Frühling im Northland

Heute ist Frühlingsanfang! (Montag, 21.09.2020). Leider hat dies der Wettergott nicht mitbekommen, denn nach den vergangenen zwei, drei schönen Tagen, war es heute wieder einmal wolkig und regnerisch. Aber wir wollten sowieso zuerst nach Kaitaia, um ein paar Sachen zu organisieren: wir brauchten wieder einmal Bargeld, mussten tanken und einkaufen und wollten auch in eine Wäscherei. Die Waschmaschinen auf den Campingplätzen funktionieren oft nur mit kaltem Wasser, so dass einige Kleidungsstücke trotz mehrmaliger Wäsche nicht sauber wurden.

Die Fahrt war kurz, wir konnten alles erledigen, nur die Wäscherei war ein Flop, denn es war keine Selbstbedienungswäscherei („laundromat“) wo wir den Waschprozess selbst regeln können, sondern wir mussten die Wäsche abgeben und konnten sie nach reichlich 1 Stunde wieder abholen – mit denselben Flecken wie vorher. Na ja, nun müssen wir halt einen anderen Versuch machen.

Wir fuhren weiter auf dem State Highway 1 in Richtung Süden und sahen dann die Ankündigung einer Straßensperrung. Nach kurzer Fahrt war tatsächlich der Highway gesperrt. Wir hätten einen Riesen-Umweg von Kataia nehmen müssen. Später las ich, dass der SH1 wegen massiver Erdrutsche bereits seit Mitte Juli gesperrt ist. Wir überlegten kurz und entschlossen uns, nicht den vollständigen, sehr weiten Umweg über den SH10 zu fahren, sondern eine wesentlich kürzere Gravel Road.

Die war aber nicht ganz einfach und zum Schluss war sie von Holztransportern sehr zerfahren. Wir waren froh, als wir die 15 km Piste hinter uns hatten.

Dann ging es weiter zum Wairere Boulders Nature Park, unserem eigentlichen Ziel. Das ist ein kleines Tal, in dem riesige Basalt-Felsbrocken liegen, die das Erosionsprodukt einer abgekühlten Lavaschicht ist, die vor ca. 2,5 Millionen Jahren entstand. Die Erosion wurde durch in Regenwasser verrottende Reste der Kauri-Bäume hervorgerufen, die sehr säurehaltig sind. Der Park entstand durch eine Privatinitiative ohne staatliche Unterstützung. Er ist relativ klein, aber sehenswert.

Eigentlich wollten wir den beschriebenen einfachen Campingplatz im Park nutzen, aber er war abgeschlossen und Kühe weideten auf der Fläche. Also mussten wir trotz fortgeschrittener Zeit (es war schon 15 Uhr) weiterfahren. Es ging noch eine weitere Gravel-Road entlang, die aber etwas einfacher zu fahren war, bevor wir Kaikohe erreichten. Kaikohe hat mehr als 400 Einwohner und ist das Zentrum im Inneren des Northlands. Dort gab es einen einfachen Schotterplatz mit Toilette und (kalter) Dusche.

Wir bezahlten 20 NZ$ und waren trotz des gewöhnungsbedürftigen Platzes froh, nicht noch weiter fahren zu müssen.

Einschub: Eine gute Nachricht gab es noch – ab morgen gilt in Neuseeland Corona Level-1. Nur in Auckland geht es von Level 2,5 nur auf Level-2. Damit entfällt die Maskenpflicht, größere Veranstaltungen können wieder durchgeführt werden und auch das lästige Kontakttracing per App entfällt, d.h. das Scannen des QR-Codes an jedem Geschäft oder in jeder anderen Einrichtung.


Wir hatten ganz gut geschlafen (Dienstag, 22.09.2020), obwohl der Platz keine Offenbarung war. Nach dem Frühstück gingen wir einkaufen und entdeckten durch Zufall die „Wall of Fame“ von Kaikohe. Eine ganze Reihe von Wandgemälden waren berühmten oder wichtigen Persönlichkeiten des Ortes gewidmet.

Vor der Weiterfahrt wollten wir noch das Memorial für Hōne Heke besuchen, einen einflussreichen Maori-Führer des Ngāpuhi Stammes, der durch seine Kriegskunst unter den Maori hohes Ansehen erwarb. Er starb 1850 in Kaikohe an Tuberkulose.

Der kleine Park mit dem Monument von 1918 liegt auf einer kleinen Anhöhe. Die Aussicht von dort oben war sehr schön.

Wir sahen uns ein bisschen um, um dann die Fahrt nach Dargaville anzutreten, unserem ersten Zwischenziel. Diesmal führte die Fahrt nur über wenig befahrene Asphaltstraßen und keine Gravel Road. Trotzdem waren wir erst mittags in Dargaville, wo wir am 28.12.2019 schon einmal übernachtet hatten. Wir wollten Mittag essen und vor allem noch einmal einen Laundromat suchen.

Beides haben wir geschafft. Diesmal wurde die Wäsche sogar sauber, da man die Waschgänge und -temperatur selbst einstellen konnte.

Zufrieden setzten wir die Fahrt nach Baylys Beach fort. Der Platz war diesmal sehr schön, auch wenn die Sanitäranlagen nicht besonders modern waren.

Auch die Betten wurden mal durchgelüftet.

Später kam die Sonne noch einmal raus und wir konnten in Sandalen und T-Shirt (!!!) am Strand spazieren gehen. Der Strand von Ripero Beach ist übrigens der längste mit dem Auto befahrbare Strand mit 107 km Länge (der Ninety Mile Beach ist nur 65 km lang).

Dieser Strand wird auch „shipwreck highway“ genannt, da hier etwa 150 Schiffe gestrandet sind, von denen man noch das eine oder andere Wrack sehen kann, wenn der Wind die Wracks im Sand freilegt.

Wir liefen zuerst am Strand entlang und entdeckten noch eine dicke schwarze Schicht in den Sandstein-Klippen. Diese Schicht besteht aus Braunkohle (engl. „lignite“). Das sind die Überreste eines ca. 65.000 Jahre altes fossilen Kauri-Waldes. Sogar ganze Äste und Stämme waren in der Schicht zu erkennen.

Dann stiegen wir die Klippen hinauf, von denen man einen schönen Blick auf das Meer und den Strand hat, auf dem Autos und auch ein Motorrad unterwegs waren.

Abends gab es leckeren gebratenen Fisch. Morgen soll es an die Kai Iwi Lakes gehen.


Heute (Mittwoch, 23.09.2020) wollten wir etwas nachholen, was uns im Dezember 2019 nicht vergönnt war: ein Aufenthalt an den Kai Iwi Seen. Als wir vor neun Monaten da waren, waren wegen der Weihnachtsferien in Neuseeland und der vielen ausländischen Touristen beide Campingplätze vollständig belegt und wir mussten weiterfahren. Diesmal ging es von Baylys Beach eine schöne Gravel Road parallel zur Küste etwa 30 km bis zu den Seen. Die Landschaft war typisch neuseeländisch und das Wetter spielte auch mit.

Gegen 11 Uhr kamen wir auf dem fast leeren Campingplatz an und mussten dann online einchecken.

Danach machten wir einen ersten Spaziergang zum Seeufer, um nach dem Mittagessen eine Runde um den großen See zu laufen.

Moni sprang kurz in den See

Die Kai Iwi Seen sind drei Seen, der Lake Tarahoa ist der größte. Der Weg führte reichlich 8 km immer entlang des Ufers des Lake Tarahoa und bot faszinierende Ausblicke auf den See mit seinen unterschiedlichen Blautönen.

Nach zwei Stunden waren wir wieder am Camper, genossen noch ein wenig das angenehme Wetter, bis es dann doch zu kalt wurde. Außer uns waren auf dem riesigen Campingplatz nur noch drei andere Autos.


Nächstes Ziel war die Pouto Halbinsel. Zusammen mit der südlichen Halbinsel bildet sie einen riesigen Naturhafen, den Kaipara Harbour. Das Becken erstreckt sich über eine Fläche von 950 km². Der Kaipara Harbour wird seit den 1950er Jahren nicht mehr als Wirtschaftshafen genutzt. Vorher diente er vor allem als Umschlaghafen bei der Holzerzeugung.
Wir wollten heute (Donnerstag, 24.09.2020) bis zum südlichen Zipfel fahren, das waren etwa 100 km, davon die letzten 24 km Gravel Road. Wir machten einen Zwischenstopp in Dargaville zum Einkaufen und Tanken und sahen im Supermarkt übrigens die ersten Weihnachtsartikel! Drei Monate vor Weihnachten.

Drei Tage nach Frühlingsanfang ….

Nach knapp 2 Stunden Fahrt kamen wir kurz nach 12 Uhr am Campingplatz in der Siedlung Pouto Point an. Der Platz ist ein einfacher Wiesenplatz vor der kleinen Marine Hall. Mehr als 5…6 Camper passen nicht auf den Platz. Mit uns standen heute drei Camper da.

In dem Gebäude der Marine Hall gab es eine gut eingerichtete Küche, zwei saubere Duschen, einen großen Gemeinschaftsraum und einen Raum mit einem Bettenlager.

Die einzige Sehenswürdigkeit in der Gegend ist der Pouto Leuchtturm. Er ist aber ca. 7 km entfernt und nicht über einen Weg oder eine Straße erreichbar, wie wir feststellen mussten. Einzige Möglichkeit dahin zu kommen, ist der Weg entlang des Strandes. Das geht aber auch nur bei Ebbe bzw. in den Stunden um den Tiefstand.

Wir liefen also am Strand entlang, um vielleicht schon bald einen Blick auf den Leuchtturm zu erhaschen, aber es fing an zu regnen und der Wind blies sehr kräftig.

Die Reste eines Bootes/Schiffes

Also gingen wir zurück und mussten den restlichen Nachmittag im Camper verbringen. Wenigstens war es nicht mehr so kalt.


Das Wetter versprach, dass wir heute (Freitag, 25.09.2020) die Wanderung zum Leuchtturm nachholen können. Es war zwar erst wolkig, aber kein Regen angesagt. Auch der Wind hatte nachgelassen. Also setzten wir nach dem Frühstück unseren Camper von der Campsite auf einen Parkplatz in der Nähe des Strandes um (Die Campingplätze müssen im Allgemeinen bis 10 Uhr geräumt werden). Schon kurz vor 9 Uhr waren wir startbereit. Wir hatten uns auch gestern noch erkundigt, wann Ebbe ist, damit wir nicht von der Flut überrascht werden.

Wir liefen den breiten, menschenleeren Strand entlang. 7 km Weg lagen vor uns. Die Landschaft war sehr interessant und nicht langweilig. Dazu ein Panoramabild:

Dieses Stück Seegras hat verblüffende Ähnlichkeit mit einem Krebs.

Nach 1 ½ Stunden standen wir am Fuße des Leuchtturmes und mussten noch die ca. 80 m hohe Düne hinaufkraxeln. Aber das war schnell erledigt. Oben trafen wir zwei Männer im Dienst des Umweltministeriums, die unterhalb des Leuchtturmes die Dünen bepflanzten. Wir ruhten uns aus, genossen die Ausblicke auf das Meer und den Strand und schossen ein paar Fotos. Der Leuchtturm soll der älteste hölzerne Leuchtturm Neuseelands sein. Er wurde 1884 gebaut, nachdem sehr viele Schiffe bei der Einfahrt in den Kaipara Harbour verunglückt sind. 1947 wurde der Harbour geschlossen und der Leuchtturm wurde dann 1952 außer Betrieb genommen.

Die Düne hinunter ging es natürlich schneller, aber auch der Rückweg war relativ schnell geschafft. Wir trafen sogar noch ein Pärchen, die einzigen Menschen während der ganzen Wanderung. Nach 3 ½ Stunden waren wir wieder am Parkplatz und machten erst mal Mittagspause.
Danach wollten wir nicht mehr soweit fahren und beschlossen nach Kellys Bay zu fahren. Das waren nur ca. 20 km Gravel Road. Der Platz an Kellys Bay war sehr schön in der Nähe des Strandes gelegen. Obwohl er sanitärtechnisch nicht prickelnd war (es fehlten z.B. die Duschen), beschlossen wir hier zu bleiben.

Das Wetter war sehr schön, so konnten wir uns noch zwei, drei Stunden vor unseren Camper setzen und Sonne tanken.


Heute war ein kurzer Tag geplant (Sonnabend, 26.07.2020). Wir wollten von der Halbinsel fahren und über Dargaville sozusagen auf der gegenüberliegenden Seite bis nach Matakohe. Wir waren froh den Platz verlassen zu können, denn die Sanitäranlagen (stinkendes Plumpsklo) waren eine Katastrophe. Zuerst mussten wir wieder ein Stückchen Gravel Road fahren, aber nach 6 km begann die normale Straße. In Dargaville machten wir wieder einen Einkaufsstopp und fuhren dann bei schönstem Sonnenschein in Richtung Matakohe. Zuerst ging es entlang des Wairoa-Rivers dann führte die Straße nach Osten. Wir kamen schon um 11 Uhr an. Obwohl Check-in erst um 12 Uhr sein sollte, durften wir auf den schönen Platz.

So hatte ich Zeit, endlich mal wieder etwas Kleines zu kochen: es gab Reh-Medaillons mit Erbsen und Salzkartoffeln.

Am Nachmittag nutzten wir das schöne Wetter und saßen vor dem Camper. Moni machte noch einen kleinen Spaziergang, aber die Gegend hier ist ausschließlich abgezäuntes Farmland, so dass es dazu nicht viele Möglichkeiten gibt.

Die Temperaturen stiegen übrigens bis auf 22°C (!!). Ab Morgen könnten wir dann bei schönem Wetter noch länger draußen sitzen, denn heute Nacht ist Zeitumstellung. Ab morgen gilt die Sommerzeit, d.h. die Uhren werden eine Stunde vorgestellt.

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In der Nacht kam das angekündigte Tiefdruckgebet, dass auf der Südinsel Schnee, Regen und starken Sturm bringen sollte und auf der Nordinsel zumindest für starken Regen und Wind sorgen sollte. Auch beim Aufstehen regnete es heftig.

Da kein Ende abzusehen war, beschlossen wir, den heutigen Tag (Montag, 27.09.2020) einfach auszusitzen, denn bei dem Wetter kann man woanders auch nichts machen. Moni besuchte vormittags noch einmal das Kauri-Museum, das nur wenige 100 m entfernt war. Wir hatten es bereits auf unserer 1. Runde besucht. Nach dem Mittagessen (Pellkartoffeln mit Quark – ein typisches Sonntagsessen 😉) beruhigte sich das Wetter ein wenig und wir konnten wenigstens noch eine Stunde spazieren gehen.

Kirche und Friedhof von Matakohe

Hoffentlich wird es morgen besser, denn wir wollen auf jeden Fall Northland verlassen und nach Süden in die Region Auckland weiterfahren.

Einschub: Heute erschien eine Meldung in der Zeitung NZ Herald, dass 3 deutsche Segler festgenommen worden seien. Sie waren in ca. 2,5 Monaten von Französisch-Polynesien über 4000 km bis zur Bay of Island gesegelt und hatten vorher noch einen Corona-Test gemacht (negativ). Vor der Einfahrt in das Hoheitsgebiet hatten sie um Ausnahme von der Grenzschließung gebeten. Das Gesundheitsministerium hatte dies offensichtlich abgelehnt, die Segler sind aber trotzdem weitergefahren, hatten die neuseeländischen Behörden informiert und auf die Reparaturbedürftigkeit des Schiffes und persönliche Probleme verwiesen. Ein Grenzschutzboot begleitete sie in den Hafen, die drei Segler wurden in Haft genommen und die Yacht beschlagnahmt. Sie sollen nächste Woche einem Richter vorgestellt und dann mit dem ersten möglichen Flug zurück nach Deutschland geschickt werden. Neuseeland könne schließlich nicht der sichere Hafen für irgendwelche Segler werden, so der Kommentar.

Pikant: In der gleichen Zeitung von gestern gab es einen großen Leitartikel, wie Superyachten diese Regelungen umgehen können, wenn sie nur ausreichend Geld (d.h. Millionen) in die Reparaturen hier vor Ort stecken. Schließlich steht Anfang nächsten Jahres der Americas Cup an, der diesmal in Neuseeland ausgetragen wird und man will offensichtlich keine der „Schönen und Reichen“ verprellen.

Von meiner Seite kein Kommentar …..

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