Und noch einmal die Südinsel

Heute (Donnerstag, 05.11.2020) stand noch mal die Überfahrt von Upper Hutt auf die Südinsel bevor. Wir haben lange hin und her überlegt, ob wir das machen wollen. Aber die Tickets waren gebucht und es ging auch nicht mehr zu stornieren, denn ich hatte einen Spartarif gebucht, bei dem keine Umbuchung oder Stornierung mehr möglich ist. Nach dem Motto: Was soll schon dazwischenkommen? Zudem waren wir uns ja noch nicht 100%ig sicher, ob es tatsächlich funktioniert, nach Australien zu kommen, und wenn ja, ob wir das Frachtschiff für Rangie am 23.11.2020 buchen können, oder ob wir das Auto erst mit der nächsten Fähre am 19.12.2020 verschiffen können. In diesem Falle könnten wir noch ein paar Wochen auf der Südinsel bleiben.

Ich hatte versucht, nochmals bei dem Department for Home Affairs in Canberra nachzufragen. Aber auch stundenlanges Suchen im Internet brachte keine entsprechende E-Mail-Adresse zu Tage, nur Online-Formulare, die nicht zu meiner Frage passten. Schließlich fand ich die E-Mail Adresse einer Firma, die sich im Auftrag der australischen Regierung um Beschaffung von Visa kümmert. Also schrieb ich wenigstens eine Mail dorthin.

Nach dem Frühstück mussten wir wieder einmal unseren Camper einräumen, denn in der letzten Woche war fast alles aus dem Camper in die AirBnB-Wohnung gewandert.

Aber wir hatten viel Zeit, wir mussten erst bis 12 Uhr an der Fähre sein. Das haben wir auch ohne Probleme geschafft.

Die Fahrt selbst war nicht mehr aufregend, schließlich war es die dritte Überfahrt.

Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir in Picton an und mussten im Regen auf den Campingplatz fahren. Eigentlich wollten wir noch mal raus, aber bei dem Regen machte das keinen Spass. Ich versuchte die zentrale Telefonnummer der Immigration Australia anzurufen, aber landete in einer Warteschleife mit dem Hinweis, dass es sehr lange dauern kann. Entnervt gab ich auf, da auch Skype nicht funktionierte. Am Abend wälzten wir dann die Gedanken, wie wir weiter vorgehen wollen.

Der Campingplatz in Picton war ziemlich skurril gestaltet, u.a. mit vielen Sprüchen. Hier einer:

(Ich bin zur einen Hälfte Maori und zur anderen Hälfte Schotte. Der Eine möchte sich betrinken, der Andere will dafür nichts bezahlen)

Nachdem wir eine Nacht über die Probleme geschlafen haben (Freitag, 06.11.2020), hatten wir eine Vorstellung, was wir als Nächstes machen können. Ich werde die Firma Seabridge anschreiben und nach den Buchungsbedingungen und den Terminen für den Camper fragen. Da der Camper immer mit einem zeitlichen Vorlauf von 5…10 Tagen vor der Verladung und Abfahrt abgegeben werden muss, hätten wir die Chance nach der Abgabe sofort den Flug anzutreten. Wenn aus irgendeinem Grund die Einreise nach Australien doch nicht möglich ist, dann hätten wir wenigstens noch die Chance, den Camper wieder aus dem Hafen zu holen, bevor er endgültig verladen wird.

Auf dem Campingplatz in Picton

Mit dieser Klarheit konnten wir bei schönem Wetter die Fahrt nach Nelson über Havelock antreten. Auch diese Strecke sind wir schon gefahren, so dass wir keine größeren Stopps zum Fotografieren oder Filmen machen mussten.

Kurzer Stopp in Nelson

Nach Mittagessen und Einkaufen in Nelson fuhren wir auf den Campinglatz und als erstes schrieb ich die E-Mail an Seabridge. Von deren Antwort hängt jetzt die gesamte Zeitplanung ab. Aber langsam sickerte die Erkenntnis durch, dass wir doch nach knapp einem Jahr Neuseeland wie geplant nach Australien weiterreisen können. Das wäre in der heutigen CORONA-Zeit tatsächlich ein Wunder!!!


Heute Morgen (Sonnabend, 07.11.2020) sichteten wir natürlich erst einmal die E-Mails. Seabridge teilt uns leider nur mit, dass man eine Verfügbarkeitsanfrage an die Reederei geschickt habe. Aber durch die Zeitverschiebung kann die E-Mail natürlich erst frühestens am Montag-Abend (Neuseeland-Zeit) beantwortet werden. Zudem wurden wir gebeten, direkt mit der australischen Spedition Kontakt aufzunehmen, um abzuklären, ob überhaupt ein Transfer des Campers möglich ist. Alles nicht besonders schön. Damit war auch der Termin 23.11. gekippt, denn jetzt schaffen wir diesen Termin nicht mehr. Dafür kam ein neuer zusätzlicher Termin ins Spiel: 07.12. Das wäre im Moment unser Wunschtermin.

Also brauchten wir uns um eine Rückfahrt nach Auckland erst einmal nicht zu kümmern, sondern nahmen die Strecke nach Blenheim in Angriff. Diesmal wollten wir die Strecke entlang des Wairau-Rivers fahren. Nachdem wieder einmal der Regen die ganze Nacht auf das Camperdach getrommelt hatte, war das Wetter früh morgens durchwachsen. Wir mussten zuerst ca. 70 Kilometer in Richtung des Nelson Lakes Nationalparks fahren, eine Strecke die wir schon im Februar gefahren sind.

Überall blüht der Ginster – auch eine eingeschleppte Pflanze.

Dann bogen wir aber in das immer weiter werdende Tal des Wairau-Rivers ein.

Die Straße führte jetzt ca. 100 km immer im Tal entlang, mal mehr, mal weniger entfernt vom Fluss. Zuerst war das Tal geprägt von den typischen Viehweiden und Wäldern, später ging es mehr und mehr in riesige Weinfelder über. Die Reben waren teilweise noch sehr jung oder die Felder gerade erst angelegt. Offensichtlich ein boomender Zweig der Wirtschaft.

In Blenheim checkten wir auf einem Campingplatz ein, auf dem wir schon im Februar waren. Danach schrieb ich erst einmal E-Mails an Seabridge und an den australischen Spediteur. Und wir machten noch einen kleinen Rundgang durch Blenheim und landeten schließlich noch in einem interessanten Pub.

Dort gab es deutsche Gerichte, der Chef war offensichtlich ein Deutscher und eine der Kellnerinnen war auch aus Deutschland. Die Gasträume waren sehr urig eingerichtet. Dorthin sollten wir vielleicht noch einmal zum Essen gehen, z.B. auf eine deutsche Gulaschsuppe.

Auf dem Rückweg hatten wir in einem Fischladen zwei Filets vom „John Dory“ gekauft, wie der Petersfisch hier heißt. Ich kannte ihn von Rezepten für die französische Bouillabaisse, hatte ihn aber noch nicht gegessen. Umso mehr waren wir beide vom Geschmack begeistert. Ein sehr guter, sehr außergewöhnlicher Fisch!

Heute Abend wollten wir zuerst überlegen, wie es weiter gehen könnte. Dann kam ziemlich spät noch eine Antwort vom australischen Spediteur.

Da er an der Westküste Australiens sitzt, sind es -5 Stunden Zeitverschiebung, dort also erst nachmittags. Quintessenz seiner E-Mail:  Verschiffung nach Australien geht, allerdings nur nach Sydney (wie von uns gewünscht) und man sollte auf keinen Fall um die Weihnachtsfeiertage verschiffen, da dann im Hafen nicht gearbeitet wird. Insgesamt also positiv für uns.


Wir beschlossen, heute (Sonntag, 08.11.2020) erst mal nicht weiter zu fahren, sondern in Blenheim zu bleiben. Wir mussten einige E-Mails schreiben und vor allem unseren potentiellen Auckland-Aufenthalt mit Auto-Tiefst-Reinigung und Vorbereitung der Rangie-Übergabe gedanklich vorbereiten. Zudem war das Wetter wieder extrem schlecht und auch morgens regnete es noch. Mit Einkaufen und Mittagessen verging schon mal der Vormittag. Mittags gab es übrigens Spaghetti, aber nicht aus normalem Mehl, sondern aus Quinoa und Reis. Das hat gar nicht schlecht geschmeckt.
Nachmittag ließ dann der Regen etwas nach und wir machten noch einen etwas ausführlicheren Spaziergang und entdeckten den Pollard Park.

Ein kleiner, schöner Park
Im Rosengarten blühte es über und über.
Skulptur „Trojanisches Pferd“

Auch der australische Spediteur meldete sich noch einmal (Sonntags!) und wir stimmten ein paar Kleinigkeiten ab. Morgen werden wir wohl auch noch mal hier bleiben und hoffen, dass es bis Dienstagmorgen eine Entscheidung gibt, ob wir am 07.12. das Auto verschiffen können, oder bis Anfang Januar warten müssen. Dann würden wir hier auf der Südinsel noch das eine oder andere unternehmen.


Heute (Montag, 09.11.2020) waren zumindest bis zum späten Abend keine neuen Nachrichten aus Deutschland zu erwarten. Daher hatten wir eigentlich freie Zeit, da wir mittlerweile nichts Aufregendes mehr in Blenheim gefunden haben. Also nutzten wir die Gelegenheit, in die hiesige Ford-Werkstatt zu fahren, denn eines meiner Tagesfahrlicht-Birnchen war kaputt (übrigens das erst in Christchurch gewechselte). Eigentlich wollte ich es selbst machen, aber das war offensichtlich beim Ranger nicht so einfach. Der Monteur in der Werkstatt brauchte nicht einmal fünf Minuten, dann war das Birnchen gewechselt. Ich musste nur ca. 6 € für das Ersatzteil zu bezahlen, für die Arbeit wurde nichts berechnet.

Jetzt hatten wir den ganzen Vormittag Zeit, denn zum Mittagessen wollten wir in das Restaurant, in dem wir vorgestern schon einmal waren, und diesmal eine deutsche Gulaschsuppe essen.

Mehr durch Zufall stieß ich auf den Wither Hills Farm Park.

Er entpuppte sich als ein sehr weitläufiger Park in den östlichen Hügeln am Rande Blenheims. Er war sowohl für Fußgänger als auch für Mountain-Biker sehr gut ausgebaut.

Werbung für eine Radsport-Veranstaltung im Park

Ich suchte einen Wanderweg aus, der zuerst relativ steil auf einen schönen Aussichtspunkt führte und dann im weiten Bogen durch ein Tal wieder zurück. Die Wanderung war schön, aber sie wäre noch schöner gewesen, wenn nicht ein sehr starker und kühler Wind über die grasbewachsenen Hügel geweht wäre.

Aussichtspunkt auf den Hügeln über Blenheim.
Der Weg führte noch etwas bergauf, bevor er im Bogen hinunter in das Tal ging.
Gelassenheit

Nach knapp 2 Stunden waren wir pünktlich zum Mittagessen wieder am Camper und fuhren in die Gaststätte. Zuerst waren wir die einzigen, später kamen ein paar mehr Gäste. Wir bestellten beide eine deutsche Gulaschsuppe und waren begeistert, viel besser hätte ich es zu Hause auch nicht machen können.

Danach besuchten wir das Marlborough-Museum und den Brayshaw Heritage Park. Das Museum hatte einiges zur Geschichte Marlboroughs allgemein, zur Flora und Fauna der Gegend und zur Geschichte der hiesigen Maoris ausgestellt. Schwerpunkt war aber die Geschichte des Weinanbaus in Marlborough.

Im direkt daneben gelegenen Brayshaw-Park hatte man eine ganze Reihe von alten Gebäuden aus dem 19.Jahrhundert zusammengetragen, die aber nicht zugänglich waren.

Leider ohne Beschreibungen und geschlossen.

So spazierten wir durch das Freilichtmuseum, dem auch ein Museum für Landmaschinen und alte Autos angeschlossen war. Außerdem führte eine ziemlich große Garten-Eisenbahn durch den Park, die aber nicht in Betrieb war.

Abschließend fuhren wir noch zum Omaka Aerodrome, einem Sportflugplatz, auf dem auch einige kleine Maschinen standen.

Eine Maschine hob gerade ab.

Alle zwei Jahre findet hier eine große Flugschau mit alten Flugzeugen statt. Daneben befindet sich das Omaka Aviation Heritage-Centre, dass sich den Flugzeugen des 1. und 2. Weltkrieges widmet und die Ausstellung Omaka Classic Cars. Beides haben wir uns nur von außen angesehen.

Zufrieden fuhren wir zurück. Für einen Tage, für den wir absolut nichts geplant hatten, haben wir doch eine ganze Menge gesehen und erlebt. Nun hoffen wir auf – positive – Nachrichten aus Deutschland.


Das schlechte Wetter kam zurück. Es hatte die ganze Nach geregnet und hörte dann auch bis heute Abend nicht auf. Noch schlimmer war es in Napier. Dort wurden wegen der Wassermassen gestern Abend der Notstand ausgerufen. Unglaublich!

Ein Stand-Up-Paddler in den Straßen von Napier (The Dominion Post, 10.11.2020)

Aber heute Morgen (Dienstag, 10.11.2020) bekamen wir die Nachricht von Seabridge, dass sie uns wie gewünscht auf die Fähre am 07.12. gebucht haben. Noch ist nicht alles im grünen Bereich, denn die Buchung muss noch von der Reederei bestätigt werden, zudem sollte ich noch mit dem neuseeländischen Spediteur Kontakt aufnehmen, um herauszubekommen, wie jetzt die Regularien vor Ort sind und ob das mit der Verschiffung klappt. Also setzte ich mich nach dem Frühstück erst einmal an den Rechner und schrieb eine entsprechende Anfrage an Hawk Ellery, die gleiche Firma, die uns schon bei der Ankunft von Rangie unterstützt hatten.

Trotzdem wollen wir uns zügig in Richtung Auckland bewegen, damit wir keine Zeit verlieren, die wir vielleicht noch für die Reinigung brauchen werden. Leider waren die Fähren heute ausgebucht, aber ich konnte für morgen 11 Uhr eine Fähre von Picton nach Wellington buchen.

Da uns der Regen einen Strich durch die nicht vorhandenen Pläne, noch etwas Kleines zu unternehmen, machte, blieb nichts weiter als die Rückfahrt von Blenheim über Havelock nach Picton. Wir nahmen noch einmal einen anderen Weg durch die Berge, aber das Wetter verdarb alle Aussichten. Nach einem Mittagessen in einem Pub in Picton stellten wir uns auf den Campingplatz und versuchten den Regen und den starken Wind einfach auszusitzen. Theoretisch soll morgen das Wetter besser werden.


Heute (Mittwoch, 11.11.2020) ging um 11 unsere Fähre nach Wellington. Der Regen hatte aufgehört, aber es war immer noch kalt und wolkig.

Mittlerweile hatte uns auch die neuseelänsische Spedition aus Auckland geschrieben. Es könnte alles klappen, aber es gibt noch eine Menge abzustimmen.

Wir packten unsere Sachen, gingen in Picton noch etwas einkaufen und fuhren dann zur Fähre. Leider gab es auch heute Verzögerungen beim Ausladen der Fähre, so dass wir erst kurz nach 11 Uhr auf der Fähre waren und mit rund 30 Minuten Verspätung losfuhren.

Abschied von der Südinsel.

Die See war ruhig und irgendwie ging die Überfahrt schneller vorbei als sonst. Gegen 14:30 Uhr waren wir auf der Piste und wollten soweit wie möglich in Richtung Auckland fahren. Es ging zwar den State Highway 1 entlang, aber man kommt halt in Neuseeland nicht so schnell voran. Gegen 17 Uhr suchten wir den ersten Campingplatz auf, der aber ein Flop war. Also entschlossen wir uns, bis nach Wanganui auf den TOP10 Platz zu fahren, auf dem wir schon zweimal waren. Schließlich wollten wir uns den potentiell letzten Campingplatz in Neuseeland nicht verderben lassen.

Die Frau an der Rezeption erkannte uns wieder, wie übrigens auch schon bei zwei, drei anderen Campingplätzen vorher passiert. Für uns das beste Zeichen, wir müssen weg!!!
Der Campingplatz war fast leer, das Wetter hatte sich gefangen und wir verbrachten einen relativ angenehmen Abend. Noch haben wir aber nicht die Buchungsbestätigung für den Autotransport. Morgen soll es dann nach Auckland gehen.

Unser Rangie mal wieder im Sonnenschein.

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