Einzigartiges in NZ

Neuseeländer sind stolz auf ihr Land, ihre jeweilige Region oder ihre Stadt bzw. Dorf. Soweit normal und irgendwie selbstverständlich. Ein bisschen kurioser wird es, wenn jede Stadt oder Community etwas Einzigartiges – weltweit oder zumindest in Neuseeland – sein will und man alle Register zieht um, irgendetwas zu finden. In den Informationsmaterialien findet man dann immer wieder Begriff wie die Ersten, die Größten, die Spezialisten für …, die Besten oder, oder, …
Besonders fällt das natürlich bei den Orts-Eingangschildern auf, die dann groß auf diese „weltweit einzigartige“ Besonderheiten hinweisen. Ein paar Kostproben haben wir gesammelt.

Te Puke – The Kiwifruit Capital of the world

Te Puke in der Region Bay of Plenty nennt sich selbst die Kiwi-Hauptstadt der Welt. Die meisten Kiwis Neuseelands stammen von hier oder der Umgebung. Der Anbau begann in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts , nachdem eine Reihe anderer Anbauversuche z.B. für Tabak, Reis, Zitronen und Passionsfrüchte nicht ganz so erfolgreich waren. In Neuseeland im 2. Weltkrieg stationierte US-Soldaten kamen mit den Kiwifrüchten in Berührung und fortan stieg die Nachfrage nach den „Chinese Gooseberrys“. 1952 erfolgten erste Exporte, 1959 wurde der Name „Kiwifruit“ eingeführt. Neben den normalen grünen Kiwis gibt es auch gold-gelbe Kiwis (Monis Lieblingssorte) und mittlerweile gibt es auch Kiwi-Beeren, also sehr kleine Kiwis, die ich schon in Deutschland kennengelernt hatte. Moni hatte das Glück, auch rote Kiwis kaufen zu können. Das waren Testverkäufe, die Vermarktung soll 2021/22 beginnen.
Alle neuseeländischen Kiwis werden unter dem Markennamen „Zespri“ weltweit vermarktet. Im Jahr 2018 wurden 500.000 Tonnen Kiwis im Wert von 2,1 Milliarden NZ$ produziert.

Havelock – Greenshell mussel Capital of the World

Obwohl wir schon zwei Mal in Havelock gewesen sind, war mir das Ortseingangsschild von Havelock nicht mehr so in Erinnerung. Erst als wir zum dritten Mal vorbeikamen, fiel es mir auf. Das ist wieder typisch neuseeländisch. Die Grünschalenmuschel gibt es nämlich nur in den Gewässern rund um Neuseeland bzw. wird hier in großem Maßstab gezüchtet. Insofern ist der Staus einer „Welthauptstadt“ ziemlich schnell erreicht. Zumindest wird sie in die Welt exportiert, so habe ich sie schon vor unserer Reise in Deutschland gekauft.

Im Übrigen haben uns die Muscheln gar nicht so besonders geschmeckt. Sie sind relativ groß und je nach Zubereitungsart sehr zäh (z.B. beim Dämpfen, überbacken schmecken sie gut). Moni isst jedenfalls nach mehreren Versuchen keine mehr.

Katikati – Avocado Capital NZ

In Katikati wurden die ersten Avocados angebaut, hier steht der größte Avocado-Baum Neuseelands, hier entstand die erste kommerzielle Anbaustation und es werden etwa 2/3 aller Avocados in der Gegend erzeugt. Die ersten Avocado-Bäume wurden 1968 gepflanzt. Heute gibt es hier rund 500 Avocado-Erzeuger. Jedes Jahr gibt es ein „Avocado Food & Wind Festival„.

Tuatapere – New Zealand’s Sausage Capital

Das kleine Dörfchen Tuatapere liegt an der „Southern Scenic Route“ von Invercargill nach Te Anau. Die hier ansässige Fleischerei war ein beliebter Anlaufpunkt für viele Reisende. Sie wurde vom Besitzer samt Markenname und geheimen Rezepten an die Tui Traditional Butchery verkauft, die aber auch 2015 dicht gemacht hat. Mittlerweile muss es aber einen neuen Komplex abseits der Hauptstraße geben. Leider haben wir ihn auf der Durchfahrt nicht entdeckt.

Dargaville – New Zealand’s Kumara Capital

Im Gebiet um Dargaville werden 75% der neuseeländischen Süßkartoffeln angebaut. Die weißen Süßkartoffeln wurden bereits von den ersten Maori im 13. Jahrhundert aus Polynesien eingeführt. Man vermutet, dass die Maori sie ursprünglich von Reisen nach Südamerika mitgebracht haben. Die roten und gelben Süßkartoffeln, die jetzt überwiegend verkauft werden, kamen viel später aus Nordamerika nach Neuseeland.

Man kann die Kumara/Süßkartoffeln ähnlich wie Kartoffeln verwenden. Besonders die Süßkartoffel-Fritten, die man hier in jedem Pub bekommt, sind lecker.

Napier – The Art Deco Capital Of The World

(Napier hat für seinen Titel kein eigenes Logo)

Nach einem massiven Erdbeben (7,9 auf der Richterskala) am Morgen des 3. Februar 1931 zerstörten Brände den größten Teil des kommerziellen Herzens von Napier. Die Stadt wurde im Stil dieser Zeit wieder aufgebaut und am Ende des Jahrzehnts war Napier die neueste Stadt der Welt.

Nirgendwo sonst kann man eine solche Vielfalt von Gebäuden im Stil der 1930er Jahre sehen – Stripped Classical, Spanish Mission und vor allem Art Deco, der Stil des 20. Jahrhunderts. Napiers Art Deco ist einzigartig, mit Maori-Motiven und den Gebäuden von Louis Hay, dem Bewunderer des großen Frank Lloyd Wright.

In Napier findet jedes Jahr ein Art Deco Festival statt. Das nächste Mal im Februar 2021.

Turangi – The Trout Fishing Capital of the World

Forellen wurden 1861 das erste Mal nach Neuseeland importiert und in Flüssen um Auckland eingesetzt, gefolgt von den Regionen Whanganui und Nelson im Jahr 1863 und den Regionen Otago und Canterbury im Jahr 1864. Bachforellen wurden 1887 in den Lake Taupo eingeführt, gefolgt von Regenbogenforellen im Jahr 1898. Beide Arten gediehen sehr gut mit dem nahrhaften Schmelzwasser der Berge. 1904 wurde in Kuratau eine 23-Kilo-Braunforelle gefangen. Der Autor Zane Gray befischte 1925 den ‚Dreadnaught Pool‘ auf dem Tongariro River, fing über ein Dutzend Fische mit über 8 Kilogramm und sorgte dafür, dass das Gebiet auf die Weltkarte des Angelns kam. Hier darf übrigens nur Fliegenfischen betrieben werden.

Queenstown – The Adventure Capital of the World

(Quelle Logo: Homepage Queenstown)

Queenstown bietet für alle Adrenalin-suchenden Touristen eine Fülle von Möglichkeiten. Viele Aktivitäten sind auch hier entstanden wie das 1988 entstandene und mittlerweile weltberühmte kommerzielle Bungy-Jumping. Queenstown bietet sowohl Sommer-. als auch Winteraktivitätenan, auf dem Wasser, unter dem Wasser, auf den Bergen und in der Luft. Aus dem Bungy-Jumping entstanden dann weitere Abenteuer wie Zip-Lining oder Riesenschaukeln. Auch das Jet-Boating entstand hier. Seit 2014 gibt es das neue „5X1NZ“ Adrenalin-Abenteuer, das 5 der einzigartigen Abenteuer an einem Tag bündelt: Fallschirmspringen, Snow-Boarding, Mountain biking, Bungy jumping und Jet-Boat-Fahren.

Te Kuiti – Shearing Capital of the World

Te Kuiti führt jährlich die Schafscherer-Meisterschaften Neuseelands durch und hat sich den Titel, Welthauptstadt des Schafscherens gleich selbst gegeben. Hier ist David Fagan zu Hause, der die neuseeländischen Meisterschaften („golden shears“) 16-mal gewonnen hat, 5 mal im Einzel- und 6-mal im Team-Scheren Weltmeister geworden ist und auch mehrere Weltrekorde hält. Die verschiedenen Weltrekorde kann man bei der „World Sheep Shearing Records Society“ nachlesen.

Rakaia – Salmon Capital of New Zealand

Rakaia ist berühmt für seine Angelmöglichkeiten für Forellen und vor allem für Lachse im Rakaia River. Seit 1983 gibt es hier den erfolgreichsten Süßwasser-Angelwettbewerb und der gleichzeitig der einzige für Lachse in Neuseeland ist. Die Lachssaison beginnt im November und erreicht im Februar/März den Höhepunkt. Im Frühjahr und im Sommer werden auch braune Forellen und Regenbogenforellen gefangen. Mehr Informationen und Bilder kann man hier sehen.

Otorohanga – New Zealand’s kiwiana town

Auch Otorohanga hat sich den obigen Titel einfach selbst verliehen. Natürlich gibt es einiges zu bestaunen bzw. zu besuchen. Bei unserem ersten Besuch waren wir im Kiwi-Haus und haben das erste Mal richtige Kiwis gesehen.
An der Hauptstraße kann man einen Schnellkurs in neuseelandischer Kultur und Lebensweise machen. Die vielen interessanten Tafeln und Vitrinen am Sir Edmond Hilary Walkway haben wir erst bei unserem zweiten Besuch entdeckt und uns angesehen.

Ohakune – The Carrot Capital of New Zealand

In der Gegend um Ohakune werden sehr viele Möhren angebaut. Daran erinnert auch die über 7 m große Möhrenskulptur am Ortseingang. Sie war eigentlich ein Requisit für einen Werbefilm für die ANZ Bank und wurde nach Beendigung der Dreharbeiten der Stadt geschenkt. Seit 1984 steht sie an diesem Ort. Einmal jährlich wird seit 35 Jahren auch der „Ohakune Carrot Carnival“ als großes Familienfest gefeiert. Dieses Jahr ist er – wie vieles andere auch – dem Coronavirus zum Opfer gefallen.

Rotorua – Adventure Capital of North Island

Rotorua sieht sich als der Platz für Abenteurer und auch für clevere Erfinder. Eine ganze Reihe von Abenteuermöglichkeiten wurden hier erfunden oder eingeführt. Als erstes sei das „Zorbing“ genannt. Dahinter verbirgt sich das Herunterrollen von einem Hang in einem durchsichtigen Ball. Es wurde 1994 professionell in Roturoa eingeführt.
Weiter geht es mit „Shweeb„. Das sind mit Pedalen angetriebene Kabinen, die in einer Art Einschienen-Schwebebahn hängen. Die Runde ist ca. 200 m lang und die Kabinen schweben dabei ca. 2m über dem Boden. Sie erreichen bis zu 50 km/h. The Shweeb wurde 2010 durch Google als das innovativste und ökologischste Personenbeförderungssystem ausgezeichnet.
In diese Reihe gehört auch das „Luge„, das 1985 eingeführt worden ist. Das sind dreirädrige Karren, eine Mischung aus Go-Kart und Schlitten, die allein durch die Schwerkraft bergab angetrieben werden. Die Fahrer haben die volle Kontrolle über Richtung und Geschwindigkeit.
Als letztes soll noch der RailCruiser genannt werden. Ein vierrädriges Schienengefährt, das auf einem 19 km langen Abschnitte der stillgelegten Eisenbahnstrecke der Rotorua Railway eingesetzt wird. Die Gefährte fahren selbständig mit 20 km/h.

Auf dem Bild ist übrigens ein altes Landungsfahrzeug aus dem 2. Weltkrieg zu sehen, mit dem man jetzt Touren über Land und Wasser unternehmen kann.

Waihi – New Zealand’s Heart of gold

Waihi blickt auf eine über 100-jährige Tradition auf den Gold- und Silberbergbau zurück. Auch heute noch gibt es über- und unterirdische Goldgruben. Mitten in der Stadt liegt die „Martha Gold Mine“. Ihre Ausbeutung begann 1878 und reichte bis 1952. Sie wurde zu einer der wichtigsten Minen der Welt. Es wurden 174.160 kg Gold und 1.193.189 kg Silber gefördert. Wie ich schon im Blog-Beitrag über Waihi geschrieben habe, soll der Abbau in der Martha Mine und anderer Minen wieder aufgenommen bzw. erweitert werden.

Gisborne – First to see the sun

Der Werbespruch erklärt sich einfach: Gisborne ist die erste Stadt auf dem neuseeländischen Festland, an dem die Morgensonne des neuen Tages begrüßt werden kann. Auf dem Maunga Hikurangi, einem den Maori heiligen Berg, kann man im Rahmen einer geführten Wanderung den Sonnenaufgang erleben.

Blenheim – New Zealand’s sunniest place

Da ich diesen Teilbeitrag gerade in Blenheim schreibe und wir jetzt 24 Stunden Regen hinter uns haben, kann man sich ausmalen wie es im Übrigen Neuseeland aussieht… Ich hätte das Schild auch lieber bei Sonnenschein fotografiert. Aber objektive Messungen im Jahr 2015 haben diese Aussage bestätigt.

Reefton – The Town of Light

In den späten 1860er Jahren erreichte der Goldrausch auch die Westküste der Südinsel. Reefton wurde 1870 gegründet und bald eine wichtige Stadt. Im August 1888 wurde Reefton der erste Ort in Neuseeland und in der südlichen Hemisphäre, wo es elektrische Beleuchtung gab. Noch vor den Vorstädten der modernen Metropolen London und New York. Die Pläne dazu begannen 1886 und die Umsetzung wurde später in vier Hotels in Reefton demonstriert. Der Strom wurde durch ein kleines Wasserkraftwerk erzeugt.

Blackball – The Iconic Village

Der Beiname „Iconic Village“ spielt vor allem auf die Rolle der Bergbau-Arbeiter von Blackball in der Gewerkschaftsbewegung an. 1908 traten die Bergarbeiter in den Streik, nachdem mehrere Arbeiter gefeuert worden waren, weil sie für eine Verlängerung der Mittagspause von 15 Minuten auf 30 Minuten und des geplanten 10-Stunden-Tages auf 8 Stunden eingetreten sind. Nach 3 Monaten gab die Minengesellschaft nach. Dieser Streik hatte großen Einfluss auf die Gewerkschafts- und Parteienbewegungen in Neuseeland. Im meinem Blog-Beitrag stehen noch ein paar andere Informationen einschließlich Bilder.

Bluff – Home of the oyster

Auch dieser Titel erklärt sich von selbst. Bluff ist weltweit berühmt für seine Austern und das zu Recht. Wir haben sie bei unserem Aufenthalt gekostet und waren begeistert. Die kalten Gewässer der Foveaux Strait, der Meerenge zwischen dem Festland und den Stewart Inseln, lassen die Austern prächtig gedeihen, die vor allem zwischen März und August gefangen werden – jede Saison rund 10 Millionen Stück! Die Austern werden hier seit über 100 Jahren in den flachen, steinigen Gewässern gefangen. Die Bluff-Auster ist eine eigene Art (Tiostrea chilensis), die nur in Neuseeland und Chile zu Hause ist.

Marlborough – The World’s Finest Garlic

Dieses Schild haben wir bei einer Fahrrad-Fahrt um Blenheim auf der Südinsel gesehen. Woher die Firma ihre Gewissheit nimmt, dass sie den weltbesten Knoblauch anbaut, habe ich nicht herausbekommen. Aber solche und ähnlichen Schilder haben wir oft gefunden, allerdings meistens „nur“ mit „New Zealand’s best …“ Gefühlt müssen es z.B. mindestens 20 Bäckereien gewesen sein, die mit den besten Pies von Neuseeland geworben haben.

Marlborough – The world’s best Sauvignon Blanc

Wie beim Knoblauch oben: Eine starke Behauptung ersetzt den schwachen Beweis. Aber zumindest sind die Weine aus Marlborough mit unter den besten, wie dieser Artikel zeigt.