Broome und Dampier Peninsula

Nachdem wir gestern beide geimpft worden sind, gab es tagsüber keine Beschwerden. Erst am Abend klagte Moni über Gliederschmerzen, Kältegefühle und Mattigkeit. Sie verschwand dann schon gegen 18:30 Uhr in ihr Bett, nachdem sie noch eine Paracetamol-Tablette genommen hatte. Diese wurde übrigens von der australischen Behörde zu diesem Zweck sogar empfohlen.

Am Morgen (Dienstag, 06.07.2021) waren die meisten Beschwerden bei Moni weg, nur eine allgemeine Mattigkeit war noch da. Trotzdem gab es aus Anlass unseres Hochzeitstages ein kleines Gläschen Sekt zum Frühstück.

Mir ging es gut und so konnten wir unsere Weiterfahrt von Derby nach Broome in Angriff nehmen. Vor uns standen ca. 220 km.

An der Strecke gab es wieder einmal keinerlei Sehenswürdigkeiten, so dass wir mit nur einer kleinen Pause schon kurz nach 11 Uhr in Broome ankamen. Wir beschlossen, zuerst auf dem Campingplatz einzuchecken und uns dann etwas Schönes zum Mittagessen zu suchen.

Beim ersten Campingplatz kam wieder einmal die böse Überraschung. Alles ausgebucht. Also fuhren wir zum nächsten Platz, der sehr groß war, den Nummern nach mehr als 500 Plätze. Auch dort war es wackelig, aber wir bekamen einen Platz vorerst für ein Nacht. Unglaublich, wie viele Camper derzeit hier im Norden unterwegs sind. Aber es sind auch Schulferien.

Wir fuhren zuerst zu einem Fischrestaurant (Wharf Restaurant) und hatten offensichtlich eine gute Wahl getroffen. Ich bestellte frisch gefangenen, frittierten Riff-Fisch und Moni aß Barramundi-Filet mit Reis. Beides war sehr gut. Hier ein Vorher-Nachher-Bild:

Zwischenzeitlich hatte ich nochmal im Internet gecheckt. Auch bei den restlichen drei Campingplätzen in Broome sah es schlecht aus. Also versuchten wir gleich auf unserem Campingplatz zu verlängern, wurden aber auf morgen vertröstet.

Danach wollten wir unsere erste Sightseeing-Station in Angriff nehmen und fuhren nach Chinatown, dass gleichzeitig Teil des kleinen Zentrums von Broome ist. Wir waren zweifach enttäuscht, denn erstens sah man von einer Chinatown nahezu überhaupt nichts mehr und zweitens war das ganze Areal eine riesengroße Baustelle. Der Name Chinatown kommt von der Ansiedlung vieler Chinesen, Japaner, Aborigines und Südsee-Insulaner in den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts. Sie kamen wegen des Fundes von Perlmuscheln an den hiesigen Küsten. Hier wurden Naturperlen gefunden und vor allem Perlmutt gewonnen. Damals wurden 80% des Bedarfes an Perlmutt von hier gedeckt. Später noch einmal mehr dazu. Heute leben hier 14.000 Menschen.

Wir spazierten trotzdem noch etwas herum, beschlossen dann aber, als letztes für heute noch in eine Craft Beer Brauerei zu fahren.

Die Matso‘ Brauerei hatte einen schönen Biergarten und Moni trank ein Mango-Bier und ich ein Pale Ale.

Wir sahen dem Treiben im Biergarten noch eine Weile zu und fuhren dann zurück zum Campinglatz. Mal sehen, wie wir die nächsten Tage gestalten können.


Das wichtigste für heute (Mittwoch, 07.07.2021) war zuerst einmal die Klärung der Frage, ob wir noch eine weitere Nacht hier bleiben können, sonst hätten wir ein Problem. Aber wir hatten Glück, die Empfangsdame von der Rezeption erkannte uns wieder und wir bekamen nur einen anderen Stellplatz und konnten noch einen Tag in Broome bleiben. Als nächstes wollte ich einen Zeltplatz auf der Dampier Peninsula, der Dampier-Halbinsel, organisieren. Nach einiger Sucherei fand ich einen Platz und buchte für zwei Tage. Damit konnten wir den Rest des Tages gelassen angehen.

Wir begannen unseren Rundgang durch Broome am Town Beach. Auch dort gab es noch Baustellen, aber die neuen Strukturen waren schon erkennbar. Es war Flut und am Strand mit den nahen Mangroven saßen eine ganze Reihe von Anglern. Baden sah man zu dieser frühen Stunde keinen.

Wir bummelten ein wenig am Strand entlang und liefen dann in Richtung Stadtzentrum, also Chinatown.

Ein schon fertig gestellter Abschnitt der neuen Promenade.
Women of pearling monument – zum Andenken an die Frauen, die die Perlenindustrie als Taucherinnen mit aufgebaut haben. Gewidmet insbesondere auch den Aborigini-Frauen, die in den Anfängen der Perlen-Industrie entführt und zum Tauchen auf den Kuttern gezwungen wurden waren. Hier ein Link.

Gegen halb elf kamen wir an Matso’s Brauerei vorbei und Moni schlug eine kurze Pause vor. Also wurde ich quasi zu einem Bier gezwungen ( 😉 ) und auch Moni trank ein Ginger Beer, das mehr nach Ingwer als nach Bier geschmeckt hat. Dann liefen wir vorbei am Kennedy Hill, einer großen Sanddüne, in die Stadt. Hier ein paar Eindrücke.

Der Kennedy-Hill
Eine schöne Aussichtsterrasse
Doch noch ein bisschen China-Town

Insgesamt müssen wir unseren etwas negativen Eindruck von gestern über die Stadt revidieren, denn das Städtchen hatte was auf den 2. Blick. Vielleicht waren wir in Anbetracht der vielen Baustellen ein Jahr zu früh hier …

In einer Seitenstraße gab es nur Perlengeschäfte und die “Fabrikverkäufe” der Perlenzüchter (deswegen waren die Perlen aber nicht billiger).

Wir mussten für uns außerdem neue Schuhe kaufen: ich hatte mein drittes Paar Sandalen verschlissen und auch Monis Sportschuhe, die sie sich für den Jakobsweg gekauft hatte, waren durchgelaufen.  Wir hatten Glück und fanden für beides Ersatz.

Danach fuhren wir zum Cable Beach, in der Nähe unseres Campingplatzes. Es war ein riesengroßer Strand mit fast weißem Sand.

Cable Beach

Zudem war auch gerade Ebbe, aber das Beste war: man konnte baden! Das hatten wir ja schon ewig nicht mehr erlebt, dass man im Ozean baden und vor allem auch schwimmen konnte, denn es gab keine großen Wellen und das Risiko für Krokodile und giftige Quallen war offensichtlich überschaubar.

Die letzte giftige Qualle (“last sting”) wurde hier 2019 gesichtet.

Das letzte Mal waren wir – glaube ich – an der Gold Coast im Meer, aber wegen der starken Wellen nicht schwimmen. Also genossen wir das Bad im Meer und in der nicht ganz so heißen Wintersonne…


Die nächsten 2 Tage wollen wir auf der Dampier Peninsula, der Dampier Halbinsel verbringen. Ich hatte zwei Nächte auf dem Zeltplatz mit dem schönen Namen Banana Wells Getaway gebucht, etwa 120 km nördlich von Broome. Von dort aus wollten wir einen Tagesausflug in den Norden der Halbinsel machen und uns eine Perlenfarm ansehen. Nach der zweiten Übernachtung an der Banana Wells sollte es wieder zurück nach Broome gehen.

Zuerst mussten wir aber zur Post in Broome, um wieder einmal ein Paket nach Deutschland zu schicken (Donnerstag, 08.07.2021). Nach dem Einkaufen und dem Tanken fuhren wir los. Die Straße auf die Halbinsel war fast fertig, aber die ersten 15 km waren noch im Bau und wir mussten auf einer Sandpiste fahren, die aber gut fest gefahren war.

Die Sandpiste neben der fast fertigen Straße
Damit die Bauarbeiter nicht in Staubwolken arbeiten müssen, wurde die Piste sogar nass gemacht.

Danach ging es wieder einmal quälend lange Strecken schnurgeradeaus. Wir spulten Kilometer für Kilometer durch das Outback ab. Die letzten 14 km waren zuerst eine Schotterpiste, dann eher Sandstrecke. Da ich vorher wieder Luft aus den Reifen gelassen hatte, ging es einigermaßen. Kurz vor Mittag erreichten wir den Zeltplatz Banana Wells Getaway, manchmal auch unter dem Namen Pender Bay Resort bekannt. Die Stellplätze auf dem Zeltplatz waren nicht nummeriert und so suchten wir uns ein schönes Plätzchen aus. Nachmittags unternahmen wir noch einen größeren Spaziergang, eigentlich um bis an das Wasser zu gelangen.

Aber beide Wege, die wir versuchten, führten nicht direkt zum Wasser, sondern irgendwo anders hin. Karten gab es leider nicht.

Nur ein paar wilde Esel begegneten uns (Wahrscheinlich haben die das auch gedacht 😉 )

So verbrachten wir den weiteren Nachmittag auf dem Platz. Leider war es ziemlich laut, denn es war eine größere Gruppe Kinder angekommen, die sehr lautstark spielten und im Mini-Pool planschten.

Moni konnte wieder einmal ihre Hängematte herauskramen.

Den Abend konnten wir dann nicht mehr lange draußen verbringen, denn erstens sanken die Temperaturen nach Sonnenuntergang rapide (auf 14°C) und zweitens fraßen uns die Mücken und sonstige Quälgeister fast auf.


Heute war unser Tagesausflug auf das Nördliche Ende der Dampier-Halbinsel geplant. Hauptziel war die Cygnet Bay Pearl Farm. Hier werden seit 60 Jahren Südseeperlen gezüchtet. Der Gründer der Farm – Dean Brown – erkundete hier die Küste, wo schon die Aborigines Perl-Austern gefunden hatten. Hier wächst die größte Perlauster der Welt, die Pinctada maxima. Ihr Vorkommen führte zur Gründung von Broome und in Spitzenzeiten gab es 400 Boote für Perlentaucher, die die natürlich vorkommenden Perlen suchten. Ein mühsames Unterfangen, denn die Wahrscheinlichkeit für eine natürliche Perle liegt bei 1:10.000 bis 1:15.000. Nach dem 2. Weltkrieg kamen dann billige Perlen aus Kunststoff in Mode und die Perlenindustrie starb langsam aus. Dean Brown experimentierte mit der Zucht von Perlen, die eigentlich eine Domäne der Japaner war. 1960 konnte er die ersten Perlen „ernten“. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Zucht vervollkommnet. 2009 öffnete sich die Farm für Touristen. Heute werden verschiedene Touren angeboten. Neben der nahezu obligatorischen  1-stündigen Tour durch die Perlenfarm mit einer Übersicht über die Perlenzucht, hätten wir auch noch gern eine der anderen Touren gemacht, aber sie waren für die nächsten Tage ausgebucht …Schulferien.

Wir fuhren nach dem Frühstück gemütlich los und nach dem kurzen Stück Gravel Road ging es auf gut ausgebauten Straße Richtung Norden. Es war wieder eine lange, fast immer geradeaus führende Straße. Nach etwa 100 km erreichten wir den Abzweig zur Farm und mussten noch einmal knapp 3 km Sandpiste fahren.

Eine ziemlich ausgefahrene Sandpiste.

Wir hatten noch etwas Zeit und bestellten uns im Restaurant etwas zu trinken. Danach gingen wir zu einem Aussichtspunkt und zum Strand.

Cygnet Bay. Die eigentliche Perlenzucht befindet sich draußen in der Bucht.

Pünktlich 11:30 Uhr begann die Tour. Zuerst ging es in den Raum einer ehemaligen Schule und die Angestellte, die uns führte, erläuterte uns die Geschichte der Firma und der Perlenzucht.

Die Angestellte mit einer der riesigen Muschelschalen.
Hierauf war man besonders stolz: die weltgrößte Perle.

Es war sehr interessant. Danach gingen wir zu einem Becken, wo lebende Muscheln in einzelnen Gitterbehältern im Wasser schwammen.

Eine der Muscheln wurde von der Angestellten geöffnet.

Die Muschel wurde vorsichtig geöffnet. Muscheln haben übrigens kein Gehirn und ob Muscheln Schmerz fühlen können, darüber wird noch gestritten.

Es wurde alles erklärt und am Ende durfte eine der Besucherinnen die Perle aus dem Fleisch der Muschel holen. Sie sah sehr schön aus und wurde später im Laden auf über 400 $ geschätzt.

Die Perle sah sehr schön aus.
Moni durfte die Perle in den Laden tragen. Gekauft haben wir aber keine.

Dort wurden wir noch über die Qualitätskriterien für die Perlen aufgeklärt und nach einer Stunde war die interessante Führung vorbei. Wir aßen dort zu Mittag, ich einen asiatischen Nudelsalat mit Pearl Meat, also Muschelfleisch. Dazu wird von der geöffneten Perlmuschel alles überflüssiges Gewebe entfernt und übrig bleibt der Schließ-Muskel, ähnlich wie bei der Jacobsmuschel. Es hat sehr gut geschmeckt, wobei der Eigengeschmack des Muschelfleisches im asiatischen Dressing unterging.

Danach wollten wir eigentlich noch bis zum Ende der Halbinsel fahren, den One Arm Point, aber das war gesperrtes Aborigini-Gebiet.

Also drehten wir um und fuhren zurück zu unseren Campingplatz.


Heute geht es zurück nach Broome (Sonnabend, 10.07.2021), bevor wir dann weiter Richtung Südwesten fahren. Die Herausforderung war, einen Campingplatz zu finden, denn alle 6 Campingplätze rund um Broome waren voll ausgebucht. Der Tipp war immer: Am Besten frühzeitig kommen und fragen, in Corona-Zeiten gibt es immer wieder Absagen. Also fuhren wir zügig los, zuerst wieder die 15 Kilometer Gravel Road, dann hieß es wieder Luft aufpumpen.

Hier wurden die Einheimischen wegen Corona gewarnt, ob sie wirklich ihr Dorf verlassen wollen.

und dann ging es weiter in Richtung Broome. Gegen 10:30 Uhr hatten wir die rund 120 km geschafft und hielten gleich beim ersten Campinglatz. Und wir hatten Glück – zumindest ein bisschen. Wir bekamen noch einen Platz ohne Strom. Besser als gar nichts und es ist ja nur für eine Nacht….

Wir konnten aber erst ab 12 Uhr einchecken, also fuhren wir in das Zentrum von Broome und gingen nochmal einkaufen, denn die nächsten Etappen führen an keinen größeren Orten mit Supermärkten mehr vorbei. Beim Einkaufen hatten wir noch Glück, denn nur ein paar Minuten später gab es einen Feueralarm und das gesamte Einkaufszentrum wurde geräumt. Offensichtlich war es ein Fehlalarm, denn eine halbe Stunde später sahen wir die Feuerwehr in aller Ruhe wieder abrücken.

Die Warteschlange vor dem Campingplatz…

Pünktlich um 12 standen wir am Eingangstor des Campingplatzes und durften uns in die lange Schlange der Wartenden einreihen. Es ging aber relativ schnell und wir bekamen einen Campingplatz zugewiesen.

Wir machten uns etwas zum Mittagessen und beschlossen dann zu einem der beiden am heutigen Tag stattfindenden Ereignisse zu fahren: einem Pferderennen. Das zweite wäre eine Motocross-Veranstaltung gewesen. Wir hatten Mühe einen Parkplatz am Rennplatz zu finden, aber wir fanden dann doch noch einen etwas weiter weg. Nach der Bezahlung eines Obolus durften wir auf den Platz.

Auffallend waren die vielen aufgestylten Frauen und Mädchen, bei den Männern hielt es sich in Grenzen.

Ein winziger Hauch von Ascot wehte über den Platz. Wir sahen uns um und beobachteten dann zwei der Rennen. Insgesamt war es für uns sehr interessant, denn es war der erste Besuch eines Pferderennens in unserem Leben.

Danach fuhren wir zurück auf unseren Campingplatz.

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