Zu den Whitsundays

Die Nacht in Marlborough war nervtötend. Der Highway lag etwa 100 m entfernt und insbesondere die schweren LKWs bzw. die Roadtrains fuhren quasi quer durch den Camper. Gefühlt haben wir die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Aber irgendwann war die Nacht vorbei und wir bereiteten uns auf die nächste Etappe vor (Sonnabend, 10.04.2021). Allerdings mussten wir wieder einmal die Kabine absetzen und dann neu aufsetzen, denn sie war ziemlich verrutscht. Aber mittlerweile haben wir ja ziemliche Routine.

Heute sollte es weiter nach Norden gehen, dann an diesem Küstenabschnitt gibt es keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Der Highway A1 bzw. Pacific Coast Way (PCW) führte sowieso nicht an der Küste entlang, sondern ziemliche weit im Inland. Die Landschaft war gleichbleibend: lockere Eukalyptus-Wälder wechselten sich mit Weiden und später Zuckerrohrfeldern ab. Die Straßen führten lange Strecken schnurgerade aus und die Gefahr war Langeweile und Müdigkeit. Daran erinnerten auch die vielen Schilder am Straßenrand, die dazu aufforderten, rechtzeitig Pausen zu machen oder zum Trivial Pursuit Spiel gegen Müdigkeit (“Fatigue”) animierten:

Es gab auch keinerlei Ortschaften auf dem gesamten Weg, nur 2…3 mal eine Raststelle mit Toilette. Eine Pause haben wir am Meer gemacht, allerdings war auch diese Stelle nicht zum Baden, denn hier gab es Würfelquallen. Sogar eine Flasche Essig für die Erstmaßnahmen hatte man dort angebracht.

Nicht besonders tröstlich, dass die meisten Opfer überleben…
Hier verbarg sich eine Flasche Essig als Erstmaßnahme gegen die Schmerzen vom Kontakt mit diesen Quallen.

Wir steuerten gegen Mittag den Campingplatz mit dem schönen Namen „Brandy bottle“ an. Er lag abseits des Highways, aber er überzeugte uns nicht. Also fuhren wir noch 50 km weiter bis in die Nähe des Cape Palmerston National Parks.

Das war auch die richtige Entscheidung, denn der Campingplatz war sehr schön. Modern, sehr großzügig angelegt, absolut ruhig und in der Nähe des Meeres. Baden konnten wir zwar nicht, weil wieder einmal kein Meer da war, aber es war trotzdem schön.

Ein breeeeiiiiter Strand.

Wir relaxten an unserem Camper, während auf der Wiese am Abend die Kängurus grasten.


Die Nacht war absolut ruhig und wir haben sehr gut geschlafen. Wenn wir heute nicht dringend einkaufen gehen müssten, würden wir vielleicht noch eine Nacht hier bleiben. Aber hier sind im weiten Umkreis keine einzigen Shops. Also fahren wir heute (Sonntag, 11.04.2021) noch eine weitere Etappe Richtung Norden, Richtung Whitsundays. Dort wollen wir auf jeden Fall ein paar Tage bleiben. Das Wetter war schön und warm. Gegen 9 Uhr waren es schon 28°C. Allerdings ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Überall hatte sich nachts daher Feuchtigkeit abgesetzt. Die Markise tropfte vor Nässe. Heute mussten wir auch zum zweiten Mal die Gasflasche (4,5 kg) nachfüllen lassen. Das kann man hier in Australien auf fast allen Campingplätzen.

Unsere kleine Flasche wurde einfach aus den großen Flaschen befüllt.

Die Etappe nach Mackay war nicht so lang, nur ca. 80 km. Die Landschaft war die gleiche wie gestern.

Im Hintergrund die Berge der Great Dividing Range

Wir waren relativ schnell in Mackay. Wir suchten ein Einkaufszentrum und füllten unsere Vorräte auf. Dann fuhren wir in die Innenstadt, stellten den Camper ab und machten einen Spaziergang.

Mackay liegt am Pioneer-River

Wieder einmal war es ziemlich enttäuschend – echte Sehenswürdigkeiten gab es nicht. Die Geschäfte hatten zum großen Teil geschlossen und die Straßen waren fast menschenleer.

In einem italienischen Restaurant haben wir eine Kleinigkeit gegessen und fuhren dann weiter zum Campingplatz an den Blacks Beach. Es war wieder einmal ein BIG4-Campingplatz, direkt am Meer. Diesmal war sogar noch etwas Flut, aber Baden sollte man trotzdem nicht. Auch hier gibt es zu dieser Jahreszeit Würfelquallen. Wir haben auch keine Badenden weit und breit gesehen, obwohl es ein wunderschöner Strand war.

Also gingen wir in den kleinen Swimming Pool des Campingplatzes, in dem schon ein paar kleine Kinder herumtobten. Lange hielten wir es nicht aus. Wir relaxten dann vor unserem Camper bei sehr angenehmen Temperaturen.

Leider gingen die Temperaturen nachts nicht weiter nach unten und bei 27…28°C im Camper schlafen, wenn draußen kein Lüftchen weht, ist nicht besonders förderlich für guten Schlaf. Zudem sind wir beide von Mücken ziemlich zerstochen, trotz Schutz mit Cremes und Sprays. Diese Mischung aus Hitze und dauerndem Juckreiz machte uns ganz schön zu schaffen. Gott sei Dank fing es gegen 3 Uhr morgens an zu regnen und ein Wind kam auf, so dass es ein bisschen kühler wurde.


Heute stand noch einmal eine Etappe in Richtung Norden an, dann sind wir in Airlie Beach, wo wir wahrscheinlich ein paar Tage bleiben werden (Montag, 12.04.2021). Airlie Beach ist der Ausgangspunkt für viele Touren zu den Whitsunday-Inseln und in das Great Barrier Reef. Dazu mussten wir noch einmal rund 150 km fahren, aber bis Mittag hatten wir das geschafft. Wir kochten uns wieder einmal ein Instant-Nudelsüppchen und gingen dann noch mal in einen Baumarkt. Es gibt zwei neue Baustellen: Zum einen rosten die beiden vorderen Stützen der Kabine und müssen dringend vor weiteren Rost geschützt werden. Zum anderen muss ich an der Kabelführung der Rückfahrkamera an der Kabine Hand anlegen.

Werbung für touristische Aktivitäten ohne Ende.

Danach checkten wir auf einem sehr schönen Campingplatz ein und gingen noch einmal zurück in den Ort Airlie Beach. Der kleine Ort erinnerte uns sehr an Byron Bay als Touristenhotspot.

Wir schlenderten zuerst am kleinen Hafen und dann am Strand entlang.

Wieder begegneten uns große Warnschilder wegen der verschiedenen Würfelquallen. Sie sind hier in den flachen Gewässern von November bis Mai aktiv. Tatsächlich sah man keinen einzigen Menschen im Wasser. Neu war mir bei den Warnschildern, dass es verschiedene Arten von Würfelquallen gibt und die kleinere – aber genauso giftige Art – wird nur 1 bis 2 cm groß, ist durchsichtig und ist im Wasser daher nicht zu sehen.

Da sind wir schon mal im Tropischen Norden Australiens und können an den schönen Stränden nicht baden…ein Neopren-Anzug, wie wir ihn zum Tauchen haben, verringert zwar das Risiko um 75% aber die restlichen 25% wollen wir nicht riskieren. Sozusagen als Ausgleich gab es mitten in Airlie Beach eine wunderschöne künstliche Lagune mit Strand und klaren Wasser (ohne Quallen). Übrigens auch wieder kostenlos zu besuchen.

Da wir keine Badesachen dabei hatten, verschoben wir den Besuch auf morgen. Wir liefen also zurück zum Campingplatz und saßen abends noch lange vor unserem Camper.


Das Erste, was wir heute Morgen (Dienstag, 13.04.2021) gemacht haben, war die Verlängerung unseres Aufenthaltes hier um drei Tage. Das hat ohne Probleme geklappt. Nun müssen wir die Tage „nur noch“ mit Inhalt füllen. Zuerst wollten wieder mal Fahrrad fahren, auch wenn das hier an der Küste kein ideales Gebiet ist. Dann wollten wir uns für morgen eine Tagestour zur Whitsunday Insel aussuchen. Die Fahrräder konnten wir uns direkt auf dem Campingplatz ausleihen. Wie eigentlich alle Leih-Fahrräder hatten sie die eine oder andere Macke, aber wir konnten losradeln.

Gegen Mittag wollten wir wieder am Camper sein, etwas zu Mittag essen und bei der Mittagshitze erst einmal eine Pause machen. Wir radelten etwa 2 Stunden in Airlie Beach.

fuhren dann zu der gestern erkundeten Lagune, das künstlich angelegte Schwimmbad im Zentrum. Das Baden hat sehr gut getan und war nach der Fahrradtour sehr erfrischend.

Pünktlich zum Mittagessen waren wir am Camper. Die Mittagspause nutzte ich, um die Kabel für die Rückfahrkamera teilweise neu zu verlegen, da die alten Kabelkanäle total verrottet waren (offensichtlich nur für den Innengebrauch geeignet). Dann setzten wir uns noch einmal auf die Räder und fuhren ein Stück in die andere Richtung.

Schöne Ausblicke

An einem Strand sahen wir dann neben den schon bekannten Warnschildern zu den giftigen Quallen ein weiteres Schild:

Hier hatte man in den letzten sieben Tagen ein (Salzwasser-) Krokodil am Strand gesehen. Ein weiterer Grund nicht ins Wasser zu gehen. So radelten wir wieder zurück zu unserem Campingplatz.

Dann blätterte ich die Prospekte für einen Tagesausflug zu den Whitsunday-Islands durch. Einerseits gab es eine riesengroße Auswahl an Anbietern, wenn man aber konkret buchen wollte, waren andererseits die Touren nicht verfügbar oder ausgebucht. Nach einer Weile habe ich es aufgegeben und wir beschlossen, zur Rezeption des Campingplatzes zu gehen, wo man solche Touren auch buchen kann. Und schon beim zweiten Versuch hatte die Mitarbeiterin Erfolg und konnte uns für morgen zu einer Tour mit Red Cat Adventures/Thundercat einbuchen.

Es ist halt etwas anderes, wenn man die Anbieter kennt und mal schnell mit ihnen telefonieren kann. Nun sind wir gespannt, was uns morgen so erwartet.


Wir sollten heute (Mittwoch, 14.04.2021) um kurz nach 8 Uhr direkt am Campingplatz abgeholt werden. Sicherheitshalber waren wir auch eine knappe ¼ Stunde eher an der Rezeption. Aber es passierte nichts. Gott sei Dank waren noch zwei andere Pärchen da, die offensichtlich auch abgeholt werden sollten. Das beruhigte uns ein wenig. Mit einer halben Stunde Verspätung kam dann ein Kleinbus, der uns zum Hafen brachte.

Insgesamt waren es zum Schluss 38 Personen, die sich im Ausflugsboot verteilten. Es waren auf jeder Seite zwei Sitze nebeneinander, so dass man immer zu zweit sitzen konnte. Vorher bekam jeder noch einen „Stinger Suit“. Das ist ein Ganzkörperanzug aus leichtem synthetischem Gewebe (also kein Neopren), der vor den giftigen Quallen schützen soll.

Jeder, der in das Wasser wollte, bekam einen schwarzen Stinger Suit.

Geplant waren drei Stationen: zuerst ging es auf die Hauptinsel Whitsunday Island bis zum Hill Inlet, einer wunderschönen Bucht mit phantastischen Ausblicken. Danach waren zwei Stopps zum Schnorcheln geplant.

Die Whitsundays sind 74 Inseln unterschiedlicher Größe, von denen die meisten unbewohnt sind. Auf einigen Inseln gibt es aber (Luxus-) Ressorts, wie auf Hamilton Island mit eigenem Flughafen. Es gibt eine unüberschaubare Menge an Angeboten zum Segeln, Fischen, Tauchen, einfach relaxen oder Jetski-fahren bzw. Rundflüge zu unternehmen. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt, kann man hier im tropischen Norden sehr viel unternehmen. Natürlich werden auch Ausflüge zum Great Barrier Reef angeboten, die Whitsundays liegen etwa in der Mitte des Reefs. Wir wollen aber noch nach Cairns, um von dort aus Tauch-Ausflüge zum Great Barrier Reef zu machen.

Wir haben den Altersdurchschnitt der Reisenden kräftig nach oben gezogen…

Wir fuhren mit einem schnellen Katamaran etwa eine Stunde bis wir auf Whitsunday Island angekommen sind. Bis zum Aussichtpunkt mussten wir einen gut ausgebauten Weg mit vielen Treppen nehmen.

Mit uns waren noch einige andere Schiffe mit weiteren Touristen angekommen, so dass es ziemlich überlaufen war. Oben waren dann drei Aussichtplattformen ausgebaut, von denen man einen wunderschönen Blick auf das Hill Inlet hat.

Eine Menge Leute, die…
… diese Blicke genießen wollten.

Und hier wieder eine Panoramafoto.

Das türkisfarbene Meer, der weiße Sand, der tiefblaue Himmel und die grünen Hügel ergaben ein traumhaftes Panorama. Es war noch relativ viel Flut, bei Ebbe sind die Buchten noch heller. Aber wir waren zufrieden, erstens überhaupt noch so schnell eine Fahrt bekommen zu haben und zweitens, dass das Wetter OK war. Wir fotografierten und filmten und liefen dann mit den anderen zum Strand nach unten. Baden wollten wir nicht, schließlich stand als nächstes Schnorcheln auf dem Programm.

Der einzige Baumstumpf im Wasser war immer für Schnappschüsse belagert.

Das Schiff holte uns wieder ab, wir bekamen ein kaltes Mittagessen mit verschiedenen Salaten und Snacks und fuhren dann zum nächsten Stopp.

Wir zogen unsere Stinger Suits an, Maske und Schnorchel hatten wir uns selbst mitgebracht.

Das Schnorcheln war aber erst einmal ein Flop, da alle Schnorchler ziemlich dicht gedrängt beim Schiff blieben. Die beiden Crewmitglieder hatten nämlich Fische angefüttert, die dann in Schwärmen um uns herum wimmelten. Das Wasser war sehr trüb (Sicht nur ca. 3 – 5 m) und der Meeresboden war blanker Sand. Vom glasklaren Wasser mit bunten Korallen war nichts zu sehen.

Etwas frustriert stiegen wir nach einer Weile wieder in das Schiff. Der zweite Stopp war angenehmer: wir wurden an einer Riffkante abgesetzt und konnten langsam entlang der Kante schnorcheln und uns von der geringen Strömung treiben lassen. Zumindest Korallen konnte man sehen und auch eine ganze Anzahl kleinerer Rifffische beobachten, auch wenn das Wasser nach wie vor sehr trüb war. Als uns kalt wurde, stiegen wir wieder auf das Schiff und es ging zurück nach Airlie Beach.

Hier noch ein paar Eindrücke vom Schnorcheln:

(Video mit meiner GoPro Hero im Unterwassergehäuse, daher fast kein Ton)

Gegen 17:30 Uhr waren wir wieder auf dem Campingplatz. Ein sehr netter Ausflug (um bei unserer Nomenklatur zu bleiben).

Abendstimmung an der Marina von Airlie Beach

Am Abend habe ich dann noch im Internet gelesen, dass die Maskenpflicht für Queensland ab morgen früh aufgehoben ist und es für uns de facto keinerlei CORONA-bedingten Einschränkungen mehr gibt.


Einen Tag hatten wir noch hier in Airlie Beach gebucht. Aus der Vielzahl der möglichen Ausflugsziele hatten wir uns für heute Vormittag (Donnerstag, 15.04.2021) eine Fahrt zum Cedar Creek Wasserfall im Conway National Park ausgesucht. Das waren rund 30 km Fahrt mit unserem Camper. Wir waren überrascht, dass es tatsächlich eine asphaltierte Straße bis direkt zum Wasserfall gab, denn bei Openstreetmap waren die letzten 5 Kilometer als einfacher Waldweg eingezeichnet.

Am Ende der Straße war ein größerer Parkplatz, der zu unserer Überraschung bereits gut gefüllt war. Vom Parkplatz konnte man den Fall schon sehen.

Es waren vor allem Familien mit ihren Kindern hier, schließlich waren ja auch noch Ferien.

Wir sahen uns den Fall und das bunte Treiben kurz an, dann wollte Moni auch unbedingt ins Wasser. Mich lockte das trübe Wasser nicht, wahrscheinlich waren die Regenfälle der letzten drei Nächte an der grau-braunen Färbung schuld. Während wir an den letzten drei Tagen tagsüber immer schönes Wetter hatten, hat es aber jede Nacht mindestens einmal kräftig geregnet oder geschauert. In den Werbeprospekten war immer davon die Rede, dass man im klaren Wasser mit Fischen und Schildkröten schwimmen kann…

Im nahe gelgenen Flüsschen Cedar Creek könnte man (einmal) mit Krokodilen schwimmen.

Nach einer halben Stunde machten wir uns wieder auf den Rückweg, gingen kurz einkaufen und waren mittags wieder auf dem Campingplatz.

Ramen-Nudeln mit Schweinefleisch und gekochtem Ei – lecker!

Nach dem Essen beschäftigte ich mich mit den Stützen und sah, dass die Farbe an den vorderen Stützen viel weiter abgeblättert war, als ich bisher gesehen habe und sich darunter schon viel Rost gebildet hat.

Von der alten Farbe und ein bisschen von Rost befreit

Mit Stahlbürste und Sandpapier bearbeitete ich die Stellen an der ersten Stütze und sprühte eine Rostschutzfarbe auf. Da das alles viel aufwändiger war als ich gedacht hatte, beließ ich es erst mal bei einer Stütze, damit wir wenigstens noch einen kurzen Spaziergang durch Airlie Beach machen konnten.

Abschied von Airlie Beach.

Das Örtchen hinterlässt bei uns ähnlich wie Byron Bay sehr angenehme Erinnerungen. Morgen wollen wir dann wieder weiter in Richtung Norden fahren.

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