Southern forests

Wir ließen uns heute Morgen wieder Zeit, denn die Etappe nach Pemberton war nicht allzu lang und ich hatte bereits den Campingplatz gebucht (Freitag, 12.11.2021). Der erste Teil der Strecke von Nannup führte uns immer entlang des Blackwood Rivers. Die Strecke war als landschaftlich schön in der Karte vermerkt und sie war es auch. Das Flusstal war nicht allzu breit und führte durch eine hügelige Gegend.

Zwischendurch gab es auch mal Weinfelder.

Die Straße war für australische Verhältnisse untypisch – sehr kurvig und es ging hügelauf- und -ab. Nach 40 km erreichten wir das kleine Städtchen Balingup. Hauptattraktion war das große Arboretum im Golden Valley, das größte in Western Australia. Es bestand aus zwei Teilen: einmal die exotischen Bäume und andererseits die australischen.

Wir machten einen längeren Spaziergang durch den australischen Teil und waren nicht so begeistert. Der Park wirkte ungepflegt und die Beschilderung der Bäume und der Wege ließ zu wünschen übrig oder war beschädigt.

Blüten von Eukalyptus-Bäumen
Früchte von Eukalyptus-Bäumen

Weiter ging es nach Bridgetown. Dort liefen gerade die Vorbereitungen auf ein dreitägiges Bluesfestival auf Hochtouren. Die ersten Sänger hatten sich bereits auf der Hauptstraße ausgebreitet und spielten sich warm.

Schade, dass wir das nicht vorher gewusst haben. Wir spazierten die Hauptstraße einmal auf und ab, Danach unternahmen wir noch einen kleinen Abstecher zu einem Cider-Weingut und gleichzeitig Mikro-Brauerei.

Hier kaufte ich zwei preisgekrönte (teure) Biere: ein Bier mit Kastanien und ein Bier mit Trüffeln. Beides hat gut/interessant geschmeckt.

Die nächste Station war das Städtchen Manjimup, laut Werbung ein Zentrum für Trüffel. Im Stadtbild fanden wir erst einmal nichts und in der Touristeninformation gab es außer ein paar ausgewählten Trüffelprodukten wie Trüffelöl oder Trüffelsalz auch nichts. Aber auf dem weiteren Weg sahen wir ein Hinweisschild zu einer Trüffelfarm.

Wir bogen ab und standen dann am Fuße des „Truffle Hill“. Hier sind seit 1997 12.000 Eichenbäume auf 20 Hektar gepflanzt worden. Am 23. Juli 2003 wurden dann die ersten Trüffel – eine schwarzer Perigord-Trüffel – gefunden. 2008 konnten bereits 600 kg geerntet werden und 2014 waren es dann bereits 5.000 Kg!!! Das bedeutet 250 bis 300 kg/ha.

Blick in den Trüffelwald

Als Referenz für die Güte der Trüffel wird auf der Website übrigens der deutsche Feinschmecker Ralf Bos („Bos Food“) zitiert, der sie besser als die französischen Trüffel einschätzte. Die eigentliche Trüffelsaison dauert von Juni bis August und man kann dann an der Trüffelsuche teilnehmen.

Um diese Jahreszeit ist hier aber  nichts los. Wir sahen uns im Verkaufsraum um und kauften eine Tapenade aus Pilzen mit etwas Trüffel. Tapenade kennen wir sonst nur aus Oliven.

Nunmehr wollten wir bis zum heutigen Tagesziel nach Pemberton weiterfahren. An einem Hinweisschild zum Aussichtspunkt Diamond Tree bogen wir aber noch einmal kurz ab. Der Diamond Tree ist ein riesiger Baum, der als einer von 10 Bäumen in der Region als Feuerbeobachtungsstation in der Mitte des letzten Jahrhunderts genutzt worden ist.

Der Diamond Tree mit der Beobachtungskanzel in luftiger Höhe

Bis 2019 konnte man ihn noch besteigen, dann wurde er im unteren Bereich unsicher und der Baum wurde gesperrt. Es gibt aber noch zwei andere Bäume, die man besteigen kann, später mehr dazu.

Danach war es nur noch ein Katzensprung bis Pemberton. Wir checkten auf dem Campingplatz ein. Für morgen wollten wir noch eine Tour mit der Pemberton Tramway buchen und liefen zum nahe gelegenen Bahnhof.

Dar Bahnhof in Pemberton

Wir bekamen unsere Reservierung für 14 Uhr und verlängerten dann gleich noch den Campingplatz für eine Nacht. Mal sehen, was wir sonst morgen noch so machen können.


Heute wollen wir in Pemberton bleiben (Sonnabend, 13.11.2021). Am Vormittag wollen wir ein paar kleine Touren durch den Karri Forest unternehmen und am Nachmittag haben wir eine Bahnfahrt mit einer historischen Bahn gebucht. Die Karri-Bäume sind eine Eukalyptusart, die nur im Südwesten Australiens vorkommt. Sie werden im Durchschnitt bis 60 m hoch, können aber auch 90 m erreichen. Unser erstes Ziel ist der Glouchester Tree. Er ist einer von den ursprünglich 10 Bäumen, die als Feuerwachturm genutzt wurden. Gestern hatten wir ja schon den Diamond Tree gesehen. Den Glouchester Baum kann man noch besteigen. Dazu sind etwa 50 cm lange Stahl“nägel“ in Schrittweite spiralförmig in den Baum geschlagen. Die Spirale zieht sich bis in eine Höhe von 52 m.

Moni wollte eigentlich hinauf klettern, aber ich konnte sie erfolgreich davon abhalten, ganz nach oben zu klettern. Es gibt keinerlei Sicherungen (!!) und was passiert, wenn sich mehrere Personen nach oben und unten bewegen, ist mir bis heute nicht ganz klar. Außerdem war heute der 13te… Moni stieg nur ein paar Meter hinauf und kam dann mir zuliebe wieder herunter.

Danach drehten wir noch eine ausgeschilderte Runde durch den Karri-Wald mit vielen imposanten Bäumen.

Zweite Station waren die kleinen Kaskaden, die das kleine Flüsschen Lefroy Brook, ein Nebenfluss des Warren Rivers, in die Granitfelsen geformt hat. Auch dort gab es einen schönen kleinen Rundweg.

Die kleinen Kaskaden

Dritte und letzte Station war der größte der erkletterbaren Bäume, der Dave Evans Bicentennial Tree. Dessen Aussichtsplattform liegt in 72 m Höhe.

Moni steigt ein bisschen nach oben.

Auch hier gab es einen schönen Weg durch den Karri-Wald.

Wir fuhren zurück zum Campingplatz und ich bereitete das Hirschfleisch zu. Es waren zwar keine Filets, sondern „nur“ zwei schöne Stücke aus der Unterschale (engl. silverside). Sie schmeckten aber sehr gut, auch wenn sie von der Konsistenz etwas fester als Filets waren. Danach ging es zu Fuß zur Pemberton Tramway.

Die Museumsbahn hatte ursprünglich zwei Linien und fuhr auch weiter als heutzutage. Jetzt fährt sie täglich zweimal bis zu den Kaskaden, die wir ja schon am Vormittag besucht haben.

Hier ging es nicht mehr weiter.

Dort hält sie 20 Minuten und fährt dann zurück. Die Fahrt durch den Wald war nett, auch wenn es keine großen Sehenswürdigkeiten gab.

Wendestelle an den Kaskaden.

Bevor es weiter nach Osten geht, wollen wir heute einen Abstecher nach Süden an die Küste machen (Sonntag, 14.11.2021). Ziel war Windy Harbour im D‘Entrecasteaux National Park. Da wir den Campingplatz nicht vorbuchen konnten, wollten wir auf direktem Weg dorthin fahren und uns einen der wenigen Stellplätze mit Strom sichern. Trotzdem machten wir erst mal in Pemberton (750 Einwohner) noch einen kleinen Stadtspaziergang (also 200 m Hauptstraße rauf und runter) und fuhren dann los.

Das Post Office hatte auch am Sonntag geöffnet.

Die Straße führte durch die Karri-Wälder, die wir bereits gestern gesehen hatten. Neben Karri- sind auch Marri- und Jarrah-Bäumen typisch für diese Wälder. Sehr beeindruckend.

In Northcliffe bogen wir von der Hauptstraße auf die Stichstraße nach Windy Harbour ab. Wider Erwarten war der Zeltplatz fast leer, aber über das Wochenende schien er gut besucht gewesen zu sein. Wir konnten einen Stellplatz mit Strom beziehen und machten zuerst einen kurzen Spaziergang zum Strand.

Diese Känguru-Familie hüpfte auf dem Zeltplatz herum.

Dabei machte Windy Harbour seinen Namen alle Ehre, denn es blies ein sehr heftiger Wind. So liefen wir wieder zurück und machten uns etwas zum Mittagessen. Am Nachmittag nahmen wir dann eine kleine Wanderung zum Windy Harbour Lighthouse in Angriif.

Der Leuchtturm am Point D’Entrecasteuax ist kein klassischer Leuchtturm, sondern ein moderner, sehr unspektakulärer Gitterturm.

Auf dem Weg dahin wurde wir kräftig durchgepustet. Unterhalb des Leuchtturmes gab es wieder ein Nature’s Window, einen ausgehöhlten Felsen mit Blick auf die Klippen.

Nature’s Window
Der Weg zurück

Wir waren dann froh wieder am Camper zu sein, denn so schön die Landschaft auch war, mit diesem Wind hat es nicht unbedingt Spaß gemacht. Wir zogen uns in den Camper zurück.


Der heftige Wind hatte nachts nachgelassen, so dass unser Camper nicht mehr durchgeschaukelt wurde (Montag, 15.11.2021). Die heutige Etappe von Windy Harbour bis nach Walpole war relativ kurz, etwa 130 km. Dazu mussten wir zuerst die Stichstraße zurück nach Northcliffe fahren und dann weiter durch die dichten Wälder der Nationalparks in Richtung Südosten. Am Mount Chudalup machten wir einen kurzen Stopp. Der Mount Chudalup ist ein 187 m hoher Granitfelsen im D’Entrecasteaux-Nationalpark. Der Weg vom Parkplatz zum Felsen war sehr gut ausgebaut.

Später ging es kurze Strecken über den Felsen, was aber bei dem trockenen Wetter kein Problem war. Wir genossen die 360° Sicht, auch wenn die Luft etwas dunstig war.

Auf dem Mount Chudalup
Beim Abstieg entdeckten wir noch diesen Leguan (?).

Dann ging es über Northcliffe weiter durch die hügelige Waldlandschaft. Kurz vor Mittag erreichten wir Walpole und gingen im örtlichen IGA zuerst einkaufen. Danach fuhren wir zum etwas weiter weg gelegenen Zeltplatz und checkten ein.

An der Rezeption wurden wir von einem Kookaburra begrüßt.

Die eigentlichen Highlights wie z.B. den Tree Top Walk haben wir uns für morgen vorgenommen. Heute wollten wir nur einen längeren Spaziergang vom Campingplatz nach Walpole und zurück machen.

Walpole hat mit den Polen nichts zu tun, es wurde nach einem Kapitän benannt. Aber das Schild ist trotzdem schön.

Der Weg war nett und abwechslungsreich.

Die Jetty von Walpole

In Walpole machten wir eine kurze Trinkpause und danach ging es mehr oder weniger auf dem gleichen Weg zurück.


Das Wetter hatte sich über Nacht sehr verschlechtert. Frühmorgens war es wolkenverhangen und es nieselte. Wir wollten aber trotzdem die Punkte „abarbeiten“, die wir uns gestern vorgenommen hatten (Dienstag, 16.11.2021). Unser erstes Ziel war der Tree Top Walk im Valley of the giants. Der „Tree Top Walk“ ist ein Baumwipfelpfad und die „giants“ sind riesige Eukalyptus-Bäume. Allerdings nicht die Karri- oder Marri-Bäume, die wir in den vergangenen Tagen gesehen hatten, sondern die Roten und die Gelben Tingle-Bäume.

Der Baumwipfelpfad wurde 1996 eröffnet. Er ist 600 m lang und an der höchsten Stelle 40 m hoch.

Es ist ein schlanke Stahlkonstruktion, die auf 7 Pylonen steht. Die Pylonen wurden aus Austen-Stahl gefertigt, der rostig wird und daher die Pylonen mit dem Wald verschmelzen lässt. So sollen die Brückenteile optisch in den Wipfeln schweben.

Wir bezahlten je 21 AUD und begannen den Rundgang. Die Brückenteile schwanken leicht und der Boden ist ein Gitterrost, durch den man auf den Boden blicken kann. Nicht für jeden ideal…

Trotz des schlechten Wetters war es sehr sehenswert. Unten angekommen gab es eine Fortsetzung am Boden.

Dort führt der Weg „Ancient Empire“ ebenfalls 600 m an einigen der gigantischen Bäume vorbei. Sehr imposant und beeindruckend (siehe auch Beitragsbild). Die Tingle-Bäume haben keine Pfahlwurzeln, sondern ein flaches Wurzelsystem, dass sich mit dem Alter ausdehnt, den Baum unten breiter werden lässt und damit den Baum stabilisiert.

Wir kamen wieder am Camper an und fuhren zum zweiten Punkt des heutigen Tages. Wir fuhren eine größere Runde durch den Walpole-Nornalup Nationalpark, um uns einen weiteren riesigen Tingle-Baum und den Circular Pool anzusehen. Die Straße dahin war eine Gravel Road, die eigentlich gut befahrbar war, aber dann kamen stellenweise sehr tiefe Löcher, die es in sich hatten.

Ich kurvte soweit möglich drum herum und kurz vor Mittag erreichten wir den Parkplatz am Giant Tingle Tree. Ein kleiner Rundweg führte bis zu diesem Baum.

Der Giant Tingle Tree. Er hat unten einen Umfang von 24 m.
Ein weiterer von vielen imposanten und interessanten Bäumen

Nach einer kleinen Mittagspause machten wir uns auf zum nächsten Stopp, dem Circular Pool. Dies ist ein kleiner See, den der Frankland River in die Granitfelsen geformt hat.

Der See wurde vom Frankland River gespeist, der braunes Wasser mit viel Schaum führte. Auf einer Tafel lasen wir, dass im Wasser gelöste Saponine die Ursache sind.

Wir sahen uns das bei Nieselregen an und fuhren dann nach Walpole zurück. Dort entdeckten wir einen Laden, der mit frischen Flusskrebsen („Marron“) warb. Die Flusskrebse werden hier in der Gegend auf einer kleinen Familienfarm gezüchtet und sind auch nur hier heimisch. Wir nahmen zwei gefrostete kleine Flusskrebse mit.

Am Abend bereiteten wir die kleinen Krebse zu. Sie waren bereits geteilt und fertig ausgenommen, ich musste sie nur noch in die Pfanne geben.


Der heutige Tag ist wieder einmal schnell erzählt (Mittwoch, 17.11.2021). Der Weg führt uns heute nach Denmark, bevor es weiter nach Albany geht. Dort wollen wir Rangie noch einmal in eine Karosseriewerkstatt bringen, um nach einigen Roststellen zu sehen, die bei der Rost-Behandlung im Frühjahr aufgefallen waren und um die wir uns kümmern sollten.

Solche Schilder wie rechts haben wir oft gesehen, meistens vor einer Stadt oder einer Raststätte.

Die Strecke von Walpole nach Denmark beträgt ca. 65 km. Eigentlich wollte ich nicht weiter abbiegen, aber Moni wollte unbedingt die Elephant Rocks und Greens Pool sehen. Beides Granit-Formationen am Strand kurz vor Denmark. Leider war das Wetter immer noch hässlich. Der Himmel war wolkenverhangen, es nieselt ab und zu und es war relativ kalt. Zuerst besuchten wir die Elephant Rocks mit der Elephant Grove. Die Felsformationen waren sehr beeindruckend.

Elephant Rocks
Elephants Grove

Nur ein paar hundert Meter entfernt befindet sich der Greens Pool. Auch hier schöne Felsformationen vor dem eigentlichen Strand, die damit eine Art Pool bildeten, in dem tatsächlich bei diesem Wetter ein Mann schwamm.

Im Sommer ist hier natürlich wesentlich mehr los. Beide Sehenswürdigkeiten waren gut ausgebaut und hatten viele Parkplätze.

Dann war auch schon wieder Mittagszeit und wir beschlossen zu einer kurz hinter Denmark liegenden Craftbeer-Brauerei zu fahren.

In der Boston-Brauerei waren trotz eines normalen Mittwochs viele Gäste, vor allem ältere Leute oder Familien mit Kindern unterwegs. Wir aßen relativ gut und steuerten dann unseren Campingplatz an. Er war sehr klein und lag am Ufer des Denmark Rivers.

Denmark hat übrigens nichts mit dem Staat Dänemark zu tun, sondern ist der Name eines Mannes aus der Historie dieser Ansiedlung. Moni wollte trotz des schlechten Wetters noch eine Runde drehen, ich passte auf den Camper auf 😉.

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