Eastern Gippsland und Sapphire Coast

Wir hatten am Vormittag unsere Runde auf der Great Alpine Road in Lake Entrance beendet und fuhren noch ein Stückchen weiter auf dem Princess Highway Richtung Osten (Mittwoch, 09.03.2022). Nunmehr sind wir im Eastern Gippsland. Weit wollten wir aber nicht mehr fahren. Unsere Wahl fiel auf das Dörfchen Marlo, direkt an der Mündung des Snowy Rivers in das Meer. Wir wollten zuerst vorsichtig schauen, ob es irgendwelche Einschränkungen durch den starken Regen der vergangenen Tage und der damit verbunden Flutgefahr gibt.

Es nieselte und regnete ab und zu.

Von Orbost führte die Straße parallel zum Snowy River und man sah, dass er sehr gut gefüllt war. In Marlo fanden wir auch gleich den Campingplatz, der auf einer Anhöhe lag und offensichtlich nicht flutgefährdet ist.

Wir stellten uns auf unseren Platz und konnten erst mal nichts machen, denn es regnete ziemlich stark, nur mit kurzen Pausen. Später beruhigte sich das Wetter etwas und wir konnten wenigstens noch einen kleinen Spaziergang entlang der Esplanade machen.

Stillleben am Snowy River
Am Ufer des Snowy Rivers

Abends haben wir dann den Fisch zubereitet, den wir heute Morgen gekauft haben, aber das war ein Flop. Als wir beide Fische aus der Verpackung genommen haben, haben wir festgestellt, dass sie weder ausgenommen noch entschuppt waren. Das Ausnehmen war nicht unbedingt das Problem, aber das Entschuppen.

Der Kampf mit dem Fisch

Ohne die Gefahr, den Camper mit kleinen Schuppen zu versauen, geht das nicht. Ich versuchte es noch, die Fische in einer großen Plastiktüte zu entschuppen, aber so richtig habe ich die Schuppen nicht abbekommen. Also haben wir sie einfach so gebraten und wollten die Haut nicht mitessen, aber das war eine einzige Fummelei. Viel Aufwand um nichts…


Heute steht die letzte Etappe in Victoria an, morgen werden wir die Grenze zu New South Wales erreichen, dort wo wir vor knapp 1 ½ Jahren angefangen haben (Donnerstag, 10.03.2022). Es sollte ein normaler Reisetag ohne besondere Höhepunkte sein. Aber direkt nachdem wir morgens losgefahren sind, gab es eine Überraschung (dabei blieb es aber im Laufe des Tages): die Straße nach Orbost zum Princess Highway war wegen Überflutung gesperrt.

Diese Straße sind wir gestern erst gefahren!

Wir standen vor dem Stoppzeichen und überlegten, was wir machen konnten, da hielt ein anderes Auto. Ich fragte den Fahrer, ob es eine Alternative gibt. Es gab eine, sie war auf meiner Karte als winzig kleine, aber asphaltierte Strecke eingezeichnet. Also kehrten wir um und fuhren diese Straße an der Küste entlang. Für mein Gefühl war sie sogar besser in Schuss, wie der Princess Highway, den wir nach ca. 30 km erreichten.

Von da ab ging es durch kalten Regenwald, mit vielen Eukalyptus- und Farnbäumen. Die Straße führte durch viele kleinere Nationalparks.

In dem Örtchen Cann River machten wir eine kleine Pause. Der gleichnamige Fluss durchfließt das Örtchen. Es liegt am Abzweig zum Monaro Highway, der nach Canberra führt. An diesem Dreieck hielten viele Camper und bevölkerten die Cafés, Bäckereien und Shops.

Cann River

Wir drehten eine kleine Runde und fuhren dann die letzten 70 Kilometer weiter bis nach Mallacoota. Die letzten 20 km mussten wir vom Princess Highway in Genoa (=Genua) abbiegen und in Richtung Küste fahren. Es gab einige Campingplätze und auf einem relativ kleinen checkten wir ein.

Nach dem Mittagessen machten wir einen kleinen Spaziergang an die Stelle, wo der Genoa-River in das Meer fließt (“Bastion Point”).

Aufgrund der Regenmengen der letzten Tage und Wochen führte der Genoa River sehr viel braunes Wasser, dass sich dort mit dem Meerwasser mischt. Ein interessantes Schauspiel, da die See auch sehr aufgewühlt war.

Der Strand war mit dichtem gelb-braunem Schaum bedeckt.

Wir gingen in das Örtchen zurück und direkt am Meer gab es noch einen riesigen Campingplatz, der sogar eigene Bootsanlegestellen für die Camper hat. Die Gegend schien auch wieder ein Paradies für Angler zu sein.

Die Angler nahmen gerade ihre Fische aus, umringt von hungrigen Pelikanen und Möwen.
An der überschwemmten Anlegestelle kann der Pelikan lange auf die nächste Abfahrt warten.

Am Nachmittag wurde das Wetter noch etwas besser und die Sonne kam ab und zu heraus. Aber es war trotzdem ziemlich kalt, so um die 18°C.


Die Nacht war wieder kalt, das Thermometer fiel unter 10°C (Freitag, 11.03.2022). Dafür gab es frühmorgens blauen Himmel und die Sonne schien. Ziel der heutigen Etappe war das kleine Örtchen Eden in New South Wales. Der Name gefiel Moni so gut und da ich auch noch einen Campingplatz mit dem Namen „Garden of Eden“ gefunden hatte, wollten wir dort übernachten. Nachdem wir schon im Paradies waren, nunmehr der Garten von Eden…

Wir fuhren relaxt von Mallacoota los und wollten an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Victoria und New South Wales stoppen, um dort ein schönes Bild zu machen. Zuerst ging es eine kleine Landstraße bis zur A1, dem Princess Highway, und dann dem Highway weiter in Richtung Norden.

Nach einer Stunde erreichten wir die Grenze und mussten feststellen, dass es keinen vernünftigen Rastplatz mit einem schönen Schild gibt, um ein Beweisfoto zu schießen. Enttäuscht fuhren wir weiter. Dann kam doch noch eine große Tafel, aber ich konnte nicht mitten auf dem Highway anhalten. Schade.

Leider nur im Vorbeifahren fotografiert.

Gegen 10:30 Uhr erreichten wir Eden, kauften ein paar Sachen ein und fuhren dann in das Visitor Centre am Hafen. Schließlich fuhren wir zum Campingplatz und konnten ohne Probleme einen Stellplatz im „Garden of Eden“ bekommen.

Nach dem Mittagessen wollten wir wieder einmal eine Craft Beer Brauerei besuchen. Die Longstocking Brewery befand sich in Pambula, einem Nachbarort von Eden. Die Brauerei war in “Oaklands Barn & Garden Centre”, einer Art Gartenzentrum untergebracht, zusammen mit einem Café und mehreren Läden mit handwerklichen Produkten.

Der Komplex war sehr gut besucht. Nach einem kurzen Besuch im Gartenzentrum gingen wir in die Brauerei. Sie war wieder nett gestaltet.

Für den Rückweg hatten wir noch zwei Stopps eingeplant, einmal den Besuch einer Austernfarm und einen Abstecher zu den Pinnacles, einer interessanten Felsformation an der Küste. Die Werbung der Austernfarm hatten wir auf dem Hinweg gesehen und hielten jetzt dort an. Aber große Enttäuschung: die Austern waren ausverkauft.

Hintergrund: aufgrund der Regenmassen gab es in den flachen Gewässern zu viel Frischwasser, so dass keine Austern geerntet werden können. Schade. Später fand ich dann auch den Hinweis auf deren Website:

Leider gab es auch beim zweiten Stopp eine Enttäuschung, denn die Wanderwege zu den Pinnacles waren wegen Bauarbeiten geschlossen. Wir schauten, ob man über den Strand an die Felsen kommt, aber es war nichts ausgeschildert und so richtig wohl war uns nicht, da wir nicht wussten wie es um die Flut bestellt ist und wir dann keinen Rückweg haben. Auch hier fand ich im Nachhinein einen Hinweis der Nationalparkverwaltung:

Also fuhren wir zurück auf den Campingplatz und da noch Zeit war, machten wir einen längeren Spaziergang in und um Eden.

Das “Killer Whale Museum”. Früher war Eden eine Walfängerstadt.
Eine ehemalige Kirche, die jetzt ein Museum zu Ehren von Mary MacKillup ist, der ersten australischen Heiligen.
Mit diesen Campingregeln kann ich mich anfreunden… (“Erhole und entspanne dich; esse etwas Gutes, mache etwas, woran du dich gern erinnerst; trink ein kaltes (Bier); mache öfters ein Schläfchen; schaue den Sonnenuntergang; wache mit einem Lächeln auf und und sitze (Abends) beim Feuer”).

Nachdem wir in der letzten Zeit wieder sehr viel gefahren sind, wollen wir heute in Eden einen Ruhetag einlegen (Sonnabend, 12.03.2022). Im Moment warten wir eigentlich nur noch auf das Datum des Verschiffens von Rangie. Zum Zeitpunkt der Überfahrt von Europa nach Neuseeland Ende 2019 war das kein Problem: die Fahrpläne waren 6…8 Wochen vorher bekannt und wir konnten damals sogar noch problemlos umbuchen, weil uns die erste Abfahrt dann doch zu früh war. Jetzt gibt es offenbar überhaupt keinen Fahrplan mehr und wir müssen darauf vertrauen, dass uns Seabridge einen Platz besorgen kann. Wir sind derzeit ca. 500 km von Port Kembla entfernt und können daher binnen eines Tages dort sein. Deshalb wollen wir uns auch in den folgenden Tagen (hoffentlich nicht Wochen) nicht mehr allzu weit von Port Kembla entfernen.

Für den Vormittag hatte sich Moni vorgenommen, wieder einmal „große Wäsche“ zu waschen und nachdem das erledigt war, belohnte sie sich mit einem Besuch des örtlichen Schwimmbades.

Ich ging in die „Stadt“ einkaufen und kochte dann was Schönes zum Mittagessen (Buletten mit Champignonsauce, Erbsen und Salzkartoffeln).

Gut gestärkt machten wir am Nachmittag noch einen ausführlichen Spaziergang durch Eden und entdeckten noch das eine oder andere.

Wir besuchten den Hafen und den Lookout.
Im Moment ist keine Saison für “Whale Watching”.

Das “Timber Workers National Memorial” ehrt die Waldarbeiter, die bei der Ausübung ihres Berufes ums Leben gekommen sind. Es wurde 2002 eingeweiht.

Im Mittelpunkt steht die Skulptur “Hand of fate”. Ringsherum waren Plaketten für die Opfer in der Mauer eingelassen. Das jüngste, was wir entdeckt haben, war erst 16 Jahre alt…

Morgen geht es noch ein Stückchen die Küste hinauf, dann wollen wir wieder einen Abstecher in die Alpen machen und soweit wie möglich an den  Mount Kosciuszko, den höchsten Berg Australiens mit 2.228 m Höhe herankommen.


Heute verlassen wir den „Garten von Eden“ und fahren zuerst noch ein wenig die Küste in Richtung Norden (Sonntag, 13.03.2022). Unser erster Stopp sollten die Pinnacles sein, die wir vorgestern versucht haben zu erkunden. Da der normale Wanderweg gesperrt ist, wollten wir versuchen, diesmal über den Strand dorthin zu gelangen. Die Gezeiten sollten passen. Da die kurze Straße vom Highway zum Wanderparkplatz ruppig ist, stellte ich das Auto am Highway ab.

Wir liefen zuerst die 1,5 km bis zum Wanderparkplatz. Dann gingen wir hinunter zum Strand.

Kurz vor dem Strand die große Überraschung: Der Weg in Richtung Pinnacles war durch eine große Felsspitze geschützt, die wir vorher von oben nicht gesehen haben. Kein Durchkommen!

Rechts war der Felsen.

Etwas frustriert traten wir den Rückweg an und nach einer Stunde waren wir wieder am Auto. Wir fuhren weiter auf dem Sapphire Coast Drive bis nach Tathra.

Park in Tathra

Dort stellten wir das Auto ab und machten einen kleinen Rundgang zum alten Hafen. Der Weg war neu ausgebaut und schön angelegt.

Der historische Hafen

Wir fuhren danach von der Küste weg in Richtung Berge. Hinter dem Örtchen Bega, wo wir unsere Mittagspause machten – übrigens mit leckerem selbstgemachten Känguru-Gulasch, Blumenkohl und Salzkartoffeln – führte die Route weiter auf dem Snowy Mountains Highway. Dann stieg die Straße steil an und in zahllosen engen Windungen kletterte Rangie wieder von Meeresniveau auf 1.100 m Höhe. Ganz oben war ein Lookout eingerichtet.

Blick vom Lookout

Allerdings gab es zu meiner Überraschung keinen eigentlichen Pass, sondern es begann ein Hochland. Die Landschaft veränderte sich völlig und erinnerte uns beide beim ersten Anblick an die Fahrten durch Tibet (natürlich ohne die 8.000er…).

Es ging in weitem Bogen durch die Hochebene – fast ohne Bäume und mit vielen Weiden, auf denen jetzt im Spätsommer vertrocknetes Gras stand. Wir kamen für unsere Verhältnisse ziemlich spät in Dalgety an, so gegen 15 Uhr nachmittags. Hier gab es den ersten Campingplatz seit Bega.

Er war relativ klein, aber schön und wir bekamen ohne Probleme einen Stellplatz.

Blick auf den Snowy River in Dalgety

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