Weiter nach Norden – mit Umwegen

Nach vier angenehmen und erlebnisreichen Tagen wollen wir unsere Fahrt in Richtung Norden fortsetzen. Nächstes größeres Zwischenziel soll Townsville sein, aber für eine Etappe ist das ziemlich weit. Daher wollten wir heute (Freitag, 16.04.2021) nur bis Bowen fahren. Kurz vor 10 Uhr starteten wir in Airlie Beach. Die Fahrt führte zuerst ein paar Landstraßen entlang, bis wir wieder auf den Highway A1 stießen. Dann ging es weiter durch riesige Zuckerrohrfelder.

Zuckerrohrfelder soweit das Auge reicht

Ich habe nicht gewusst, dass hier soviel Zuckerrohr angebaut wird. Es gibt aber auch Obstplantagen, z.B. für Bananen und Mangos. An einem Pappschild las ich dann Werbung für „Finger Limes“, eine spezielle Sorte Limette, die ich bisher nur aus Kochbüchern kannte. Wir fuhren kurz links ran und ich kaufte an dem unbesetzten Stand zwei kleine Tütchen mit je 6 Finger-Limetten.

Die Finger-Limetten sind eigentlich in Australien endemisch, werden mittlerweile aber auch in anderen Ländern angebaut. Heute Abend werden wir sie mal probieren.

Kurz vor Bowen kamen wir an der Touristeninformation vorbei, die schon von weitem durch einen Riesen-Mango auf sich aufmerksam machte.

Die Mango symbolisiert die am weitesten kommerziell genutzte Mango-Art in Australien, auch Kensington Pride genannt. Sie werden etwa seit 1880 zuerst in Bowen angebaut. Ich kaufte mir ein Mango-Sorbet, welches sehr lecker schmeckte. Leider war im Moment gerade keine Mango-Saison.

Kunst unter einem Mangobaum

Dann war es nur ein kurzes Stückchen bis Bowen, wo wir in einem kleinen Park am Meer Mittagspause machten. Das, was wir bisher von Bowen gelesen und gesehen hatten, bewog uns, auf einen Stadtbesuch zu verzichten und dann gleich auf den Campingplatz zu fahren. Eigentlich war der Campingplatz sehr schön, modern, mit großzügigen, abgetrennten Stellflächen. Allerding war direkt neben uns eine Gruppe von etwa 15 Pärchen mit ihren Kindern zu Gange, die offensichtlich die Ferienzeit für einen gemeinsamen Ausflug nutzten.

Ein schöner Pool, nur zeitweise nervig voll

Zuerst wurde es am Pool richtig laut, später noch einmal in der Küche, die direkt hinter uns lag. Aber nach 20 Uhr war dann schon absolute Ruhe. Übrigens haben wir die Finger-Limetten probiert. Vom Geschmack her wie Limetten, von der Konsistenz her völlig anders. Die kleinen sauren Kügelchen knacken tatsächlich ähnlich wie Kaviar/Fischrogen im Mund.


Heute geht die Fahrt weiter nach Townsville, ca. 200 km (Sonnabend, 17.04.2021). Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen und fuhren los. Die Fahrt ähnelte denen der letzten Tage. Mittlerweile hatte man sich an die riesigen Zuckerrohrfelder gewöhnt und dazwischen ähnelte die Landschaft eher dem Übergang zum Outback als tropischen Regenwäldern.

Noch war keine Zuckerrohrernte, daher haben wir keine Fahrzeuge gesehen.
Eine interessante Brückenkonstruktion

In dem kleinen Örtchen Ayr machten wir einen Zwischenstopp. Wir schlenderten ein wenig durch die Innenstadt und Moni fand endlich einen Uhrenladen, wo sie die Batterie ihrer Armbanduhr tauschen lassen konnten.

Das Zentrum war teilweise neu gestaltet,, teilweise noch im Bau.
Der obligatorische Uhrenturm in Ayr
Das Kino in Ayr

Am Ortsausgang gab es einen schönen Rastplatz, wo wir Mittagspause machten.

Selbstgemachtes Chili con carne aus der Camperküche

Danach fuhren wir durch bis Townsville und checkten wieder einmal auf einem BIG4 Campingplatz ein. Gegenüber den letzten Campingplätzen war das aber ein eher schlechterer. Wir mussten sowieso überlegen, was wir die nächsten Tage machen wollen, vielleicht wechseln wir noch mal den Platz. Da der Campingplatz etwa 4 km außerhalb von Townsville gelegen ist, fuhren wir mit dem Camper in die Stadt. Wie wir feststellen mussten, war sie absolut enttäuschend. Gähnende Leere im Zentrum, viele leerstehende Geschäfte und ohne Highlights.

Der einzige Gast in der Fußgängerzone war dieser Vogel…
Townsville mit dem Ross Creek

Der einzige Lichtblick war die Craft-Beer-Brauerei in der alten Post, wo wir erst mal Zwischenstation machten.

Ansonsten war meine Einschätzung: lieber an Townsville vorbei fahren…

Magnetic Island

Auf dem Campingplatz überlegten wir, wie es morgen weiter gehen könnte. Eigentlich lockte Magnetic Island, eine nur 8 km vor Townsville gelegene Insel, zu der man mit einer Fähre übersetzen kann. Man kann schnorcheln, tauchen, wandern, relaxen … Nach längerer Überlegung und Diskussion entschlossen wir uns aber, morgen früh noch auf den Castle Hill zu steigen und dann doch weiter zu fahren. Es ist schon schwierig, die beiden Ressourcen Zeit und Geld richtig einzusetzen. Zeit ist im Unterschied zu Neuseeland eine wichtige Ressource geworden, weil wir sehr viel Zeit am Anfang unserer Reise in Sydney „verloren“ haben, später noch die 4 Wochen durch den Motorschaden und die Entfernungen in Australien gewaltig sind. Da wir nicht wissen, ob wir unser Visum eventuell verlängern können, müssen wir immer abwägen, irgendwo zu bleiben oder doch weiter zu fahren. Und zur Ressource Geld brauche ich nach der letzten Reparaturrechnung nicht viel sagen…


Das Wetter war heute Morgen sehr durchwachsen (Sonntag, 18.04.2021). Ein wolkenverhangener Himmel, der eher Regen als Sonne versprach. Aber für unsere „Bergbesteigung“ vielleicht besser als praller Sonnenschein. Wir fuhren ein paar Minuten bis zum Fuß des Castle Hill, der immerhin 320 m hoch ist.  Wir zogen uns noch richtige Wanderschuhe an, denn es ging durch steiles und felsiges Gelände.

Der Weg nach oben war zwar kurz – nur etwa 1,4 Kilometer – dafür ging es die 300 Höhenmeter steil nach oben. Ein kurzer Abschnitt war tatsächlich etwas Felskraxelei.

Dann führte der Weg weiter in Treppen nach oben – bei ca. 26…27°C und gefühlter 95% Luftfeuchtigkeit eine sehr schweißtreibende Angelegenheit.

Nach 40 Minuten waren wir auf der Gipfelplattform. Ein Teil war abgesperrtes Gelände für Telekommunikationsanlagen, der andere Teil Parkplatz und Rastplatz. Ein kurzer Stichweg führte noch auf eine Aussichtsplattform.

Aussichtsplattform auf dem Castle Hill in Townsville

Das Wetter war zwar wolkenverhangen aber die Sicht war gut. Daher genossen wir die Ausblicke auf Townsville, Magnetic Island und die weitere Umgebung.

Blick vom Castle Hill auf Townsville und Magnetic Island

Wir liefen einen anderen Weg im weiten Bogen wieder zurück zum Auto, zuerst auf steilen, aber gut ausgebauten Treppen, später auf einem schmalen Pfad.

Die Hauptwege waren gut ausgeschildert.
Schmetterlinge am Wegesrand

Zurück am Auto ruhten wir uns kurz aus und beschlossen dann, noch zum Sonntags-Markt in das Zentrum von Townsville zu fahren.

Es war tatsächlich eine ganze Menge los und wir nutzten gleich die Gelegenheit, um Mittag zu essen – ein paar leckere chinesische Dumplings.

Straßenmusikanten
Hier wird frischer Zuckerrohrsaft gepresst.
Ansonsten das übliche Krims-Krams-Angebot
Hier gab es sehr leckere chinesiche Dumplings (Klößchen).

Dann ging es los zu unserer eigentlichen Etappe für heute, nach Lucinda, etwa 130 km nördlich von Townsville am Meer. Die Landschaft blieb gleich zu den vorherigen Etappen, nur die Straße führte oft noch länger nur geradeaus, so dass man aufpassen musste, nicht müde zu werden. 30…40 km vor unserem Ziel fing es zuerst sacht, dann später kräftiger an zu regnen. Das hatten unsere Wetter-Apps gestern so nicht vorhergesagt. Aber es half nichts, wir fuhren bis zum Campingplatz in Lucida, checkten ein und stellten uns erst einmal hin.

Später bauten wir die Markise auf und im Nieselregen überlegten wir, wie wir die nächsten Etappen gestalten können. Aber da alles vom Wetter abhängt, müssen wir morgen früh erst einmal in den Himmel schauen und dann entscheiden.


Es hatte wieder mal nachts fast durchgängig geregnet und auch am Morgen sah der Himmel wolkenverhangen und regnerisch aus. Die Wetter-Apps sagten für die nächsten 7 Tage weiter schlechtes bis sehr schlechtes Wetter für die nördliche Ostküste, insbesondere für Cairns voraus. Eigentlich sollte jetzt schon langsam die Trockenzeit losgehen, aber davon war nichts zu erkennen. Also warfen wir unseren Plan, weiter entlang der Küste Richtung Norden zu fahren, über den Haufen und entschlossen uns, zuerst bis in die Höhe von Townsville zurück und dann in Richtung Inland zu fahren. Dann können wir entlang der Berge der Great Dividing Range wieder Richtung Norden fahren.

Umplanen

Also packten wir unsere Sachen und fuhren zuerst bis Ingham (Montag, 19.04.2021). Dort sind wir schon gestern durchgefahren, aber es hatte in Strömen geregnet. Heute hielten wir an und gingen zuerst einkaufen. Das 5000 Einwohner zählende Städtchen ist stolz auf die italienischen und spanischen Einwanderer, die in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hierher gekommen sind. Heute noch hat etwa die Hälfte der Einwohner italienische Wurzeln. Daran erinnert auch die Uhrensäule im Zentrum der Stadt.

Links oben sind die Umrisse von Sizilien und rechts die von Queensland zu sehen. Der Fuß ist mit den Wappen der Provinzen Siziliens geschmückt.

Überbleibsel waren auch zwei Delikatessenläden mit italienischen Angeboten, wo wir eine leckere Salami gekauft haben. Zweite Besonderheit war das Lees Hotel. Es war Schauplatz für ein von Slim Dusty vertontes Gedicht: „The pub with no beer“, eines der Klassiker der australischen Folk Music, der erste internationale No1-Hit aus Australien im Jahr 1957. Hier ein Link zu einem Musikvideo bei Youtube. Zur Historie des Songs gibt es einen Artikel in der Wikipedia.

Danach fiel uns noch ein schöner Fischladen auf, in dem wir ein paar lokal gefischte Garnelen sowie Filets vom Leoparden-Forellenbarsch („coral trout“) kauften.

Ich bin vom Angebot beeindruckt.

Die haben wir dann in der Mittagspause auf dem Weg nach Townsville in der Pfanne gebraten. Sehr lecker. Gut gestärkt legten wir dann den Rest es Weges bis zum Campingplatz am äußeren Stadtrand von Townsville zurück. Dort machten wir nicht mehr viel, sondern gingen nur noch kurz in den Pool, ehe die Sonne wieder von Wolken verdeckt wurde.

Einschub: Ab heute gibt es die „Trans tasman bubble“ zwischen Australien und Neuseeland. Nunmehr können Reisende ohne Quarantäne in beide Richtungen reisen. Die nächsten „bubbles“ sind wohl schon in das Auge gefasst, z.B. mit Singapur.

Das Impfprogramm in Australien verläuft wohl gegenüber den ursprünglichen Plänen etwas schleppend, aber mittlerweile sind 1,5 Millionen Dosen verimpft worden. Dabei hat Australien eine andere Priorisierung getroffen: Oberste Priorität haben Mitarbeiter, die in den Quarantäne-Hotels und anderen grenznahen Dienstleistungen arbeiten, sowie Mitarbeiter und Bewohner von Seniorenheimen. Erst dann kommen die Altersgruppe >80, 70-79 und danach werden die Aborigines und die Torres Strait Islander ab der Altersgruppe >55 vorgezogen.


Auch diese Nacht regnete es wieder (Dienstag, 20.04.2021). In der Hoffnung, den Regen ein bisschen hinter uns lassen zu können, fuhren wir los in Richtung Inland, auf dem Overlanders Way.

Bis nach Charters Towers waren es ca.120 km. Das Wetter kämpfte mit sich, aber leider gewann der Regen dann die Oberhand. Es war zwar nur eine Art Nieselregen, aber eigentlich wollten wir genau diesem Regen ausweichen…

Wir fuhren durch bis Charters Towers und checkten auf dem Campingplatz ein. Der Chef bestätigte uns, dass eigentlich jetzt schon Trockenzeit sein müsste und dass der Regen eigentlich nicht normal ist. Ein schwacher Trost.

Ein schönes Schild

Nach dem Mittagessen beschlossen wir uns die Sehenswürdigkeiten von Charters Towers anzusehen. Charters Towers hat heute etwa 8000 Einwohner. Die Gründung der Stadt verdankt sie Goldfunden in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Damals stieg die Einwohnerzahl auf etwa 30.000 Einwohner und sie wurde die größte Stadt in Queensland nach Brisbane. Sie hatte den Spitznamen „The World“, weil man hier angeblich alles kaufen konnte, was es in der Welt so gibt.  Ein paar Erinnerungsstätten wollten wir uns ansehen.

Wir fuhren mit unserem Auto, weil einerseits die Entfernungen relativ groß waren und andererseits der Regen nie vollständig aufgehört hatte. Erster Halt war die Columbia Poppet Head, die rekonstruierte Kopfstation der Columbia Block Mine.

Gleich daneben entsteht ein modernes Einkaufszentrum, wo jetzt schon nachgebildete Goldklumpen an die glorreiche Vergangenheit erinnerten.

Danach fuhren wir weiter zur Venus Gold Battery, also eine Verarbeitungsfabrik für das geförderte Erz. Leider war sie heute geschlossen, offensichtlich gibt es nur einmal täglich eine Führung kurz vor Mittag, schade. Dritte Station war der Towers Hill, eine Anhöhe am Rande der Stadt.

Die Sicht im Nieselregen war Null.

Dort gab es noch einige Reste aus der Goldgräberzeit, aber auch aus dem 2. Weltkrieg. Hier waren auch viele amerikanische Soldaten und ihre Flugzeuge stationiert. Davon zeugen die noch sichtbaren Bunkerbauten zur Sicherung der militärischen Infrastruktur.

Im Inneren verbarg sich ein kleiner Vorführraum zu den damaligen Ereignissen, insbesondere zur Schlacht im Korallenmeer im Jahr 1942.

Schließlich fuhren wir noch einmal in das gut erhaltene Zentrum der Stadt und bummelten trotz des schlechten Wetters einmal die Hauptstraße ab.

Charters Towers im Dauerregen
Die ehemalige Börse
Hier findet jedes Jahr ein großes Countrymusik-Festival statt.

Der Regen begleitet uns noch den ganzen Abend und trübte die Stimmung.


Der Regen hat endlich mal aufgehört und wir haben relativ gut geschlafen. Heute (Mittwoch, 21.04.2021) geht es ein Stück auf dem Great Inland Way, der von Sydney über 3000 km bis nach Cooktown führt, wieder in Richtung Norden. Wir wollten etwa 200 km bis nach Greenvale fahren. Auf dem Weg dahin gibt es – nichts. Es war durchgängig eine lockere Wiesen-Busch-Baumlandschaft, die offensichtlich als Weideflächen für Rinder genutzt wird. Farmen sah man nie, nur ganz vereinzelt mal eine Zufahrt zu einer Farm. Die Straße war relativ leer, ab und zu begegneten wir beeindruckenden Road Trains, die bis über 50m lang sind.

Die Schilder sollte man ernst nehmen.
Die Road Trains sind über 50 m lang.

Wir machten zuerst eine kurze Pause, später dann eine ausführliche Mittagspause, wo ich Spaghetti mit einer von mir vorgekochten Bolognese-Sauce zubereitete. Gut gestärkt ging es dann auf das letzte Drittel der Fahrt. Der Campingplatz in Greenvale war im Umkreis von 50 km der einzige, so dass uns keine andere Wahl blieb, auch wenn er sehr ältlich und ziemlich möhlig ( = ungepflegt [für Freunde des Hochdeutschen]). Aber wie sagen wir immer – für eine Nacht wird es schon gehen.

Die Rezeption des Campingplatzes

Der Campingplatz lag direkt neben einer Rodeo-Arena und am späten Nachmittag konnten wir einigen Reitern beim Training zusehen. Der Trainer ritt entweder mit oder fuhr mit einem Quad – quasi in der Rolle des Stieres – mit.

Der Trainer
Die Übende

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