An der westlichen Küste entlang

Nach unserer Zwangspause in Warkworth wollen wir heute (Freitag, 02.10.2020) in weitem Bogen um Auckland herum nach Süden fahren. Unser eigentliches (Fern-) Ziel ist die Gegend um den Lake Taupo, den wir als eines der wenigen Highlights von Neuseeland noch nicht gesehen haben. Aber wir haben ihn bisher bewusst ausgelassen, bis das Wetter besser, d.h. wärmer, wird. Schließlich sind die Berge dort über 2000 m hoch und vor ein paar Tagen hat es dort noch geschneit. Daher wollen wir uns Zeit lassen und steuern Clarks Beach im Manukau Harbour an, südöstlich von Auckland. Wir fahren um Auckland herum, da das Nadelöhr der Strecke – die Harbour Bridge – nach wie vor teilweise gesperrt ist und es deshalb zu langen Staus kommt. Die Brücke war beschädigt worden, als zwei LKWs bei heftigen Windböen gegen Brückenpfeiler geschleudert und tragende Teile beschädigt wurden.

Die Fahrt dauerte mit einer Pause zum Mittagessen ein paar Stunden aber wir hatten ja Zeit. Und so war es gleich ein Test, ob unser Rangie nach der Reparatur wieder voll funktionsfähig ist. Nachdem wir die letzten Kilometer der rund 150 km langen Strecke bewältigt hatten, kamen wir ohne Probleme am Campingplatz an und checkten ein.

Unser kleiner Camper wieder einmal neben einem „Raumschiff“
(siehe auch Menüpunkt „Vermischtes“ !)

Viel Zeit war nicht mehr, so dass unser Spaziergang am Strand ziemlich kurz ausfiel. Moni musste noch Wäsche waschen und ich noch ein paar Sachen am Computer erledigen.

Mit letzter Kraft….
Blick auf den Manakau Harbour bei Ebbe

Einschub: Abends gab es dann noch zwei Breaking News: als erstes, dass sich Donald Trump mit Corona infiziert hat und dann die für uns persönlich wichtigere: Australien öffnet ab dem 16. Oktober mit den Bundesstaaten Northern Territory und New South Wales die Grenzen nach Neuseeland. Das bedeutet, dass Neuseeländer ohne Quarantäne in diese australischen Bundesstaaten einreisen dürfen. Neuseeland hat noch nicht reagiert, so dass nach jetzigem Stand keine Australier nach Neuseeland dürfen und dass die neuseeländischen Rückkehrer, die nach dieser Regelung nach Australien gereist waren, für zwei Wochen in Quarantäne müssen. Auch wenn dies uns nicht unmittelbar hilft, z.B. wäre der Ankunftshafen für das Auto Brisbane im Bundesstaat Queensland, ist es doch ein positives Zeichen, dass sich etwas bewegt.


Nachdem ich gestern noch festgestellt hatte, dass Seabridge nicht nur Überführungen nach Brisbane, sondern auch nach Sydney in New South Wales durchführt, sind wir jetzt natürlich sehr gespannt ob und wie es für uns weiter geht. Die Neuseeländer haben das Ganze offensichtlich sehr zurückhaltend aufgenommen, in der heutigen Samstagszeitung (Sonnabend, 03.10.2020) habe ich das Thema erst auf Seite 3 und relativ knapp gefunden …

Die Fahrt führt uns heute (Samstag, 03.10.2020) zuerst von Clarks Beach nach Waiuku. Dort wollten wir einkaufen und schauen, ob es den Campingplatz Sandspit Beach Motor Camp noch gibt. Im Internet hatte ich unterschiedliche Angaben gefunden und in meiner Camper-App gab es ihn gar nicht mehr. Unsere Sorge war unbegründet, der Platz stand zwar zum Verkauf, war aber noch offen. Allerdings merkte man an vielen Stellen, das lange Zeit nicht mehr viel investiert worden ist. Aber für eine Nacht geht es. Die zwei typischen Wahrzeichen einer kleinen neuseeländischen Stadt, der Uhrenturm und die öffentliche Toilette:

Nachdem dies erledigt war, fuhren wir zu unserem heutigen Ausflugsziel: dem Manukau Heads Lighthouse. Es war zwar der gefühlt hundertste Leuchtturm, aber um es vornweg zu nehmen, es hat sich gelohnt. Nicht nur wegen des Leuchtturms, sondern auch wegen der landschaftlich sehr schönen Fahrt dahin. Wir musste etwa 40 km auf die nördliche Spitze der Awhitu Peninsula (Halbinsel) fahren. Es war sehr schönes Wetter, es war Sonnabend und es waren Ferien. So war es keine Wunder, dass wir am Leuchtturm nicht allein waren, sondern Mühe hatten, einen vernünftigen Parkplatz finden.

Der Leuchtturm liegt 240 m hoch und ist eine Rekonstruktion des 1986 zerstörten alten Turmes, der 2007 wiedereröffnet wurde.

Der alte Leuchtturm wurde von 1874 bis 1956 genutzt. Er ist innen mehr oder weniger leer, dafür kann man ihn besteigen und hat wunderschöne Ausblicke, insbesondere auf den Manakau Harbour mit der Silhouette von Auckland im fernen Hintergrund.

Wir filmten und knipsten und stiegen dann zufrieden wieder zum Parkplatz hinunter. Wir kochten uns ein kleines Mittagessen und konnten an unseren Stühlen und dem Tisch in der Sonne essen. Vor der Rückfahrt stiegen wir noch einen Hügel hinauf, auf dem ein Maori-Heiligtum stand. Auch von dort gab es wieder schöne Ausblicke.

Auckland im Dunst (ca. 30 km Luftlinie)

Die Rückfahrt ging dann schnell vorüber. Leider mussten wir die restliche Zeit auf dem Campingplatz mit der Beseitigung der hoffentlich letzten Schimmelreste in unserem Camper verbringen.

Am Vormittag musste ich schon das Schloss der Tür für das Fach mit der Gasflasche reparieren und die Campertür quietschte schon wieder. Es gibt eben immer was zu tun.


Der nächste Tag ist schnell erzählt (Sonntag, 04.10.2020). Unser Campingplatz war in Port Waikato, direkt an der Mündung des Waikato Rivers. Der Waikato River ist mit 425 km der längste Fluss Neuseelands. Der Begriff Waikato ist Māori und bedeutet „fließendes Wasser“. Wir fuhren in Richtung Pukehohe los, machten einen kurzen Stopp an einer Caltex-Tankstelle, ließen unsere Gasflasche auffüllen und waren gegen 11 Uhr in Pukehohe, das Zentrum des Franklin-Distriktes. Die kleine Stadt hat 25.000 Einwohner und keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Nicht einmal einen Uhrenturm haben wir entdeckt (und das will für Neuseeland etwas heißen).

Blühende Kirschbäume an der Hauptstraße
Denkmal für Peter Raymond „Possum“ George,
einen berühmten neuseeländischen Rallye-Fahrer

Das kleine Zentrum der Stadt war schnell erkundet und wir nahmen uns einen kleinen Imbiss mit auf dem Weg.
Pukehohe ist ein wichtiges Zentrum für Pferde- und Autorennen. Etwas außerhalb befindet sich das große Gelände dafür, wo gerade der Automobilclub Auckland eine Veranstaltung hatte. Eigentlich wollten wir eine Weile zuschauen, aber aufgrund der COVID-Level-2 Restriktionen für die Region Auckland – zu der Pukehohe noch gehört – wurden keine Zuschauer eingelassen. So konnten wir nur einen Blick von außen erhaschen.

Halb eins waren wir in Port Waikato, stellten den Camper ab und aßen unseren mitgebrachten Lunch.

Begrüßungsfigur am Eingang des Campingplatzes

Nachmittags machten wir noch einen kleinen Spaziergang in Richtung der Mündung des Waikoto Rivers in die tasmanische See. Der Weg führte zuerst am Ufer entlang, gesäumt von großen Sanddünen.

Dort saßen dicht an dicht viele Angler, von denen manche gleich 4 oder 5 Angeln gleichzeitig im Wasser hatten. Wir sahen auch, wie zwei Angler tatsächlich Erfolg hatten und kleine Fische fingen.

Nach kurzer Zeit hörte der Weg am Ufer auf und wir mussten quer durch die Dünen laufen. Eigentlich hatte ich gehofft, tatsächlich bis zur Mündung zu kommen, das waren noch 2…3 km, aber in dem Gewirr der Fahrwege durch die Dünen war unklar ob es einen Weg bis dahin gibt. Daher liefen wir im weiten Bogen auf ausgefahrenen Wegen zurück zum Campingplatz. In den grauen Sanddünen sah es aus wie auf einen Spielplatz für große Jungs: Überall Fahrspuren von Pick-ups, Quads, Cross-Motorrädern und ähnlichem. Obwohl am Eingang zum Strand ein großes Schild steht, dass das verboten ist.

Abends hatten wir wieder mal Glück und einen relativ schnellen Internetzugang. Daher konnten wir uns zwei Staffeln der „Küchenschlacht“ im ZDF mit Josef Lafer ansehen. Schon sehr amüsant die Sendung.


Die heutige Etappe war etwas länger (Montag, 05.10.2020). Wir wollten zuerst dem Waikato-River wieder flussaufwärts eine kurze Strecke folgen, um dann nach Süden abzubiegen.

Morgenstimmung am Waikato

Die folgenden 90 km führten durch eine typische neuseeländische Landschaft. Weitläufige Farmen mit Schafen oder Rindern wechselten sich mit kleinen Waldstückchen ab. Richtige Dörfer oder gar Städte gab es nicht, sondern nur ab und zu eine Farm mit ein paar Gebäuden. Menschen sahen wir fast keine und Autos begegneten uns während der zwei Stunden Fahrzeit auch nur wenige.

Ein relativ seltener Anblick, auch wenn es in den Supermärkten viel Schweinefleisch und -produkte (z.B. Bacon in allen Variationen) gibt.

Ausnahme waren diese beiden Imker, die sich gerade um ihre Bienenvölker kümmerten.

Pünktlich zum Mittagessen rollten wir in Raglan ein. Wir schlenderten durch das kleine Zentrum und waren angenehm überrascht. Etwas touristisch aber sehr angenehm, vor allem bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen. Als wir vor ein paar Monaten hier waren, haben wir nur den beliebten Surf- und Schwimmstrand besucht und die kleine Stadt links liegen lassen.

Eine kleine Kirche am Ortseingang.
Die Hauptstraße (Bow Street)
Es gab eine Reihe von Restaurants und Kneipen. An dieser sahen wir eine Werbung, …
… beim bevorstehenden Referendum für die Freigabe von Cannabis zu stimmen.
Strandpromenade

Mittags hatten wir beide Appetit auf Pizza, aber leider war die Pizzeria in indischer Hand und die Pizzen (einmal mit Rindfleisch für Moni und einmal mit Seafood für mich) hatten mit einer italienischen Pizza nicht mehr als den Namen gemein. Schade.

Danach checkten wir auf dem sehr großen und modernen Campingplatz ein. Wenn das Wetter so bleibt, könnte man hier noch ein oder zwei Tage bleiben. Der Platz füllte sich gegen Abend relativ schnell. Wegen der Ferien waren offensichtlich viele Familien mit Kindern unterwegs.

Wir unternahmen noch einen längeren Spaziergang, wieder am Strand entlang. Wieder mal war auch Ebbe. Und wieder gab es auch Angler.

Der Kleine konnte sein Glück kaum fassen.

Heute ging unsere Reise weiter an der Küste entlang (Dienstag, 06.10.2020). Von Raglan fuhren wir vorbei an den Bridal Falls, die wir schon gesehen hatten, über eine Schotterpiste bis nach Kawhia. Auch hier sind wir schon einmal kurz gewesen, um die heißen Stellen am Strand von Te Puia zu suchen, leider ohne Erfolg. Zudem war es damals ziemlich kalt und es wehte ein sehr heftiger Wind, der an ein Sandstrahlen erinnerte.

Es ging vorbei an interessanten Felsformationen.

Die Strecke war relativ schnell bewältigt. Das Wetter war nicht so schlecht, aber leider auch nicht so schön wie gestern. Wenn die Sonne schien, war es warm, sobald aber Wolken aufzogen, wurde es durch den kalten Wind sofort sehr kühl.

Die Schotterpiste führte auch durch ursprünglichen Wald.

Kawhia besteht nur aus ein paar Häusern mit einer Tankstelle, einem Hotel und Restaurant, einem General Store, einem Café, einem Motel und einer winzigen Bibliothek.

Der General-Store
Der Werbespruch lässt viele Interpretationen offen und erinnerte mich an das Wort „Familienbande“ 😉

Es gab sogar drei verschiedene Campsites, die wir nacheinander in Augenschein nahmen. Bei der letzten blieben wir hängen.

Nach dem Mittagessen wusch Moni schnell noch ein paar Wäschestücke und ging etwas spazieren. Ich setzte mich an meinen Laptop und schrieb den Blog weiter. Wir dachten zuerst, wir bleiben allein auf dem Platz, aber im Lauf des Tages kamen noch 6…7 weitere Camper.

Morgen wollen wir in einem Bogen die Westküste verlassen und in das Landesinnere, weiter in Richtung Taupo fahren.


Heute hieß es Abschied nehmen vom Strand und vom Meer (Mittwoch, 07.10.2020). Unsere erste Station in Richtung Taupo sollte Otorohanga werden. Auch dort sind wir schon einmal gewesen, um das Kiwi-Haus zu besuchen.

Zuerst fuhren wir aber nach einem Hinweis unseres Zeltplatz-Wartes nach Aotea an der gleichnamigen Bucht Aotea Harbour. Das waren nur 7…8 km über einen Hügel hinweg. Leider war heute das Wetter nach längerer Zeit wieder mal schlecht: die Wolken hingen tief, es nieselte, später regnete es richtig und es wehte ein kühler Wind. Aotea ist ein winziges Dorf mit unter 50 Einwohnern. Das Durchschnittsalter ist 62 Jahre! (Wikipedia). Offensichtlich gibt es aber eine Menge Ferienhäuser.

Wir parkten an der Bucht. Es war wieder einmal Ebbe. Am gegenüberliegenden Ufer erstreckten sich große Sanddünen, die auch eine Vielzahl von Vögeln beherbergen sollen. Gesehen haben wir aber keine.

Nach dem kurzen Stopp setzten wir unseren Weg fort. Die Straße führte fast 20 Kilometer am Kawhia Harbour entlang, bevor sie endgültig in Richtung Osten führte.

Die Straße waren wir bereits im Januar gefahren und hatten die Sehenswürdigkeiten abgehakt: den Marokopa Wasserfall, die Piripiri Höhlen, die Mangapahue Natural Bridge und natürlich die Glühwürmchen-Höhlen von Waitomo. Diesmal fuhren wir daran vorbei, nur in Waitomo hielten wir. Es war Mittag und im Restaurant Huhu aßen wir zu Mittag.

Das Huhu Restaurant direkt neben unserem damaligen Campingplatz.

Von da aus waren es nur noch einige wenige Kilometer bis Otorohanga. Das Wetter war etwas besser geworden und so schlenderten wir die kurze Hauptstraße einmal hinauf und hinunter und entdeckten den „Ed Hillary Walkway“. Er war nicht nur dem neuseeländischen Erstbesteiger des Mount Everest gewidmet, sondern der gesamten neuseeländischen Geschichte und Kultur.

Otorohanga ist die selbsternannte Hauptstadt der „Kiwiana“
Sogar eine Tafel zu COVID-19 gab es schon.

Danach fuhren wir zum Campingplatz. Später drehten wir noch eine kleine Runde um den Platz.

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