Kalbarri National Park und Geraldton

Die Nacht auf dem Campingplatz des Billabong Homestead Hotel Motels war relativ ruhig, aber am zeitigen Morgen wurde es lauter (Sonntag, 19.09.2021). Nebenan waren Arbeiter untergebracht, die offensichtlich sehr früh aufbrechen mussten. Und neben uns campierte eine 5-köpfige Familie, deren Kinder schon halb sechs heftig Lärm machten und versuchten, sich in der Lautstärke des Schreiens zu übertreffen.

Ich hatte gestern Abend versucht, in Kalbarri auf einem der vier Campingplätze einen Stellplatz zu buchen, aber es war mir nicht gelungen. Entweder es war ausgebucht oder man konnte nichts buchen. Also wollten wir heute zuerst zügig bis nach Kalbarri fahren und dann vor Ort fragen. Die Fahrt war etwa 200 km lang. Wir kamen gut vorwärts und machten nur einmal eine Pause, auch um die schöne Landschaft zu bewundern. Es blühte überall.

Gegen 11 Uhr kamen wir in Kalbarri an.

Beim ersten Campingplatz gab es schon mal keinen freien Standplatz mehr. Also fuhren wir zum nächsten und hatten diesmal Glück. Wir bekamen für zwei Nächte einen relativ kleinen Stellplatz, der offensichtlich für die großen Camper und Caravans nicht geeignet ist.

Ein kleiner Stellplatz direkt an der Strandpromenade

Am Nachmittag unternahmen wir einen Spaziergang durch den Ort, der an der Mündung des Murchison-Rivers liegt. Gleich neben dem Campingplatz war die Touristeninformation, die aber leider am Sonntag geschlossen hatte. Ansonsten ist das Örtchen offensichtlich sehr touristisch geprägt.

Ferienanlage in Kalbarri
Mündung der Murchison Rivers (rechts) in den Indischen Ozean.

Uns fielen aber die vielen Baustelle und einige leerstehende Häuser auf. Eine kurze Recherche ergab, dass hier im April diesen Jahres der Zyklon Seroja große Zerstörungen hinterlassen hat. 70% aller Gebäude sollen in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Vom Zyklon zerstörtes Haus
Kalbarri ist bekannt für seine Hummer. Leider waren die Rock Lobster Touren für die nächsten Tage bereist ausverkauft.

Nach dem Stadtrundgang kehrten wir zum Camper zurück. Ich musste noch Blog schreiben und Moni hatte auch genügend zu tun.

Abendstimmung in Kalbarri

Heute stand der Besuch im Kalbarri National Park an (Montag, 20.09.2021). Kern des Nationalpars ist der Murchison River, der in Kalbarri in das Meer mündet. Unser erstes Ziel waren die zwei Aussichtspunkte, an denen wir gestern vorbei gefahren sind, da wir uns zuerst um unseren Stellplatz kümmern mussten. Deshalb sind wir erst ca. 30 km zurückgefahren. Wir nahmen uns dazu viel Zeit und bewunderten die Landschaft. Überall blühte es, man kam gar nicht nach, die verschiedenen Sträucher, Bäume oder Gräser zu bestaunen. Das waren wirklich „blühende Landschaften“…

Am Eingang des Nationalparkes mussten wir wieder Eintritt bezahlen. Für Senioren waren das aber nur 8 $AUD. Danach fuhren wir zum Ross Graham Lookout.

Blick vom Ross Graham Lookout in das Tal des Murchison Rivers.

Nicht weit davon entfernt befindet sich der Hawks Head Lookout, der seinen Namen nach einem Felsen bekam, der einen Falkenkopf ähnlich sieht.

Nun ging es zur neuesten Attraktion des Kalbarri Nationalparks, dem Skywalk. Dazu mussten wir aber erst einmal fast 50 km fahren. Der Skywalk wurde erst 2020 eröffnet und ist natürlich gut für Autofahrer erschlossen. Das merkte man auch an den vielen Besuchern.

Der eigentliche Skywalk besteht aus zwei V-förmigen Bögen, die weit über das Tal des Murchison Rivers ragen. Sehr interessant.

Eine der beiden V-förmigen-Aussichtsplattformen.
Blick ins Tal

Hier wieder ein Panorama-Foto:

Nicht weit davon entfernt befindet sich das Nature’s Window, ein kleiner Felsen mit einem großen Loch, durch das man einen schönen Blick auf das Flusstal der Murchison Rivers hat. Natürlich war der Felsen ständig umlagert.

Nature’s window

Von da aus gab es einen 8 km langen Rundweg, entlang der Schleife des Murchison, der hier fast eine 360° Kurve dreht. Wir hatten unsere Wandersachen gepackt, also Rücksäcke, Stöcke und genügend zu trinken und liefen los. Das Wetter war schön, fast zu schön, denn der Wind lies nach und es wurde heiß. Das Thermometer stieg auf über 30°C. Zuerst ging es immer entlang der Abbruchkante zum Flusstal.

Warnung vor den Gefahren des Weges, insbesondere der Hitze.

Nach 3 km senkte sich der Weg in Richtung Talboden und wir erreichten das sandige Flussufer. Dort gab es noch ein Warnschild, dass der weitere Weg schwieriger und die Hitze noch größer werden würde. Nach einer kurzen Rast liefen wir trotzdem weiter und mussten dann doch stoppen.

Der Weg endete und setzte sich als Kletterweg über dem Wasser fort.

Hier kehrten wir um.

Ich hatte keine Lust, diese Kletterpartie zu machen, also kehrten wir um. Zuerst ging es natürlich zurück hinauf auf die Felskante und dann weiter in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Nach drei Stunden waren wir ziemlich fertig und wieder am Camper. Es waren zwar nur reichlich 8 km Wegstrecke, die hatten es aber in sich.

Als Letztes noch ein Erinnerungsfoto am Nature’s Window

Ziemlich geschafft fuhren wir zurück zum Zeltplatz. Diesmal blieb es aber auch abends warm und wir konnten noch ziemlich lange draußen sitzen.


Heute sollte es in den südlicheren Teil des Kalbarri Nationalparkes gehen, der sich an der Küste befindet. An der schroffen Felsenküste gibt es eine ganze Reihe von Ausblicken, die wir uns anschauen wollten (Dienstag, 21.09.2021).

Diesmal konnten wir sogar mal wieder draußen frühstücken. Dann fuhren wir los. Der betreffende Küstenabschnitt beginnt etwa 5 km hinter Kalbarri und verläuft ca. 20 km nach Süden. Den ersten Stopp machten wir am Red Bluff Lookout, mit etwa 100 m Höhe, der höchste im Nationalpark. Je näher wir dem eigentlichen Lookout kamen, desto stärker blies der Wind. Die Aussicht war schön, aber der Wind erreichte (gefühlte) Orkanstärke, so dass wir schnell wieder zum Auto liefen.

Man musste sich gegen den Wind stemmen, sonst hatte man das Gefühl, man wird gleich vom Weg gepustet.

Nach einem kurzen Halt am Mushroom Rock, der wenig spektakulär war, hielten wir an der Eagle Gorge. Auch hier gab es schöne Aussichten.

Schließlich fuhren wir noch ein paar Kilometer zum letzten Highlight des Parks. Wir hielten am Island Rock, von dem ein Balkenweg 600 m bis zur Natural Bridge führt.

Island Rock

Der Boardwalk war sehr schön angelegt und führte teilweise sehr dicht an den Klippen vorbei.

Die Natural Bridge war ein Felsen in der Form einer Brücke, ähnlich wie wir sie bei unserem ersten Urlaub in Australien an der Great Ocean Road bei den 12 Aposteln gesehen hatten.

Die Nature’s Bridge.

Alles in Allem war es ein sehr interessanter Ausflug. Bis zum Ziel des heutigen Tages war es dann nicht mehr weit, etwa 60 km. Kurz vor Port Gregory fuhren wir am Pink Lake vorbei.

Die Lagune bekommt ihre Färbung von der Alge Dunaliella salina, die Beta-Carotine erzeugt. Die Firma BASF hat in der Lagune ein eigenes kleines See-System, wo sie natürliches Beta-Carotin erntet, das vor allem zum Färben von Speisen genutzt wird, aber auch eine wichtige Quelle für Vitamin A ist.

Nachdem wir ein paar Fotos geschossen und Videos gemacht hatten, fuhren wir zum Campingplatz in Port Gregory.

Es war wieder richtig heiß geworden, etwa 32…33°C. Umso erstaunlicher ist es immer wieder, dass die Temperatur nach Sonnenuntergang sehr schnell auf unter 20°C absinken. Am Nachmittag unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang, aber das winzige Dorf war schnell erkundet.

Der Port Gregory General Store
Die kleine Jetty von Port Gregory

Am Nachmittag saßen wir noch länger vor unserem Camper unter der Markise und genossen die Stille, bis neben uns zwei Familien mit jeweils 3 Kindern einrollten. Dann war es mit der Ruhe erst mal vorbei. Erst am Abend kehrte Ruhe ein.


Die heutige Etappe nach Geraldton, wo wir morgen den Inspektionstermin für Rangie haben, war ziemlich kurz (Mittwoch, 22.09.2021). Da wir genug Zeit hatten, machten wir etwa auf halber Strecke einen Stopp in Northampton.

Das kleine Städtchen war nett, mit vielen alten Gebäuden an der Hauptstraße. Hier ein paar Eindrücke.

Das Gymnasium
Die Schafe sind das Ergebnis eines Stadtfestes im Jahr 2018 “Ewe turn” (Ewe = weibliches Schaf).

Danach fuhren wir weiter nach Geraldton. Es war zu früh, um direkt auf den Campingplatz zu fahren, also steuerten wir zuerst das Stadtzentrum an. Wir stellten das Auto ab und schlenderten zum Stadtstrand.

Toilettenhäuschen am Stadtstrand

Wir suchten dann das Visitor Centre.

Dort nahmen wir einige Prospekte und Anregungen für die weitere Reise mit.

Jeder Kreisverkehr im Stadtzentrum hatte in der Mitte einen stilisierten Leuchtturm.

Nach einer kurzen Trinkpause in einer Bar suchten wir uns etwas zum Mittagessen. Das war aber nicht ganz so einfach. Viele Restaurant öffnen erst am Abend und andere sahen nicht sehr einladend aus. Aber wir fanden etwas, auch wenn es keine Gourmet-Küche war…

Die Empfehlung des Tages “Lemon Pepper Squid” habe ich genommen. Leider waren es normale panierte, frittierte Tintenfischringe…

Danach fuhren wir schon mal an der Werkstatt vorbei, damit wir morgen den Weg besser finden und danach auf den Campingplatz, der sich etwa 6 km außerhalb des Stadtzentrums befindet.

Er lag direkt am Meer, aber der Strand lud nicht zum Baden ein. Überall lagen verrottende Algen herum, die ziemlich stark rochen. So verbrachten wir den Nachmittag und den Abend am Camper und pflegten unsere Mückenstiche der letzten Tage.


Heute hieß es etwas eher aufzustehen, denn wir wollten pünktlich um 8 Uhr bei Ultratune vor der Tür stehen (Donnerstag, 23.09.2021). Beides haben wir geschafft. Bei Ultratune wurden wir sehr freundlich empfangen. Der Meister erkundigte sich sehr interessiert nach unserer Geschichte und auch nach unserem Motorschaden. Er wollte eine klassische Inspektion machen, wie man sie mit 150…160.000 km nach Handbuch machen muss und veranschlagte dafür 2 Stunden.

Wir liefen hinunter zur modernen Strandpromenade und dann in Richtung Innenstadt.

An einem Café machten wir einen Stopp und wollten einen Cappuccino und einen Espresso trinken.

Der Chef des Cafés erkannte unseren Akzent und stellte sich als gebürtiger Deutscher vor. Er war übrigens in Dresden geboren, ist aber schon vor der Wende mit seinen Eltern nach Hamburg gegangen. Er lebt jetzt seit 14 Jahren mit seiner Frau und zwei Kindern in Australien. Wir haben ziemlich lange geschwatzt und versprachen, zum Mittagessen wieder zu kommen, denn er hatte tatsächlich auch deutsche Bratwurst mit Sauerkraut im Angebot. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Wir spazierten noch eine Weile an der Promenade entlang und kamen an der Donor Awarness Fountain vorbei.

Hier wird all denen aus der Umgebung gedacht, die mit ihren Organspenden geholfen haben, andere Leben zu retten. Es soll die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit von Organ- oder Gewebespenden richten.

Eine sehr interessante Idee und auch deren Umsetzung.

Die Kugel dreht sich im Wasserbett.

Danach gingen wir in weitem Bogen zurück zur Werkstatt. Zwischenzeitlich bekamen wir noch einen Anruf der Werkstatt, die wissen wollten, ob wir den Luftfilter und den Pollenfilter der Klimaanlage auch gewechselt haben wollten. Kurz vor 11 Uhr war das Auto fertig und wir konnten es abholen. Der Meister erklärte uns ausführlich(st) was alles gemacht worden ist und worauf wir bei der nächsten Inspektion achten sollen. Alles in allem hatten wir ein sehr gutes Gefühl.

Wir fuhren zurück zur Promenade und machten einen Stopp an der sehr interessanten Glaskugel „Horizon“. Das Faszinierende an der Kugel war, dass man die Gegenseite 180° verdreht sah, also mit dem Himmel nach unten und zusätzlich seitenverkehrt.

Mir war nicht ganz klar, wie dieser Effekt zustande kommt, aber es war sehr spannend. Die Kugel ist ca. 1,5 m groß und besteht aus 40 mm dicken Acrylglas und ist mit 1800 l Wasser gefüllt.

Moni steht auf der anderen Seite der Kugel.

Danach war auch schon Mittagszeit und wir statteten wie versprochen dem Café einen Besuch ab. Die Bratwurst mit Brötchen, Sauerkraut Zwiebeln und Senf hat sehr gut geschmeckt, nur das Brötchen hatte qualitätsmäßig noch Luft nach oben.

German bratwurst with sauerkraut

Zufrieden stiegen wir in unser Auto und fuhren zum Memorial für den im 2. Weltkrieg gesunkenen Kreuzer HMAS Sydney II. Es war das vierte Denkmal, aber auch das beeindruckendste.

Dieser Teil des Denkmals wurde 2008 hinzugefügt, nachdem das Wrack der HMAS Sydney II gefunden worden ist. Die genauen Koordinaten sind am Boden vermerkt.

Als nächstes statteten wir der St Francis Xavier’s Cathedral einen Besuch ab. Sie war für australische Verhältnisse sehr ungewöhnlich. Sie wurde 1916 begonnen und in 3 Etappen bis 1938 aufgebaut.

Der Baumeister John Hawes war gleichzeitig Priester und Architekt. Sie war erst vor einigen Jahren restauriert worden und strahlte innen und außen im neuen Glanz.

Schließlich fuhren wir zurück zum Campingplatz. Leider war es nicht ganz so warm wie die letzten Tage und der wieder aufgekommene Wind verscheuchte uns später in den Camper.

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