In der Warteschleife …

Das sind die beiden Briefe der Australian Federal Police (AFP), auf die wir fast zwei Wochen gewartet haben.


Heute wollen wir von Yardie Homestead über Exmouth nach Coral Bay (Sonnabend, 28.08.2021). In Exmouth wollten wir noch einige Dinge erledigen: wir müssen unsere Gasflasche wieder füllen lassen, wir wollen einkaufen gehen, wir müssen tanken und vor allem müssen wir noch einmal auf unseren “alten” Campingplatz, um dort nach den Briefen mit den polizeilichen Führungszeugnissen zu fragen. Darauf warten wir jetzt schon über eine Woche…

Die Fahrt nach Exmouth war kurz und wir steuerten zuerst die Tankstelle an. Vollgetankt fuhren wir zum Einkaufszentrum und dann gab es wieder eine Überraschung: Stromausfall! Fast alle Läden hatten geschlossen. Keiner wusste so richtig, wann der Strom wiederkommen soll. Also fuhren wir zum Campingplatz, um nach den Briefen zu fragen, leider erfolglos. Damit war klar, dass wir uns nicht so weit von Exmouth entfernen können, da wir dann (hoffentlich) nächste Woche noch einmal hierher müssen. Die Briefe hinter uns her zu schicken, wäre nach unseren Erfahrungen mit der australischen Post nicht so prickelnd. In der Zwischenzeit gab es auch wieder Strom und wir konnten einkaufen. Als letztes haben wir noch die Gasflasche füllen lassen und dann ging es in Richtung Süden.

Am Potshot-Denkmal machten wir eine kurze Sightseeing-Pause. Das Denkmal erinnert an die “Operation Potshot”, in der hier während des 2. Weltkrieges 1942 eine Basis für amerikanische U-Boote errichtet worden ist.

Obwohl die U-Boot-Tender nur sehr kurze Zeit in der Gegend blieben, wurde die Basis weiterhin als Tankstelle betrieben. Das Personal der australischen Armee, der Marine und der Luftwaffe bediente Frühwarnradar, Funkstationen, Flugabwehrgeschütze und stellte U-Boote als Jagdschutz zur Verfügung. 1945 wurde die Basis von einem Zyklon zerstört und die Truppen verließen die Basis.
Das Denkmal erinnerte aber auch an die Operation Jaywick bzw. Krait, die hier als geheime Kommandooperation startete und zum Ziel hatte, im Hafen von Singapur japanische Schiffe zu versenken. Die Operation gelang, es wurden 7 Schiffe der Japaner zerstört bzw. versenkt. Krait war das Schiff, mit dem das Kommandounternehmen durchgeführt wurde.

Den Rest der Strecke fuhren wir durch. Wir checkten auf unserem unpowered Platz in Coral Bay ein und gingen dann durch das winzige Örtchen spazieren. Es scheint nur aus den beiden großen Campingplätzen zu bestehen, für die man eine kleine touristische Infrastruktur drum herum gebaut hatte: ein kleines Einkaufszentrum, Restaurants und Cafés und jede Menge Touren-Anbieter für Schnorcheln, Kayak-Fahren, Quad-Touren oder mit einem Glasboden-Boot fahren.

Am Strand gab es auf einer Düne einen Aussichtspunkt, von man einen schönen Überblick über diesen Strandabschnitt von Coral Bay und den Ort hatte.

Aussichtspunkt auf der Düne
Blick auf die Bucht von Coral Bay

Wir schlenderten langsam zum Campingplatz zurück, denn wir wollten noch ein Videotelefonat via Zoom mit Freunden in Deutschland machen. Es war die erste Videokonferenz, die wir via Zoom gemacht haben und sie klappte qualitätsmäßig sehr gut. Fast 1,5 Stunden haben wir miteinander geschwatzt. Danach wurde es schon dunkel und wir mussten feststellen, dass unser Standplatz sehr gut gegen die Sonne geschützt war, leider half uns das mit unserer Solaranlage nicht weiter. Also konnten wir nur noch ein paar dringende Dinge erledigen, dann mussten wir die Rechner erst mal runter fahren. Den kühlen Abend verbrachten wir im Camper.


Den heutigen Tag verbrachten wir in Coral Bay (Sonntag, 29.08.2021). Am Vormittag habe ich den letzten Blog-Beitrag fertig geschrieben bzw. die drei Filmchen für den Beitrag aufbereitet und für den Blog-Beitrag bereitgestellt. Moni ging in der Zwischenzeit einkaufen und holte uns auch ein fertig gebratenes Hühnchen für das Mittagessen.

Camper-Stilleben.

Am Nachmittag gingen wir zum Strand und suchten uns anhand der Beschreibungen den besten Schnorchelplatz.

Wir fanden ihn auch, aber diesmal hat das Wetter nicht so richtig mitgespielt. Es blies eine böiger Wind und dadurch gab es ziemlich hohe Wellen, die teilweise in den Schnorchel schwappten. Außerdem gab es eine ziemlich starke Strömung, die es schwer machte, mal kurz an einer Stelle zu schweben, um etwas genauer zu betrachten oder zu filmen. Schon nach 10 Minuten beendeten wir das Schnorcheln und gingen zurück zum normalen Strand. Dort gab es etwas weniger Wellen und Strömung, aber ich sonnte mich nur noch ein bisschen.

Völlig erschöpft vom Nichts-Tun…

Morgen fahren wir leider wieder zurück nach Exmouth, denn hier haben wir keinen Zeltplatz bekommen und wir warten ja immer noch auf die Briefe von der Australischen Bundespolizei mit den Führungszeugnissen, die nach Exmouth geschickt werden sollten.

Abendstimmung in Coral Bay

Der Weg nach Exmouth war relativ kurz, so hatten wir morgens genug Zeit und mussten uns nicht beeilen (Montag, 30.08.2021). Letztlich müssen wir solange in der Gegend von Exmouth bleiben, bis wir die Briefe mit den australischen Führungszeugnissen bekommen haben. Ich hatte die Bundespolizei nochmals angeschrieben, ob sie mir eine „tracking number“ der australischen Post senden können und ob sie mir vorab schon mal eine elektronische Kopie per E-Mail übersenden können. Ich bekam auch eine Antwort: beides wurde aus Sicherheitsgründen verneint. Die Begründung für die E-Mail war, dass das Führungszeugnis auf speziellem Sicherheitspapier ausgedruckt würde und das ginge bei einem Scan verloren. Ich muss aber sowieso das Dokument einscannen und an die Visa-Abteilung des „Department for Home Affairs“ in Shanghai per E-Mail schicken. Die wiederum hatten abgelehnt, das Führungszeugnis als Papier empfangen zu wollen. Toll!

Wir checkten auf dem Campingplatz ein, gingen schnell noch etwas einkaufen und machten uns ein Mittagessen. Da wir mindestens zwei Tage hier sind, hatte ich mir überlegt, die gerade fällige Inspektion für Rangie hier machen zu lassen. Dann hätte man wenigstens die Zeit sinnvoll genutzt. Also klapperten wir nach dem Mittagessen die drei in Exmouth vorhandenen Werkstätten ab.

Ohne Erfolg, alle waren mindestens die nächsten 4 bis 5 Wochen ausgebucht. Schade, jetzt muss ich versuchen schon mal im nächsten größeren Ort zu schauen, ob es dort in den nächsten Wochen einen Termin gibt.

Zum Schluss liefen wir noch an dem Campingplatz vorbei, wo unsere Briefe ankommen sollen, aber ebenfalls Fehlanzeige…

Und wieder umsonst.

Zurück auf dem Campingplatz ging Moni in den Pool und ich bearbeitete unsere Steuerklärung von 2019 weiter, die bis jetzt liegen geblieben war. Am Abend konnte ich sie dann elektronisch absenden. Ansonsten versuchten wir, die Zeit irgendwie sinnvoll zu nutzen. Morgen geht das Warten weiter.


Heute stand nichts auf dem Programm (Dienstag, 31.08.2021). Wir fuhren am Vormittag einkaufen und ich kochte dann etwas zum Mittagessen. Um den Tag nicht ganz zu „vergammeln“ wollten wir am Nachmittag probieren, die Offroad-Strecke in die Shothole-Schlucht zu fahren. Sie war als reine 4×4-Strecke ausgewiesen. Wir mussten etwa 15 km nach Süden fahren, dann zweigte die Straße in den Nationalpark ab. Die ersten Kilometer gingen einigermaßen zu fahren, dann kamen 3…4 Flussdurchfahrten – ohne Wasser aber mit viel Geröll.

Nach der Hälfte der Strecke kamen aber dann extrem tiefe Querrinnen, wo ich mit Rangie nicht mehr weiter fahren wollte. Schade.

Das Bild täuscht etwas über die Tiefe hinweg.

Wir kehrten um und fuhren auf dem Campingplatz zurück. Auch heute fragten wir nach Post, aber es war wieder nichts. Nach Aussage der Frau an der Rezeption sind zwei Wochen für inneraustralische Briefe keine Seltenheit. Hoffentlich kommen die Briefe eher, es nervt langsam.


Der heutige „Höhepunkt“ war, dass wir unseren Camper umsetzen mussten (Mittwoch, 01.09.2021). Wir wollten/mussten noch einen weiteren Tag hier bleiben, aber konnten den gleichen Stellplatz nicht verlängern. Das hieß bis 10 Uhr auschecken und dann wieder neu einchecken. Leider war heute auch das Wetter nicht so schön wie die letzten Tage. Es war stark bewölkt, es weht ein heftiger Wind und es war ziemlich kühl. Also kein Wetter zum schnorcheln oder baden. Also fuhren wir einkaufen.
Neben dem Kauf der Lebensmittel gingen wir auch in einen Auto-Ersatzteilladen. Ich hatte gestern festgestellt, dass die beiden Steckdosen im Fahrerhaus (Zigarettenanzünder) auch bei ausgeschalteter Zündung ständig Strom führten. Bisher hatte ich angenommen, dass sie wie das Radio nach einer bestimmten Zeit stromlos geschalten werden. Ich hatte aber in beiden Steckdosen USB-Adapter stecken, wo ich das Smartphone, das GPS-Gerät und auch den MP3-Player angeschlossen habe. Vielleicht ist auch das eine Quelle der Batterieentladung? Auf jeden Fall kaufte ich mir einen schaltbaren Adapter für die Zigarettenanzünder und schaltete dahinter zwei neue Steckdosen, so dass alles mit einem Schalter ausgeschaltet werden kann.

Die Konstruktion musste neu zusammengelötet werden.

Ansonsten versuchten wir die Zeit totzuschlagen, denn die Briefe kamen auch heute nicht an. Für morgen habe ich nur noch einen unpowered Platz in der Bullara Station buchen können, in Exmouth war alles belegt. Dafür konnte ich im Anschluss wieder für drei Tage (bis Montag) hier einen Stellplatz buchen. Ganz langsam scheint die absolute Hoch-Saison hier vorbei zu gehen.


Heute morgen packten wir bei dem gleichen trüben Wetter wie gestern unsere Sachen und fuhren in Richtung Bullara Station (Donnerstag, 02.09.2021). Schon um 10 Uhr waren wir da, konnten aber erst um 11 Uhr einchecken.

Mit einem Cappuccino überbrückten wir die Zeit. Dann mussten wir nochmals eine ½ Stunde warten, ehe wir an der Rezeption dran waren und erst kurz vor 12 Uhr waren wir auf unserem Stellplatz.

Die Bullara-Station warb mit selbst geschlachtetem Fleisch und daher hatten wir uns an der Rezeption zwei vakuumierte „BBQ-Steaks“ mitgenommen, die wir in der Pfanne braten wollten. Als ich die Beutel aufgemacht habe, waren jeweils zwei dünn(st)e Fleischscheiben drin, jeweils 4…5 mm dick. Eigentlich ideale Rouladen. Wie soll ich die jemals vernünftig kurzbraten? Es half nichts, ich versuchte, sie nicht zu sehr durchzubraten, aber es war schwierig und es hat auch nicht besonders geschmeckt. Die Australier haben manchmal einen sehr speziellen Geschmack.

Ansonsten versuchten wir den Tag wieder einmal herum zu bringen. Es wehte ein sehr heftiger Wind, der ab und zu große Staubwolken mit rotem Staub über den Campingplatz wehte. Ziemlich unangenehm. Moni ging noch spazieren. Sie fand den “Beer Bottle Walk”, den wir beim letzten Mal nicht gefunden hatten.

Am Beer Bottle Trail
Am Ende des Weges befand sich der Sunset Point

Ich arbeitete ein bisschen am Laptop. Am Nachmittag kam noch die Nachricht, dass unser Brief an das Bundesamt für Justiz für unsere deutschen Führungszeugnisse in Bonn angekommen ist. Also braucht ein Brief von Australien nach Deutschland weniger Zeit als eine inneraustralische Sendung?! Unglaublich.

Rings um das Camp gab es viele Vögel.

Es war morgens ziemlich kalt, der Wind wehte immer noch heftig und der Himmel war bewölkt. Aber wir wollten ja sowieso „nur“ zurück nach Exmouth (Freitag, 03.09.2021). Nach dem Frühstück waren die Sachen schnell gepackt und wir rollten zurück nach Exmouth – hoffentlich das letzte Mal! Wie üblich gingen wir zuerst einkaufen und checkten dann auf dem Campingplatz ein, wo wir gleich für drei Nächte gebucht hatten, also bis nächsten Montag. Wir bekamen einen Platz in einer Ecke, die wir noch nicht kannten und bauten die Markise und die Seitenwand auf. Sie sollte uns vor dem immer noch heftigen Wind schützen. Das gelang auch einigermaßen.

Auch hier täuscht das Foto: es wehte ein kalter Wind und nur in der Sonne war es ein bisschen wärmer.

Am Nachmittag wollten wir eine Runde durch Exmouth drehen, aber als erstes natürlich wieder mal nach der Post fragen. Und siehe da, nach längerem suchen fand die junge Angestellte tatsächlich die beiden Briefe. Gegen Vorzeigen unserer Ausweise konnten wir sie endlich in Empfang nehmen!!! Nach fast zwei Wochen!

Wir sahen uns die Briefe erst einmal an, dann gingen wir nochmal in die Rezeption zurück und ließen die Führungszeugnisse gleich einscannen.

Zur Feier des Tages gingen wir gleich in die Froth-Craftbeer-Brauerei und tranken erst einmal einen großen Schluck auf das Ergebnis. Endlich können wir weiter planen!

Für mich gab es ein IPA, Für Moni ein “coco loco” Porter.

Nun überlegten wir, ob wir nur noch eine Nacht hier bleiben oder ob wir tatsächlich alle drei Nächte nutzen wollen. Der Platz ist ja bezahlt und bei vorzeitiger Abreise gibt es kein Geld zurück. Wir einigten uns darauf, zwei Nächte zu bleiben. Dann können wir morgen mit Rangie wieder einmal in eine Autowäsche fahren und ihn vom Staub und Dreck der letzten Wochen befreien. Diesmal verbrachten wir den Abend ziemlich relaxt am und im Camper.


Zuerst stellte ich heute Morgen unsere australischen Führungszeugnisse auf unserem “ImmiAccount” ein (Sonnabend, 04.09.2021). Gestern Abend hatte ich noch im Internet gesucht, ob es sich lohnt doch gleich noch ein Führungszeugnis aus Neuseeland zu beantragen, auch wenn wir dort keine 12 Monate gewesen sind (es fehlen 10 Tage). Wenn die Beschreibungen richtig sind, kann man das neuseeländische Führungszeugnis online beantragen und bekommt das Ergebnis nach ca. 3…4 Tage auch online via E-Mail zugesandt – also keine Papier-Post dazwischen. Ich druckte mir in der Bibliothek in Exmouth die dazu notwendigen Formulare aus, wir unterschreiben sie und konnten sie dort auch gleich wieder einscannen.

In der Bibliothek von Exmouth

Zurück am Campingplatz schickte ich dann die beiden Anträge für mich und Moni auf die Reise. Aber zuvor hielten wir an der gerade erst eröffneten Autowäsche und versuchten Rangie wieder zum Glänzen zu bringen.

Nach einer halben Stunde hatten wir es geschafft und fuhren zurück auf den Campingplatz. Den Nachmittag haben wir einfach so verbracht, Moni war noch einmal am (eiskalten) Swimmingpool und ich schrieb wieder einmal Blog. Morgen geht es endlich weiter!


Einschub:

Hier noch ein interessanter Link zur aktuellen Situation in Australien (leider in englisch). Letztlich geht es darum, dass jeder Bundesstaat mit zunehmender Schärfe seine Linie als die allein richtige verkaufen will und die Staaten und Territorien weiter auseinander driften.

Hier eine automatisierte Übersetzung von Google:

„Völlig idiotisch“: Australien ist bitter gespalten – Joe Hildebrand

Hardliner-Fanatiker erschaffen zwei sehr unterschiedliche Australiens – das Pure und das Verunreinigte, das Reine und Unreine, schreibt Joe Hildebrand.

MEINUNG

Willkommen bei den beiden Australien.

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert bröckelt die Föderation. Wir sind kein einziges Land mehr, sondern wieder ein Haufen verbitterter und zankender Staaten. Wir sind zurück in den Tagen des Kampfes um die richtige Breite der Bahngleise.

Das klingt sowohl empörend als auch absurd – und ist es auch. Das Problem ist, dass es im Moment auch buchstäblich der Zustand der Nation ist.

Wir haben eine Situation, in der die beiden geografisch größten Staaten, Queensland und West Australia den Plan für die nationale Einheit, zu dem sie sich vor wenigen Wochen selbst verpflichtet haben, offen ablehnen. Die Hälfte des australischen Festlandes hat effektiv erklärt, dass es nicht mehr Teil einer einzigen Nation sein möchte.

Und jetzt hat unser Gründungs- und bevölkerungsreichster Bundesstaat NSW erklärt, dass er seine Grenzen für den Rest der Welt öffnen wird, während die Einsiedlerstaaten erklären, dass sie ihre Grenzen nicht einmal für den Rest des Landes öffnen werden.

Kurz gesagt, wir haben ein Szenario, in dem ausländische Staatsbürger von Singapur nach Sydney fliegen können, aber australische Staatsbürger nicht von Ballina nach Brisbane fahren können.

Seit der Berliner Luftbrücke, bei der internationale Flugzeuge in den freien Westen der Stadt flogen, während Inlandszüge vom kommunistischen Osten blockiert wurden, gab es keinen so idiotischen Zustand mehr.

Wieso den? Weil wir zwei Australier sind. Verdammt, vielleicht mehr.

Wir haben es zunächst geschafft, die Ausbreitung von Covid-19 durch geografisches Glück zu stoppen. Wir waren ein Inselstaat, der seine Grenzen geschlossen hat, und darin sind wir versiert.

Aber bald darauf wurden wir zu einer losen Koalition von Staaten und Territorien, die sowohl ihre eigenen Grenzen als auch sich selbst schlossen und alles taten, was ihren Führern politisch sinnvoll erschien.

Für die abgelegeneren dünn besiedelten Staaten war dies wohl eine vernünftige Option, aber für Australiens einzige zwei wirklich internationale Metropolen war die Geschichte katastrophal anders.

Melbourne versuchte, das Virus zu eliminieren und scheiterte. Immer wieder und immer wieder und immer wieder.

Tatsächlich war die eifrige Hingabe der Lockdown-Brigade so groß, dass ein selbsternannter Gesundheitsexperte mir – ohne erkennbare Spur von Ironie – erklärte, dass Lockdown 6 nur deshalb nicht funktionierte, weil Lockdown 5 nicht lang und hart genug war .

Es ist schwer, einer solchen Logik zu folgen, ohne eine Migräne auszulösen, es genügt zu sagen, dass Covid anscheinend nur deshalb bei uns ist, weil nicht genug Menschen in ihren Kellerwänden zugemauert wurden.

Zu seiner Ehre räumte der viktorianische Premier Dan Andrews diese Woche ein, dass seine kurze und scharfe/harte und schnelle Sperrstrategie keine Chance hatte, die Delta-Variante einzuschränken. Es mag hart und schnell gewesen sein, aber kurz und scharf war es sicherlich nicht.

Diese Tatsache war natürlich schon in NSW bekannt, wo selbst unser einst unschlagbares Contact-Tracing-System von der Delta-Variante geschlagen wurde, und in Neuseeland, das eine noch härtere und schnellere Lockdown-Strategie verfolgte als Victoria und trotzdem überrannt wurde.

Aber leider schien Andrews’ Armee von Online-Apparatschiks das Memo nicht zu bekommen. Stattdessen fingen sie an, die Viktorianer selbst anzugreifen, weil sie nicht gehorsam genug waren.

Ein besonders berüchtigter Account, der angeblich der Andrews-Regierung nahe steht, gab sogar diese außergewöhnliche Erklärung auf Twitter ab: „Das untermauernde Thema in Victoria ist Nichteinhaltung. Menschen, die gegen uns arbeiten, indem sie die Regeln nicht befolgen oder deren Nichteinhaltung fördern. Ich habe diese Leute als Verräter bezeichnet und bereue es absolut nicht.“

Dies ist die Art von Linie, die Joe Stalin selbst auf die Rückseite eines Bierdeckels gezeichnet haben könnte. Ein anderer Kommentator bezeichnete dieselben Leute als „kranke Kerle“.

Das Problem ist, dass, wenn man sich die Gebiete ansieht, in denen sich das Virus am weitesten verbreitet und in denen die Nichteinhaltung auftritt, diese Menschen überwiegend in kämpfenden Gemeinschaften, Migrantengemeinschaften, unteren sozioökonomischen Gemeinschaften und – unnötig zu erwähnen – Wähler der Labour Party sind.

Wenn Sie jemals weitere Beweise dafür brauchten, dass die neue puritanische Linke arme Menschen aktiv hasst, brauchen Sie nicht weiter zu suchen als diesen Tweet.

Wieder einmal erschaffen diese Hardliner-Fanatiker zwei Australiens: das Pure und das Verunreinigte, das Reine und Unreine. Es grenzt an die Sprache des Völkermords.

Vergleichen Sie dies mit dem Ansatz von NSW Labour Leader Chris Minns, dessen Reaktion auf die gleiche Art von Gemeinden im Südwesten und Westsydney darin bestand, sicherzustellen, dass alle lokalen Labour-Abgeordneten ihre Wähler erreichen und sicherstellen, dass sie sich impfen lassen.

Wenn es jedoch darum geht, die Regeln auf Makroebene zu brechen, ist das anscheinend kein Problem.

Queensland und WA lehnen nun offen genau die Regeln ab, denen sie selbst zugestimmt haben, halten Millionen von Leben und ihren Lebensunterhalt als Lösegeld fest und führen gleichzeitig völlig unbegründete Angstkampagnen über die Auswirkungen von Covid-19 auf Kinder durch.

Wieder einmal ist der Extremismus und die Gewalt der Sprache beschämend und abschreckend zugleich. Und das sollen die empfindlich-toleranten sein.

Willkommen also bei den beiden Australiern – der eine hart und humorlos, der andere fröhlich und menschlich.

Ich weiß, in welchem ich lieber leben würde.

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