Nach Mount Isa

Ich habe nach Mount Isa geschrieben und nicht zum Mount Isa, weil Mount Isa eine Stadt ist, die den Namen eines gleichnamigen Berges trägt. Und unser Ziel ist aber die Stadt Mount Isa.

Heute stand die relativ lange Etappe von Karumba nach Burke & Wills Roadhouse an, etwa 280 km (Sonnabend, 15.05.2021). Die Etappe ließ sich auch nicht kürzen, da zwischen Normanton und dem Roadhouse 200 km Nichts liegen. Wir starteten daher relativ früh und fuhren noch mal kurz zum Karumba Point. Das ist der Punkt, wo der Norman River in das Meer mündet.

“Karumba – Outback by the sea”
Ein Schwarzmilan, die hier allgegenwärtig sind.
Wunderschöner Strand – leider mit Krokodilen

Danach ging es rund 70 km bis Normanton. Wir stellten das Auto ab und liefen die Hauptstraße hoch-und runter. Vor der Touristeninformation stand eine riesengroße Krokodilfigur.

Wie sich herausstellte, war das die 1:1 Kopie des weltgrößten Krokodiles, das jemals auf der Welt erlegt worden ist. Es wurde im Juni 1957 auf einer Sandbank im Norman River erlegt und war 8,63 m lang und ca. 2 Tonnen schwer. Geschossen wurde das Krokodil von der damals 30-jährigen Krokodil-Jägerin Krysztina ‚Krys‘ Pawlowski, genannt One-Shot-Krys.

Australischer Geschmack – Lasagne mit Salat und Pommes Frites

Sonst gab es nichts besonderes zu sehen, wir kauften noch etwas ein und tankten. Von Normaton waren es noch 200 km die durch das endlose Outback führten. Viele, viele Strecken kilometerlang nur geradaus.

Aber irgendwann war es geschafft, wir checkten auf dem einfachen Campingplatz am Burke & Wills Roadhouse ein und erholten uns von der Fahrt.

Durch Zufall fiel mir dann auf, dass der vordere rechte Reifen sehr stark schräg nach innen abgefahren war. An diesen Stellen hatte er quasi kein Profil mehr!

Die drei anderen Reifen waren in Ordnung. Also die nächste Baustelle. Sch…


Nachts hatten wir schlecht geschlafen, weil es einige undefinierbare Geräusche auf dem Campingplatz gab und weil natürlich die Reifengeschichte im Hinterkopf war. Die Geräusche stammten wahrscheinlich von den Road-Trains, die hier mit Rindern Zwischenstation gemacht hatten.

Heute wollten wir, wenn möglich, Mount Isa als nächste etwas größere Stadt erreichen (Sonntag, 16.05.2021). Dort wollen wir morgen früh als erstes in eine Reifenwerkstatt fahren und den abgefahrenen Reifen begutachten lassen. Am Dienstag habe ich dann am frühen Nachmittag einen Termin bei einem Optiker online gebucht.

Wir fuhren am Burke & Wills Roadhouse relativ zeitig los, aber haben vorher noch etwas nachgetankt. Da hier die Preise etwa 40 Cent über dem Durchschnittspreis liegen, wollte ich nicht unbedingt volltanken. Vor uns lagen reichlich 300 km. Erstes Ziel war Cloncurry, rund 180 km Strecke. Die Landschaft war die gleiche wie in den Tagen vorher. Wir spulten Kilometer für Kilometer ab.

Fast die einzige Abwechslung war die Begegnung mit Road Trains.

Cloncurry entpuppte sich wieder als kleines Örtchen mit einer Hauptstraße ohne weitere Sehenswürdigkeiten.

Da heute Sonntag war, war die Hauptstraße im Ort menschenleer und die Geschäfte geschlossen. Also fuhren wir gleich weiter und nach einer Mittagspause erreichten wir kurz nach 13 Uhr Mount Isa.

Die Mount Isa Mine ist von weitem zu sehen.

Wir wollten zuerst bei Woolworth oder Coles Brot und Brötchen holen, aber beide Supermärkte haben am Sonntag geschlossen. Das ist uns das erste Mail in Australien (und auch in Neuseeland) passiert. Wir kauften wenigstens an einer Tankstelle ein Toastbrot und fuhren dann zum Campingplatz. Nach dem Einchecken machten wir noch einen kleinen Spaziergang.

Mount Isa ist vom Bergbau geprägt. Schon vom weiten hatten wir die riesigen Schornsteine und Halden mitten in der Stadt gesehen. Vom ersten Anblick an erinnerte uns Mount Isa an Broken Hill im Outback NSW. Mount Isa hat knapp 20.000 Einwohner. Es werden vor allem Kupfererze und Zink-Blei-Erze gefördert. Sozusagen als „Beifang“ wird auch Silber und Gold gewonnen. Es gibt zwei große oberirdische Minen und ein unterirdisches Bergwerk, dessen Stollen bis auf 1200 m Tiefe hinabreichen.

Von einem Lookout hatten wir schöne Ausblicke auf die Stadt und die Bergbaulandschaft.  Auf einem Wegweiser waren diverse Städte zu sehen. Neben Frankfurt war als deutsche Stadt auch Datteln auf den Schildern. Datteln war mal als Schwesterstadt vorgesehen, aber es wurde dann Kamloops/Kanada. Das Schild ist geblieben.

Wir verschafften uns einen ersten Eindruck von der Stadt. Und der war nicht besonders schön….

Der Uhren-Turm von Mount Isa
Ein Museumsbergwerk mitten in der Stadt. Die Mount Isa Mine kann man leider nicht besichtigen.
Mount Isa nennt sich die Rodeo-Hauptstadt Australiens. Leider ist das Hauptevent erst im August.

Zurück am Campingplatz saßen wir noch etwas in der Sonne. Ansonsten wird es hier im Spätherbst nachts schon ziemlich kalt. Für heute Nacht waren 11°C angesagt.

Trotzdem der große Campingplatz (mehr als 100 Wohnwagenstellplätze) fast völlig belegt war, war es in der Nacht sehr ruhig und wir haben gut geschlafen. Diesmal haben wir die Fenster auch nur wenig geöffnet, denn die Temperaturen gingen wirklich bis auf ca. 11…12°C hinunter.


Heute (Montag, 17.05.2021) wollten wir uns um Rangies Reifen kümmern. Ich hatte die Adresse einer Werkstattkette herausgesucht, die uns auch schon vor 15 Jahren geholfen hat – Beaurepaires, die in Australien ziemlich weit verbreitet ist. Eigentlich wollten wir gleich noch den Standplatz um eine Nacht verlängern, aber die Rezeption hatte noch nicht geöffnet. Also fuhren wir direkt in die Werkstatt.

Die wurde offensichtlich von Frauen geführt. Die junge Chefin kam aus dem Office und sah sich das rechte Vorderrad an und sagte sofort, dass die Spur neu eingestellt werden muss und der Reifen auch getauscht werden sollte.

Auch der rechte Reifen zeigte erste Anzeichen eines ungleichmäßigen Verschleißes. Also vereinbarten wir, dass morgen um 10 Uhr die beiden vorderen Reifen gewechselt werden. Zeitlich passte das gut, weil ich erst 14:30 Uhr den Termin beim Optiker habe. Die Optikerin rief mich übrigens noch an, ob es morgen bei dem Termin bleibt und um was es ginge. Danach gingen wir noch einkaufen, da gestern alle Supermärkte hier geschlossen hatten. Jetzt musste ich noch mein altes Brillenrezept in einem Print-Shop ausdrucken lassen und wir kauften bei der Post einen leeren Paketkarton, da wir wieder ein Paket nach Deutschland schicken wollen.

So war der Vormittag fast vorbei als wir uns entschlossen, zum knapp 20 km entfernen Lake Moondarra zu fahren. Das ist ein künstlich angelegter Stausee, der der Trinkwasserversorgung von Mount Isa und auch der Naherholung dient. Die Straße führte bis zum Staudamm, über den ein kleiner Aussichtspunkt eingerichtet worden war.

Aussichtspunkt am Lake Moondarra
Blick auf den Staudamm

Der Stausee war sehr schön, es war absolut ruhig und die Sonne schien vom makellosen blauen Himmel. Wir fuhren ein kleines Stück zurück auf einen Rastplatz und machten dort unsere Mittagspause – direkt am See mit malerischen Ausblicken.

Idyllischer Mittags-Rastplatz

Zurück fuhren wir noch ein bisschen am See entlang und dann auf einem anderen Campingplatz. Das schien eine gute Entscheidung gewesen zu sein, denn der machte erst einmal einen besseren Eindruck als der gestrige und war auch nicht so überfüllt. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass das Wochenende vorbei ist.

Der Campingplatz hatte auch einen Pool, aber der war eiskalt. Bei den Nachttemperaturen nachvollziehbar.

Am Abend füllten wir dann die Online-Formulare aus, die notwendig sind, um in die Northern Territories einzureisen. Die Grenze zwischen Queensland und Northern Territory ist zwar grundsätzlich offen, trotzdem muss man wegen COVID zur Einreise diese Formulare ausfüllen und bestätigen, dass man nicht direkt aus dem Ausland kommt, in den letzten 28 Tagen keinen Corona-Hotspot in Australien besucht hat und sich nicht Corona-geplagt fühlt oder mit einem Corona-Erkrankten zu tun hatte. Bemerkung: Die Corona-Hotspots in Australien fangen übrigens bei einem (!) Fall an.


Heute (Dienstag, 18.05.2021) war organisatorischer Großkampftag, der wieder alle Nerven und Gefühle beanspruchte, dazu später mehr. Als erstes hatten wir den Termin um 10 Uhr bei der Reifenfirma. Da unser Rangie durch die Fahrten auf den Gravel Roads mehr als dreckig war, wollten wir vorher noch schnell in eine Autowäsche fahren. Wir fanden leider keine, bei denen wir mit unserem Camper hineinfahren konnten, die einzige war in der Höhe begrenzt. Also hatten wir noch Zeit und fuhren gleich noch zur Post und schickten ein weiteres Paket „nach Hause“.

Im Postshop

Die Postshops haben neben den eigentlichen Postsachen auch ein Angebot – ähnlich wie Tchibo in den deutschen Supermärkten. Uns fiel ein Sonderangebot für einen 24“-HD-Monitor auf und nach kurzer Überlegung schlugen wir zu. Bei 99 $AUS (~ 70 €) kann man nichts falsch machen und wir hatten ja unseren Monitor/Fernseher bei der Überführung des Campers nach Australien eingebüßt und konnten seitdem keine unserer Filme mehr anschauen.

Moni mit “Beute”

Danach fuhren wir in die Werkstatt und gaben unser Auto ab. Die Montage der neuen Reifen und die Spureinstellung sollten knapp 2 Stunden dauern.

Wir bummelten in die Innenstadt zurück und versuchten, die zwei Stunden totzuschlagen. Kurz vor 12 Uhr waren wir wieder in der Werkstatt, als uns einer der Mitarbeiter ansprach. Er erklärte uns, dass bei der Montage der beiden Reifen aufgefallen sein, dass die Vorderachse verzogen sei, ob wir uns an einen größeren Schlag erinnern könnten. Natürlich konnten wir, denn die letzten Gravel Roads hatten es in sich und bei den Bachdurchfahrten hatte ich auch das eine und das andere Loch mitgenommen. Er könne noch nicht genau sagen was es ist, er will es noch überprüfen. Uns blieb das Herz stehen – sollte wirklich etwas mit dem Fahrwerk kaputt sein, wäre das der nächste Tief(st)schlag.

Rangie noch in der Werkstatt

Wir mussten noch eine halbe Stunde warten, bei der uns schlimme Gedanken durch den Kopf gegangen sind. Dann fuhr jemand mit Rangie auf die Straße, offensichtlich zu einer Probefahrt. Schließlich bekamen wir die Rechnung und die Schlüssel zurück und der Monteur erklärte uns, dass es offensichtlich nur an der Ladung liegt, dass die Vorderachse etwas schief steht. Ansonsten sei alles in Ordnung. Ursache war offensichtlich die verrutschte Kabine, denn deren Schwerpunkt lag nicht in der Mitte, sondern ziemlich weit links, so dass es die Kabine immer wieder verschiebt, so wie im Moment auch. Wir waren unglaublich erleichtert und fuhren erst einmal Mittagessen. Offensichtlich müssen wir noch mehr darauf achten, dass die Kabine immer einigermaßen in der gewichtsmäßigen Mitte steht, also etwas nach rechts versetzt ….

Einer unser neuen Gooyear-Reifen

Um 14:30 Uhr hatte ich dann den Termin bei der Optikerin, die sich sehr viel Zeit genommen hat. Ich musste die ganze Prozedur einschließlich einer Augendruckmessung erdulden und erst nach einer Stunde war alles erledigt. Die Brille wird angefertigt und später an die Adresse versandt, die wir dann gerade haben. Hoffentlich klappt das.

Als allerletztes mussten wir noch unsere Gasflasche auffüllen lassen, dann ging ein mehr als aufregender Tag zu Ende. Soviel Aufregung brauche ich eigentlich nicht mehr.

Bei der abschließenden Vermessung des alten Brillengestells

In der Nacht gingen die Temperaturen wieder gehörig nach unten, bis auf 11…12°C. Da war es leider nichts mit draußen frühstücken, auch wenn schon wieder die Sonne schien. Heute (Mittwoch, 19.05.2021) wollten wir bis Camoonweal fahren, fast direkt an der Grenze zum Northern Terretory. Damit war unsere Reise durch Queensland erst einmal beendet.

Bevor die Reise richtig losgehen konnte mussten wir wieder tanken und dann fuhren wir noch zu einem Harvey Norman-Geschäft. Das ist eine Kette, die neben Möbeln und Haushaltsgeräten auch Elektronik verkauft. Ich brauchte noch eine Halterung für den neuen Monitor. Wir wurden auch fündig und konnten dann die rund 200 km lange Fahrt antreten. Da die Kabine noch schief stand, hielt ich nach wenigen Kilometern auf einem asphaltierten Platz und wir setzten die Kabine ab und wieder neu auf. Diesmal setzte ich die Kabine bewusst etwas versetzt auf, damit der Schwerpunkt hoffentlich in der Mitte liegt.

Es gab keine landschaftlichen Höhepunkte, sondern die Straße schlängelte sich durch das Outback mit viel Buschlandschaft, wenigen felsigen Hügeln und nur ganz selten sah man einen Abzweig in einer der im Hinterland liegenden Farmen.

Kurz nach zwölf waren wir schon in Camoonweal und richteten uns auf den Zeltplatz ein. Ich montierte den Monitor und verbrachte die restliche Zeit am Laptop. Die Sonne war hier noch kräftiger als in Mount Isa und die Temperaturen stiegen bis auf 33°C. In Camoonweal gab es ansonsten nicht viel, d.h. eigentlich gar nichts, zu sehen.

Nettes Hinweisschild für die Besucher aus NT. Sie sollen die Uhren um 30 Minuten und 5 Jahre vorwärts stellen….
Es gab schon bessere Zeiten.

Morgen geht es dann in das Northern Territory. Neben den durch CORONA-bedingten Einreiseformularen müssen wir auch daran denken, die Uhren 30 Minuten zurück zu stellen. Zudem müssen wir uns eine neue COVID-App herunterladen, die mittlerweile dritte oder vierte.
Übrigens habe ich unter den Reiserouten jetzt die Queensland-Route fertig eingestellt und auch ein neues Bild für unsere Gesamtroute in Australien.

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