West Kimberley

Von Halls Creek soll es heute (Dienstag, 29.06.2021) über knapp 300 km nach Fitzroy Crossing auf dem Great Northern Highway gehen. Auf der Strecke gab es keine Sehenswürdigkeiten, so dass wir mehr oder weniger durchfahren wollen.

Wir prüften noch einmal den Luftdruck in den Reifen, ob wir genug Wasser haben und ob die Kabine richtig sitzt. Eigentlich wollten wir auch unsere Gasflasche auffüllen lassen, aber auf dem Campingplatz war das Gas ausgegangen. Die Lieferung aus Darwin soll irgendwo in der Quarantäne an der Grenze zwischen Northern Territory und West Australia hängen geblieben sein, erzählte man mir. Abschließend mussten wir noch tanken, dann konnte es endlich losgehen.

Die Strecke war ermüdend, immer die gleiche Landschaft, kilometerlange Geradeaus-Strecken und ab späten Vormittag machte uns die Hitze zu schaffen.

Sehr selten trafen wir unerschrockene Radfahrer.

Bei einer kurzen Rast sahen wir diesen Gedenkstein. Dahinter verbirgt sich eine traurige Geschichte: Andrew Cardigan verlor seinen engsten Freund, der an einer seltenen Variante von Leukämie gestorben war. Ihm zu Ehren lief er 15.000 km zu Fuß durch Australien und sammelte Geld für eine Leukämie Stiftung. Er konnte die Tour triumphal beenden, verunglückte aber Wochen später in Thailand bei einem Motorrad-Unfall. Er starb 12 Wochen später. Sein Vater hat das von ihm begonnene Buch zu Ende geschrieben.

Nach 200 km machten wir auf einem schönen Rastplatz Mittagspause und fuhren danach die restlichen knapp 100 Kilometer nach Fitzroy Crossing.

Das Ressort, dass ich ausgesucht hatte, war sehr groß. Es gab ein Motel, viele Kabinen- und Zeltunterkünfte und einen sehr großen Campingplatz. Leider wurden die Plätze nicht nach Nummern vergeben, so dass sich manche hinstellen oder ihre Kabel verlegen, wie sie wollen. Aber wir finden schließlich ein Plätzchen. Es ist ja schließlich nur für einen Nacht…

Ansonsten gab es nicht viel zu sehen. Wir bummelten noch ein wenig über den Platz und verbrachten viel Zeit am Rechner. Abends gingen wir noch mal in die Bar, wo es richtiges Bier und Wein gab. Wir tranken jeder ein Glas Shiraz und hofften, dass wir morgen in Derby wieder Wein kaufen können.


Heute (Mittwoch, 30.06.2021) wollen wir bis an das westliche Ende der Kimberleys fahren. Bis Derby waren es nochmal 280 km. Über die Strecke könnte ich das Gleiche schreiben wie gestern, nur dass es noch ein bisschen wärmer war.

Morgenstimmung am Fitzroy River
Rastplatz mit Boab kurz vor Derby
Wachsame Augen hoch oben im Boab-Baum

Kurz nach 12 Uhr rollten wir in Derby ein und wollten wieder einmal in einem Restaurant oder einem Imbiss etwas essen und kein Instant-Nudelsüppchen kochen. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Erst nach einigem Herumkurven fanden wir ein schönes Restaurant. Das Essen war gut und ich konnte wieder einmal ein richtiges Bier trinken. Gleich nebenan war ein Getränkemarkt, wo wir uns für die nächsten Tage eindecken konnten.

Danach wollten wir auf einem Campingplatz einchecken, aber er war vollständig ausgebucht. Beim zweiten (von Zweien) hatten wir dann Glück.

Im Restaurant hatte ich ein Werbeplakat gelesen, dass es in Derby ein Impfzentrum gibt, also versuchten wir unser Glück.

Werbeplakat für die Impf-Klinik

Die Terminvereinbarung klappte ohne Probleme. Obwohl wir keine australische Krankenversicherung haben, können wir die Impfung kostenlos bekommen.

Der Wermutstropfen war, dass die Impfung erst am nächsten Montag möglich ist. Aber wir wollten es nicht weiter hinausschieben, machten den Termin fest und müssen uns halt überlegen, wie wir die Zeit von heute (Mittwoch) bis nächsten Montag sinnvoll gestalten.

Wir bummelten noch ein bisschen durch den kleinen Ort.

Hauptstraße von Derby

In der Touristeninformation suchten wir nach Anregungen und Touren für die nächsten Tage, wurden aber nicht wirklich fündig. Gerne hätten wir die „Horizontal Falls“ besucht, aber dorthin kommt man nur mit einem Flugzeug und dann mit einem Schnellboot. Die Preise für uns beiden fingen bei 1000 € an…. Das war es uns nicht wert. Also werden wir weiter überlegen.


Nach den langen Fahretappen der letzten Tage war heute erst einmal ein „Ruhetag“ geplant (Donnerstag, 01.07.2021). Heute wollten wir in Derby bleiben und uns die örtlichen Sehenswürdigkeiten ansehen bzw. einfach relaxen. Morgen wollen wir dann ein Stück auf der Gibb River Road quasi zurückfahren und uns den Tunnel Creek National Park und den Windjana Gorge National Park ansehen. Im Windjana National Park wollen wir auch übernachten und dann nach Derby zurückkehren. Mal sehen ob das alles so klappt, dann der überwiegende Teil der ca. 180 km langen Strecke bis zum Tunnel Creek ist Gravel Road…

Ein riesiger, ausgehöhlter Boab-Baum.
Hier sieht man die Dimensionen.

Wir machten zuerst einen Spaziergang am Rande der riesigen ebenen Flächen, die bei starker Flut überschwemmt werden. In der Gegend gibt es die größten Tide-Unterschiede in Australien und die zweitgrößten in der Welt. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut kann bei günstigen Mond-Sonnen-Konstellationen bis zu 11 m betragen.

Blick über die weite Marsch-Landschaft
Die Skulptur eines Künstlers aus Derby am Beginn des Weges “Contemplation” (Nachsinnen, Einkehr). Sie wurde im Jahr 2020 errichtet.

Am Dinner Tree – einem großen Boab-Baum mit Rastmöglichkeiten vor allem zum Sonnenuntergang kehrten wir um und liefen in die Stadt zurück.

 Nach dem Mittagessen besuchten wir als erstes den Prison Boab Tree, einem sehr dicken, ausgehöhlten Boab-Baum, der einst als Gefängnis diente. Er ist ca. 1500 Jahre alt und hat einen Stammumfang von knapp 15 m. Hier wurden Aboriginies um 1890 kurzzeitig eingesperrt, bis sie in ein richtiges Gefängnis überführt werden konnten.

Danach fuhren wir noch zur Pier. Leider war das Café geschlossen, so sahen wir uns nur kurz um. Es war gerade der Wechsel von Ebbe zu Flut und schmutzig-braunes Wasser wälzte sich den King Sound hinauf.

Bei 32°C beschlossen wir, das kleine Bad in Derby zu besuchen. Für uns als Senioren kostete es nur 2 € Eintritt. Eigentlich war das Bad schön, aber es waren sehr viele Kinder im Bad, die einen entsprechenden Lautstärkepegel erzeugten. Also schwammen wir nur kurz ein paar Runden und zogen uns dann auf den Zeltplatz zurück.


Die folgenden zwei Tage wollten wir wieder ein Stück zurück in die West Kimberleys fahren. Ziele waren der Tunnel Creek National Park und der Windjana Gorge National Park. Dort habe ich bereits einen Stellplatz gebucht. Die Herausforderung war die Offroad-Strecke, von der ich nicht genau wusste, wie lang sie sein wird und natürlich nicht, wie sie beschaffen ist.

Wir fuhren relativ früh los, denn bis zum Tunnel Creek waren es 180 km und danach müssen wir wieder ca. 30 km zurück. Getankt hatten wir schon am Abend vorher, daher konnte es direkt losgehen. Zuerst bogen wir auf die Gibb River Road ab und fuhren ca. 90 km auf sehr guter, asphaltierter Straße. Dann war damit Schluss. Vor uns standen schon 6, 7 Autos deren Fahrer dabei waren, die Luft aus den Reifen zu lassen. Auch ich ließ Luft aus den Reifen ab, dann konnte es weiter gehen.

Aber es waren erst einmal nur 9 km Gravel-Road, dann war die Straße wieder geteert.

Ab dem Abzweig zur Leopold Downs Road, ging es dann nur noch Gravel Road. Nach 20 km erreichten wir den Windjana National Park, fuhren aber durch, da wir heute noch hierher zurückkehren, Dann waren es noch knapp 40 km bis zum Tunnel Creek. Der Parkplatz war schon ziemlich voll.

Der Tunnel Creek ist ein etwa 750 m langer Tunnel den der gleichnamige Fluss – ein Nebenarm des Lennard-Rivers, der die Windjana Gorge geformt – hier geformt hat. Wir zogen unsere Badeschuhe an, da es durch Wasserlöcher gehen sollte und nahmen die Stirnlampen mit (oder ‚Hirnbirn‘ wie die Österreicher sagen). Wir mussten über einige Felsen klettern und erreichten dann die Höhle.

Das war alles sehr imposant. Wir wateten durch kniehohes Wasser und kamen dann aber nicht mehr weiter.

Das Wasser wurde zu tief und man musste schwimmen, um den Weg am anderen Ufer fortsetzen zu können. Darauf waren wir nicht eingestellt, denn mit Fotoapparat und Camcorder und ohne wasserdichte Taschenlampe ging es nicht weiter.

Also kehrten wir um und machten erst mal Mittagspause. Danach fuhren wir zurück zum Windjana Nationalpark. Ich war froh, als wir da ankamen und ich nach über 200 km – davon mit der Hälfte Gravel Road – erst einmal tief durchatmen konnte.

Nur ein Punkt machte uns Sorge, die Wasserpumpe funktionierte nicht richtig, zumindest kam kaum mehr Wasser aus dem Frischwassertank. Anstelle des Ausfluges in die Schlucht, untersuchte ich erst einmal die Wasserleitungen. Es war tatsächlich an einigen Stellen richtig Sand drin, aber trotz Säubern funktionierte die Wasserleitung immer noch nicht richtig.

Am Eingang zur Windjana-Schlucht

Trotzdem unternahmen wir kurz vor Sonnenuntergang noch einen kurzen Ausflug zur nahegelegenen Schlucht und waren beeindruckt.

Durch dieses Loch im Felsen geht es in die Schlucht hinein.

Wir liefen bis zum Sunset-Point, allerdings schien zu dieser Jahreszeit die abendliche Sonne nicht bis in die Schlucht.

Blick aus der Schlucht über den Lennard River
Ein Süßwasser-Krokodil zog noch seine Kreise.

Dann gingen wir zum Campingplatz zurück. Wir ließen den Abend vor dem Camper ausklingen, bis uns die Insekten wieder in den Camper trieben.

Abendstimmung im Kimberley

Die Nacht war klar und hier war der Sternenhimmel besonders gut zu sehen, da es ringsherum dunkel war. Beeindruckend. Heute Vormittag wollten wir in die Windjana Schlucht etwas weiter hinein gehen. Der Weg war mit 7 km und 4 Stunden Gehzeit angegeben. Danach wollten wir zurück nach Derby fahren.

Wir liefen kurz nach 8 Uhr los. Nachdem die Temperatur nachts auf 12°C gesunken war, erwärmte sich die Luft aber mit den ersten Sonnenstrahlen sehr schnell. Der Lennard River hat diese tiefe Schlucht geformt. In der Trockenzeit fließt der Fluss zwar nicht mehr, aber in der Schlucht gab es noch genügend Wasser.

Wir liefen flussaufwärts und sahen dann die ersten Süßwasser-Krokodile, die sich in der Sonne wärmten.

Der Weg am Ufer war sehr schön, hier noch ein paar Eindrücke:

Der Weg war gut markiert.
Das ist eigentlich noch das Flussbett. In der Regenzeit steht hier das Wasser bis zu 2…3 m hoch.
Imposante Felsen
Und noch mal Süßwasserkrokodile

Nach knapp 4 km hatten wir das unspektakuläre Ende des Weges erreicht. Es gab einfach ein Schild und der Weg hörte auf. Wir gingen den gleichen Weg zurück. Nach reichlich zwei Stunden waren wir wieder am Zeltplatz. Die 20 km Schotterpiste bis zur Gibb River Road waren relativ schnell geschafft, dann ging es noch mal 30 km auf der Asphaltstraße, bevor es noch mal 9 km ziemlich heftige Schotterpiste gab.

Das letzte Stückchen Schotterpiste

Dann hatten wir es geschafft, pumpten unsere Reifen wieder auf und machten Mittagspause. Kurz vor 14 Uhr checkten wir wieder auf dem Campingplatz in Derby ein, auf dem wir schon vorher waren. Zu unserer Überraschung war er relativ leer. Wahrscheinlich hängt dies mit den diversen Lock Downs in den einzelnen Staaten und Territories zusammen.


Heute war Sonntag (04.07.2021) und wir hatten nichts Besonderes vor. Nach dem Frühstück beschäftigte ich mich noch einmal mit unserer Frischwasserversorgung, denn die Wasserpumpe scheint nicht richtig zu funktionieren. Nachdem ich schon die Filter gereinigt und nach den Anschlussleitung geschaut hatte, montierte ich die Pumpe ab, konnte aber nichts feststellen. Also baute ich alles wieder zusammen. Mal sehen ob mir noch etwas einfällt.

Nach dem Mittagessen sahen wir uns zwei kleine Sehenswürdigkeiten in Derby an: die Myalls Bore und Frostys Pool.

Myalls Bore ist eine Vieh-Tränke, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde. Sie sollte eine Herde von über 1000 Rindern versorgen. Sie ist 120 m lang und soll die größte der südlichen Hemisphäre sein.

Frostys Pool am Stadtrand von Derby wurde im Juli 1944 während des 2. Weltkrieges vom Personal des Nr. 3 Platoon der 125 Platoon General Transport Company als Möglichkeit zur Abkühlung gebaut.

Danach liefen wir den Joonjoo Botanical Trail. Das war ein ca. 3 km langer Rundweg durch die Buschlandschaft.

Er war mit vielen Tafeln zu den verschiedenen Pflanzen versehen und erklärt, wie die Aboriginies die verschiedenen Pflanzenteile verwerteten und nutzten.

Der Weg führte durch eine Hecken-/Buschlandschaft mit vereinzelten Bäumen.

Gegen 16 Uhr waren wir wieder zurück auf dem Campingplatz.


Heute (Montag, 05.07.2021) war unser Impftermin. Da wir erst gegen 8:30 Uhr in der Impfklinik sein mussten, die nur 200 m entfernt ist, konnten wir ganz entspannt frühstücken. Die Ärztin führte nochmals ein kurzes Vorgespräch, dann der Picks und nach 5 Minuten war alles erledigt. Wir sollten noch eine Viertelstunde dort warten und durften dann aber gehen. Schon ein paar Minuten später bekamen wir unseren Nachweis der Impfung als Mail (Ausschnitt):

Leider konnten sie mit dem gelben internationalen Impfausweis nichts anfangen – was interessiert hier schon die WHO – so müssen wir uns bei Gelegenheit die Mail ausdrucken und zum Impfausweis legen. Die zweite Impfung ist dann Ende September fällig.

Da wir morgen unseren Hochzeitstag haben, wollten wir noch ein kleines Fläschchen Sekt zum Frühstück kaufen (Man gönnt sich ja sonst nix 😉 ). Das hat auch geklappt. Dort habe ich das Merkblatt für das Thema Alkoholverkauf in der Region Kimberley abfotografiert. Offensichtlich hat hier sogar jede Region andere Regelungen.

Später spazierten wir noch ein wenig durch das Städtchen.

Eine weitere Skulptur am Marschland von Derby.
Die Hauptstraße von Derby mit vielen Boab-Bäumen.

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