation in Hamilton

Viel Zeit hatten wir nicht und auf dem Rückweg holte uns der nächste kräftige Regenschauer ein. Zudem war es windig und kalt – Winter halt.


In der Nacht hatte ich kaum geschlafen. Unser Camper stand unter einen großen Baum und durch den Regen und die Feuchtigkeit tropfte es die ganze Nacht auf das Dach. Das grenzte fast an Folter. Aber Ohrstöpsel/Ohropax wie Moni wollte ich nicht nehmen, also quälte ich mich in den Morgen. Der begann heute (Freitag, 28.08.2020) erst einmal sehr kalt (unter 4°C) und alles war extrem feucht. Die Sonne schien zwar, kam aber kaum durch den Nebel. Trotzdem nahmen wir unser heutiges Ziel, die Hamilton Gardens, in Angriff. Zuvor kauften wir ein echtes Sauerteig-Brot bei einem guten Bäcker und waren dann gegen 09:30 Uhr schon bei den Gärten. Das war aber zu früh, denn die eigentliche Gartenanlage öffnete wegen Corona Level-2 erst um 10 Uhr.

Am Eingang sahen wir eine große Stein-Skulptur aus mehreren Stelen und einem nachempfunden Maori-Umhang (kakahu)  aus 12.000 einzelnen weißen Quartz-Steinen und 1000 Steinen aus Grauwacke.

Die Hamilton Gardens waren vor 50 Jahren ein vernachlässigtes Gebiet, u.a. mit einer Müllkippe. Die Entwicklung der heutigen weitläufigen Gartenanlage begann in den 60er Jahren. In den 80er Jahren begann die Entwicklung der sogenannten „Enclosed Gardens“, das sind Themengärten, die die Entwicklung der Gartenkultur der letzten 4000 Jahre weltweit verdeutlichen sollen. Bisher sind über 20 verschiedene Gärten gestaltet worden. Weitere Gärten sind in der Umsetzung.

In die Kategorie „Paradise Garden Collection“ fallen die

  • Chinese Scholars‘ Garden (Garten der chinesischen Gelehrten, einem Garten der Sung Dynastie aus dem 10ten bis 12ten Jahrhundert nachempfunden)
  • Japanese Garden of Contemplation (ein Zen-Garten aus der Muromachi-Periode aus dem 14ten bis 16ten Jahrhundert)
  • Indian Char Bagh Garden (ein Mogul-Garten des 16ten bis 17ten Jahrhunderts) – leider geschlossen
  • Italian Renaissance Garden (Garten aus der italienischen Renaissance)

    (siehe auch Beitragsbild)
  • English Flower Garden (englischer Garten aus dem 19ten Jahrhundert)
  • Tropical Garden (Tropischer Garten aber mit Pflanzen aus Neuseeland)
  • Modernist Garden (Garten aus dem 20ten Jahrhundert nach Art der amerikanischen Westküste)

In der Kategorie „Fantasy Garden Collection“ sind es die Gärten:

  • Tudor Garden (Interpretation eines englischen Gartens aus dem 16. Jahrhundert)
  • Picturesque Garden (Garten mit Motiven aus Mozarts Zauberflöte)

    Die Figur des Papageno aus der Zauberflöte.
  • Chinoiserie Garden (europäischer Garten mit Fantasie-Improvisationen chinesischer Gartenkunst)
  • Mansfield Garden (in Erinnerung des Buches „The Garden Party“ der neuseeländischen Schriftstellerin Katherine Mansfield)
  • Surrealist Garden (mit Surrealistischen Elementen der Gartengestaltung)

    Die Baumäste bewegen sich!
  • Concept Garden (konzeptuelle Ideen, keine praktische Nutzung)

In der Kategorie „Productive Garden Collection“ fallen die Gärten:

  • Te Parapara Garden (ein ursprünglicher Maori-Garten)
  • Kitchen Garden (europäischer Küchengarten aus dem 18ten Jahrhundert)
  • Herb Garden (ein Kräutergarten)

    Noch ist alles ziemlich grau-braun.
  • Sustainable Backyard Garden (verdeutlicht die Prinzipien nachhaltiger Lebensmittel-Erzeugung im eigenen Garten)

Danach besuchten wir noch in den Außenbereichen den Rhododendron-Rasen, die Kamelien-Gärten, die kleinen Gewächshäuser mit tropischen Pflanzen und Kakteen sowie einen Rundweg um einen kleinen See mit einheimischen Pflanzen.

Alles in allem hat es uns sehr gut gefallen. Sogar das Wetter hat ausnahmsweise einmal mitgespielt. Vom Ansatz her ist das mit den „Gärten der Welt“ in Berlin vergleichbar, in der Umsetzung aber anders. Übrigens sind die Gärten der Welt ein sehr lohnenswertes Ausflugsziel, das wir im Juli 2017 besucht haben.

Danach fuhren wir wieder auf dem Campingplatz und überlegten uns, wie wir die nächsten Tage gestalten wollen. Nächste Woche wird hoffentlich in Auckland wieder gearbeitet und wir können unser Carnet de Passages abholen.

Abends las ich dann in der „Waikato Times“ eine Meldung zum bevorstehenden Sommer. Was den Amerikanern das Murmeltier ist, ist dem Neuseeländer offensichtlich eine Schildkröte.

Dann sind wir mal auf den schönen, heißen Sommer gespannt …

Heute (Samstag, 29.08.2020) stand noch einmal Hamilton auf dem Programm, bevor wir am Nachmittag in Richtung Te Aroha fahren wollen. Unser erstes Ziel war der Lake Hamilton oder Lake Rotoroa (nicht zu verwechseln mit dem Lake Rotorua!). Wir hatten Mühe, am See einen Parkplatz für unseren Camper zu finden, denn es waren sehr viele Leute unterwegs. Offensichtlich scheint der See am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel zu sein und die Runde um den See (ca. 4 km) eine beliebte Jogging-Strecke. Die Strecke war sehr gut ausgebaut und wir wanderten bei einigermaßen guten Wetter um den See.

Am oberen Ende machten wir einen kleinen Abstecher zur Good George Brewery, einer Craft Beer-Brauerei. Es war wieder sehr originell.

Das Durst-Löschfahrzeug der Brauerei
Durst-Löschfahrzeug Nummer 2

Danach liefen wir die Runde um den See zu Ende und machten uns auf die Suche nach einem Mittagessen. Wir hatten Appetit auf Ramen-Nudeln und suchten ein japanisches Restaurant, das wir schon auf unseren Spaziergängen durch Hamilton gesehen hatten. Wir fanden es und wurden nicht enttäuscht. Die Ramen schmeckten vorzüglich.

Meine Laksa-Ramen.

Danach machten wir noch einen „Verdauungsspaziergang“ und fuhren am frühen Nachmittag in Richtung Te Aroha, knapp 60 km in Richtung Coromandel. Der Campingplatz war zwar etwas ältlich, aber wir richteten uns bei schönem Wetter ein.

Leider mussten wir feststellen, dass die Regenperiode der letzten Wochen wieder Schimmelspuren hinterlassen hatte und Moni musste die Fächer unter dem Bett wieder gegen Schimmel behandeln. Es wird Zeit, dass endgültig der Frühling und der Sommer kommt.

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