FAZIT unserer Reise

Wir sind stolz! Wir sind stolz auf uns, dass wir nicht nur über unsere Träume geredet haben, sondern sie auch umgesetzt haben. Aller Widrigkeiten zum Trotz, die uns manchmal sehr, sehr viel abverlangt und fast zur Verzweiflung gebracht haben. Es war eben kein Dauerurlaub, auch wenn das die schönen Blogbilder öfters suggeriert haben, sondern es war unser Leben. Mit vielen Höhen und manchen Tiefen. Und ich glaube, die meisten der Leser/Leserinnen des Blogs wollten nicht unbedingt ihr Leben mit dem unseren tauschen.

Wir haben in den 2 1/2 Jahren unglaublich viel erlebt. Wahrscheinlich brauchen wir die gleiche Zeit , um das alles erst einmal setzen zu lassen und zu begreifen, was man eigentlich gesehen und erlebt hat. Manche Dinge konnten wir nicht machen – mal war es das Wetter, mal war es Corona, mal war es der falsche Zeitpunkt oder es war auch manchmal einfach zu teuer. “Alles sehen” geht auch in mehreren Jahren nicht (für diese Erkenntnis hat Moni eine Weile gebraucht).

Wir hatten unglaublich viel Glück, dass wir unsere Reise wenige Monate vor dem Ausbruch der Corona-Krise begonnen haben und sie mit nur wenigen Einschränkungen fortsetzen konnten. Für deutsche Verhältnisse ist es sicherlich unglaublich, dass wir bisher keinen einzigen Corona-Test haben machen müssen. Während unserer gesamten Reise nicht! Als notwendig und gut haben sich aber unsere Impfungen erwiesen. In den letzten Wochen wurde in Restaurants, Geschäften und auch auf einigen Campingplätzen die 1G-Regel angewandt: ohne Impfung kein Zutritt. Für uns waren die Impfungen übrigens kostenfrei.

Gesundheit

Wir haben diese Zeit ohne bleibende gesundheitliche Blessuren überstanden. Wir sind nie krank gewesen und hatten auch nie eine Erkältung. Was im Übrigen fast an ein Wunder grenzt, denn wie oft sind wir durch Regen oder Kälte über den Campingplatz gelaufen und haben uns in kalten Sanitäranlagen herumgetrieben. Ich war nur einmal wegen eines gebrochenen Zahns beim Zahnarzt, ansonsten haben wir ab und zu mal Medikamente gebraucht, aber das war es auch schon.

Auto

Das Einschneidenste war aber die Unzuverlässigkeit unseres Ford Rangers. Natürlich haben wir mit der einen oder anderen Panne gerechnet, aber mit der Häufigkeit und der Schwere – ich erinnere an den Totalschaden des Motors – hatten wir nicht gerechnet. Auch das war ein Grund, nunmehr nicht weiter zu reisen. In Namibia oder in Südamerika wären einige Sachen wahrscheinlich nicht lösbar gewesen oder nur mit viel mehr finanziellen, organisatorischen und zeitlichem Aufwand zu regeln. Daher haben wir, soweit es ging, im Verlauf der Reise auch keine großen Outback-Strecken mehr gemacht und zum Beispiel auch auf die Gibb River Road in West-Australien verzichtet. Es ist eben auch ein wesentlicher Unterschied, ob man mit einem Mietauto unterwegs ist (“da rufe ich eben mal an”) oder mit dem eigenen Auto. Zudem würde ich heute einen Unterschied machen zwischen einem normalen Allrad-Fahrzeug/4WD und einem tatsächlich Outback-fähigem Auto für Australien. Nicht umsonst gibt es hier viele Firmen wie ARB 4×4, die solche Aufrüstungen vertreiben. Auch ein Mitarbeiter von Ford, den wir zufällig getroffen haben, erzählte uns, dass sie für den Ford Ranger spezielle Umrüstungen vornehmen mussten, damit diese in den Bergbaugebieten Australiens eingesetzt werden konnten. Mit der Kabine im Huckepack wird das Fahren im Outback dann sowieso noch einmal schwieriger.

Sprache

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sprache. Sowohl in Neuseeland als auch in Australien hatten wir sehr oft Probleme, die Leute zu verstehen. Auch nach 2 1/2 Jahren kam es noch oft vor, dass man auch bei einfachen Fragen passen und nachfragen musste. Bei mir wurde es zwar besser, aber bis zu einer fließenden Kommunikation wäre es noch ein ganzes Stückchen. Das war um so tragischer, da das Hauptkommunikationsmittel der Australier das Telefon ist. Es gibt zwar E-Mail-Adressen, Web-Sites über die man kommunizieren kann, SMS oder auch Social Media-Dienste wie WhatsApp, aber zu 80% werden sie nicht bedient, auch wenn sie vollmundig beworben werden. Eine Ursache für unser verbesserungswürdiges Englisch ist natürlich auch, dass wir untereinander den ganzen Tag deutsch sprechen und nur bei Bedarf zur Kommunikation mit anderen englisch. Wenn man alleine reist oder hier arbeitet, ist dies sicherlich anders. Übrigens waren die Nachbarn auf den Campingplätzen aber auch sehr oft Leute, mit denen wir nicht unbedingt ins Gespräch kommen wollten… Aber insgesamt hat es gereicht, dass wir alle Probleme lösen konnten und uns z.B. auch im Formular-Dschungel der australischen oder neuseeländischen Behörden zurecht gefunden haben. Und zum Schluss klappte auch das Telefonieren ganz gut.

Wohnkabine und Pick-Up

Das ist ein sehr schwieriges Kapitel, denn auch nach 2 1/2 Jahren bin ich mir nicht 100%-ig sicher, ob das Konzept absetzbare Wohnkabine plus Pick-Up das Beste für unsere Zwecke war. Wenn wir unseren Camper in Australien gekauft hätten, hätte ich mir einen Pick-up mit Flatbed zugelegt. Also einen Pick-up ohne durch Seitenwände abgeschlossene Ladefläche, sondern tatsächlich eine ebene Fläche. Damit wird das Auf- und Absetzen wesentlich einfacher und man dann auch die Befestigungen der Kabine von außen erreichen kann und nicht sehr umständlich von innen durch relativ kleine Öffnungen. So bekommt man auch zusätzlichen Stauraum. Dafür gab es in Australien eine Reihe von guten Lösungen.

Und natürlich hätte ich mir entweder einen stärker motorisierten Ford Ranger oder lieber einen Toyota Landcruiser bzw. einen Toyota Hilux gekauft. Aber es ist wie immer, erst wenn man die entsprechenden Erfahrungen gesammelt hat, weiß man, ob man die richtigen Entscheidungen getroffen hat.

Campingplätze

Die Campingplätze waren sehr unterschiedlich, vom einfachsten Platz mit Plumsklo bis zum modernen Campingplatz mit hervorragenden Sanitäranlagen war alles dabei. Nervig war, dass sehr viele Sanitäranlagen mit Zahlen-Schlössern ausgestattet sind. So musste man sich jeden Tag einen neuen Code merken. Am besten noch mit weiteren Codes für die Schranke am Eingang oder für den Wifi-Zugang. Manchmal gab es auch extra Schlüssel, die man dann mitten in der Nacht nicht vergessen sollte…
Die Ausstattung mit den Camp Kitchen war ebenfalls sehr unterschiedlich. Auch da gibt es alle Varianten, vom einfachen Waschbecken bis zur kompletten Küchenzeile. Fast überall gab es aber Gas-Grill-Möglichkeiten. Die meisten Campingplätze haben auch Waschmaschinen und Trockner. Wobei die Waschmaschinen meist nur mit kaltem Wasser laufen, so dass der Wascherfolg manchmal sehr mangelhaft war. Auch die Trockner hielten nicht immer, was der Name versprach. Interessant war, dass es in Australien kaum Gemeinschaftsräume oder Aufenthaltsräume gab, die in Neuseeland zum Standard gehörten. Dies ist sicherlich auch dem kühleren und regnerischen Klima geschuldet.

Sicherheit

Beide Länder sind sehr sichere Reiseländer. Wir hatten bis auf ein oder zwei Ausnahmen in Neuseeland nie das Gefühl, dass wir irgendwie gefährdet waren. An vielen Campingplätzen gab es zwar Hinweise, dass man Abends seine Sachen einräumen soll, aber das haben wir sowieso gemacht. Großer Ausreißer war natürlich der Diebstahl im Hafen von Port Kembla, wo unser Camper fast komplett ausgeräumt worden war. Aber im täglichen Leben mussten wir in den 2,5 Jahren keine Erfahrungen mit Taschendieben wie z.B. in Rom oder auch einmal in Saigon/Ho-Chi-Minh-Stadt machen. Meine Lenkrad-Kralle habe ich jedenfalls umsonst mitgenommen.

Zusammenleben

Das Zusammenleben auf 8 m² war nicht einfach, aber wir haben es gemeistert. Natürlich hat es ab und zu “geknirscht”, denn wenn man z.B. bei Regen den ganzen Tag im Camper hockt und vielleicht noch vor vielen Problemen steht, ist die Grundstimmung schon mal ziemlich getrübt. Viel mehr will ich das Thema nicht auswalzen.

Alter

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, das man eigentlich eine solche Reise viel früher machen muss, wenn man in den 30ern oder 40ern ist. Wir konnten dies nicht mit unseren Familien- und besonders dem Berufsleben vereinbaren. Wer irgendwie die Chance und natürlich auch den Mut hat, so etwas eher anzugeben, sollte dies unbedingt tun. Wir sind mit 65 gestartet und mit zunehmender Reisedauer haben wir gemerkt, dass wir keine 18 mehr sind. Der einzige Vorteil: wir haben alle Senioren-Rabatte mitgenommen, die wir bekommen konnten!!

Kommunikation

Extrem wichtig ist die Internet-Kommunikation, denn fast alles was man regeln muss, läuft über das Internet, sei es E-Mails, SMS, WhatsApp, Skype, Zoom o.ä. und normalen Zugriff auf Webseiten. Wir haben uns in Neuseeland und Australien SIM-Karten besorgt und hatten uns beide dafür im Vorfeld Dual-SIM-Smartphones besorgt. Die deutsche Nummer/SIM-Karte haben wir insbesondere für das Online-Banking gebraucht. WiFi ist auf den Campingplätzen oft vorhanden, aber meist grottenschlecht, da waren wir mit den Prepaid-Karten wesentlich besser ausgestattet.
Zum Schluss gab es einige Schwierigkeiten, weil einige deutsche Firmen ihren Zugang zusätzlich sicherheitstechnisch aufgerüstet hatten. So ist man mit einer australischen Internetadresse und deutscher Mail-Adresse schon mal suspekt. Abhilfe würde hier eine (meist kostenpflichtige) VPN-Verbindung bringen. Wer eine solche Reise macht, muss darüber auf jeden Fall nachdenken.

Soziales

Unsere ursprüngliche Vorstellung, dass wir etwa 1x im Jahr nach Deutschland reisen, um unsere Kinder, Enkel, Verwandte und Freunde zu besuchen, wurde durch Corona schnell beiseite geschoben. Eine Rückkehr nach Deutschland hätte immer auch Abbruch der Reise – unseres neuen Lebens – bedeutet. Abgesehen davon hätten wir wahrscheinlich gar nicht die finanziellen Mittel gehabt, denn für die vielen Auto-Reparaturen haben wir eine Menge Euros hinblättern müssen, die wir in der Höhe nicht eingeplant hatten. Man muss ja auch die Folgekosten sehen, z.B. die Abschleppkosten oder dass wir uns dann immer eine Wohnung oder eine Kabine als Unterkunft nehmen mussten. So blieb uns nur die Kommunikation über die elektronischen Medien und obwohl es meist technisch gut funktioniert hat, kann es über längere Zeit keinen persönlichen Kontakt ersetzen. Zudem merkt man, dass der Freundeskreis langsam zur Freundesspirale wird und man aus dem Blickwinkel der in Deutschland Gebliebenen rückt. Auch wenn es durch WhatsApp und Vergleichbarem etwas gemildert wird, die Schnittmenge der gemeinsamen Probleme bzw. Interessen wird immer kleiner. Nach den 2 1/2 Jahren ist das noch überschaubar, aber wenn eine solche Reise dann wesentlich länger geht, ist es ein echtes Problem.

Post

Ein besonderes Problem ist der Empfang und der Versand von Post-Sendungen. Die Post-Laufzeiten besonders in Australien sind extrem lang. Ein einfacher Brief innerhalb Australiens kann dann schon mal 2 bis 3 Wochen unterwegs sein! Hier redete sich die Post derzeit immer mit Corona-Problemen heraus, die zu Verzögerungen führten. Besonders problematisch ist der Empfang von Postsendungen. Als Camper will man ja nicht 2 bis 3 Wochen auf einem Campingplatz stehen bleiben, nur um auf einen Brief zu warten. Zum Schluss hatte ich mir eine Post-ID besorgt, mit der man sich Post an ein bestimmtes Postamt schicken lassen kann (früher “postlagernd”).

Wir haben eine Reihe von Pakten mit Souvenirs nach Deutschland geschickt, die alle nach 2 bis 4 Wochen angekommen sind. Allerdings ist es selbst beim Standardversand ziemlich teuer, etwa 70 bis 80 € für ein Paket von 5 bis 7 kg.

Damit steht auch die Möglichkeit von Bestellungen im Internet im Zusammenhang. Wir wollten anfangs ab und zu etwas im Internet, z.B. bei Amazon bestellen. Die Lieferzeiten sind gigantisch, denn neben den Postlaufzeiten kommt dazu, dass Amazon scheinbar keine großen Lager in Australien hat und alles von Übersee geschickt werden muss. Also ist dies keine brauchbare Alternative.

Sonstiges

Kleine Sache, aber große Auswirkungen: Mit meiner selbst gestalteten Visitenkarte, die alle Daten enthielt, die die Campingplätze beim Einchecken immer wieder abfragen, habe ich immer schon mal einen Pluspunkt an der Rezeption gehabt. Gerade bei unseren deutschen Namen und der deutschen Adresse gab es sonst regelmäßig Kommunikations- bzw. Erklärungsprobleme.

Und ganz zum Schluss – die leidigen Finanzen

Die Reise war sehr viel teurer als wir erwartet hatten. Die Lebenshaltungskosten sind insbesondere in Australien viel höher als in Deutschland. Dazu kamen natürlich die vielen Sonderausgaben, die wir im Zusammenhang mit dem Auto hatten, seien es direkte Reparaturkosten oder auch mittelbare Kosten, wie die Unterkünfte, die wir buchen mussten. Auch der Geldtransfer von Deutschland in das Ausland bzw. die Gebühren für die Benutzung unserer Kreditkarten haben uns im Durchschnitt mehr als 100 € Gebühren jeden Monat gekostet. Egal wie man es wendet: mit PayPal bezahlen, Konto in Australien einrichten o.ä., ganz ohne Gebühren geht es nicht und es muss ja auch noch handhabbar sein.


Statistiken

  • Reise-Zeitraum:
    • Taiwan: 28.11.2019 bis 05.12.2019 = 9 Tage
    • Neuseeland: 06.12.2019 bis 27.11.2020 = 357 Tage
    • Australien: 28.11.2020 bis 13.04.2022 = 501 Tage
    • Singapur: 14.04.2022 bis 21.04.2022 = 8 Tage
  • Kilometer mit Rangie:
    • Neuseeland: 22.143
      • davon Nordinsel 14.722
      • davon Südinsel 7.929
    • Australien: 53.860
    • Gesamt: 76.003
  • Zeltplätze:
    • Neuseeland: 154
    • Australien: 271
  • Quartiere (AirBnB/Motel):   
    • Neuseeland: 70 Tage ohne Lock Down, 119 Tage mit Lock Down,
      d.h. fast 1/3 des Aufenthaltes
    • Australien: 91 Tage
  • Blog-Beiträge: 190 Beiträge mit 4.213 Bildern

Comments

  1. Kerstin Aue

    Trotz der vielen Widrigkeiten habt ihr viel tolles erlebt. Davon werdet ihr mich lange zehren.
    Schön dass ihr gesund wieder zurück seid.

    1. Irmgard

      Da wir auch schon das Glück hatten, 3x in Australien gewesen zu sein, habe ich eure Reise jeden Tag mit besonderem Interesse begleitet. Mein erster Weg war jeden Tag zum Handy um neue Fotos und Infos zu bekommen. Natürlich ist ein Aufenthalt von 5/6 Wochen jeweils kein Vergleich. Trotzdem habe ich euch jeden Tag beneidet und vermisse jetzt jeden Tag eure Reiseinfos. Ich danke euch vielmals für die täglichen Infos eurer Reise. Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen. 😘

  2. Knuepfer

    Willkommen zurück in Deutschland und vielen, vielen Dank, dass wir an dieser Reise, diesem Abenteuer durch die wirklich hervorragend geschriebenen wie auch interessant gestalteten Beiträge teilhaben durften und konnten. Bewundernswert, wie Ihr das alles gemeistert habt ( Bsp. Auto) und dass Ihr alles (s. Statistiken) vor allem gesund und wohlbehalten bewältigt habt. Liebe Grüße
    Holger Knüpfer & Katrin Gasch

  3. Dörte

    Ich vermisse jetzt schon das tägliche Schauen nach neuen Statusbildern.
    Ich freue mich, dass ihr gesund zurück seid!!

  4. Inke

    Ihr Lieben, jede Zeile eures hervorragenden Fazits habe ich in den letzten Jahren in den täglichen Fotos und regelmäßigen Beiträgen schon ahnen können – jedenfalls rückblickend und vom Ende her gesehen. Sozusagen als Sofa-Beobachter. Ich war genauso begeistert, fasziniert, romantisch, hatte Heimweh, war sauer oder verzweifelt und bin trotzdem optimistisch geblieben. Ein ehrlicher und cooler Rückblick, der Enthusiasten anspornen wird und Vorsichtigere aufatmen lässt, dieses Abenteuer nicht ernsthaft in Erwägung gezogen zu haben. Ich bin dankbar, dass ihr diese Zeit mit uns geteilt habt! Gerade in den letzten zwei Jahren war es so gut, durch eure Bilder zu sehen, dass sich die Welt jenseits von Home-Office und wohnungsnahen Spaziergängen weiterhin in voller Schönheit präsentiert. DANKE!

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