Grampians National Park

Die Grampians sind ein Mittelgebirge und westlichster Teil der Great Dividing Range. Die höchsten Berge sind über 1100 m hoch. Wir wollten uns die Landschaft anschauen und versuchen, ein oder zwei Wanderungen zu machen. Danach soll es zurück an die Küste und weiter auf die Great Ocean Road gehen.

Ich hatte einen Campingplatz vorgebucht, denn es war Ferienzeit und wir mussten relativ lange fahren. Wir wollten heute Morgen auch noch zwei Abstecher von Portland aus machen (Sonntag, 23.01.2022). Der erste Abstecher sollte uns zu einem versteinerten Wald am Cape Bridgewater führen. Das waren nur knapp 20 km. Die Straßen waren bis auf ein paar Fahrradfahrer leer und wir konnten zügig durchfahren.

In Australien noch ziemlich ungewohnt – Windräder.

Wir stellten das Auto ab und liefen zuerst zu einem Blowhole. Es war aber kein großer Wellengang, so dass es nicht besonders spektakulär war.

Gleichzeitig überfielen uns Fliegen und vor allem eine Art Bremsen, die heftige Stiche (bzw. Bisse) hinterließen, wie ich schmerzhaft erfahren musste. Ich rannte fast zurück zum Auto und sprühte mich dann erst mal mit einem Insect Repellent ein. Danach hielten sich die Plagegeister fern und wir konnten uns in Ruhe die Reste eines versteinerten Waldes anschauen. Aber eigentlich war es gar kein Wald, sondern was aussieht wie versteinerte Bäume sind hohle Röhren. Sie entstanden über Millionen Jahre durch Regen, der sich seinen Weg durch den Kalkstein suchte und dabei den Kalkstein auflöste. Die Röhren sind im Durchschnitte 1…3 m hoch, es gibt aber auch einzelne Röhren, die bis 30 m hoch sind.

Der ebenfalls ausgeschilderte Weg zu einem Lookout bei einer Seelöwen-Kolonie war 10 km lang (Hin- und Rückweg). Leider hatten wir nicht so viel Zeit, daher sparten wir uns diesen Weg und fuhren zurück nach Portland zum Point Danger. Dort sollte es eine große Kolonie von Gannets geben – australische Tölpel. Die hatten wir schon auf der Nordinsel in Neuseeland bewundert. Die Fahrt führte zuerst zurück nach Portland, dann direkt durch das große Hafengelände und schließlich entlang einer riesigen Aluminium-Fabrik. Dazwischen standen riesige Windräder. Alles nicht so romantisch. Dazu passte dann, dass die Vogelkolonie abgesperrt war. Man hatte wegen der Schädlinge einen Zaun um die Kolonie gezogen und der war verschlossen. Nirgendwo ein Hinweis, ob und wann das Tor geöffnet wird.

Enttäuscht setzten wir uns ins Auto und fuhren endgültig in Richtung Grampians. In der kleinen Stadt Hamilton machten wir eine Pause, gingen einkaufen und kochten uns etwas Schnelles zum Mittagessen.

In der Ferne tauchen die ersten Berge der Grampians auf.

In Dunkeld bog dann eine asphaltierte Straße ab, die mitten durch den Grampians Nationalpark führt.

Die Landschaft war sehr schön, links und rechts die Bergkämme des Gebirges und im Tal das üppige Grün der Eukalyptusbäume und grüner Sträucher.

Die Strecke war knapp 60 km lang. Wir fuhren zuerst den Campingplatz an, der außerhalb des Ortes Halls Gap lag und checkten zuerst ein. Danach fuhren wir mit dem Auto in das Zentrum von Halls Gap und waren völlig überrascht: Tourismus pur! Überall Hotels, Motels, andere Unterkünfte und Shops. Das kleine Zentrum war voll auf den Tourismus zugeschnitten.

Nachdem wir die Touristeninformation besucht hatten, kehrten wir aber erst mal in die hiesige Craft Beer Brauerei ein. Bei diesem Wetter hatten wir Durst.

Bei der Hitze saßen alle im kühlen Schankraum.

Die moderne Brauerei “paper, scissors, rock” (dt. Schere-Stein-Papier)

Hier gab es sogar “Normales Bier” (Nummer 1) 😋

Das Thermometer kletterte bis auf 36°C. Ob wir morgen bei einer solchen Hitze eine große Tour machen, werden wir uns noch überlegen.

Wir fuhren zurück auf den Campingplatz und auch dort herrschte dichtes Gedränge. Offensichtlich hatte ich mit meiner Buchung noch Glück gehabt. Es sind noch eine Woche Ferien und der Platz war auch überwiegend mit Familien mit Kindern belegt. Ein ziemlicher Gegensatz zu den letzten Plätzen.


Trotz der vollen Belegung und der vielen Kinder wurde es abends relativ schnell ruhig. Heute wollen wir eine Wanderung in den Grampians machen (Montag, 24.01.2022). Da es heute wieder sehr heiß werden sollte, wollten wir relativ früh aufbrechen. Ziel war „The Pinnacle”, ein Lookout in 715 m Höhe direkt über einer großen Steilwand. Aber bis zum Startpunkt der Tour mussten wir noch ein paar Kilometer bergauf auf den „Wonderland“-Parkplatz fahren.

Die Felsnadel hoch über dem Tal

Von dort führt der Weg über 2,5 km und 360 Höhenmeter hinauf durch eine bizarre Felslandschaft. Da wir relativ früh ankamen fanden wir ohne Mühe einen Parkplatz für Rangie und machten uns wanderfertig.

Der Weg war gut beschildert und sehr gut ausgebaut. Das Wetter war angenehm, noch nicht allzu warm, aber die Sonne kam auch nicht gut durch die Schleierwolken. Wir stiegen langsam aber zügig nach oben.

Es gab viele sehenswerte Ausblicke. An manchen Stellen erinnerte mich die Landschaft an das Elbsandsteingebirge.

Besonders schön war die „Silent Street“ eine schmale Felsschlucht durch die es fast bis zum Schluss noch einmal gut nach oben ging.

Eingang zur “Silent Street”

Am Pinnacle angekommen waren wir nicht allein. Da dort drei Wanderwege unterschiedlicher Schwierigkeit hinführen, strömten sozusagen aus allen Ecken die Besucher. Der Ausblick vom schwindelerregenden Lookout war trotzdem sehr beeindruckend.

Nach einer kurzen Pause liefen wir auf einem anderen, etwas einsameren Wanderweg zurück.

Vorbei ging es an bizarren Felsformationen.

Nach drei Stunden waren wir wieder am Auto. Wir beschlossen, heute keine weitere Wanderung mehr zu machen, dafür waren die Temperaturen jetzt schon viel zu hoch. Ich hatte von einem See in der Nähe gelesen, in dem man auch gut schwimmen können soll. Also fuhren wir etwa 20 km bis zum Lake Fyans. Er ist künstlich angelegt worden. Man erkennt noch die vielen Bäume, die hier mal gestanden haben. Leider war das Wasser ziemlich bräunlich und trüb und lud nicht zum Baden ein.

Also fuhren wir kurzentschlossen zurück nach Halls Gap und gingen in das dortige kleine Schwimmbad. Es war voller Kinder und daher war schwimmen schwierig. Aber für eine Abkühlung reichte es allemal.

Zum Schluss belohnten wie uns mit einem Eis und fuhren dann zurück zum Campingplatz. Die Temperatur war inzwischen wieder auf 36°C geklettert.

Die Kakadus waren ständig auf der Suche nach etwas Fressbarem. Keine Teller und keine Tüte war vor ihnen sicher.

Um das Erlebnis „Grampians“ noch etwas abzurunden, wollten wir den heutigen Tag nutzen, um in und entlang des Grampians National Park zu fahren (Dienstag, 25.01.2022). Wir packten unsere Sachen zusammen und fuhren relativ früh los. Die Straße führte quer durch die Grampians und schraubte sich von 250 bis auf über 700 m hoch. Am Reeds Lookout gab es einen Parkplatz und wir stellten Rangie ab. Es waren nur wenige andere Autos da. Vom Lookout hatte man wunderschöne Blicke in die Berglandschaft der Grampians.

Blick vom Reeds Lookout

Vor dort aus gab es einen sehr gut ausgebauten und einfachen Weg zu den „Balconies“. Er war nur 1 km lang und schnell bewältigt.

Die „Balconies“ (Balkone) machten ihrem Namen alle Ehre und auch hier waren die Aussichten sehr schön. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit, es war wolkig und die Sicht nicht ganz so gut. Aber immer noch besser als Regen oder Nebel.

Mal wieder ein Panoramafoto:

Wir genossen die Ausblicke und gingen gemütlich zum Auto zurück.

Blick auf den Lake Wartook

Nächster Punkt war der Lake Wartook, ein Stausee, der bereits 1887 gebaut worden ist. Hier wird der Mackenzie River angestaut. Das Wasser dient als Trinkwasserversorgung der umliegenden Gegend. Es war sehr friedlich. Außer uns war keiner hier, nur die Kakadus krächzten wie immer.

Danach ging es ein kurzes Stück den Mackenzie River flussabwärts zu den Mackenzie Falls. Die Werbung für die Fälle hatten wir schon in Halls Gap gesehen und auch in unseren Prospekten wurden sie immer wieder als Ziel genannt. Am Parkplatz merkten wir, dass es wirklich ein Highlight sein muss, denn es standen unglaublich viele Autos da. Es gab verschiedene Möglichkeiten, sich den Wasserfall anzusehen.

Wir nahmen zuerst einen Weg, der uns eine Sicht von oben auf den imposanten Fall gewährte. Ich war vorher skeptisch, ob im Hochsommer überhaupt genug Wasser fließt, aber der Mackenzie River war gut gefüllt.

Danach nahmen wir einen anderen Weg, der uns über 260 steile Stufen hinunter an den Fuß des Wasserfalls brachte. Auch wenn sich hier die Besucher drängelten, war es doch sehr sehenswert.

Der Weg nach oben war dann ziemlich anstrengend, denn die Sonne schien schon wieder glühend heiß vom Himmel. Bei 33°C kamen wir am Auto an und genossen während der Fahrt nach Horsham unsere Klimaanlage.

Horsham ist das Verwaltungszentrum und hat etwa 16.000 Einwohner. Wir fuhren in die Innenstadt und suchten uns etwas zum Mittagessen. Wir hatten wohl wieder mal auf das falsche Pferd gesetzt, aber wir hatten etwas gegessen und Moni hatte keinen Bock mehr auf eine Stadtbesichtigung. Also war nur noch tanken angesagt und es ging entlang des westlichen Randes des Grampian Nationalparkes wieder nach Süden.

Rings um die Berge die flache Ebene mit gelben Feldern und Weiden

Mit ein paar Fotostopps fuhren wir durch bis nach Dunkeld, wo wir auf der Hinfahrt schon einmal durchgefahren sind. Auf dem einzigen, kleinen Campingplatz fanden wir einen schönen Stellplatz und erholten uns erst mal von der Fahrt. Zwischenzeitlich war die Temperatur bis auf 38°C gestiegen und auch jetzt gegen 18 Uhr waren es noch 36°C.

Morgen geht es zurück an die Küste und dann beginnt die Great Ocean Road!


Der heutige 26. Januar ist Feiertag – der Australia Day. An diesem Tag wurden 1788 in der Bucht von Sydney englische Flaggen errichtet und der Kontinent für die englische Krone in Besitz genommen. Damit begann aber für die „First Nations“, die Aborigines, eine lange Leidenszeit, die bis heute reicht. Daher werden die Proteste, den „Tag der Invasion“ abzuschaffen und einen neuen Feiertag zu finden immer größer. Ein paar Eindrücke von den heutigen Protesten gibt es hier. Und ein aktueller deutschsprachiger Artikel von der Internet-Seite der Welt mit weiteren Hintergründen findet sich hier.

Wir wollten heute das Kapitel Grampians abschließen und nach Port Fairy an die Küste fahren. Von dort aus geht es dann auf die berühmte Great Ocean Road (Mittwoch, 26.01.2022).

Abschied von den Grampians

Wir nahmen einen kleinen Umweg über Hamilton um unsere Lebensmittelvorräte etwas aufzufüllen. Danach ging es in des winzige Örtchen Macarthur. Dort gibt es eine kombinierte Destillerie, Brauerei und Weinverkostung. Eigentlich hatte sie Mittwoch geschlossen, aber ich spekulierte darauf, dass sie am heutigen Feiertag öffnen. Just als wir durch Macarthur fuhren, wurde das „Closed“ Schild am Wegweiser zur Brauerei abgehangen. Wir fuhren ein Stückchen aus dem Ort hinaus und fanden die Brauerei.

Dort wurde Wein, vor allem verschiedene Pinot Noirs, mehrere Sorten Gin und einige Biere verkauft. Insgesamt war die kleine Anlage wieder mal sehr sehenswert. Ich probierte ein Bier und nahm auch ein paar Flaschen mit.

Von der netten Verkäuferin bekamen wir noch einige Hinweise, was man hier in der Gegend unternehmen kann. Dazu gehörte auch der Budj Bim National Park, den wir auch schon in‘s Auge gefasst hatten. Das war nur 6 km entfernt und der Budj Bim entpuppte sich als alter Vulkankegel, in dessen Krater sich ein kleiner See befand, der Lake Surprise.

Wir stellten Rangie auf einem Rastplatz oberhalb des Sees auf dem Rand des Kraters ab und beschlossen, den ausgeschilderten Weg unten am See entlang zu laufen. Es war sehr schön, sehr ruhig.

Das einzige war die Hitze, das Thermometer war schon wieder weit über 30 Grad geklettert. Wir schwitzten mächtig und obwohl die Strecke nur 3 km lang war, reichte es uns schon.

Wieder oben am Camper angekommen kochten wir uns etwas zum Mittagessen und fuhren dann nach Port Fairy. Die Temperaturen waren auf 37°C geklettert.

Aber 10 km vor Port Fairy sank die Temperatur plötzlich unter 30°C und als wir am Campingplatz eingecheckt hatten, ging die Temperatur auf 20°C zurück. Die angekündigte Kalt- und Gewitterfront warf ihren Schatten voraus.

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